17. Juli 2019

Die Alten?!



Ich höre oft - zu oft - die alten vorgedachten und vielfach verbreiteten Vorurteile, wenn es um die Meinung der jungen Generation geht:
... die wissen alles besser,
      die sollen erst mal ...
                    die haben doch keine Erfahrung.

Ja, es ist doch leider so, dass wir Alten das Wissen der Welt für uns gepachtet haben. Die alten Damen und Herren, die ja immer häufiger werden, müssen sich ständig bemerkbar machen. Da denkt man manches Mal an Noah oder Methusalem; es ist aber auch möglich, bei Bob Dylan mit seinem Song »Forever Young« aus dem Jahr 1974. Das scheint schon fast die Hymne dieser Generation zu sein, nicht wahr?
Die Haare sind grau oder weiß oder gar überhaupt nicht mehr da. Der Rücken schmerzt in jeder Lage und die Beine tun es auch nicht mehr richtig!
Aber in unserer eigenen Vorstellung sind wir offenbar alle 25 oder manchmal auch 30 geblieben, wir stürzen uns mit Elan und Wissen oder Halbwissen in jede Diskussion.
Wenn wir mit 65 oder 67 aus dem Berufsleben ausscheiden, hat das doch gewiss auch seinen Sinn. In diesem Alter hat man geleistet, was zu leisten man imstande war. Manches gut, worauf man stolz sein kann; einiges nicht so gut, damit kann man sich über kurz oder lang abfinden. Mit 75 steigt kein Maurer mehr aufs Baugerüst, kein Landwirt bestellt mehr mit 80 seine Äcker.
Nur Intellektuelle meinen, nicht aufhören zu können -oder zu dürfen. Dabei ist doch alles, was diese Generation geleistet hat, bei Lichte besehen, nicht wirklich so dolle! Schaut man sich den Zustand der heutigen Welt an, die wir mitgestaltet haben, wäre ein beschämtes Schweigen wohl eher angebracht.
Es ist ja auch nicht so, dass wir keine nachfolgende Generation hätten. Mir fällt bei Gesprächen mit 30-40-Jährigen auf, dass sie einen pragmatischen Realitätssinn besitzen, der z.B. den 68ern immer fehlte! (Und in manchen Bereichen immer noch fehlt!)
        
Deshalb hätte ich einen Vorschlag an diverse Medien: Nächstes Mal, wenn wieder etwas zur Debatte steht, das hundertprozentig Gegendiskussionen auslösen wird, fragen Sie bitte nicht die unvermeidliche Division der »Alten Garde« an, die früher mal im Rampenlicht standen.


Fragen Sie dann bitte die Jüngeren um Rat. Auch wenn diese frisch von der Schulbank kommen, noch keinerlei Erfahrung besitzen und bunten Blödsinn reden - es ist dann doch wenigstens ein frischerer Unfug - ohne den Mief von Jahrzehnten!
Ist es nicht so, dass mit den Jahren auch das Gedächtnis bei uns dafür nachlässt, dass man manches häufig schon x-mal entweder so oder gegensätzlich erzählt hat?
Ja, und die Genossen meiner Altersklasse
(keine Angst, ich weiß schon noch, wie alt ich bin ) sollten sich nicht nur »Forever young« zu Gemüte führen, sondern gelegentlich auch mal bei »MyGeneration« von ›The Who‹ von 1965 reinhören. Da heißt es ganz leise, aber bestimmt:   »Hope I die before I’m old!«                                    
        
Nun, sterben soll ja nicht unbedingt gleich sein, das ist gewiss nicht nötig. Aber den Mund rechtzeitig zu halten und nicht immer den Quark von Gestern zu wiederholen, das wäre keine schlechte Idee!   
Wir Alten haben gesagt, was wir zu sagen hatten. Punkt! Jetzt soll endlich die nächste Generation das Wort bekommen!
Ob ich das wohl noch erlebe? 

©2019 by H.C.G.Lux

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]