19. Februar 2017

Scribe scribere vel - quod quaestio



Schreiben ist ja im Grunde genommen keine schwierige Sache. Nee, wirklich, daran hapert es ja nicht. Das kann der Mensch oder er kann es nicht. Punkt.
Wenn ein Mensch es nicht kann, ist es auch kein Thema, vielleicht ist es sogar besser, er muss sich dann keine weiteren Gedanken über den Textablauf machen. Die Freiheit lacht dann sozusagen vom weissen Papier!
Glaube ich nun aber, dass ich schreiben könnte, - d
ie meisten der »Autoren« glauben es natürlich, - dann beginnt erst einmal das Problem, sein Autoren-Gesicht zu zeigen. Schön ist es natürlich, wenn das Hauptthema schon vorhanden ist, dann muss es nur noch in die richtige Abfolge gebracht werden.
Was aber nun, wenn ich nicht weiss, worüber ich überhaupt etwas schreiben soll? Da taucht nun zunächst einmal die Frage auf: Muss ich überhaupt schreiben? Was treibt mich denn dazu?
Gut, so lange es nicht ausgedruckt wird, entsteht ja noch kein Schaden.
Na ja, vielleicht entsteht da solch eine winzige Spur einer transzendentalen Energie? Kann doch sein. Gut, ich frage ja nur!

Warum mache ich das, ist es für das Universum wichtig? Lacht der Kontinent oder erbebt die Welt in all ihren Bestandteilen? Wundert sich der Staat über mein Statement, ärgert sich die Gemeinde?
Oder kann es sein, dass meine Nachbarschaft erbebt? Nee, das glaube ich kaum.
Ich würde die Antwort auf diese Frage auch nicht geben, selbst wenn ich sie wüsste. Vielleicht schreibe ich ja aus Rache an der derzeitigen Regierung? Vielleicht aber nur aus Spaß oder um meine philanthropischen Gelüste zu stillen?

Im Grunde ist es ja auch nicht mein Problem. Wenn ich etwas schreibe, gibt es nur wenige Menschen, die ganz sachte gezwungen werden könnten, sich mit meinen Schreibereien auseinanderzusetzen und mir dann sogar noch ihre sanften Kritiken unterzujubeln! Aber natürlich so vorsichtig, dass ich nicht noch eine Enttäuschungsspur im Universum zurücklassen müsste.

Also allein mit der Frage nach dem ungewissen »Warum« ließe sich doch schon eine einzige Seite füllen, ohne dass auch nur der Hauch einer Antwort zu ahnen wäre. Das macht doch schon einen ungeheuren Spaß oder etwas nicht? Ihr könnt mir glauben, es ist eine ungeheure Provokation, wenn dieses leere weiße Papier da vor mir liegt und mich so höhnisch anblinzelt! Wie soll man da einen konstruktiven weltverbessernden Gedanken fassen? Das ist schier unmöglich.
Ja, natürlich, ich kann nun einen farbigen Bogen Papier nehmen; ich hätte dann dem weissen Gegenüber den Wind aus den Segeln genommen.
Aber nein! Hah! Ich stelle mich diesem Konflikt. Wäre doch gelacht, wenn ich da nicht die Oberhand behielte.

Man sieht es ja auch: Es kommt etwas dabei heraus, weil Farbe allein nämlich gar nichts über das geistig Verbrochene aussagt. Seien wir doch mal ehrlich mit uns selbst, allein das Wollen ist nicht unbedingt das Nonplusultra des Schreibens, man muss wirklich ein wenig gedankliches Gewürz dazutun.

Nee, du irrst, ich hab es nicht vergessen: Auch die Orthografie hat noch ihren Stellenwert, wenn wir es nicht schon wussten, hält die PISA-Studie es uns jährlich vor Augen. Es ist schon grausam, den Menschen in einem kulturell hochstehenden Land immer wieder ihre Unzulänglichkeiten vorzuführen, ich fühle mich dann immer so minderwertig.
Wenn ich dann meinen inneren Schweinhund überwunden habe, versuche ich also zu schreiben!
Lach bitte nicht! Ich fasse mich ja immer 
kurz, zu längeren Ergüssen reicht mein Gedankengut nicht, deshalb bleibe ich auch bei Kurzgeschichten! Ich falle sonst immer zurück in meine als Kind mühsam erlernte Rechtschreibmethode à la Sütterlin. Und die strotzt dann ja wohl in der modernen Zeit vor Fehlern.
Das macht nichts, meinst Du?
Irrtum! Wenn Du mal durch Foren und Chats Deine Streifzüge machst, wirst Du merken, dass Du mit Deiner Rechtschreibung völlig daneben liegst! Da siehst Du vor Kürzeln und Anglizismen überhaupt nicht mehr, in welcher Sprache eigentlich geschrieben wird!
Entschuldigung, ich bin zu weit abgeschweift. (Mein Nachbar würde sagen: abgeschwiffen) 
Wie geht es weiter?

Also ich war bei den Kurzgeschichten. Und da, Du wirst es kaum glauben, taucht schon die nächste Frage auf: was ist denn kurz? Was ist denn bei einer Kurzgeschichte kurz genug?? Wo fängt kurz an, vielleicht bei einer Miniaturlänge, wo hört kurz auf? Vielleicht niemals, wie bei der Relativitätstheorie?
Ja und dann, 
was ist eine Geschichte?
Also Geschichte hat mich früher immer sehr interessiert, aber die war ja auch nicht kurz, sie war stets solch ein kaleidoskopartiges bluttriefendes Monster, das die Sieger stets für sich entschieden.

Nein, das ist ja auch keine Kurzgeschichte, wenn unsere Neolithikum-Vorfahren schon auf ihre Steinplatten mit Hammer und Feuerstein Kurzgeschichten geschrieben hätten, könnten wir heute lesen, wie man einen Höhlenbären fängt oder ein Mammut jagt. Würde uns das heute helfen? Sicher nicht. Siehst Du, ebenso hilft es niemand, wenn er meine Schreibversuche lesen muss. Also? 
Wozu bzw. warum? Altpapier gibt es schon zur Genüge, das muss ich nicht noch erweitern. So viel bunt bedrucktes Hochglanzpapier gab es noch nie in der »Geschichte«! Also lasse ich dieses Problem eben Problem sein und wende mich meinem Privatvergnügen zu: Für mich selbst zu schreiben.

Wer sollte mich da aufhalten wollen? Vielleicht ein Festplattenabsturz ohne Back-up? Auch Humorverlust käme da infrage oder der Besuch meiner Erbtante, auch Alzheimer könnte da eine Rolle spielen.
Aber so weit ist es noch lange nicht. Und deshalb muss die Welt, muss mein Land und die Gemeinde (
auch die Nachbarn, die davon noch nichts wissen) damit leben, dass ich schreibe.
Ob sie es nun gut finden oder nicht, ich weiss es nicht, ist mir aber auch egal, völlig egal ...


© by Wildgooseman

Kommentare:

  1. du - lieber Horst siehst mich scmunzeln, nein laut lachen soo treffend aus meinem Herzen deine Worte. der Text, könnte glatt aus meiner Feder stammen, ein wenig spöttisch mit nem Schmunzelgedanken dahinter WAS JETZT wohl deine Leser von dir denken mögen---ist dies nun ein Statement zu deinem Gedankentext? beileibe nicht - nein, ich denke nur***:-))
    laut für dich weiter..
    verabschiedet sich lachend das Engelchen

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  2. Du weisst doch: Die Gedanken sind frei!
    Und da Du so herrlich weiterdenken möchtest - es steht Dir auch FREI!
    Damit Du nun aber auch gleich anfangen kannst (mit dem Denken meine ich,)
    sag ich mit herzlichem Gruß
    Tschüss, Engelchen ...

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  3. Ja, lieber Horst und das ist nun richtig kurzweilig gewesen, über Dein Schreiben zu lesen. es hat Spass gemacht. Ach was schreibe ich denn, ich schreibe auch für mich in erster Linie, aber ich schreibe kurzatmig, wie gelernt in der Schule.Fasse Dich kurz, oder mit wenigen Worten viel gesagt, aber das ist nicht so schön.
    Lieber eine Kurzgeschichte mit Sinn, als eine lange Geschichte mit Unsinn.
    Bei Dir finde ich immer sinnvolle Texte , möchte ich mal sagen, mehr oder weniger lang oder kurz, ist dann doch schnurz.
    Ich bin kein Engelchen, aber das Klärchen, das auch nachdenkt, und lasse liebe Grüße da

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  4. Ach Klärchen, ich selbst mag auch Kurzgeschichten, die etwas aussagen. Natürlich kann ich meine Gedanken auch weitschweifig wandern lassen, aber ich glaube (oder meine) dass Romane sehr oft zu langatmig werden, weil der Autor dann noch so viel unterbringen möchte, das da gar nichts mehr zu suchen hat. Ist ja auch nicht so einfach, Zöpfe einfach abzuschneiden, nicht?
    Danke für Deine Worte, ich grüße Dich herzlich,
    Horst

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  5. tja, meine Lieben, da mach ich auch noch einen Dazu und grinse (eingant klein wenig...wer schreibt schon für die Allgemeinheit"!°"!°? (in der Hoffnung, es liest`s auch noch ein anderer als Du?!) keiner von uns denke ich, - in erster Linie schreiben ,plaudern, philosophieren wir nur ein wenig selbst unsere gedanken vor uns hin und wenn ..dann tatsächlich noch ein "anderer mitliest, ja tatsächlich dazu etwas "kommentiert", du siehst - auch dieser TEXT steckt voller falscher Interpunktionen!!! - dann freuen wir uns wirklich sehr.
    schreiben ist eine so schöne Erwiderung unserer eigenen Gedanken zu Themen die uns umtreiben, dazu brauchen wir im Grunde kaum Publikum/auch, wenn`s uns freut) triffts was ich denke, oder nicht?!°...lieber Horst?
    angelface....

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  6. Ist doch eigentlich piepegal,de Hauptsache man hett Sposs an dat Schrieven,wenn dat dann noch leest ward ist doch good.
    LEEVE Gröten

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]