23. Mai 2016

Ein schöner Tag

Ein schöner Frühsommertag. Ist es hier im Park nicht herrlich? Die Sonne lacht, es ist nicht zu warm, nicht zu kalt. Toll. Man bekommt so richtig Lust, der Natur zu folgen und die verschwiegenen Pfade des Parks zu entlang zu wandern. 
Dort die alte Bank lädt mich zu einer Rast ein. 
Da, wenn du das hören könntest, eine Amsel singt ihre wunderbare Melodie, auch wenn es vielleicht immer gleich klingt, es erscheint trotz allem jedes Mal anders. Und dort in dem uralten Baum das Eichhörnchen. Das Tierchen im rot-bunten Fell huscht zwischen den Zweigen der hohen Buche herum. Immer auf der Seite, die mir abgewandt ist. Wer gibt ihr das wohl ein?
Dann dort auf dem Rasen die schwarze Dohle, ihr grauer Schopf leuchtet hell vor ihrem schwarzen Federkleid! Nun schaut sie zu mir herüber, was mag sie denken? Denkt sie überhaupt? Jetzt wirft sie mit dem Schnabel einen Stein auf den Gehweg. So etwas sah ich noch nie.
Konrad Lorenz würde sagen, das ist eine Übersprunghandlung! Schade, dass ich mich mit dem Vogel nicht unterhalten kann. Das müsste spannend sein. Ich würde mich gern mit ihm über die Menschen unterhalten. Ob die Dohle negativ über mich denkt?
Warum interessiert mich das eigentlich, was ein schwarzer Vogel über mich denken würde?

Hah, ich glaube ich spinne. Ja, aber trotzdem, was denkt er wohl über mich? Ob er weiss, dass ich ihn mag? Nein, sicher nicht, woher wohl.
Es sind kaum zehn Schritte, die mich von ihm trennen. Jetzt bloss keine hastigen Bewegungen machen, ich möchte gern, dass er näherkommt.

Tatsächlich, der Schwarze ist nur noch ein paar Meter von mir entfernt. Er schreitet - ganz recht, er schreitet auf der Rasenkante des Weges entlang auf mich zu. Die schwarzen Äuglein beobachten mich aufmerksam.
Da liegt ein kleiner Zweig auf dem Weg. Der Vogel hüpft von der Steinkante herunter, geht um den Zweig herum, fasst ihn mit dem Schnabel am dünnen Ende und zieht ihn vom Weg herunter auf den Rasen! Parkreinigung auf Vogelweltart, man glaubt es nicht, wenn man es nicht gesehen hat.
Nun sitzt das Tier auf dem Rasen, sucht irgendetwas zwischen den Grashalmen, wirft dabei den Kopf in die Höhe zupft dann etliche längere Grashalme aus dem Rasen.
Plötzlich kribbelt es in meiner Nase, ein starker Niesreiz quält mich, ich versuche ihn zu unterdrücken, vergeblich! Ohne Vorwarnung für die Dohle entlädt sich eine gewaltige Eruption. Erschrocken und mit voller Lautstärke schimpfend flattert der Vogel davon. Zwischen den Bäumen heraus höre ich ihn noch weiter motzen. Ich kann ihn gut verstehen. Jetzt ist sein Urteil über mich wohl nicht mehr so positiv, wie ich vorher annahm. Na gut. War halt höhere Gewalt.
Plötzlich ist das Eichhörnchen wieder da, emsig und nur in ganz kurzen Abständen einhaltend, jagt es über den Rasen zum nächsten Baum.
Warum lässt man es nicht für Deutschland bei den Olympischen Spielen starten? Da wäre man bestimmt sicher, dass es nicht unter Dopingverdacht gerät ...
Bevor ich nun  noch ganz anfange, zu spinnen, werde ich noch ein paar Kilometer wandern. Auf Wiedersehn, ihr fröhlichen Parkbewohner!
 ©by Wildgooseman
»Nein« spricht die Dohle, schwarz und klein,
»Ich will jetzt keine Dohle seyn!
Gleicht mein Gefieder nicht der Kohle,
so glänzend schwarz und silberrein?
Beym Himmel auch, nicht eine Dohle,
Nein eine Amsel muss ich seyn!«

Sie sprachs. Da fing die Amsel an
zu singen ihre Frühlingslieder;
Die Thörin krächzt ihr nach und man
Erkennt mit Spott die Dohle wieder.

Wie einen Vogel am Gesang,
So kennt am Wort man deinen Rang;
Kein Kleid macht dich geehrt und groß,
bist du verdienst- und bildungslos.


(Josef Sigmund Ebersberg 1799-1854)
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Kommentare:

  1. Lieber Horst,
    denken Vögel, sie folgen sicher ihrem Instinkt um zu überleben. Mir würde es wie Dir gehen, man möchte sie nicht stören nur beobachten und ist dabei völlig entspannt, denkt an nichts Böses, das ist das Schöne in der Natur, egal welches Tier, oder ein Blatt, ein Baum, eine Blüte, unsere Sinne werden positiv gelenkt, ohne das wir daran denken. Man beobachtet mit fotografischen Augen und sieht die Schönheiten auf dem Weg, dabei kann man sich amüsieren so wie Du, spinnen tun nur die Spinnen...lach, da geht einfach die Phantasie durch und das ist schön!
    Herzliche Grüße zu Dir, Klärchen

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  2. Wie wahr, wie wahr - Klärchen.
    Aber Fantasie ist nicht bezahlbar. Wie sollte man sonst Geschichten schreiben,
    es wären nur leblose Aufsätze, nicht? Danke Dir und einen wunderbaren Sonntag,
    sagt Horst

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  3. wunder...wunderschöne kleine stille Beobachtungen in der natur, du nimmst dir die zeit und deine offenen Sinne dazu lieber Horst und empfängst wunderbares....
    beneidenswert und viele wissen nicht einmal dass so Schönes und einmaliges nicht wiederholbares uns jeden Tag, ja jede Stunde passieren kann wenn wir bereit sind hinzusehen..
    lauschen ---sehen..
    horchen..
    haben leider
    viele verlernt
    und schieben es auf die schnellebige Zeit
    dabei sind es doch nur die verhärmten und eingestaubten Sinnempfindungen die fehlen...
    dir einen schönen Tag, jetzt geh ich weiter stöbern bei dir...
    Blatt für Blatt und sehe nach was es für mich
    von dir
    für Köstlichkeiten hat..
    herzlichst Angelface

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  4. Ach Engelchen, was ist schon unser eigenes Leben gegen die Natürlichkeit des Lebens um uns herum?
    Ich danke dir für deine lieben Worte.
    Gute Eindrücke in der Natur
    um dich herum --
    wünscht Horst

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  5. Ach Engelchen, was ist schon unser eigenes Leben gegen die Natürlichkeit des Lebens um uns herum?
    Ich danke dir für deine lieben Worte.
    Gute Eindrücke in der Natur
    um dich herum --
    wünscht Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]