4. August 2016

Gedenkstätte?


 Wie ein gewaltiges Monstrum ragt das mächtige Dreieck in den blauen Himmel. Als wäre es für die Ewigkeit gebaut, ein Mahnmal gegen Tod und Verderben, gegen den Kampf Bruder gegen Bruder, gegen Gewalt und Hass.
Erinnerungen werden wach beim Anblick dieses Bauwerks, das bereits 1927 geschaffen wurde als Erinnerung an die Toten der Marine des Ersten Weltkriegs. Man wollte erinnern an die Gefallenen der Seeschlachten dieses unseligen Krieges, an die vielen Männer und Söhne, die seinerzeit aufgeputscht und begeistert in den Krieg zogen, der ihnen vom Obrigkeitsstaat aufgezwungen wurde.
Es sollte ein Mahnmal werden, zur steten Erinnerung! Das jedoch ging dann voll daneben. Es wurde eine »Heldengedenkstätte«. Und dann, man hatte nichts aus der Vergangenheit gelernt, reihte sich nach knapp 21 Jahren der Zweite Weltkrieg nach dem gleichen Schema in diese verbrecherische Geschichte ein. Und wieder starben Hunderttausende von Marineangehörigen aller kriegführenden Staaten für ihre Politiker, die sie auf beiden Seiten wieder in den Krieg trieben. Die fadenscheinigen Sprüche, die mit »Vaterland verteidigen« begannen und mit »bis zum letzten Mann« endeten. Niemand der Matrosen und Offiziere wurde gefragt, keiner der Toten, die hier geehrt wurden, konnte seine Meinung dazu äußern!
Marine-Ehrenmal, im Grunde geplant als ein Gedenkort für die Toten des Krieges.
Bei der Einweihung im Jahre 1936 hieß die Widmung (nach Wikipedia)
„Für deutsche Seemannsehr’
Für Deutschlands schwimmende Wehr
Für beider Wiederkehr“

Es war ein eindeutiger Aufruf zur Revanche auf die »Schmach des Versailler Vertrags«, der dann von den Machthabern des Nationalsozialismus sofort umgemünzt wurde.
Ab 1954 trat dann ein Bedeutungswandel auf, der sich auch in einer Umwidmung dieses Mahnmals niederschlug. Und ab 1996 lautet diese neue Widmung nun: (ebenfalls nach Wikipedia)
„Gedenkstätte für die
auf See Gebliebenen
aller Nationen
Mahnmal für eine
friedliche Seefahrt
auf freien Meeren“


Endlich war die verherrlichende Seite dieses Ehrenmals abgeschlossen und die ursprüngliche Form in das Bewusstsein getreten. In der unterirdisch angelegten Gedenkhalle wird man sich dessen bewusst, an welche Geschehnisse hier erinnert und gemahnt werden soll.
Auf einem großen Areal befinden sich viele einzelne Gedenkstätten für unzählige Schiffe und für Menschen, die in den bitteren Kriegen auf allen Seiten und allen Meeren ihr Leben ließen.
Bei einem Gang durch dieses gewaltige Rondell eröffnet sich die Tragik dieser Gedenkstätte mit dem Gedenken an all die Opfer, die diese Seekriege mit sich brachten.

Es liegt an uns, den Nachfahren jener Toten, dass dies ein Gedenk- und Mahnort ist und bleibt und nicht zu einer Wallfahrtsstätte der Ewiggestrigen wird. Denn das wäre diesem Ehrenmal - man mag es gelungen finden oder nicht - nicht zu wünschen.

©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. Bei uns gibt es auch Diskussionen über Gedenkstätten, es gibt ja viele in jedem kleinen Ort. Nur sie werde einmal im Jahr besucht und das wars, kaum jemand kennt sie. Die großen Mahnmahle ragen in den Himmel, sollten ermahnen, dass keine Menschen mehr sterben in Kriegen die überflüssig sind.
    Aber was machen die Menschen, sie bekriegen sich bis alles vernichtet ist und in Asche liegt, heute , wie damals. Da gilt es nur, den Hass bekämpfen und Liebe und Freundschaft säen.
    Ein Thema das aufrütteln sollte, hast Du angepackt.Ich habe nachgedacht!
    Herzlichst, Klärchen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Claire, es sollte sicher nicht gegen das Gedenken gehen, wie du ja auch bemerktest.
      Ich habe auf meinen unzähligen Fahrradreisen durch Deutschland Hunderte von "Kriegerdenkmälern"
      in den Dörfern gesehen, wohl gepflegt - und selbst 1870/71 wurde nicht vergessen.
      Was aber vergessen wurde, war, wozu diese Monumente eigentlich dienen sollten ...
      Danke Dir -

      Löschen

[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]