28. März 2019

Gott und das Kamel!

Aus dem Islam wird uns ein wunderschönes Gleichnis überliefert:
 Die Gläubigen kamen in Scharen, um die Worte des Propheten Mohammed zu hören. Ein Mann hörte besonders aufmerksam und andächtig zu, betete mit gläubiger Inbrunst und verabschiedete sich schliesslich vom Propheten, als es Abend wurde. Kaum war er draussen, kam er wieder zurückgerannt und schrie mit sich überschlagender Stimme:
»Oh, Herr! Heute morgen ritt ich auf meinem Kamel zu dir, um dich, den Propheten Allahs, zu hören. Jetzt ist das Kamel nicht mehr da. Weit und breit ist kein Kamel zu sehen. Ich war dir gehorsam, achtete auf jedes Wort deiner Rede und vertraute auf Allahs Allmacht. Jetzt, oh, Herr, ist mein Kamel fort. Ist das die göttliche Gerechtigkeit? Ist das die Belohnung meines Glaubens? Ist das der Dank für meine Gebete?«
Mohammed hörte sich diese verzweifelten Worte an und antwortete mit einem gütigen Lächeln: 
»Glaube an Allah - und binde dein Kamel fest.«

(aus: Der Kaufmann und der Papagei von Nossrat Peseschkin)

camel

Glaube an Allah, aber bitte, binde zuerst dein Kamel fest!
 Welch eine Aussage des Propheten! Sie weckt Zweifel, obwohl daran nichts Zweifelhaftes ist. Sie weckt Ängste, obwohl diese Worte lediglich darauf hinweisen, dass alles sicher sein wird, wenn wir selbst wach bleiben und damit etwas für diese Sicherheit tun.
Das ist kein Schlagwort der damaligen Zeit. Das ist heute noch genau so gültig, und zwar im Islam genau wie im Christentum!
Vertraue Gott, aber binde erst dein Kamel an, damit es dir nicht verloren geht! Für mich bedeutet das unter anderem, dass man Gott zu jeder Zeit vertrauen kann, dennoch nicht alles, was man selbst tun kann, ihm dann träge zu überlassen!
 Diese kleine Geschichte zeigt uns doch, dass der Glaube uns nicht entbindet vor dem Tun dessen, was uns der gesunde Menschenverstand sagt. An Gott glauben heisst doch nicht einfach, leichtsinnig durchs Leben zu wandern. Es heisst doch nicht, am Schluss Gott für die Folgen unserer Leichtsinnigkeit verantwortlich zu machen.
Gott lässt sich nicht instrumentalisieren. Die Geschichte ermutigt uns, beides zusammen zu bringen: das Vertrauen auf Gottes Hilfe und unser eigenes Dazutun.
Mit Gott im Rücken vermögen wir uns den Herausforderungen des Alltags zu stellen.
 »Glaube an Gott, aber binde dein Kamel fest!«

©by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. welch ein leidenschaftliches Plädoyer...
    gibst du uns zu Zeiten der Fastenzeit zum mitdenken auf...
    alle die zweifeln werden angesprochen...
    was werden die sagen die den Glauben nicht kennen?
    ich bin gespannt ob ein Feed back kommt und wenn - von wem und wie es aussieht...
    herzlichst ein Gruß zum Tage
    angekface

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Engelchen - Feedback ist mir nur dann wichtig, wenn ich etwas Falsches geschrieben habe!
    Sonst kann ich ja nichts verbessern, nicht wahr? (Eure Kommentare sind davon allerdings nicht betroffen!
    Wenn also mein Glaube nicht falsch ist, kann ich mich beruhigt zurücklehnen, meinen Kaffee genießen und darauf warten, dass mein "Kamel" zu mir zurückkommt. 🐫
    Zweifel, JA.
    Trotzdem glauben, ebenfalls JA.
    (Ich halte mich an den uralten Grundsatz: Wenn es einen Gott gibt, kann ihn keiner abschaffen.
    Gibt es aber keinen, wozu dann die verzweifelten Anstrengungen, es zu tun?)
    Mit ganz lieben Grüßen - Horst😉

    AntwortenLöschen
  3. Gott ist in uns , und um uns. Wenn man daran glaubt ist er da und existiert. Verantwortlich bin ich für mich selber, das beeinflusst all mein Tun und Handeln.
    Liebe Grüsse in den Sonntag, von Klärchen

    AntwortenLöschen
  4. Was gäbe es da noch zu bemerken? ICH bin verantwortlich.
    Wie oft höre ich die Klage:"Wie kann Gott das zulassen?"
    Da schüttle ich nur den Kopf und sage: Ihr habt nichts, gar nichts begriffen ...
    Grüße in den Sonntagabend, liebes Klärchen.

    AntwortenLöschen

[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]