24. Mai 2019

Kirche? Nein, danke!

Ja, ich weiß, ein heißes Thema, nicht wahr? Kommt darauf an, von welcher Seite man es betrachtet. Der Eine denkt an die »Institution Kirche« mit ihren Formalien, mit alten überkommenden Rattenschwänzen und Schwächen. Der Andere meint die Gemeinschaft der Gläubigen, die sich im Glauben trifft und oft belächelt oder offen verspottet wird.
Der 
Dritte wiederum sieht die alten, oft wunderschönen Gebäude vor sich mit einem Abglanz historischer Zeiten.
Mancher bewundert das Bauwerk als solches. Die nachgelassene Baukunst unserer Ahnen ist ja auch oft bewundernswert.
Und wieder ein 
Anderer schaut auf seine Steuererklärung und sagt ganz eindeutig: "Nein, ohne mich!" dazu.

Außer zu Gottesdiensten gibt es nun unzählige andere Möglichkeiten, eine Kirche zu besuchen. Oft sind es auch ganz profane Umstände, die einen Menschen den Weg in eine Kirche finden lassen. Vielleicht regnet es gerade unvorhergesehen? Oder, an einem heißen Sommertag, wo ist es da kühler als in einer Kirche? Und in der Hektik des täglichen Lebens möchte man vielleicht ganz einfach einmal Ruhe finden! 

Ich denke, gegen solche unvorhergesehenen Besucher ist überhaupt nichts einzuwenden! Ich habe dabei schon oft erlebt, dass da jemand dabei war, der eine Kirche schon seit vielen Jahren nicht mehr von innen gesehen hat. Es kann ja sein, vielleicht, dass dann von seinem Besuch eine Kleinigkeit bei ihm haften bleibt. Wer weiß das so genau? Unser Vater geht oft seltsame Wege mit seinen Kindern.

Eine jugendliche Besucherin sagte mir einmal sinngemäß:
»In einer Kirche fühle ich mich immer so winzig klein,
es ist immer ein leises ehrfurchtsvolles Gefühl dabei. Ich fühle, dass Gott hier zu Hause ist. Und ich weiß dann nicht,
wie ich ihm gegenübertreten soll!« 


Ich war damals sehr betroffen. Weil ich irgendwie fühlte, dass hier doch ein Denkfehler sein musste. Etwas später hätte ich ihr eine gute Antwort geben können; leider war sie da schon fort. Ist da etwas dran an dieser Aussage?
Meiner Meinung nach nur ein winziges Teilchen.Vielleicht aber sind diese Sätze auch nur eine Quintessenz einer Anschauung, die jahrhundertelang das Leben des Menschen bestimmte. Teilweise leider auch noch heute.
Gott wohnt in der Kirche. Dieses Bauwerk ist gewissermaßen sein Wohnsitz, seine Adresse. Und da soll er auch gefälligst bleiben. Und sich ja nicht einmischen in Dinge, die außerhalb dieses Gebäudes vorgehen!
Was ist das doch für eine Vermessenheit von uns. Wir sperren Gott damit ein in die Abgeschiedenheit eines Gefängnisses. Es ist zugegebenermaßen ein schönes, kostbares Gefängnis, aber es bleibt halt ein solches.
Natürlich hatte das Mädchen auch Recht: Gott wohnt in der Kirche. Aber sie hätte das kleine Wort »auch« hinzufügen müssen. Gott wohnt überall da, wo man ihn wohnen lässt! Und da ist die Palette der Möglichkeiten riesenhaft!
Das kann die Halle des Hauptbahnhofs sein wie auch der Arbeitsplatz am Band. Das Büro genau so wie meine Garage in der ich mein Fahrzeug nach einer Fahrt mit einem »Gott-sei-Dank, wieder zu Hause« abstelle.
Ja, und solch ein winzig kleines Gebet- und es ist ein Gebet, wenn es denn nicht sinnlos dahingeplappert wird,- führt dann auch gleich zum zweiten Teil der Aussage des Mädchens: »Ich weiß dann nicht, wie ich ihm gegenübertreten soll!« 
Viele von uns wissen es auch nicht. Und dabei ist es doch ganz einfach: Wir treten ihm gegenüber wie einem guten Freund, wie einem Verwandten. Noch einfacher gesagt: Wie vor einem Vater! Wie tritt man nun seinem Vater gegenüber? Genau! Man spricht mit ihm!
Und da kommt nun der wunde Punkt bei uns allen: Wann sprechen wir denn einmal mit diesem Vater, unserem Vater? Wenn es uns einmal nicht so gut geht? Wenn wir vielleicht nicht mehr ein- und aus wissen? Wenn wir etwas brauchen, wenn wir einen Wunsch haben! 
Es ist doch so. Wenn wir von »Beten« sprechen, meinen wir in erster Linie »Bitten«! Vielleicht liegt das am deutschen 
Wortstamm Gebet? In anderen Sprachen heißt Beten zunächst einmal Danken und Loben! 

Jesus Christus hat einmal gesagt: »Bittet, so wird euch gegeben!« Aber doch nicht so, wie man einen Automaten bedient. Oben `nen Euro rein und unten kommt dann die Ware heraus. Gott als Vollzugsbeamter unserer Wünsche, ein seltsamer Vorgang, nicht?
Ihm richtig gegenübertreten, das heißt mit ihm reden. So wie Christus es getan hat. Zum Beispiel in Gethsemane: Da drängen sich auch menschliche, allzu menschliche Wünsche vor: »Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!«
Aber dann, dann kommt das Wichtigste: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!«

Ja Freunde, alles gar nicht so einfach, nicht wahr? 

Und dann: Zum rechten Beten gehört auch das Danken! Und wenn wir nicht wissen, wofür wir danken sollen - nun, dann wäre es doch einmal ganz gut, darüber nachzudenken, was wir alles zu verlieren haben!
Gott gegenübertreten, das muss nicht in der Kirche sein! Es heißt ganz einfach, ein Gespräch mit ihm führen! Laut oder leise, oder auch lautlos. Zu Hause oder in der Kirche oder im Wagen, oder beim Joggen. Er hört zu. Immer! Und eines ist sicher: Er gibt auch Antwort! Jedem. Wir müssen nur hinhören!
Und wenn wir - du und ich - uns einmal richtig prüfen, dann werden wir zugeben müssen, dass er schon oft zu uns gesprochen hat. Jeder von uns, da bin ich mir ganz sicher, hat das schon einmal erfahren... 


Sören Kierkegaard sagte dazu:

"Beten heißt nicht, sich selbst reden hören,
sondern heißt dahin kommen,
dass man schweigt,
und im Schweigen verharrt,
bis der Betende Gott hört." 


© by H.C.G.Lux

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]