22. Juni 2017

Omas Notebook



Oma Battermann ist doch immer noch ganz helle. Das habe ich immer schon gewusst. Du musst dazu wissen, dass die alte Battermannsche bereits 87 Jahre alt ist.
Und nun, vor vierzehn Tagen, hat sie so ein Notebook bekommen, du weißt doch, diesen kleinen Computer, den man auch mitnehmen kann, wenn du mal hinter die Tür musst, wo »00« drauf steht.
Was macht man da mit einem Computer? Na klar, eigentlich nichts. Aber wenn du es denn willst, dann kannst du den dort benutzen.
Omas Enkel Hinnerk hat ihr gesagt, sie soll doch mal mit anderen Älteren »chatten«. Oma guckt erst einmal ein bisschen erschrocken, dann fragt sie:
»Was - was ist das denn - schätten?«
Hinnerk erklärt ihr nun alles, und von nun an ist Oma von ihrem »Notebook« gar nicht mehr zu trennen. Wenn sie nun mal eine Erbsensuppe kochen will, dann schaut sie erst mal in solch eine Google-Seite rein, und dann kocht sie die nach dem Rezept.
Ihr Leben lang hat sie Erbsensuppe gekocht und die war immer so lecker - aber in der letzten Zeit schmeckt die Suppe so ein bisschen nach „Google-Suppe“!
Letzte Woche verkündete Oma mit einem Mal, dass sie englisch lernen will! In der Computerwelt kommen so viele englische Wörter vor, dass sie das nun lernen muss.
Die Familie guckt sich gegenseitig an, als wenn die Welt zusammenbrechen würde.
Eike Teerboven, die ja nun die Tochter von Oma ist und auch die Mutter von Hinnerk, kriegt ein paar Augen, so groß wie eine Teetasse.
Un dann stottert sie: »Was, was - willst du? Englisch lernen? - Tja, bist nun noch richtig im Kopf?«
Oma knuddert so vor sich hin:
»Nee, gönnst du mir das nich? Ich bin weit über Achtzehn und kann machen was ich will. Und ich will das nun mal! Punkt!«
Keiner kann darauf noch etwas sagen. Nur ihr Enkel Hinnerk grient vor sich hin und sagt dann:
»Das ist mal eine gute Sache! Unsere Oma schafft das. Gratuläschen, Oma!«
Sein Vater stand noch noch immer mit offenem Mund und guckt so wie ein alter Lanz-Bulldogg! Und Mutter sagt gar nichts mehr.
Am anderen Tag trifft Oma Battermann ihre Freundin Oma Harms und es dauerte gar nicht so lange und beide besuchten ab sofort die Volkshochschule und ließen sich dort einschreiben für den Englisch-Kurs. Die anderen Schüler guckten natürlich ein wenig verdattert, aber mit der Zeit lief sich dann doch alles zurecht.
Und nun sind beide bereits seit drei Wochen dabei, englisch zu lernen, und das klappt wunderbar.
»Neiss to sie ju«, das können sie schon. Das andere käme dann auch noch mit der Zeit, sagen sie.

Oma meint dann ja auch, dafür hätte sie ja wohl das
NOT-BOOK. Anders wäre der Name ja wohl auch sinnlos, nicht?

©by Wildgooseman

1 Kommentar:

  1. Eine zauberhafte Oma und ein wunderbarer Mensch.
    Was sie schon alles erlebt hat, so viele Umwälzungen und nun das nimmt sie auch noch mit. Von „dieser neuen Computerwelt“, die sich ihr eröffnet hat, ist sie ganz beglückt und es beflügelt sie, gibt ihr Kraft und so etwas, wie ein neues Ziel oder Richtung. Wie sie da, auf dem Photo guckt – ist das süß! Und noch Englisch lernen, bohh… schön, dass sie eine Freundin hat, mit der sie ihre Begeisterung und neue Lebensinhalte teilen und erleben kann. Und das Allerschönste ist, dass sie in ihrem familiären Netz so gut aufgefangen wird!
    Liebe Grüße, die Grażyna

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]