1. September 2017

Ein Spätsommertag


Ein wunderschöner Septembertag. Weit offenstehendes Fenster, ein leichter frischer Windhauch weht vom Garten hinein ins Zimmer. Ein schwarzer Amselmann hüpft springlebendig durch das taunasse Gras, begierig, ein vorwitziges Würmchen zu erwischen. Die Sonne hat ihren Tageslauf begonnen, ihre wärmenden Strahlen erfüllen den Garten mit einem hellen Licht.Sie verleitet mich direkt dazu, mein Frühstück draussen im Garten einzunehmen.
Dort an der Westseite der Terrasse steht der große Schmetterlingsfliederbaum mit unzählichen lavendelfarbenen Blütendolden. Er ist umschwärmt von Dutzenden von Schmetterlingen. Da ist der Zitronenfalter und das Tagpfauenauge, der Admiral und der kleine Fuchs, einige Weißlinge und Bläulinge runden diesen Reigen der gaukelnden Schar ab.
Damit noch nicht genug, dicke Erdhummeln und kleinere Wiesenhummeln konkurrieren da noch mit wilden Bienen und einigen Schwebfliegen - kurzum, es ist ein buntes Treiben, das am frühen Morgen den Garten beherrscht.
Irgendwie aber stelle ich doch einen Wandel fest.Das frische, helle Grün der Sträucher im frühen Sommer ist einem satten, beinahe schon bräunlichen Ton gewichen. Und auch das Blau des Himmels leuchtet nicht mehr ganz in seinen tiefblauen Tönen, ja, das Licht im Allgemeinen hat eine Veränderung erfahren, es ist nicht mehr so gleissend und hart, sondern hat viel mildere, sanftere Strahlen hervorgebracht, finde ich.
Der frühe Morgen zeigt sich auch bereits viel kühler als noch vor einigen Wochen. Auch die ersten braunen und gelben Blätter zeigen sich schon an den Bäumen.
Alles ändert sich eben im Laufe der Zeit, die Natur bereitet sich anscheinend schon auf ihre Wendezeit vor, der Herbst klopft schon leise an die Tür! Und alles, was da heute noch so fröhlich kreucht und fleucht, wird dann den Weg alles Irdischen gegangen sein oder nach dem folgenden Winter wieder zu neuer Blüte und Pracht erwachen. Das ist nun mal der Kreislauf des Lebens, dem auch wir Menschen unterworfen sind, wenn auch in einem anderen Rythmus.
Weil ich das alles weiss, kann ich auch in intensiveren Abläufen leben. Ob es immer wie geplant von statten geht, mag dahingestellt sein. Ich versuche es jedenfalls, so oft es möglich ist.

Wenn der Garten mir alles vorlebt, alles zeigt, was mir wichtig ist, kann ich das kleine Glück des Tages genießen.
Was brauche ich denn noch weiter als dieses Stück der Zufriedenheit, das ich am Morgen eines Tages empfinde, wenn ich Blumen, Schmetterlinge und Vögel bei ihrem Tun beobachten darf?

Der Kreislauf der Natur ist auch der Kreislauf von Wachsen, Gedeihen und Vergehen, auch meines eigenen Lebens! Wenn ich das erkannt habe, habe ich auch den Sinn des Morgens erfasst; wenn ich beim Fühlen all jener kleinen Glücksmomente innehalte und zu mir selbst finde, weiss ich, dass die gesamte Fülle dieser Ansichten und Einsichten den Sinn meines Lebens ergibt.

©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. lieber Horst,
    diese Eindrücke so poetisch und leise zu beschreiben ist nicht jedem gegeben, ich sehe dabei das Lächeln, die Freude in deinem Gesicht.
    Ich hörte - während ich es las, das Summen der Bienen und Hummeln, Wespen und Fliegen und sah wie sich die Enden der Blätter verfärbten während schon einige von ihnen zu Boden fielen...
    danke für deine Eindrücke, die gesammelten Gedanken und Bilder dazu, sie sind
    wunderschön und mein Lächeln trifft deines...
    Angel....
    im Kreislauf des Herbstes mit dabei...

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  2. Mit dabei - ich spüre es auch so. Danke.
    Liebe Grüße,Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]