28. Januar 2020

Romantik gestern und heute ...


Wenn man heute den Begriff »Romantik« hört, denkt man mit Sicherheit an »Kerzenlicht, trautes Beisammensein, oder Sonnenuntergänge. Und doch sind die Liebesschwüre in Gedichtchen und die »Schmetterlinge im Bauch« etwas völlig anderes, als das, was Romantik eigentlich bedeutet! 
Ja - im Grunde genommen müsste man für das, was heute unter "Romantik" genannt wird, einen völlig neuen Begriff prägen!
Glückseligkeit, Leidenschaft, Euphorie kämen in Frage - treffen aber auch nicht das Ziel.

Romantik ist im Sinne des Begriffs etwas unbestreitbar anderes! Der Begriff hat sich seit 300 Jahren in vielfacher Form gewandelt. Romantik war eine literarische Epoche, die etwa von 1795 bis 1848 ihre hohe Zeit hatte. Der Begriff entstammt den französischen Wörtern roman, romance und bezeichnete Werke, die in der Volkssprache des jeweiligen Landes statt in Latein geschaffen wurden!
        Die Romantiker wandten sich von den Vorbildern der Antike ab und mehr der alltäglichen Sprache des einfachen Volkes zu. Ihnen fiel sozusagen die Aufgabe zu, die Welt zu romantisieren, d.h. geheimnisvoll zu gestalten. Sie lehnten damit die Lebensrealität der aufklärenden Zeit als auch die erzieherischen Anliegen der Klassik entschieden ab.

        Zwischen dem Ende des 18. und der Mitte des 19. Jh.  war für die Menschen in Europa das Leben von vielen sozialen Umbrüchen geprägt. 1789 brachte die Französische Revolution weitreichende Umgestaltungen innerhalb Europas nach sich. Auch der Fortschritt in Wissenschaft und Technik, der schon den Anfang des industriellen Zeitalters anzeigte, brachte große Verunsicherung für  die Menschen. Die Welt veränderte sich mehr und mehr. Die Verstädterung und die einsetzende Industrialisierung wurde nun von den Romantikern als 
herzlos, grau, und menschenfeindlich empfunden.
         Die Kritik an dieser Gesellschaft, die sie zunehmend nur als bloßes Streben nach Besitztum und Gewinn ansahen, wuchs in zunehmendem Maße. Nach dem Verständnis der Romantiker war die Welt zerrissen: auf der einen Seite die Welt der Vernunft, auf der anderen die des Gefühls. Um der gefühlskalten Welt zu entkommen, flüchteten sie in Fantasie und Mystizismus. Vor dem Hintergrund dieser Weltflucht wandten sich die Autoren der Romantik in verstärktem Maße den Märchen, Sagen und Volksliedern zu. Außerdem verehrten sie das Mittelalter und die Schönheit der Natur!
      Das Ideal, das sie anstrebten war eine Dichtkunst, in der Wissenschaft, Religion, Poesie und Prosa gleich verteilt sind; wo Epik, Lyrik, Dramatik über alle Grenzen hinaus miteinander verbunden werden.
      An Stelle von starren Grenzen sollte damals die romantische Literatur weltoffen sein und niemals vollendet werden können. Das bekannteste Motiv für die Romantik war die »Blaue Blume«.
Die Sehnsucht an sich wurde in dieser Epoche durch die »Blaue Blume« stilisiert, der Dichter NOVALIS griff dieses Thema erstmalig auf.
      Andere Motive dieser Zeit waren dann noch das Fernweh, die Todessehnsucht oder das Nachtmotiv. Gerade Letzteres war für viele Dichter besonders wichtig! Die Nacht symbolisierte nicht nur die Dunkelheit sondern auch das »Geheimnisvolle«, das Mysteriöse, sie galt auch als Quelle der Liebe. Und damit schloss sich dann der Kreis der Romantik!
        Wir sehen heute dieses Wort ein wenig anders. »Er/sie ist so romantisch!« Oder: »Es sind so romantische Verse!« Man spürt, dass die Bedeutung eine andere Gewichtung erhalten hat. Das ist bestimmt kein Manko, im Gegenteil; ich glaube aber, dass ich schon mal darüber nachdenken müsste, wenn ich dieses Wort sinngemäß benutzen möchte.


©by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. romantik als bezeichneter begriff eines Gefühls klingt weich, sehnsuchtsvoll,sentimental und verhalten, leise ja und auch eventuell etwas geheimnisvoll wenn es um Menschen und deren Liebesschwüre und Verhalten zueinander angeht.So denke ich an die Romantik wenn ich die Zeit in der sie" offiziell stattfand " herausnehme.
    Wenn man in Tagebücher schrieb, dem Liebsten ungeniert um den Hals fiel, sehnsuchtsvoll in den Himmel schaute, sich schönes wünschte und auch viell. ein kleines Tränchen weinte - wurde man als sentimental und romantisch bezeichnet.
    aber ich denke das meinst du jetzt nicht mit denem Beitrag.._))
    schön wie doch die deutsche Sprache viele Deutungen zulässt und jeder sie interpretieren kann..
    warum nutzen wir sie eigentlich nicht besser ?????
    Romantisch leise Umschreibungen in der Natur, dem Himmel und den Sternen sind mit Sicherheit als romantisch zu betrachten.
    ....
    hm...verzettle ich mich da grad?:-))
    herzlich schmunzelnd..kann man das überhaupt..? angelface



    AntwortenLöschen
  2. Ich denke auch, dass man alles nebeneinander stehen lassen kann, liebes Engelchen!
    Wie man es benennt, ist völlig egal; die Hauptsache ist, das man "fühlt", nicht wahr?
    ganz romantisch grüßt Dich -
    Horst~

    AntwortenLöschen
  3. Ich lese gerade,wie die Romatik,doch so viele Facetten hat. Man kann alles so oder so auslegen. Du hast es schön breit gefächert , lieber Horst.Romantisches liegt für mich mehr in der Natur und wenn ich die richtigen Menschen da um mich habe, kann ich es wunderbar genießen.Romantik wurde wie Du auch beschreibst in jeder Epoche anders gelebt.
    Ja, das Gefühl für Romantik zu haben, ist sicher etwas besonderes.
    Liebe Grüsse zu Dir und Deiner Liebsten, herzlichst Klärchen

    AntwortenLöschen

[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]