16. Oktober 2018

Sonnenlichtspiele



Die Sonne badet genüsslich im Wasser des kleinen Sees. Tausend irisierende Tröpfchen erscheinen wie farbige Bildchen in einem Kaleidoskop von bunten Spiegeln. Die feine Rahmung ergibt sich aus dem bewachsenen Uferrand, Simsen und Binsen strecken ihre grünen Stängel aus dem Wasser heraus, Insekten aller Arten bevölkern deren schmale Blättchen, die sich sanft im Winde bewegen.
       Der Versuch, das Bild der Sonnenscheibe mit der Hand ergreifen zu können ist eine wahnwitzige Vorstellung. Wer könnte den hellen Sonnenglanz auf dem Wasser ergreifen, denn indem er sie zu erfassen sucht, verschwindet sie in der Unendlichkeit der Tiefe, bricht sich in Kaskaden des Lichts, ohne ihre Gestalt wieder anzunehmen.

     Das Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt, der Blick beruhigt sich erst wieder, als die Sonne wiederum auf dem Wasser spiegelnd, das alte Bildnis wiederherstellt. Sonnenlicht auf dem klaren Wasser, unangreifbar und dennoch stets vorhanden. Welch eine Verbundenheit der Elemente in der Natur.
Ein Wasserläufer zieht seine Bahn auf der Oberfläche, ohne dabei das Bild der Sonne zu zerstören. Mit seinem minimalen Gewicht schafft dieses Geschöpf etwas, das niemand kopieren kann, weil es die Oberflächenspannung des Wassers für seine Fortbewegung ausnutzt.
     Das Bild der Sonne spiegelt sich noch so lange auf der Wasseroberfläche, wie die Sonne selbst ihre Reise fortsetzt.Wenn sie den Horizont erreicht, nimmt sie dabei ihr Spiegelbild mit sich, so wie sie auch das Licht in Dunkelheit verwandeln wird.
     Der Wind frischt ein wenig auf, das Spiegelbild verzerrt sich nun in vielen Kräuselungen zu einem wirren Durcheinander von Linien und Punkten, verteilt sich über den ganzen Wasserspiegel. Viele Spiegelbilder konkurrieren nun auf der Fläche des kleinen Sees, vereinigen sich zu einem großen Etwas um kurz darauf wieder als eine Einheit die Wasserfläche zu beleben.
     Der See ist lebendig in seiner Schönheit, er zeigt in der Verbindung mit dem Sonnenglanz die Vereinigung der Elemente in höchster Vollendung. Beides miteinander verbinden zu können bleibt ein nicht erfüllbarer Wunschtraum des Menschen. Warum auch? Gerade die Rätsel der Natur bringen uns doch dem Schöpfer nah. Man darf manches nur erahnen, denn wer alles weiß, hat nichts mehr, von dem er träumen kann.
     Sonne, Wasser, Schattenspiele, die Natur schenkt uns unentgeltlich, ohne etwas dafür zu verlangen, Schönheit und Vollkommenheit in reichem Ausmaß. Wir müssen uns nur in der Hektik unseres Lebens ein wenig Zeit nehmen, um dieses zu erkennen. Ein Blick in unsere Gärten oder öffentliche Parks offenbart uns doch all das, wovon der Mensch träumt. Haben wir nicht schon oft dem Gaukeln der Schmetterlinge an einem herrlichen Sommertag nachgeschaut, haben einen Hummelflug bewundert, wie diese reichlich schweren Insekten mit relativ kurzen Flügeln trotzdem lange Strecken zurücklegen können? 
Diese kleinen Wunder der Natur bringen uns doch dem näher, dem wir einst selbst entstanden sind.
Kennst du die sanften Wellenbewegungen eines Kornfeldes, das sich bei leichtem Wind wie eine Meeresdünung verhält und einen leichten Schleier über sich breitet, der durch Bestäubung hervorgerufen wird? Wenn du das einmal sahst, kommst du aus dem Staunen nicht mehr heraus.

     Die Sonne, das Wasser, die Luft - das sind die Lebensspender unserer Welt! Mag man darüber streiten, was zuerst da war: Das Ei oder die Henne - was ändert das am Leben? Mag der Eine auf die Religion schwören, während der Andere die Naturwissenschaften bemüht - was ändert es daran, dass unsere Welt schön ist, dass sie tausend Wunder aufweist, die wir schon nicht mehr wahrnehmen!
Vergessen wir letztlich eines nicht dabei: Diese unsere schöne, natürliche, einmalige Welt ist dabei, zugrunde zu gehen.
     Und daran ist nicht die Sonne schuld und nicht das Wasser und nicht die Luft, sondern ganz allein der Mensch! Im 1.Buch Mose heisst es: Machet Euch die Erde untertan. Das ist Verantwortung in höchster Potenz. Ob wir nun Atheisten sind oder einer Religion angehören, ob wir Schwarz sind oder Weiss!
Eines ist totsicher: Eine zweite Erde haben wir nicht in Reserve ...

©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. Lieber Horst,
    wie wunderbar ist Gottes Erde und wir sind dabei sie zu zerstören.So wie die Schönheit von Erde und Wasser können wir nicht festhalten was vergeht.Es gäbe viel dazu zu sagen, aber ich stimme hier diesem Text zu in allen Bereichen.Eine zweite Erde als Reserve, nein - die gibt es nicht, aber mit offenen Augen auf dieser Erde schauen und handeln das sollten wir jetzt so lange wir leben.Unsere Kindeskinder werden ihr blaues Wunder erleben, daran sollten wir und unsere Nachkommen denken.
    Liebe, sonnige Oktobergrüße von Klärchen

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  2. Und dieser sonnige Oktober, liebes Klärchen, setzt genau dem Ganzen die Krone auf.
    Wohl dem, der Augen hat zu sehen und die Schönheit unseres Planeten erfassen kann!
    Ich wünsche mir, Dir, uns allen, dass wir es noch lange dürfen!
    Die sonnigen Grüße auch zu Dir ~
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]