21. Februar 2020

Digitale Wunderwelt?



Also, mein Neffe ist ein Mensch, der mitten im wunderbaren modernen Leben steht. All das, was seine Eltern sich in früheren Zeiten anschafften - es sich sozusagen vom Munde absparten, entlockt ihm - wenn überhaupt - nur ein mildes Lächeln. »ist doch alles unmodern, wer hat denn heute noch so etwas, - oh was seid ihr doch rückständig ...«!
         Solches ›Blabla‹ ist immer häufiger zu hören, wenn er mal seine Eltern mit seinen seltenen Besuchen beehrt. Das kommt daher, dass bei ihm in seinem modernen Haushalt alles nur noch digital abläuft.
Er klatscht in die Hände, und die Fensterläden schließen sich. Er ruft »Musik« und die Anlage gibt Beethovens ›Eroica‹ wieder; Waschmaschine und Trockner werden vom Supermarkt aus angestellt, das Garagentor öffnet sich durch Blickkontakt mit seinen stahlblauen Augen und die Badewanne füllt sich durch zweimaligen Pfeifton. Natürlich fehlt auch ein Super-Saugroboter nicht in seinem Digital-Technik-Wohnkomplex. Der wird einfach programmiert und macht dann zur festgelegten Zeit seine Arbeit ohne Murren.
        Ja, so ist es eben bei Detlef daheim. Schlimm wird es nur, wenn mal ein neuer Hausbewohner dazukommt! 

Mimi, das junge Kätzchen vom Töchterchen, war leider noch nicht ganz stubenrein! Und bei so einer dringenden Gelegenheit hat sie dann doch mal ihr Katzenklo nicht mehr erreichen können - oder wollen - und da der kleine Reinigungsroboter nichts übersieht, wurde diese Hinterlassenschaft nun in der ganzen Wohnung von ihm planmässig ausgebreitet! Der ›Robby‹ hat nun zwar diesen Fehltritt sofort mit seiner Wischautomatik zu reinigen versucht; dadurch jedoch wurde der ganze Salmiak noch weiter in der Wohnung verteilt.
        Und so traten am Ende dieser Vorstellung doch noch Wischmop und Wasser in Aktion, dazu war ein Teppich reinigungsreif und der fleißige »Roboter« musste zur Selbstreinigung in die Werkstatt!

Digital ist ja wunderbar - doch ohne die geschmähte »menschliche Rückständigkeit« klappt es dann doch nicht ganz ...

©by H.C.G.Lux


Kommentare:

  1. ohweh.....du siehst mich schmunzeln lieber Horst, der arme Boden und die arme Nase, das hat sie nun davon....
    du beschreibst so plastisch das Wunderwerk der digitalen Welt die uns alles abnimmt/ wenn man sie hat und glaubt nicht mehr ohne sie auskommen zu können...
    das eigene denken verlernen
    das lernen an sich vermeiden
    sich vom Denken ausruhn weil anscheinend zu anstrengend ist
    welch eine Vorstellung der Zukunft der nächsten Generation
    was tun sie stattdessen?
    die grauen Zellen lassen sich nicht abschnallen wie eine Handtasche die man an die Gardarobe hängt...
    sie wollen lernen, sich weiter entwickeln
    an sich wachsen
    was tut der Mensch ohne
    absterben?
    ich bin gerne "rückständig" und das jeden Tag
    und freue mich darüber das eigene Denken
    nicht zu verlieren
    an jedem Tag...
    Toller beitrag von dir und ein Mahnmal nie mit dem Denken aufzuhören...
    herzlichst angelface
    s`wäre ein guter schulischer Lernbeitrag

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  2. habe ich mir doch "gedacht", mein liebes Engelchen - denn auch ich gehöre zu den halb-zurück-gebliebenen. Nur wenn es unbedingt sein muss ��

    Sei bis demnächst gegrüßt, ganz ohne weitere Verrenkungen -
    bleib ich wie immer:
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]