4. Februar 2020

Wer kennt die Namen, nennt die Zahlen?



Wem sagen die Namen: Geitling, Mausegatt, Finefrau, Wasserfall, Sonnenschein etwas? Wahrscheinlich sind es wenige Menschen, die damit etwas anfangen können. Es sind Namen von kohleführenden Flözen in der Gegend des Ruhrgebiets!
Dann gibt es noch die Namen: Kronprinz, Gottessegen, Blumenthal, Prinzregent, Rosenblumendelle, Vollmond, Dannenbaum, Helene - Ich denke, die Zahl derer, die diese alten Zechen heute noch kennen, werden sicher immer geringer werden. Es sind die Namen von alten Kohlebergwerken im Ruhrgebiet, die nur noch in der Geschichte oder dem Gedächtnis von alten Bergleuten existieren. 

Alte, zum Teil uralte Namen, die einst in vielen Gegenden das Gesicht der Städte prägten. Es sind diese Städte, die nach und nach durch den Steinkohlebergbau Ansehen erhielten, die Reichtum erwarben und nach dem Niedergang im 20./21. Jahrhundert zum Teil in Bedeutungslosigkeit versanken.
      
        Das Ruhrgebiet - früher volkstümlich einfach »Kohlenpott« genannt, war die Seele des Wiederaufbaus nach dem 2.Weltkrieg. Hier wurde der Grundstein gelegt zu einem Aufstieg, um den die Bundesrepublik Deutschland von vielen Ländern beneidet wurde.
        Seit dem 13.Jahrhundert wurde im Süden des heutigen Ruhrgebiets Kohleabbau betrieben, meist anfangs noch im Stollenabbau, bei dem waagerechte Stollen in den Berg hineingetrieben wurden.
Später zog sich der Abbau dann weiter nach Norden, da war der Abbau über Stollen nicht mehr möglich, weil die kohleführenden Schichten des Gesteins - die Flöze - immer tiefer im Berg verliefen. Es wurden Schächte senkrecht in den Berg »abgeteuft«, um auch hier an das begehrte »Schwarze Gold« zu gelangen! Bis zum Ende des Kohlebergbaus in Deutschland im Jahre 2018 wanderte dann das Abbaugebiet nach Norden bis nach Ibbenbüren am Teutoburgerwald.
      
          Wer im Steinkohlebergbau beschäftigt war, hatte damals einen sicheren Arbeitsplatz. Im Jahre 1957 waren über 600.000 Beschäftigte im Steinkohlebergbau tätig, 1990 waren es noch 130.000. Im Dezember 2018 wurde das letzte Bergwerk »Ibbenbüren« offiziell geschlossen, die Abbauteufe lag zuletzt
bei 1.335 m.

Bei Schließung dieser letzten Zeche waren noch etwa 600 Bergleute beschäftigt - zum Abschluss waren es noch 50! Damit war der deutsche Kohlebergbau endgültig gestorben.
        
     Wer im Kohlebergbau arbeitete, hatte stets mit mehr Risiken als an jedem Arbeitsplatz über Tage zu leben. Viele Unglücke zeugen von den Gefahren unter Tage. Kohlenstaub-Explosionen, Strebeinbrüche, Schachteinstürze Schlagwetterexplosionen, die Reihe könnte endlos fortgeführt werden. Es waren seit dem Jahr 1800, dem Beginn der Zählung, rund 4.500 Menschen, die allein durch Unfälle im Steinkohle-Bergbau des Ruhrgebiets ihr Leben ließen!
Vorüber. Vergangen. Vergessen? Hoffentlich nicht ...


©by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. Da erinnerst Du mich auch an etwas in der Familie. Mein Großvater hat in den 50-60iger Jahren in der Zeche Shamrock gearbeitet im Bergbau. Aus Ostpreußen waren sie in Wanne-Eickel gelandet, wo auch mein Vater geboren wurde. Ja, mit dem Kohlebergbau geht es wohl zu Ende, eine ganze Bergbaugeschichte!
    Ich habe auch noch eien Ansichtskarte, die mich daran erinnert.
    Liebe Grüsse zu Dir, Klärchen

    AntwortenLöschen
  2. Danke KLärchen. Ich selbst habe da auch drei Jahre mitgespielt.
    Nach dem Unglück hatte ich die Nase voll ...
    Lieben Gruß
    Horst

    AntwortenLöschen

[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]