25. September 2019

Wasserschaden


Dr.Sauerbier hatte einen wirklich schweren Tag hinter sich. Die Praxis war heute wieder einmal überfüllt - und dann die vielen Notfälle dazwischen - es war höchste Zeit, für heute Schluss zu machen. Elvira, seine Frau, hatte schon mehrfach angerufen, der Doktor hatte jedes Mal abgewinkt, wenn die Assistentin darauf ansprach. Inzwischen war es schon 22 Uhr geworden, erschöpft saß der Doktor in einem Behandlungsraum und versuchte sich zu entspannen. Seine Mitarbeiterinnen waren bereits auf dem Wege nach Hause.
      Da kam wieder ein Anruf von Elvira, dieses Mal über Smartphon: »Wo bleibst du denn? Es ist wirklich eilig, ich habe doch schon dreimal versucht, dich zu erreichen. Wir haben einen Rohrbruch im Keller, es steht alles unter Wasser, der Partykeller, die Vorratsräume - und ich kann keinen Klempner erreichen! Bitte komm sofort!«
         Dr.Sauerbier war entsetzt. Rohrbruch? Unter Wasser? Der Partykeller mit den wertvollen Geräten und Instrumenten?
Noch nie in seinem Leben war er so schnell aus seiner Praxis entflohen, vergaß dabei, die Tür zu schließen, schon im Wagen sitzend, musste er wieder aussteigen und das Versäumte nachholen.Und dann in einem Blitztempo mit 130 km/h durch die Innenstadt - im Moment war ihm alles egal.
         Als er daheim ankam, stand seine Frau völlig aufgelöst mit dem Telefonhörer in der Hand vor der Haustür und winkte verzweifelt. Aus einem offenen Kellerfenster sprang ihm eine gewaltige Wasserfontäne entgegen. Dr. Sauerbier entriss seiner Frau den Telefonhörer, wählte aufgeregt die Nummer eines bekannten Klempners und bat um dringende Hilfe zu diesem Notfall. Der Installateur jedoch meinte, dass er jetzt Feierabend hätte und er sich schon bis morgen früh gedulden müsse.

      »Was heißt hier Feierabend«, der Doktor schrie regelrecht ins  Telefon hinein, »wenn ich zu einem Notfall gerufen werde, komme ich ich auch umgehend und so schnell ich kann, auch wenn es mitten in der Nacht ist!«
»Ja, ja«, der Klempner beruhigte den Arzt, »ich bemühe mich ja, bin ja gleich bei Ihnen!«
      Nach 45 Minuten traf er dann auch ein, beruhigte den aufgeregten Doktor, ging sodann mit ihm in den Keller, um die Sachlage zu prüfen. Hier sah es böse aus! Bis zur Oberkante der Treppe stand der Keller vollkommen unter Wasser.
»Ja, soso, aha«, der Handwerker kratzte sich nachdenklich am Kopf, dann entnahm er seiner Werkzeugtasche zwei große dicke Dichtungsringe und warf sie ins sprudelnde Wasser.
Dann meinte er zufrieden: »So, das müsste erst mal helfen. Wenn es bis morgen nicht besser wird, rufen Sie nochmal an! Ich wünsche eine gute Nacht!«

©by H.C.G.Lux

1 Kommentar:

  1. erst heute lieber Horst komme ich dazu Alte Artikel und Beiträge nachzulsen"....wobei mich dein übersprudelndes Temperament beim erzählen sehr erfreut, nicht verwundert und mich mit Vergnügen eine andere Variante des schreibens bei dir erahnen lässt....
    wunderbar sage ich...schmunzelnd....sooo viel Leidendenschaft....:-)) grinst angel....die sich fürn paar Tage wieder im heimischen aufhält.

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]