25. September 2018

Wolken um uns


Was sind schon Wolken? Gebilde aus Stickstoff und Sauerstoff, würde jetzt ein Physiker antworten. Wasser oder Eistropfen, die sich verdichten, um schließlich als lebenswichtiges Element in Form von Nebel, Regen oder Schnee die Erde zu benetzen.
        Ein Poet sieht das natürlich aus anderem Blickwinkel. Wolken sind für ihn der Vorhang, der vieles verbirgt, das zunächst unsichtbar bleibt oder vielleicht auch bleiben soll. Hinter einem Wolkenvorhang erkennt man erst einmal nichts; später schiebt sich dann geruhsam das Bild in den Vordergrund, das eigentlich die Basis der Fantasie ist: Der blaue Himmel. Oft besungen und mit unzähligen Gedichten bejubelt, bleibt der Himmel das unerreichbare Ziel aller Menschen.

        Der Himmel, unser blauer Himmel ist gewiss etwas Beständiges, ja sogar Unerschütterliches. Wolken jedoch ziehen in ihrer Unbeständigkeit weiter und weiter, heute hier, morgen schon in unendlicher Ferne. Werden und Vergehen bilden diese Einheit, die das menschliche Dasein seit Jahrtausenden beherrscht und überhaupt erst möglich macht.
         So wie diese weißen bis dunkelgrauen Wolkenbilder ist auch das Leben der Menschen durch viele Zufälle und willkürlichen Umständen wandelbar. Nichts bleibt konstant, alles ist ständig Veränderungen unterworfen. Wie eintönig und stumpfsinnig wäre doch ein Himmel ohne Wolken, wie geisttötend ein Leben, das stets berechenbar bleibt.
        Ich liebe die Wolken, die bizarren Gebilde, die sich ständig und unaufhörlich verändern. Aber ich mag auch das Blau des unendlichen Himmels, das zu jeder Tageszeit eine andere Farbnuance zeigt.
        Irgendwann stand ich einmal mitten drin in dieser so schneeweißen Watte der Wolken. Auf dem Gipfel eines Berges sah ich hinab auf diese Gebilde, die ich von unten so bewunderte. Ich stand mitten in diesen Wolken und hätte nun glücklich sein müssen. Doch meine Enttäuschung war riesengroß! Nichts anderes sah ich dort als genau die diesige Nebelwand, die ich unten im Tal so verabscheute! Das Gipfelkreuz, das mir im Tal so als erstrebenswertes Ziel erschienen war, sah nun aus der Nähe ziemlich gewöhnlich und arg ramponiert aus. Keine Spur vom Streben in höhere Regionen. 
        Unser Leben scheint bisweilen solch ein Himmel mit eigenen Wolken zu sein! Ein eigener Himmel, aus der Ferne gesehen ist er wunderschön. Die Nähe erst zeigt die Wirklichkeit, den Alltag, das Leben im täglichen Kreislauf. Es ist dann wie ein Traum: Erwacht man daraus, ist man mitunter desillusioniert. Erst wenn diese menschlichen Ereigniswolken weitergeflogen sind, hält auch die Realität wieder Einzug in das eigene Leben.
        Leben und Wolken, Dasein und Himmel, es sind scheinbar völlig andersartige Elemente.
Und dennoch haben sie mehr gemeinsam, als man sich vorstellen kann. Beständigkeit verliert ohne ihren Gegenpol den Sinn, woran könnte man sie messen? Genauso ist es mit der Unbeständigkeit, sie gehört ohne Einschränkung in die Sphären der Wolkenschichten mit ihren turbulenten Auswirkungen.
        Es würde mir niemals einfallen, einen Menschen danach zu beurteilen, welch aufwühlendes Leben er bisher durchstehen musste, ob nun gewollt oder auch unfreiwillig. Turbulenzen in einer Biografie sind die Wolken am Horizont des Lebens. Wer wollte von sich selbst behaupten, sein Leben wäre stets in geraden Bahnen verlaufen? 
Ob nun ein heißer Samum in der Wüste oder ein kräftiger Nordweststurm an der Küste - die Ströme der Luftschichten über uns und ebenso die des Lebens sind selten eindeutig voraussehbar, wenn einmal wirklich eine Ahnung dessen sichtbar ist, dann wird das Resultat immer ein anderes sein, als wir es erwartet haben.

Wolken am Himmel, bizarre Bilder, die in sekundenschnelle wieder verschwinden. Wenn wir Menschen uns mit ihnen vergleichen würden, bliebe nichts übrig von allem, worüber wir uns ärgern oder was wir verachten. Aber auch von all unserer Liebe verblieb dann nur ein Wolkenfetzen.

Man darf die Wolken lieben, sollte jedoch mit den Beinen auf der Erde bleiben …

©by wildgooseman

Kommentare:

  1. Lieber Horst, gerne Erdenhaftung bei mir, und in den Himmel schauen der gerade über uns steht. Den Wolken nachblicken, der Vergänglichkeit himmelwärts. Die gemalten Bilder der Wolken, ihre bizarren Gebilde, der Phantasie bleiben sie kurz überlassen.Wir aber hinterlassen Spuren auf der Erde, ob Mensch ob Tier, die Natur, eine Spur wird immer bleiben in all der Vergänglichkeit, am Himmel und auf Erden.
    Liebste Grüsse und ein Danke für Deine Gedanken zum Nachdenken, es hallt in mir nach!
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  2. Mit den Wolken reisen ...
    Das war als Kind mein Traum. Er wurde wahr - nicht immer so wie geplant, aber eben doch möglich.
    Geblieben sind nur die Erinnerungen. Und davon kann man zehren!
    Damit grüßt Dich
    Horst

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  3. lieber Horst
    welch ein gigantischer Gesang auf den Himmel und die ziehenden Wolken darin - darauf - immer unterwegs nach weiteren Zielen anscheinend ziellos strebend ....wunderbar - oher weisst du dass die Dichter und Poeten immer schon den Himmel und seine Weite, das dichte netz der Wolken shärisch besungen haben?
    weil du selbst einer bist - (beantworte ich dir die Frage):-))
    einer, der das kann...
    Bilder in den Himmel malen...
    stundenlang könnt ich schauen und tue das auch ausführlich oft...
    immer dann wenn ein Flieger seinen Kondezstreifen nach sich zieht stelle ich mir vor dass sie durch die Wolken fliegen und entdecke ähnliches was du beim erklimmen des berges beschreibst...
    ich entdecke Fiuren am Himmel - gesichter - Mensch, Tiere die nicht mehr bei uns sind und:
    spreche mit ihnen in Gedanken...so verrückt sind Dichter und Literaten....oder die, die es werden wollen...
    oft fliege ich mit den Kranichen am Himmel in den Süden, dann wenn der Sommer geht und der Herbst kommt...
    wünschte mir dabei zu sein....frei wie der Wind meiner Gedanken...
    du merkst:ich gerate über all deine Worte ins schwärmen....
    herzlichst Angel....mit danke für die Assoziation die dadurch in mir erwachte...

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  4. Bei dieser Deiner Antwort bin ich gern ein bisschen verrückt. weil das unser Dasein ausmacht!
    Was wären wir denn ohne Fantasie, ohne unsere dahinziehende Gedanken,
    die mit den Wolken weiter und weiter wandern.Würde es sich dann lohnen,
    auf unserer zu verweilen? Ich denke: Nein!
    Dabei ist es gleich, wie viel Trübsal wir oft erleiden, das Schöne um uns
    herum bringt die Sphären immer wieder zum Klingen. Ich wünsche mir, dass
    es so bleiben möge, bis in das Abendrot des letzten Tages!
    Auch das möchte ich noch genießen, sag ich mit leisem Schmunzeln. weil
    ich ja weiß, das Du mit uns gemeinsam dieses Bild anschaust.
    Ich grüße Dich in den Abend hinein -
    Horst ☺

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]