10. Juli 2017

Waldträume


Wenn die Zeit am Abend schlafen geht,
ganz leise der Wind durch die Zweige weht,
wenn eintönig der Regen rauscht,
und die Natur die Nacht belauscht,
dann erzählen im Wald sich die Bäume
flüsternd ihre tiefblauen Träume.
Sie reden leise in geselliger Runde
oft noch zu mitternächtlicher Stunde
aus ihrer längst vergangenen Zeit,
die schon so unsagbar weit,
vor mehreren hundert Jahren,
als alle Bäume noch Bäumchen waren.

Es gab Sommertage, trocken und heiss,
dann Winterzeiten mit Schnee und Eis,
unbarmherzige Sturmgewalten,
Sie überstanden alles wohlbehalten.
Aber heute, am frühen Montagmorgen
erzittern die Bäume voller Sorgen.

Sie sehen mit ungläubigen Blicken,
wie Bagger dem Wald zu Leibe rücken.
Es stand lange schon im Bebauungsplan:
Wir brauchen die neue Autobahn!
Der Wald muss endlich weichen,
Kiefern, Birken, Buchen und Eichen.

Wir brauchen Platz, das ist ganz klar,
der Autoverkehr wird von Jahr zu Jahr
ständig wachsen, und was dann?
Das fragt sich am Ende jedermann.
Es muss etwas geschehen, und zwar bald!
Wozu brauchen wir eigentlich den Wald?

Wenn abends die Bäume schlafen gehn,
die Winde leise durchs Unterholz wehn,
wenn noch Rehe auf der Lichtung äsen -
ist das schon Vergangenheit gewesen?
Irgendwann erkennt auch der letzte Mann,
dass man ohne Natur nicht leben kann ...

©by Wildgooseman

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]