17. Mai 2018

Du bist da!


Wenn ich so vor dir stehe, dann glaube ich, dass du auf mich gewartet hast! Warum? 
Nun, ich spüre deine Natürlichkeit, du bist besonnen, du lässt alle Schwierigkeiten einfach hinter dir, kämpfst nicht verzweifelt gegen etwas an, dass du doch nicht ändern kannst und sparst deine Kräfte für die Zeit danach.

Anscheinend kann dich nichts erschüttern. Wie machst du das nur? Lässt alles einfach abprallen, du trotzt allem, was dich bedrängt. Ich wollte, ich würde auch solch eine stoische Ruhe besitzen. Ich komme gern zu dir. Ich bilde es mir jedenfalls ein, dass du mich auch magst. Ich kann mich einfach zu dir setzen, ohne dass du fragst, woran ich denke! Und du stellst keine Forderungen an mich. du versuchst auch nicht, meinen Gedanken eine andere Richtung zu geben. Du erdrückst mich nicht mit deinen Wünschen, nimmst mir nicht den Atem zum Leben.

Weisst du, bei dir kann ich so sein, wie ich wirklich bin. Ich muss mich auch nicht verstellen, nicht etwas darstellen, das ich nicht bin, nicht sein kann! Und trotzdem darf ich zu dir kommen. Du bist direkt bei mir, ganz nahe; aber du lässt mir meine Freiheit, zu träumen, nachzudenken. Ich kann dir alle meine Sorgen beichten, du wirst sie nie weitererzählen. Da kann ich ganz sicher sein. Ich darf bei dir weinen, klagen, lachen. Oder auch ganz einfach glücklich sein.

Wenn ich bei dir bin, wenn ich neben dir auf dem Rücken liege, kann ich stundenlang den Wolken nachschauen, so völlig losgelöst von allem Ärger, allem Stress. Und wenn es auch mal faustdick kommt, du bist da! Dann darf ich dich ganz einfach anfassen und in mir wird alles ganz ruhig. Ich fühle, dass ich auf eine Art mit dir verbunden bin, die ich nicht erklären kann.
Und wenn sich dann dein uralter, rissiger Stamm fast unmerklich bewegt, höre ich im Rauschen deiner Blätter ein leises, aber für mich vernehmbares Flüstern: 
»Ich bin für dich da, Mensch, wann immer du mich brauchst!«
350 Jahre für einen Baum - was ist das schon?

Kommentare:

  1. Als dieser Baum gepflanzt wurde - oder sich selbst pflanzte - war der Dreißigjährige Krieg gerade vorüber. Was kommen dabei für Gedanken hoch, wenn man neben ihm steht!
    Es gibt nichts Schöneres, als in der Geschichte zu stöbern, sich treiben lassen von diesem Gespinst der Geschichte. Im gleichen Jahr, dem Geburtsjahr dieses Baum,es, starb Blaise Pascal, der große frz.Philosoph, Physiker und Mathemathiker

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  2. Ist das nicht schön, was kann er für Geschichten erzählen vom Leben und Sterben!
    Liebe Grüße, Klärchen

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]