16. Dezember 2016

Und es begab sich ...


Und es begab sich zu der Zeit, da mehrere Raketen einschlugen in den Ort, da die Frau und ihr Mann lebten. Und dieser Raketenüberfall war nicht der Erste einer langen Serie und geschah zu der Zeit, als ein größenwahnsinniger Mensch in Syrien an der Macht war.


Und siehe, der Mann sprach zu seiner Frau: Lass uns gehen in ein anderes Land, auf dass unser Kind in Frieden geboren werden kann!
Und sie machten sich auf und zogen gen Norden, da sie gehört hatten, dort käme man in die Gebiete und Länder, da man in Frieden leben könne.
Und mit ihnen machte sich auch auf eine große Menge an Menschen, die alle den gleichen Wunsch und das gleiche Ziel hatten: In Frieden zu leben.
Und siehe, es begab sich, dass eine Meldung die Runde machte, dass ein Junge geboren sei. Irgendwo dort hinten im Lager zwischen alten Matratzen und Zeltbahnen, die nie benutzt werden konnten, weil keine Stützen dafür vorhanden waren. Diese waren schon längst in den kalten Nächten verfeuert, als die Temperatur unter 10° Minus sank.
Zwischen Stacheldrahtzaun und Blechkanistern und unter einem notdürftig aufgespannten Zeltdach wurde das Kind geboren, denn sie hatten sonst keinen Platz im Lager. Und die Eltern wickelten den Jungen in schmutzige Decken, die noch vor einigen Tagen bei der Überwindung des Stacheldrahts gute Dienste leisteten; diese halfen mit, dem Kinde das Überleben zu sichern. Und man nannte ihn Jehoschua, d.h. Gott ist Hilfe.
Und siehe: Keines der Tiere war da, von denen man immer gehört hatte. Der Ochse und die Schafe, die das Neugeborene hätten wärmen können, waren schon vor Wochen geschlachtet und verzehrt worden. Und der magere Esel wurde gebraucht, um die Wasserkanister vom weit entfernten Bach ins Lager zu transportieren, da sonst kein Wasseranschluss vorhanden war.
Und es waren noch andere Flüchtlinge auf dem Felde im Lager, die hüteten des Nachts ihre letzten Habseligkeiten, die sie aus den Trümmern ihrer Häuser hatten retten können, da sie ihnen sonst gestohlen würden.
Und da war kein Engel, der sie tröstete und auch keine himmlischen Heerscharen. Die nämlich waren alle geflüchtet vor den grausamen Truppen. Und statt einer Stimme aus den Wolken hatten sie alle noch den Donner der Raketen im Ohr, die in ihre Städte einschlugen.
Und so waren alle Menschen allein dort im Lager, in erbarmungsloser Kälte und ohne Stall und ohne Obdach. Aber alle träumten sie von dem wundersamen Leben in der Ferne, von denen ihnen erzählt worden war. Und alle, vor die es kam, glaubten daran und wollten sich aufmachen, den Frieden in der Fremde zu suchen, sobald das Wetter es wieder zuließ.
Und wenn sie nicht angekommen sind, haben sie ihr Leben dort verloren, wohin sie ihr Schicksal führte ...


©by wildgooseman


Kommentare:

  1. Du hast die ganze Misere in einen berührende Geschichte verpackt. Fast vergleichbar, aber heute müsste es nicht so sein wie damals, und doch ist es schlimmer.
    ja, mir fehlen manchmal die Worte und mir kommen die Tränen wenn ich die kleinen Kinder sehe, die ihr leben lang darunter leiden müssen. sie klammern sich an jeden Hoffnungsschimmer.
    Danke, Horst, einen geruhsamen 4.Advent, Klärchen

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    1. ...und auch für Dich, Klärchen, meinen Dank.
      Zeit heilt nicht alle Wunden, glaube ich, manche sind zu tief...
      Grüße von Horst

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  2. ich lese und weine....................
    mehr
    ist mir im Moment nicht möglich zu schreiben....
    ich umarme dich für deine tiefen Gedanken
    der Wind trägt sie fort
    mögen die Sorgen die richtigen erreichen...
    Angelface

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    1. Danke, Engelchen, mögen Deine Gedanken vom Wind in die richtigen Häuser
      getragen werden. Vielleicht kommt doch einmal der Tag, wo einer sagen kann:
      "... Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen."
      Ich grüße Dich,
      Horst

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  3. Friede auf Erden
    ein Wunsch den wir alle tief im Herzen tragen
    dir ein ganz lieber Gedanke
    Glück und Gesundheit für den Jahreswechsel lieber Horst, ich denke an dich und deine Lieben..
    herzlichst mit einem dicken Umärmler * Engelchen Angel

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    1. Liebes Engelchen- für Dich all das Gute, was irgendwie möglich ist.
      Wir zwei haben nun schon viele Jahre zum Neuen Jahr die Wünsche gewechselt.
      Es ist immer wieder schön, von Dir zu lesen - ich hoffe und wünsche mir, dass es
      noch lange so bleibt.
      Alles Liebe und Gute für 2017-
      Dein Freund Horst

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  4. Leeve Horst, ik wünsch di un Ingrid vör dat neeje Johr allens Gode, völ Gesundheit.
    ik wör mi frein, wenn ik noch lang bi die schmöckern kann.
    Laat jo dat good gahn, bit 2017 un noch langer,
    Elskeline

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  5. Jo mien Wicht, dat freit mi, dat du hier nomool kommteert hess! Ik wünnsk di und dien Familie ok al dat, wat du di ok wünsken deist vöör 2017!
    Mag ja ween, du kümmst denn ok mol bi uns vörbi in Oostfreesland, wenn du hier büst?
    Lat di dat goed gohn -seggt

    Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]