28. Juli 2019

Sorgen oder was sonst



Ich denke, es gibt niemand auf der Welt, der dieses Wort nicht kennt, der sich noch nie mit den Tatsachen befassen musste, die dieser Begriff nun mal mit sich bringt. Sorgen, das sind in allen Sprachen der Welt Dinge, Angelegenheiten und kummervolle Anlässe, die so manchen Menschen das Leben schwer machen.
         Was sind Sorgen? Ist das die Quintessenz aller unangenehmen Dinge, die wir unterlassen haben? Oder das Fazit aller Fehler, die übrig bleiben, wenn wir mehr wollen, als uns angemessen erschien? Ganz gleich, was immer wir als Einzelner darunter verstehen; Sorgen beinhalten immer und ausschließlich das, was uns selbst oder unseren Nächsten Kummer bereitet oder bereiten kann!
         Seit ein paar Jahrzehnten hat sich in unserem Sprachschatz ein Wort eingenistet, das unsere Eltern noch nicht auf ihrer Sprachpalette hatten: Entsorgen!
Sprachlich gesehen hat es die Bedeutung von »uns von den Sorgen befreien!«Inhaltlich jedoch geht es genau diesen Möglichkeiten aus dem Wege, indem es auf Umwegen zu einem völlig neuen sächlichen Begriff wird - entsorgen!
         Wenn wir Gegenstände entfernen, die wir nicht mehr brauchen, wenn wir etwas loswerden möchten, dann sprechen wir von »entsorgen« Beispielsweise »entsorge« ich meine uralten Computerteile, die ich schon längst loswerden wollte. Ich entsorge Videokassetten, die seit Jahren schon ihre Eigenschaft aufgegeben haben, ich entsorge meinen Hausmüll, ich entsorge dieses und jenes!
         
           Haben mir diese Gegenstände, all diese Dinge, von denen ich mich endlich trennen will, hat mir dieser ganze Müll »Sorgen« bereitet? Ich denke, das hat überhaupt nichts mit Sorgen zu tun, es ist lediglich eine Floskel in unserer Sprache, die uns in Ermangelung eines anderen Begriffes einfach »zugeflogen« ist.
         Entsorgen? Es ist doch gemeinhin so, dass wir Menschen immer und zu jeder Zeit etwas zu entsorgen haben. Oder glaubt vielleicht jemand, bei ihm wäre stets alles im Lot? Das wäre dann aber doch eine Fehleinschätzung, die schleunigst zu korrigieren ist!
         
           In unseren Gedanken läuft oft alles wie Kraut und Rüben durcheinander, wir denken dies und jenes, behaupten manches, müssen oft auch zurückrudern. Wir ärgern uns in dieser Minute über eine Aussage, kurze Zeit später haben wir erkannt, dass der Gegenpart doch Recht hatte. Wir sind mit unseren Einschätzungen schnell bei der Hand - wie leicht ist es doch, an Vorurteilen festzuhalten. Etwas später stellen wir fest: Mensch, das stimmt ja so gar nicht!
         Es sind unendlich viele Einzelheiten, mit dem unser Gehirn sich täglich auseinandersetzen muss. Wie kann es sein, dass alles - wirklich alles - richtig und fehlerlos bei uns ankommt - oder auch weitergeleitet wird?
Halten wir nun für immer an diesen Fehleinschätzungen fest? Oder haben wir den Mut zuzugeben: Ja, du hast Recht, ich bin einem Fehler aufgesessen!
         Wenn wir nun genügend von diesen Trugschlüssen gesammelt haben, müssen wir sie doch auch einmal loswerden, nicht wahr? Oder aber mitschleppen bis zum St.Nimmerleinstag. Einfacher wäre es, sie zu »entsorgen«! Für alle Zeiten abwerfen.
          
Eine Frage dazu: Wo lässt DU entsorgen? Wenn du die Antwort kennst, dann bist du gut dran! Denn dann kannst du beruhigt sein - es wird alles einmal gut werden!


©2019 by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. mit dem Wort "entsorgen" sieht man deutlich wie schwer und oft kompliziert ein einziges Wort fehlgedeutet werden kann, früher gab es das nicht, doch sicher ein anderes dafür.
    wir entsorgen Dinge die: überflüssig, unerwünscht, nicht mehr gebraucht - ja, wir wollen sie loswerden.
    Meinst du es machen sich viele Menschen heutzutage noch über Begriffe die sie einsetzten Gedanken?
    ich finde, es ist ein treffendes Wort dafür.
    Liebe Grüße in deinen Tag lieber Horst, schön, dass dir zu so vielen begriffen und Themen so gescheites einfällt.
    herzlichst angelface

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  2. Das ist nun mal eine gute Aussage: Fast niemand macht sich Gedanken über unsere wörtliche Rede.
    Schade eigentlich - wir haben so eine wunderbare Sprache, die oft so einfach verhunzt wird. (Oder amerikanisiert, was ich fast als ebenso dumm halte!)
    Ich versuche, so weit es möglich ist, bei mir diese Auswüchse gering zu halten, ohne wie Don Quichotte gegen Windmühlen zu kämpfen! (Was ja auch nicht mehr einfach ist, nicht?

    Bleib gesund, gib Deinen Blümelein Wasser, so wie ich es jetzt tun werde und mich damit
    "vom Acker mache"☺
    Horst

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  3. Lieber Horst, als ich mir eben deinen Beitrag von den Sorgen , dem entsorgen der Sorgen und allem was dazu gehört nochmals zur Brust genommen hatte, dachte ich so leise bei mir:
    was macht man eigentlich wenn einem ein mensch, ein Freund - ein Nachbar ect. SORGEN bereitet, Kummer weil er sich fehl-verhält, einen betrügt oder belügt,man sich über ihn ärgert bis zum auswachsen, man darüber schlaflose Nächte zurückbehält?
    kann man Menschen auch " sozusagen entsorgen"?! und sage ja, tue es , lösche ihn aus deinen gedanken und sei froh wenn es auch andere gibt die dir nicht schaden.
    das waren so die nächsten Gedanken zu deinem Thema, du siehst du bist eine anregende Inspiration und deine Sprache wie du sie verwendest für mich immer wieder eine große Freude zu lesen.( Gerade deshalb weil es immer weniger davon zu lesen gibt.)
    herzlichst angelface

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  4. »Kann man Menschen auch " sozusagen entsorgen"?! und sage ja, tue es , lösche ihn aus deinen Gedanken und sei froh wenn es auch andere gibt die dir nicht schaden.«
    ***
    Wenn das so einfach wäre, würde ich es auch gern tun. Leider machen die eigenen Gedanken dann fast immer einen Strich durch die Rechnung!
    Irgendein Philosoph - I do not know who - erklärte einmal, dass man, solange man an jemanden denkt und sich mit ihm beschäftigt, (in welcher Art auch immer),immer noch Gefühle für ihn hätte! Erst wenn völlige Gleichgültigkeit da wäre, wäre er -praktisch- "entsorgt"!

    Vielleicht ist das mal ein Anhaltspunkt?
    meint mit lieben Grüßen
    Horst

    Ich denke, da ist viel Wahres dran.

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]