17. Februar 2017

Zwei Welten?

Es war schon ungewöhnlich, dass sie in jener Stunde aufeinandertrafen. Wann war das schon jemals vorgekommen? Sicher hätte man in den Annalen sehr weit zurückblättern müssen, um hier eine Übereinstimmung zu finden. Aber nun, heute, gerade in diesem Augenblick war es überraschenderweise doch geschehen. Und es war dabei nicht ersichtlich, was zu diesem außergewöhnlichen Ereignis geführt hatte.
Keiner der Beiden hatte den Anderen je gesehen, jeder kannte ihn nur vom Hörensagen. Und dieses Wissen war nicht umfassend genug, um sich auch nur in den geringsten Teilen ihres Daseins kennen zulernen. Schließlich lebten sie in verschiedenen Bereichen ihrer Zeit. Dabei ist die Diskrepanz des eigenen Daseins doch die Gewissheit, dass niemand seine Haut so einfach ausziehen kann, wie die Metamorphose einer Raupe es bewerkstelligt.
Als er sie nun traf, konnte er nicht begreifen, wie so etwas Wunderschönes überhaupt existieren konnte. Mühevoll kramte er in den Tiefen seiner Erinnerung, versuchte dabei die Türen zu seinem Ich zu erweitern - vergeblich. Die Gedanken wanderten zurück zu den Zeiten seiner Kindheit. Konnte es sein, dass er damals schon einer ähnlichen Frau begegnet war, die ihn so beeindruckt hatte? Die Frage blieb im Raum stehen, scheinbar unlösbar und dennoch immer wieder von Neuem gestellt. 
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    »Ein interessanter Typ«, dachte sie, als ihr der Mann dort auf dem Kiesweg entgegenkam. Mit einigen kurzen Blicken betrachtete sie ihn, versuchte dabei, es nicht zu auffällig erscheinen zu lassen. Nicht jeder, und auf keinen Fall er selber, musste gleich erkennen, dass sie ihn mit einem Blick voller Staunen betrachtete.
Anderseits ließ sich diese Aufmerksamkeit nicht so einfach abschütteln wie Regentropfen von einem Schirm. So einen Mann sah man halt nicht jeden Tag, warum also sollte sie nicht intensiver hinschauen? War das schon ein Faux pas? »Sicher nicht«, sagte sie sich und sah sich diesen Mann nun doch intensiver an. 
»Genau mein Wunschkandidat, wenn ich wählen müsste«, dachte sie. »Mit ihm könnte ich schon mein Leben auf einen Nenner bringen. Aber wie soll das gehen?«
Er war nun auf Höhe ihrer Parkbank angelangt, seine intensiv blauen Augen sahen sie mit einer Wärme an, dass sie förmlich dahinschmolz. »Darf ich mich zu ihnen setzen?« fragte er dann leise mit einer Stimme, die wie ein Windhauch im Walde klang. »Ich bin nicht gern allein an solch einem schönen Tag.«
Sie nickte nur, die Worte blieben ihr fast im Hals stecken. Sie spürte, wie eine warme Woge über ihr Gesicht zog. Dann brachte sie es doch noch fertig zu flüstern: 
»Ja, gern!«
Der Mann bedankte sich; mit einer knappen Verbeugung stellte er sich dann vor.
Sie verstand seinen Namen nicht ganz, traute sich aber auch nicht nochmals nachzufragen. 
»Lenz«, sagte sie dann, »Ulrike Lenz«. Er lachte auf. 
»Das ist ja seltsam«, meinte er dann, »Der Herbst und der Lenz, welch ein wunderbares Zusammentreffen!«
Sie lächelte nun auch, Herbst hiess der symphatische Mann also, hatte sie doch richtig gehört.
Bald darauf waren beide in ein angeregtes Gespräch vertieft. Ihre Unterhaltung ähnelte nun doch schon fast einer Diskussion. Die Gedanken schweiften dabei in philosophischen Weiten, oft ohne Bezug zum realen Leben. Das Mitteilungsbedürfnis beider Menschen, die in solch unterschiedlicher Weise zusammengetroffen waren, schien unerschöpflich zu sein.
Obwohl der Gegenwartsbezug sich dabei manchmal nur erahnen liess, hatte das Gespräch trotzdem stets einen Zusammenhang mit dem Ablauf ihrer Zeit. Es war diese Zeit, die wahrscheinlich von keinem anderen Menschen erfahrbar war. Einer Zeit, die unabhängig von den vier Jahreszeiten ablief und dennoch ausgefüllt war mit Ereignissen. 
Die jugendliche Frau und der ältere Mann, die sich noch nie gesehen, nur voneinander gehört hatten, verstanden sich ohne Einschränkung. Es schien wie ein Mirakel zu sein, dieser Gleichklang der Seelen an einem so wunderschönen Tag. 
Sie schaute ihn von der Seite an. Ein heller Sonnenstrahl hatte zwischen den Blättern der großen Buche einen Weg auf sein leicht gebräuntes Gesicht gefunden, streifte über das Relief seiner Stirn und hinterliess dabei einen Ausdruck von Ferne und Zeitlosigkeit.
»Warum habe ich Sie noch nie getroffen«? Er fragte es leise, als er die Blicke der jungen Frau spürte. Sie merkte, dass er sie ansah, senkte schnell ihren Kopf, zuckte dann mit den Schultern. »Ich weiss es auch nicht,« entgegnete sie, »wahrscheinlich sind unsere Tage oder die Freizeiten zu unterschiedlich? Ich muss ehrlich sagen: Ich finde es auch schade!«
Bei diesen Worten errötete sie. Der Mann, der schließlich vom Alter her ihr Vater sein konnte, berührte mit einem Lächeln ihre Hand. 
»Das ist schön«, sagte er dann leise, kaum verständlich, »da sind wir schon zwei, die das gleiche Gefühl haben!« 
Ihre klaren Augen leuchteten. In ihnen konnte er lesen wie in einem offenen Buch und was er da las, gefiel ihm so sehr, dass er keinen Blick von ihr lassen konnte. 
»Wir sollten uns viel öfter sehen,« sagte er dann, »ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich ohne Sie gelebt habe!«
Sie lachte hell auf. »Sie Schmeichler, Sie haben doch lange gelebt, ohne mich zu kennen, oder?«
»Sicher«, sagte er daraufhin, »sehr, sehr lange. Gerade deswegen verstehe ich es ja nicht. Ich wusste immer, dass etwas fehlte, nur war mir nie klar, was es denn war. Und nun, seit ich Sie sah, - ja - es ist eben nicht begreiflich.«
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Die Sonne war weiter gewandert, der Abend kündigte sich an. Der kleine Teich drüben jenseits des Weges lag nun im Schatten der hohen Bäume. Einige Blesshühnchen bemühten sich, zwischen dem Blattwerk der Teichrosen Nahrung zu finden. Im Schatten erschienen ihre kleinen Blessen wie weiße Punkte auf dem Wasser. 
Die beiden Menschen auf der Bank schwiegen geraume Zeit. Dann sagte der Mann: 
»Müssen Sie nicht heim? Wartet man nicht auf Sie. Wenn Sie möchten, begleite ich Sie, gleich wird es dunkel und die Gegend scheint mir doch sehr unsicher zu sein.«
Erstaunt und doch ein wenig spöttisch meinte sie dann: 
»Hey, Sie trauen mir wohl gar nichts zu? Ich bin schon riesengroß! Ich kann mich auch wehren. Und dann - auf mich wartet schon lange niemand mehr! Ich lebe allein - und ich lebe gern allein. Mir fehlt nichts zu meinem Dasein. Da können Sie ganz beruhigt sein.«
»Entschuldigen Sie«, meinte er dann, »so war das doch nicht gemeint. Ich wollte doch nur behilflich sein. Ist das denn so schlimm? Sind Sie immer so argwöhnisch, ist Hilfe für Sie immer eine Art von Bevormundung?«
»Ich meinte Sie nicht persönlich. Ich bin es nur nicht gewohnt, bemuttert zu werden. Seit meinen frühesten Tagen bin ich selbständig, habe immer für mich selbst gesorgt. Und dabei,« sie lächelte, dabei waren ihre Grübchen in den Mundwinkeln sichtbar, »bin ich immer gut gefahren.«
Der Mann schaute in der einsetzenden Dunkelheit hinaus auf den kleinen See. »Ja«, sagte er dann nach einer kurzen Pause, »das Wörtchen ›immer‹ hört sich so einfach an. Ich kenne das ebenfalls aus meiner Jugend her.«
Er lächelte nun auch, dabei schien sein Blick in die Vergangenheit zurückzureichen. 
»Das ist das Vorrecht der jungen Generation: Ich weiss immer, was ich tue. Ich passe immer auf mich auf. Ich bin immer vorsichtig. Diese Aussagen haben stets nur die eine Beweiskraft: Ich bin Ich!«
Sie nickte mehrmals bestätigend. 
»Genau so ist es. Warum soll ich denn etwas tun, nur weil andere Menschen meinen, es wäre gut? Was im Mai hervorragend ist, kann doch im Oktober eine völlig andere Perspektive bieten. Denken Sie doch mal selbst, Herr Herbst: Was Sie in ihrer Jugend erlebten, hat heute keinerlei Bedeutung mehr. Die Zeit hat sich geändert, wir mit ihr!« 
»Natürlich.« Der Mann dachte bei diesen Worten an seine eigene Jugendzeit. 
»Ja, ich kann das schon nachvollziehen. Ich denke, dass ich früher genauso gedacht habe. Aber ich habe gelernt. Ich habe aus dem Leben gelernt, und diese Lehre war gewiss nicht immer schmerzlos!«
Sie spürte die Zwischentöne in seinen Bemerkungen, ohne ihn zu unterbrechen, hörte sie weiter aufmerksam zu.
»Sie sind noch jung, Ulrike. Es ist schön, wenn man dieses Leben mit seinen unzähligen Spielarten noch vor sich hat. Dazu braucht es auch keine rosarote Brille. Diese Einsicht ist ganz allein da, praktisch von selbst.
Meinen Sie, ich dachte damals anders? Alles, was mir nicht gefiel, klammerte ich einfach aus. Es betraf mich nicht und ich musste mich auch nicht darum kümmern.
Alles andere ringsherum schien mir richtig so, wie es war. Ich liess alle anderen Menschen für mich denken! Fast alle anderen machten es genau so und das - genau das - war eben falsch. 
Dann war plötzlich alles vorbei. Und die Quintessenz davon: Alles, woran wir glaubten, was wir Jungen als richtig empfunden hatten, war plötzlich falsch! Wissen Sie, was eine solche Kehrtwendung um 180 Grad für einen jungen Menschen bedeutet?«
Der Mann schwieg, die Erinnerung übermannte ihn mit voller Kraft. Die junge Frau nahm behutsam seine Hand, sagte nichts zu seinen Worten und so schwiegen sie.

Der Abend hatte sich inzwischen über die Parklandschaft gelegt. Die Laternen an den Parkwegen streuten ein mattes Licht auf die Wege. Alles war still, die Tiere am See waren wohl auch alle zur Ruhe gegangen.
Nach langen Minuten erhob sie sich schließlich, schaute ihn lange an.
»Ich - ich glaube, ich muss nun doch langsam nach Hause«, sagte sie dann. 
»Ich begleite Sie«, meinte der Mann und stand ebenfalls auf. 
»Nur bis drüben«. Die Frau wies zur anderen Seite des kleinen Sees, wo eine Reihe von Häusern standen. »Na gut«, er lächelte schelmisch, »wenigstens lassen Sie das zu.« 
Beide lachten laut auf. Dann hakte sich die Frau ganz freundschaftlich bei ihm ein. »Oh«, meinte sie lachend, »Sie können stolz darauf sein, das ist schon sehr viel« ...
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Am nächsten Tag am frühen Nachmittag saß der Mann auf der gleichen Bank im Park. Ein Schwanenpaar zog langsam seine Kreise auf dem klaren Wasserspiegel des Sees. Einer der Schwäne hatte seine Schwingen hochgestellt und verbreitete so eine majestätische Ruhe. Es war ein wunderschönes Bild, passte jedoch irgendwie nicht zu der Unruhe, die der Mann dort auf der Bank ausstrahlte. Wiederholt sah er auf seine Armbanduhr, um dann wieder zum Weg zu schauen, der um den See herum führte.
Kurz darauf wurde seine Ungeduld belohnt. Sie kam leicht und beschwingt den Weg entlang, ein leichtes bunt geblümtes Sommerkleid passte vorzüglich zu ihrem jugendlichen Aussehen. Sie deutete einen leichten Knicks an, reichte ihm dann ihre Hand zum Gruß.
»Ich bin aber nicht zu spät? Es sieht fast so aus, als warteten Sie schon lange auf mich!«
»Nein, natürlich nicht, ich war nur viel zu früh da,« sagte er. »Verzeihen Sie mir bitte meine Ungeduld. Es ist schon so lange her, dass ich auf eine junge Dame gewartet habe. Bin eben doch aus der Übung.«
Sie lachte. »Nun«, sagte sie, »dafür haben Sie das aber hervorragend gemeistert!«
Dann sah sie gedankenverloren auf den See hinaus. 
»Also, wenn ich das so sagen darf, ich habe mich auch auf dieses Treffen gefreut. Man hat nicht so oft das Vergnügen, sich so gut unterhalten zu können. Meist geht es bei Gleichaltrigen über ein belangloses Gespräch doch nicht hinaus, ich jedenfalls finde das schade.«
Herbst sah sie versonnen an. »Sie sind schon etwas Besonderes, Ulrike. Wenn Sie nicht so jung wären, könnte man meinen, Sie gehörten zu meiner Generation.«
»Och nee«, meinte sie dann, »ich hab schon meine eigenen Ansichten, die sich bestimmt von den Ihrigen unterscheiden. Und sicher nicht zu knapp. Meine Eltern jedenfalls hatten schon ihre liebe Not mit mir.« 
Sie lachte auf. »Und jeder Baum der Generationen trägt eben seine Früchte, denke ich. Die sollte dann aber auch nur der pflücken, der sie zu verwerten weiss, meinen Sie nicht auch?«
Sie bewegte ihre Handflächen hin und her, um damit ihre Unsicherheit anzuzeigen. Ihr Gesichtsausdruck unterstrich dabei diese fragende Aussage.
Der Mann nickte bestätigend mit dem Kopf. 
»Doch. Das mag durchaus richtig sein. Aber ein Baum der Erkenntnis der Generationen bringt auch noch andere Dinge hervor. Die Suche nach der Wahrheit. Da taucht dann ganz schnell die bewusste alte Frage auf: Was ist Wahrheit? Und von dort bis zu den bewussten Früchten, die Sie jetzt meinen, ist es noch ein langer Weg.
Sind Ihre Früchte auch meine Früchte? Ist Ihre Wahrheit auch mein? Oder sind das völlig verschiedene Dinge, die niemals ganz äquivalent verlaufen können? 
Wenn Sie beispielsweise von Liebe reden würden, ist es dann dasselbe Gefühl, die gleiche Emotion, die mir dann vorschwebt? Meinen wir das Gleiche, wenn wir lieben?«
Sie schaute ihn nachdenklich an. Ihr Blick wanderte schließlich weiter zu den Schwänen auf dem See, zum schilfbewachsenen Saum des jenseitigen Ufers. Eine grandiose weiße Wolkenwand mit herrlich gezackten Rändern schob sich unmerklich langsam vom Horizont auf den See zu. Es war ein Bild, das nur die Natur selbst hervorbringen konnte.
Zwischen den beiden Menschen war es still geworden. Beide genossen diesen Anblick, der sich so gewiss nicht täglich vor ihren Augen abspielen würde. 
»So etwas Schönes sieht man nicht oft«, sagte sie dann. »Ich liebe diese Wolkenbilder!«
»Und ich ebenfalls. Vielleicht ist es eine Belohnung nur für uns? Für zwei Menschen, die so unterschiedlich sind, wie Menschen nur sein können und doch von einer Seelenverwandtschaft, die unglaublich ist.« 
Die junge Frau schaute dem Mann in die Augen. In diesem Blick lag etwas von dem Wissen, das seit Äonen von Zeiten immer wieder neu die Menschheit belebte, sie reifen liess und das Rad des Lebens ständig neu drehte. 
»Es ist der Zauber der Gegenwart, der so etwas schafft. Ein Teil vom ›Gestern‹ und ein Stückchen ›Heute‹, ohne dass man beides festhalten kann. Man kann nur still geniessen. Und das ist auch das Fazit!«
Herbst schwieg, das Mädchen sah gedankenverloren hinüber zu den großen Weiden am Seeufer.
Wenn auch ihre Jugend und sein Alter etwas anderes aussagen mochten - sie kannten beide das Rätsel, das sie nicht freigab. Und sie wussten, dass diese Emotion, die beide verband, schon das Ende in sich selbst mit sich trug!
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Wo anders können sich ›Gestern‹ und ›Morgen‹ begegnen als im Heute? Dieses Heute aber verbietet jede Liebe, jede Vereinigung zwischen diesen beiden Polen ausnahmslos und von Vornherein. Weil sie unreal ist, ohne ein ›Vormals‹ und ein ›Nachher‹. Es ist nicht anders möglich. Wo das ›Gestern‹ eine Heimat war, ist das ›Morgen‹ noch längst keine Heimstatt für die Gegenwart
Liebe kann nur im Heute leben. 
Wo sie in der Vergangenheit lebt, ist sie tot und nur vom ›Damals‹ und der Trauer durchzogen. Sie wird dann nur von bildhaften Träumen begleitet, die unerfüllt bleiben müssen. Eben weil sie nicht mehr ist, sondern war! 
Liebe der Vergangenheit kann immer nur der nostalgische Rückblick auf wunderbare Zeitabläufe sein! Dabei geschieht es aber auch sehr oft, dass manche 
Geschehnisse unterdrückt oder ausgeklammert werden, weil diese Zeit längst nicht immer so schön war, wie sie im Gedächtnis gespeichert wurde.
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Eine alte Dame, mit der ich mich anlässlich ihrer ›Eisernen Hochzeit‹ unterhielt, holte mich aus meiner Bewunderung für ihre fünfundsechzigjährige Ehe schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Beide Eheleute hatten noch einen guten Gesundheitszustand, fünf Kinder gingen aus der Ehe hervor und sie hatten auch sonst viel in ihrem gemeinsamen Leben geschafft.
Ich fragte sie, ob sie nicht stolz wäre auf diese Zeit. 
Die Antwort machte mich ziemlich ratlos: »Es war die Hölle! Aber irgendwann war es zu spät für einen Wandel.«
Irgendwann war es zu spät. Welch ein absonderliches Wort für eine Beziehung zwischen zwei Menschen. Irgendwo auf dem Weg in die Zukunft ging diese Liebe verloren. Sie wurde vergessen auf den Pfaden des täglichen Einerlei. Und sicher hat sich niemand die Mühe gemacht, sie zu suchen. Vielleicht weil man schon zu müde war?
Liebe der Vergangenheit ist immer nur Erinnerung. Sie ist es ganz gewiss wert, behalten und auch gepflegt zu werden. Aber sie darf niemals in die Gegenwart hineinreichen! Dann nämlich ist dieses ›Jetzt‹ zum Scheitern verurteilt!
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Wo Liebe nur in der Zukunft lebt, ist sie nur ein Abklatsch von Sehnsucht und Verlangen, ist sie lediglich eine Szene unstillbarer Leidenschaft, die das Herz der Betroffenen beschwert, dabei Wünsche und auch Reaktionen anderer Art meist völlig einengt. Wie viele Freundschaften wurden schon zerstört, weil einer der Beteiligten plötzlich die Liebe entdeckte und somit die frühere Gemeinsamkeit vernachlässigte, ohne dass dann die Liebe wirklich einen Platz im Leben einnahm. 
Liebe in der Zukunft ist irreal. Sie wird vielfach von Wünschen begleitet, von Vorstellungen, die dann mehr oder weniger in Enttäuschungen ihr Ende finden. So manches Mal kann es dann geschehen, dass der enttäuschte Partner sich für lange Zeit selbst von all diesen Möglichkeiten des menschlichen Miteinanders ausschließt, frei nach dem Motto: Für mich gibt es keinen Partner, der zu mir passt!
Was also bleibt dann von allem zurück? Hoffnungslose Tage, Nächte voll absonderlichster Wünsche, wehmütige Träume, die sich des Öfteren auch in Depressionen verwandeln.
Liebe ist. Liebe ist Heute. Liebe ist das, von dem Erich Fried sagt: »... ist, was es ist!«
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Die junge Frau und der ältere Mann gehen zurück in ihr eigenes Leben, jeder für sich allein. Zurück bleiben Träume vom gegenseitigen Verständnis der Generationen. Ihre Träume. Unsere Träume?
Gestern war! Natürlich, mit all unseren Träumen, Leiden und Freuden.
Morgen wird sein! Mit den gleichen Voraussetzungen, den gleichen Wünschen.
Aber: Heute ist! Das muss, nein das ist der Trost für alle Menschen, die stets nur noch warten. Irgendwann ist es zu spät. 
Dann jedoch bleibt nur noch das ›war‹.
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©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. dazu einen Kommentar abzugeben ist fast unmöglich, denn - wie lässt sich Schönheit, Lyrik - Poesie beschreiben...?
    ich wandere mit deinen Gedankensplittern in dieser Geschichte mit...
    angel....
    ein schöner Abschluss des Tages....

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  2. Ach Engelchen, ich hoffe, der Abschluss des Tages findet seine Fortsetzung?
    Morgen ist auch noch ein Tag, nicht?
    meint der WILDGOOSEMAN(chen)

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]