26. November 2016

Erwartungen zum Weihnachtsfest



Weihnachten. Zeit der Begegnungen. Familien finden zueinander, Menschen, die sich monatelang nicht sahen, treffen sich endlich mal wieder.
Weihnachten, Fest der großen Erwartungen. Das war schon früher so, als wir noch Kinder waren. Wie fieberten wir doch diesen Tagen entgegen. Wochenlang bereiteten wir uns darauf vor, wir hatten unsere kleinen Geheimnisse, alle anderen taten ebenfalls sehr geheimnisvoll. Schließlich konnten wir es kaum noch aushalten vor lauter Vorfreude.
Auch für viele Erwachsene ist Weihnachten das Fest der großen Erwartungen. Weihnachten - das muss so sein, wie es früher war. Da sind wir wieder alle beisammen, da nehmen wir uns viel Zeit füreinander, da ist alles harmonisch und friedlich.

Das ist dann fast so, als sollte an einem Tag des Jahres all das wieder in Ordnung gebracht werden, was in den vergangenen Jahren kaputtgemacht gemacht wurde. Aber - das war niemals, zu keiner Zeit so, auch früher nicht und noch früher nicht - das hat nie geklappt.
Und so wird Weihnachten meist das Fest der herben Enttäuschungen. Die Erwartungen waren so groß, riesengroß. Dann aber kam alles anders.

Die Kinder sind sauer, weil sie nicht das bekommen haben, was sie sich wünschten.
Onkel und Tante machen ein verkniffenes Gesicht: 
»Bei euch ist es aber auch nicht mehr so wie früher«
»Wir wollten uns doch nichts mehr schenken, nicht wahr?« 

»Davon weiß ich nichts.«
 Onkel Fritz ist beleidigt, als man ihn auf sein schlechtes Gedächtnis aufmerksam macht. »Ich habe euch das Zeitungs-Abo extra ausgesucht.«

Ja, darüber freut man sich auch gefälligst, nicht wahr?
Lena flüstert: 
»Ach guck mal da, der alte Aschenbecher aus grüner Jade, den hatten wir Onkel Hans vor 20 Jahren mal geschenkt.«
Nun fand er wieder den Weg zurück. Dabei rauche ich seit 25 Jahren nicht mehr, das kann ich aber Tante Elise nicht sagen, sie wäre tödlich beleidigt.
Oma erzählt seit 30 Jahren dieselbe Geschichte aus ihrer Kindheit, wie sie dem Schneemann die Möhre aus dem Gesicht geklaut hatte. Alles lacht pflichtgemäß.
Hansi beklagt sich, weil die Rollerblades von ALDI sind, da kann er bei seinen Schulfreunden nicht punkten.
Annette hat sich einen echten Webrahmen gewünscht und keinen kleinen
Schulwebrahmen, »der ist ja ätzend!«

Weihnachten. Zeit der Freude. Wir wollten doch alle fröhlich sein. Reden, singen, spielen. Alle hatten auch die besten Absichten.
Nach der zweiten Strophe von »O du fröhliche ...« singt schon kaum einer mit, nur Oma kennt noch alle drei Strophen.
Dafür weiß sie aber auch nichts von »Rudolph, dem Red-Nosed-Reindeer«.
Und so reden und singen sie alle aneinander vorbei.

Große Erwartungen?Ich jedenfalls will aufhören mit den großen Erwartungen, ich möchte mich freuen auf ein paar Tage, an denen wir zurückdenken an den bescheidenen Anfang in einer Höhle oder einem armseligen Stall in den Bergen Galiläas. Ich möchte mich freuen auf einen Neuanfang, und sei er noch so winzig, ganz bescheiden und demütig.


©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. lieber Horst, da es mich eben zur Nacht aus den gleichen Bewegründen darüber aus dem bett getrieben hat (um etwas dazu zu schreiben...:))gleiches Thema ) hab ich - allerdings etwas danch deine Geschichte zur Weihnachtszeit gelesen, kann dir nur beipflichten, jaha - genausoo ist es meist oder oft.
    Man erwartet wirklich zu viel. All das was im Laufe des Jahres verschwiegen, nicht ausgesprochen zwischen den menschen steht wird gerade dann ausgesprochen oder künstliches Schweigen tritt ein, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt und das Weihnachtsfest naht.Ich kann tatsächlich nicht begreifen warum man nicht aus vorherigen Festen etwas lernt und dann anders macht, schließlich besteht ja die Chance für jeden es so zu gestalten, dass es weder peinlich berührt, noch künstliches am Leben erhält.
    ich denke, außer in der Kinderzeit findet bei den Erwachsenen kaum noch ein Fest wie früher statt, als es noch bescheidenheit und echte Freude über Kleinigkeiten gab, vielleicht hat uns dr Kosum und das denbken datüber mittlerweile aufgefressen und inhaliert, nicht umsonst wünscht sich gar mancher die Kindheit zurück als das Fest und die Vorbereitungen dazu so spannend und aufregend waren weil es etwas gab das es nur einmal im Jahr gibt: Weihnachten und die Krippe im Stall.
    ....es grüßt dich von Herzen Angelface...

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    1. Was soll man da noch erwidern? Du hast alles so geschildert, wie ich es auch sehe, Engelchen, insofern sind wir uns doch ziemlich ähnlich.
      Bleib gesund und noch alles Liebe für Dich,
      Horst

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  2. und noch mehr lieber Horst, wir sollten unendlich dankbar dafür sein dass wir menschen kennen oder um uns haben, die ähnlich denken und fühlen wie wir, denn es wird..
    immer seltener auf dieser Welt...
    angel...dito was deine Wünsche angeht..

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  3. Lieber Horst was soll ich da hinzufügen. Warum erinnert man sich so gern an die Bescheidenheit in der Kindheit?Da wusste man noch warum Weihnachten gefeiert wird. Heute ist es für die junge Generation oft ein Rätsel, es sei denn sie haben von ihren Eltern und Großeltern noch etwas auf dem Wege mitbekommen. Ja, da hätte ich auch etwas zu sagen.
    Liebste Grüße in die Weihnachtszeit für Euch und danke, für Deinen wunderbaren Erinnerungspost, Klärchen

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  4. Danke Klärchen, auch für dich - von uns beiden ...
    Horst,
    der euch beide besonders mag - auf dass es lange so bleibt ...

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]