20. März 2019

Fernweh



So manches Mal denk ich zurück
in stiller Stunde an die Zeit
von Kindertagen voller Glück;
sie liegt nun schon unendlich weit.

Es war doch eine schöne Zeit!
Zwar hatten wir oft große Sorgen,
doch macht ich mir, trotz manchem Leid,
keine Gedanken um das Morgen.

Es gab ja Bücher voller Abenteuer,
die ich verschlang wie gutes Essen;
das Fernweh brannte heiß wie Feuer
und alles andere schien vergessen.

Da wollte ich in meinen jungen Jahren
- ich war noch lange keine Zehn -
allein zum Amazonas fahren,
und viele fremde Länder sehn.

Ich wollte den Gran Chaco dort erkunden,
auf Humboldts Spuren durch den Urwald gehn
und wenn ich alles dann herausgefunden,
würde auch meine Mutter mich verstehn!

Als meine Lieben noch im Schlafe lagen,
da packt ich meine Siebensachen.
- Ich konnte es doch keinem sagen,
wollt nicht, dass sie sich Sorgen machen -

und zog dann in die weite Ferne,
mit den Klamotten auf dem Rücken
Über mir da blinzelten die Sterne -
der Rucksack fing schon an zu drücken.

Beim letzten Haus in unsrer Strasse
machte ich mit dem Rucksack Inventur:
Zwei Hemden von der Leine, ziemlich nasse,
von meinem Vater eine alte Taschenuhr.

Ein Buch: »Im Urwald lebt ich lange Jahre«.
Drei Strümpfe und ein Kanten Brot,
ein Kamm mit siebzehn Zinken - für die Haare,
ein Maikäfer, leider war er schon tot.

Hier noch ein Buch: »Ich überlebe!”
von Ferdinand von Emmerich,
wenn in den Urwald ich mich dann begebe,
da brauche ich es, sicherlich!

Jetzt aus der Wundertüte einen Kompass,
den hatte ich noch irgendwo entdeckt,
und zu diesem wunderbaren Anlass
in den Rucksack noch gesteckt.

Nachdem ich alles reiflich inspizierte,
kam ich am Ende doch zu dem Entschluss:
Bevor mein Leben ich beim Abenteuer so riskierte,
ich noch ein paar Jährchen warten muss!

So schlich ich heim zu Mutters Speisekammer
und allen war es sonnenklar:
Am Ende kam zum Katzenjammer die Erkenntnis,
dass ein großer Forscher für die Welt verloren war.

So kam dann oft nach manchem Wagnis
am Ende die Vernunft zum Tragen!
Und manches spätere Ereignis
würde ich heut wohl nicht mehr wagen!


***

©by H.C.G.Lux
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Kommentare:

  1. schmunzelnd lieber Horst lese ich dein Gedicht in bunten Versen...
    du dazu auf der Weltkugel unterstreichst damit deinen geplanten Ausflug in die ferne und das Abenteuer die dir durch die eigene vernunft versagt blieb.
    auf Reisen und seinen es auch nur Gedankenreisen möchten wir irgendwann den Jungschuhen entwachsen alle gehen, nicht allen ist die Möglichkeit gegeben dies in Echtzeit zu tun, doch die Gedankenreisen kann man benutzen um ganz ganz weit die gesamte welt ohne Einschränkungen zu sehen...
    du tust das seit Jahren sowohl in deinen gedichten, gedanklichen Reisen auch in den echten geschichten die du selbst erlebt hast.
    Man sieht in jedem Wort von dir dass du dankbar dafür bist darauf zurückblicken zu können...
    eine Gabe die zwar nicht von jedem genutzt wird, aber jeder im Grunde auch hat...
    herzlichst immer noch leise schmunzelnd angelface

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    1. Du hast vollkommen Recht, liebes Engelchen, ich bin wirklich dankbar, zurückdenken zu können! Ich bedaure de vielen Menschen meines Alters, für die so etwas nicht mehr möglich ist. Auch heute noch - obwohl die physischen und materiellen Möglichkeiten nicht mehr so schnell von der Hand gehen, ist mein Fernweh ungebremst. (Das kann manchmal ganz schön frustrierend sein.)
      Egal, wie es auch sei: ich habe damals fürsorglich zurückgesteckt. Etwas später aber konnte ich doch einige Träume als Erlebnis genießen. (Aber auch das war beileibe nicht
      immer ein Kinderspiel! Man denke dabei nur allein an die Möglichkeiten des Reisens am Anfang der 50er Jahre!)

      👀

      Wäre ich so,
      wie alle möchten,
      dass ich sei;
      lebte ich so,
      wie alle meinen,
      dass ich leben sollte;--
      dann wäre doch
      mein ganzes Leben
      nur eine Kopie
      ihrer Fantasie !

      (H.C.G.Lux)

      Danke für Dein Resümme,
      damit grüße ich Dich herzlich,
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]