18. Juli 2019

Flucht und andere Kleinigkeiten

 

Siebzehn, eine Zahl, die eigentlich nichts Besonderes aufweist. Siebzehn. Nun gut, beim »Black Jack« vielleicht ganz angebracht. Aber hier? Da wäre mir die Drei, oder auch die Vier bedeutend lieber. Aber was soll ich machen, etwa vor mich hin grummeln?
Das ist mir zu dumm, also setze ich mich brav auf einen der beiden freien Stühle.
        Freie Stühle? Ach, ich vergaß, du weißt ja nicht, wo es mich heute früh hingetrieben hat, nicht? Möchtest du das wissen? Gar kein bisschen neugierig?
Doch ich sage dir, wo ich bin, es hätte ja keinen Sinn, es für mich zu behalten, dann wäre ja dieser ganze Schrieb für die Katz!
        Also, damit deine Neugier befriedigt wird: ich sitze jetzt im Wartezimmer der Praxis eines Allgemeinmediziners! Warum? Na, du fragst aber, alte Menschen haben nun mal hier und da ihre kleinen Wehwehchen, von denen man doch gern wissen möchte, woher und warum und wieso. Du nicht?
Glücklich ist, wer vergisst, was nun nicht zu ändern ist! Das war, so glaube ich, eine der Operettenmelodien, die mit der Zeit aus der Mode gekommen sind. 
Heute liebt man ja den »Sprechgesang« als unmelodiöse Verballhornung der menschlichen Stimme.
        
       Ich bin also beim lieben Onkel Doc und warte, dass die sechzehn noch vor mir plazierten Mitmenschen ihre unbequemen Stühle freimachen und durch eine der beiden Türen verschwinden, um irgendwann mit einem leisen »Tschüss« durch die Ausgangstür das Weite zu suchen. Aber das kann dauern, denke ich so bei mir.              

Ich schaue mich um: Wo gibt es Lesestoff? Der kleine Tisch in der Mitte des Raumes lacht mich an. »Hier«, ruft er mir leise zu, »ich habe einiges für dich!« Hoch erfreut ob des freundlichen Angebots hebe ich meinen edlen Körper vom Stuhl und strebe diesem kleinen Tischchen zu. Wahrlich, eine erkleckliche Anzahl von bunten Blättern streckt sich mir da entgegen. Großformatige Überschriften recken sich empor. Ich bin erstaunt.

        »Schlafen Sie schlecht? Ein Ratgeber für gute Nachtruhe!«
Wird da eventuell ein Gute-Nacht-Liedchen geträllert?
       
 »Ihre Bandscheibe macht Beschwerden? Wir zeigen Ihnen, wie Sie diesen aus dem Wege gehen!«
Donnerwetter was mache ich dann ohne dieselbe?
         
        »Der Darm, Ihr wichtigstes Organ! Nur Mut, es gibt Hilfe! Wir zeigen ihnen wie!«
Aber bitte: Auf’s Klo geh ich schon gern allein!
       
 »Wenn ›ES‹ nicht mehr so richtig klappt! Nicht verzagen,
Dr. Chiasis fragen«
Der gute Mann gibt Hilfestellung, in allen ’Lagen’. Vielleicht mit anschaulichen Beispielen?
 Und da liegt noch ein anschauliches Blatt. Besonders dicke rote Lettern:
        »Was Professor Dr.Majoran zur Krebsdiagnostik anmerkt: Rauchen Sie nicht, trinken Sie nicht, machen Sie keinerlei ›Spielchen‹, dadurch können Sie versuchen, der Krankheit zu entkommen!«
Na gut, vielleicht klappts ja, wenn nicht - er ist ja nicht verantwortlich …

***
        Nein, also, was tue ich hier? Allein vom Lesen all dieser Gesundheits-Postillen spüre ich überall schon gewisse kleine Beschwerden. Rechter Unterbauch, das kann doch nur der Appendix sein!              
Ätsch - geht ja nicht, ist ja schon 70 Jahre raus!

»RAUS« ist ein sehr guter Rat, macht’s gut, Freunde!

©by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. bei dem Lesestoff würde ich auch schnellstens das Weite suchen lieber Horst, das ist ja abtörnend!!!!!
    ein sehr humoristischer bericht um nicht zu sagen eine Anekdote die zum lächeln-schmunzeln und schallend lachen bringt. also genau das Richtige was einen dazu verleiten lassen könnte diesen Ort doch nicht zu verlassen weil: er ja doch positives hervorzeigen kÖNNTE, nämlich eine genaue Diagnose deiner kleinen oder großen Wehwehchen....wehe der Doc schikct sie dir nicht zu, dann könnre es ja sein, dass du grübelnd im bettchen liegst und dich fragst, warum habe ich jetzt ausgerechnet Aftersausen und Brustweh zu gleicher zeit?...
    lacht angel...zu dir...

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    1. Liebe Angel, du packst noch einen drauf: Aftersausen und Brustweh . . . ich lache noch immer. Herrlich!
      Ganz liebe Grüße und alles Liebe für dich
      Ingrid

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  2. Jaaau, Engelchen, Lachen ist die beste Medizin. Ich überlege, ob ich mir solch ein "Exemplar" aufs WC hänge?

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  3. tu das, dann wird dein Aufenenthalt dort - nicht allzu langweilig....! grinst dat Engelschen....

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]