4. Januar 2018

Kirchliche Gehälter und unser Staat.

Im Neuen Jahr gleich ein neues (altes) Thema.
Mich beschäftigt seit langem die Frage, weshalb unser Staat die Gehälter unserer kirchlichen Würdenträger zahlt! Diese Tatsache wird stillschweigend Jahr für Jahr immer weiter hingenommen. Warum?
Ganz einfach: Weil nur ein geringer Prozentsatz unserer Mitbürger hiervon überhaupt etwas weiss. Die Kirchen - sowohl die katholische wie auch die evangelische - haben sicher nicht das geringste Interesse daran, diese Tatsachen ihren Schäflein mitzuteilen!
Eigentlich ist es ja nur ein Satz im Grundgesetz, der unauffällig und daher auch leicht übersehen wird. Artikel 140 des Grundgesetzes: »Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.«

Diese Bestimmungen der alten deutschen Verfassung schützen eigentlich nur die Religionsfreiheit und die Sonntagsruhe und schreiben fest, dass es keine Staatskirche gibt. Aber, und das ist die Crux, sie sichern den Kirchen auch erhebliche finanzielle staatliche Leistungen. Das gilt nicht nicht nur soweit, dass der Staat für die Kirchen die Kirchensteuer einzieht. Meist unbekannt ist dabei, dass die Bundesländer aus ihren jeweiligen Haushalten auch einen Großteil der Gehälter der obersten kirchlichen Würdenträger zahlen! (Ausnahmen sind da nur Hamburg und Bremen. )
Diese Regelung bzw. dieses Gesetz gilt für Erzbischöfe, Bischöfe, Weihbischöfe oder Domvikare usw. Ausgenommen davon sind die einfachen Priester und Pastoren, diese werden von den Bistümern doch noch selbst bezahlt. So sind schätzungsweise seit der Gründung der Bundesrepublik 1949 bisher über 15 Milliarden Euro (umgerechnet auch aus DM-Beträgen) aus Steuermitteln der Bürger gezahlt worden.
Als Begründung hierfür wurden Vereinbarungen aus der er Zeit des frühen 19.Jahrhunderts zu Grunde gelegt. Weil die Kirchen seinerzeit im Zuge der Säkularisierung zahlreiche Ländereien, Güter und Klöster an den Staat verloren, erhalten sie sozusagen seither als Entschädigung dafür Staatsleistungen, die immer wieder neu abgesichert wurden.

Selbst bei der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurden diese Regelungen nicht aufgehoben - selbst die Staat-Kirche-Verträge der ostdeutschen Länder haben diese Zahlungen wieder eingeführt!
Die Länder-Regelungen sind da unterschiedlich: Zum Teil werden die Gehälter direkt gezahlt, teilweise werden sie aber auch durch Pauschalbeträge an die Kirche abgegolten.

Mir ist es unverständlich, dass heute im 21.Jahrhundert diese feudal-herrschaftlichen Verhältnisse immer noch Bestand haben! Es scheint so, als wenn die mittelalterliche 3-Stände-Gesellschaft (Klerus-Adel-arbeitende Klasse) fröhliche Urständ feiert! Wobei ich zum Adel die Politikerkaste rechne, die solche uralten Riten immer noch zulässt und nicht ändert!
Wenn das Gehalt der Bischöfe sich an den Besoldungsstufen der deutschen Spitzenbeamten orientiert, ist auch mal ein Vergleich erlaubt. So bekommt ein Bischof in der Regel mindestens Besoldungsstufe B6 (Grundgehalt rund 8000 Euro), bei einem Erzbischof kann es bis auf B10 (Grundgehalt rund 11.000 Euro) steigen. Dazu kommen Dienstwagen mit Fahrer und Dienstwohnung.

Es gab immer wieder kritische Stimmen, die aber leider nicht zu Änderungen führten. Vor Jahren kritisierte Heinrich Bedford-Strohm bei seinem Wechsel von einer Professur in Bamberg zum Amt des Bischofs der evangelischen Landeskirche in Bayern, dass er weiterhin vom Freistaat bezahlt wird!
Auch in der katholischen Kirche in Bayern tut sich etwas. So führte die Kirchenführung mit der Landesregierung bereits Gespräche über einen schrittweisen Ausstieg aus der Finanzierung der Bischöfe. Und die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland sind nach eigenen Angaben ebenfalls gesprächsbereit. Doch wird die Kirche sicher nicht entschädigungslos auf die regelmäßige Zahlung verzichten, so werden mögliche Verhandlungen wohl unendlich langwierig sein. Und die Finanzminister der Länder dürften vor einer größeren Einmalzahlung wohl auch zurückschrecken.

Klar, diese Gehälter, wenn sie aus der Kirchensteuer finanziert werden müssten, würden die Kirchen schmerzen. Aber vielleicht sollten die Verantwortlichen dann noch kritischer prüfen, ob so manche gewaltige Ausgabe nicht doch unterbleiben könnte! Zum Beispiel dürfte es auch im Sinne von Papst Franziskus sein, dessen Idealbild eine arme Kirche ist, die sich nicht um Besitztümer, sondern um das Wohl der ärmsten Menschen kümmert.
Unsere Bundesregierung spart und streicht an allen Enden, diese hier erwähnten kirchlichen Gehälter werden jedoch nicht angetastet. Jahr für Jahr rund eine halbe Milliarde für kirchliche Gehälter aus den Steuersäckeln der Länder! 

Es scheint ein Witz zu sein - ich kann darüber nicht lachen. Lacht dennoch jemand? Bitte melden.
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Kommentare:

  1. neee..nee.lieber Horst - ich lache ganz bestimmt nicht über diese unglaublichen TATSACHEN die seit Jahren bestehen, die anscheinend keiner besonders bemerkt und die anscheinend niemanden stören, obwohl dochandererseits so viel Klagen bestehen. Dieses Thema wird fürsorglich - auch um nicht noch mehr Ärger heraufzubeschwören unterdenteppichgekehrt, denn da liegt es gut und staubt gemütlich und sicher weiter vor sich hin .
    Sind schon - schöne Zustande in old ouer Germany.
    Gut dass du das Thema (alt/neu) noch mals aus der Versenkung geholt hast, vielleicht rüttelt es ja auch einige auf...so what
    dazu herzlichst die Frage: gut rübergekommen ins Jahr?;-)
    angel

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    1. Jau, mien Deern, alles wie gehabt. "Leben, lieben, lachen", auch wenn das letztere manchmal schwerfällt. Aber Du weisst ja, Leben heisst heute "überleben",
      das meint mit freundlichen Gesten auf unnachahmliche Art -
      Horst
      Schau mal unter >>Federlesen<< nach, vielleicht interessiert es?

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]