2. Juli 2017

Mausefallendebatte

Im Mäuseparlament wurde schon des Öfteren über diese lebenswichtige Frage beraten. Aber fast immer wurde eine Entscheidung darüber nach heftigsten Debatten, die häufig bis in die tiefe Nacht verliefen, wieder verschoben.Besonders die Fraktionsvorsitzende Franka Nitschowitsch von der oppositionellen LMB-Partei (Liberaler Mäuse-Block)von der man ja schon einiges gewohnt war, trat hier mit aller Schärfe auf.
Nach der Vereinigung mit der Waldmaus-Republik hatte es im Hohen Hause schon des öfteren heisse Debatten über die Sicherheitspolitik gegeben. In dieser Schärfe jedoch war die Diskussion ein Novum.
»Sind wir Menschen? Überlegt doch mal, liebe Freunde, sind wir Menschen? Nein! Müssen wir es denn denen gleich tun und uns gegenseitig das Leben zur Hölle machen? Haben wir überhaupt das Recht dazu?«
Nach diesen Worten der Nitschowitsch kam es im Saale zu einer wilden Pöbelei, laute Zwischenrufe, brüllendes Gelächter, würdeloses Geschrei machte es dem Parlamentspräsidenten fast unmöglich, die Ordnung im Parlament zu behalten. Erst nach einer halben  Stunde hatte er wieder alles unter Kontrolle, nachdem er damit drohte, die Sitzung abzubrechen.
»Bitte, Frau Kollegin, fahren sie fort«, meinte er dann, an die LMB-Abgeordnete gewandt. Frau Nitschowitsch dankte dem Präsidenten, wandte sich wieder an die Abgeordneten im Saal. »Ich darf dann fortfahren, liebe Kolleginnen und Kollegen,«
wollte sie ihren Vortrag wieder aufnehmen, als ein Zwischenrufer von der rechten Seite dazwischenrief: 
»Ja, möglichst weit und ohne Wiederkehr!«
, was ihm dann eine Rüge des Präsidenten einbrachte.
Franka Nitschowitsch lächelte mit verzerrter Miene, sprach dann aber ohne Pause weiter:




»Der menschliche Aphoristiker Werner Mitsch sagte einmal vor Jahren:
 Der Mensch hat die Atombombe erfunden. Keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu konstruieren. 



Und Sie, meine Damen und Herren von der Regierungsbank, was tun Sie nun anderes, als diesem Grundsatz vollkommen zu widersprechen?
Ja, gerade Sie, - tun Sie doch nicht so scheinheilig, - Sie von der Zentralen Mäuse Partei sollten doch aus der Vergangenheit gelernt haben, nicht wahr? Und was machen Sie?
Sie bauen die modernsten Mausefallen und schicken sie in die entlegensten Orte unseres Planeten, sie mischen sich in die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen allen Mäusearten ein, nur um dabei zu sein. Welch ein Widersinn liegt doch in diesem Tun!
Ich erinnere mich da: Wer waren denn damals die Abgeordneten, die verhindert haben, dass wir den Katzen klingende Erkennungsmerkmale umhängen konnten?

Sehr richtig, Kollege Musheim, das waren die Herrschaften von der ZMP, die dafür sorgten, das alles so blieb wie es war. Und genau das tun Sie heute wieder. Sie überlassen alles dem Zufall und warten wie immer ab, das ist doch Ihre Methode.
Ich rufe jedenfalls dazu auf, dieser Regierung und der Mäusekanzlerin das Misstrauen auszusprechen, damit in unserem Mäusestaat endlich wieder Frieden einkehrt. Stimmen Sie mit JA, wenn Sie für den Frieden sind, wenn Sie den Export von Mausefallen stoppen wollen.«
Nachdem die Oppositionsführerin ihre Rede beendet hatte, rief der Präsident zur Abstimmung auf. Nach einer knappen halben Stunde war diese beendet und das Endergebnis wurde bekannt gegeben:
Das vorläufige Endergebnis:
Abgegebene Stimmen: 120  
Ungültige Stimmen:          4
Mit JA stimmten:              28        
Mit NEIN stimmten:      168

Damit war der Antrag abgelehnt und
alles blieb so, wie es schon immer war ...

©by Wildgooseman

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]