20. Februar 2016

Frieden ??

Wir sprechen immer wieder vom Frieden. Hier und anderswo. Und viele Beiträge unserer Tage zeigen ja auch wirklich, dass wir alle den Frieden wollen! Aber:
Solange der Mensch auf diesem Planeten existiert, hat es keinen Frieden gegeben. Und wird es auch mit Sicherheit nicht. Weil es eben immer irgendwelche realen oder eingebildete Feinde geben wird: 

Das Volk jenseits der Grenze, welches anders aussieht wie ich!
Die andere Partei, die etwas völlig anderes für das Volk will, als ich es möchte!
Der Ausländer am Arbeitsplatz, der eine andere Religion hat wie ich.
Der Nachbar nebenan, dessen Obstbäume in meinen Garten hineinreichen!
Der Mensch im Nebenzimmer, der plötzlich eine eigene Meinung hat, die meiner entgegensteht!

Müssen wir noch mehr Beispiele aufzeigen, um zu beweisen, dass Frieden ein großes Wort ist, aber auch nicht mehr? Wir Menschen, ohne Ausnahme, wir alle sind ständig in uns selber gespalten, wir sind gut und wir sind böse!

Es gibt da eine Geschichte von einem alten Indianer,
der zu seinem Enkel sprach: 
»In meinem Herzen kämpfen zwei Wölfe miteinander. Der eine Wolf ist böse. Der andere Wolf kämpft für das Gute.« 
Der Enkel wollte dann wissen, welcher Wolf den Kampf gewinnen wird. Darauf antwortete der alte Indianer:
»Der Wolf, den ich füttere.« 

Was soll uns diese Geschichte sagen? In jedem Menschen gibt es seine dunklen Seiten, seine Aggressionen. 

Es kommt letztendlich bei jedem Menschen darauf an, wie weit er seine Aggressionen kontrollieren kann und damit seine hellen und positiven Seiten in den Vordergrund stellt. 
Dass irgendwann einmal nur noch friedliebende Menschen auf diesem Planeten leben, ist eine unrealistische Traumvorstellung. Jedoch sollten wir ohne Pause daran arbeiten, diesem Ziel möglichst nahe zu kommen. Sicher werden wir es nicht erreichen, aber wir können alles dafür tun, dass die Träume nicht nur Utopie bleiben.

»Wir müssen uns als Mitglieder derselben menschlichen Familie auf diesem kleinen Planeten begreifen. Wenn wir in der Lage sind, dies aufrichtig und weltweit zu tun, dann gibt es Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden auf Erden.« 
meint der 14. Dalai Lama- 

Welch ein Wunschtraum! Sagt dieser Dalai Lama damit
etwas Außergewöhnliches? Sicher nicht. Denn solche
Wünsche hören wir täglich von allen Seiten.
Dieser Mann jedoch hat ja keinerlei Verantwortung für
irgendjemand, er kann große Worte gelassen aussprechen, ohne irgendwie dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

»Es herrscht kein Friede (in Südafrika), weil es keine Gerechtigkeit gibt.  Es kann keinen wirklichen Frieden und Sicherheit geben, solange nicht zuerst allen Einwohnern dieses schönen Landes Gerechtigkeit widerfährt.« 
sagte Desmond Tutu, der alte Bischof und Prädident.

Das, so meine ich, ist eher eine reale Differenzierung der tatsächlichen Gegebenheiten. Friede ist machbar, gewiss. Aber ohne Gerechtigkeit unmöglich!


Dietrich Bonhoeffers Aussage schon 1932 zeigt das ebenfalls schon auf:
 »Weil es wahren Frieden nicht ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt, deshalb ist die Ordnung des äußeren Friedens nicht zeitlos gültig, sondern jeweils durchbrechbar...,« 

Wir kämpfen alle für den Frieden, für den Frieden nach unserem Verständnis.
(Wobei das Wort »kämpfen« eigentlich wieder eine antonyme Bedeutung hat.)
Ist das aber auch der Frieden, den mein Nachbar meint?
Oder anders gesagt: 
Ist sein Frieden auch mein Frieden? 


©by Wildgooseman

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Kommentare:

  1. Das ist die große Frage,lieber Horst, meint mein Nachbar auch den Frieden den ich meine. Deinen Text kann ich sehr wohl nachvollziehen und den Aussagen der Philosophen recht geben. Frieden ja , den wünsche ich mir auch, überall in der Welt wird es ihn nicht geben, aber ich versuche ihn um mich herum zu halten, und da wo ich lebe wünsche ich ihn mir zuerst.Ich denke drüber nach, was Du geschrieben hast ist wertvoll für mich.
    Liebste Grüße an Dich und die Umgebung, Klärchen

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  2. Herzlichen Dank, Klärchen.
    Vielleicht sollte man anders fragen: Was " ist" denn der Friede?
    Ist es nur das Fernbleiben des Krieges? Ist es Friede, wenn ich in Ruhe meine Frühstücksbrötchen
    verzehren kann, während andere Menschen verzweifelt stundenlang anstehen, um nur eine Kanne
    voll Wasser zu bekommen?
    Ach Claire, ich weiss manchmal auch nicht mehr, wie es alles weitergehen soll...
    Deswegen aber - und dennoch - liebe Grüße aus Ostrhauderfehn von uns "Neubürgern",
    Tschüss, mien Wicht!

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]