15. März 2020

Es war einmal - das stimmt nicht wirklich, oder?



Es war einmal eine Ratsversammlung einer mittelgroßen Stadt. Sie hatte wieder einmal getagt, fünfeinhalb Stunden lang. Zwar bestand die Bürgerschaft der Stadt nur aus vier Parteien - dennoch waren es vierundzwnazig Meinungen, die hier aufeinandertrafen.

        Klar, es war ja auch ein heißes Eisen. Sie hatten sich lange davor gedrückt, dieses relevante Thema anzufassen, aber die Einwohner der Stadt hatten letztlich darauf gedrungen, hier endlich »Nägel mit Köpfen« zu machen. Der Bürgermeister, vor einigen Wochen wiedergewählt, war dann zur Tat geschritten und nun lag der Dreiviertel-Mehrheits-Beschluss auf dem Tisch!

        AUSLÄNDER UNERWÜNSCHT.
Die Plakate in auffälliger neongrüner Farbe wurden in Auftrag gegeben. Die Druckerei hatte sich zunächst geweigert, auf intensives Anstoßen der Stadtverwaltung aber, das man, gelinde gesagt, als Nötigung auffassen könnte, musste der Druckerei-Inhaber zähneknirschend nachgeben. Drei Tage später verzierten an vielen markanten Stellen der Stadt diese Überbleibsel einer vor-medialen Informationsgestaltung wie Schmuckblätter das Stadtbild.
        Und so war es denn auch unausbleiblich, dass der größte Teil der Bevölkerung vor diesen Plakaten stand und mehr oder minder begeistert von dieser Entscheidung der Stadtväter war. Der Teil der städtischen Einwohner, der ausländische Wurzeln hatte, sah sich nicht mehr angenommen und verließ nach dieser verbreiteten Aufforderung innerhalb zwei Wochen die Stadt!

      
 Und nun geschah, was niemand erwartet hatte: Alle Ausländer waren plötzlich fort. Als die Arbeitnehmer der Stadt zwei Wochen darauf morgens zu ihrer Tätigkeit aufbrechen wollten, waren sie plötzlich vor eine Situation gestellt, die sie nicht erwartet hatten!
Alle Autos der Marken, die ihre Produktion im Ausland hatten, waren nun auf einmal fort! Die Japaner, Koreaner und Franzosen waren nicht mehr vorhanden, Italiener ließen grüßen mit dem Hinweis, dass bei ihnen ja noch Urlaubsplätze vorhanden seien. Den Deutschen blieb nichts anderes übrig, als zu Fuß zur Arbeit zu gehen, die Lehrer standen vor leeren Schulbänken, weil die Eltern ihre Kinder nicht mehr mit dem Elterntaxi zur Schule bringen konnten.
        In den Supermärkten herrschte kein Überangebot mehr, Tomaten aus Holland und Spanien, Käse aus der Schweiz und Dänemark, Orangen und Penne aus Italien - alles war nicht mehr vorhanden! Die Gänse aus Polen und Ungarn waren weg geflogen. Pizza, Döner und Burger völlig verschwunden, selbst die vielgeliebten/geschmähten Fritten hatten die Flucht ergriffen.
Die Verkäuferin am Blumenstand zuckte bedauernd mit den Schultern, »Tut mir leid, die ganze Blumenpracht hat sich geweigert, nach Old Germany einzufliegen!«
        Die Restaurants der Stadt waren von einem auf den anderen Tag eintönig geworden; so weit es noch deutsche Küche gab, bildeten sich ellenlange Schlangen, da thailändische, chinesische, italienische, kroatische u.a. Lokale nicht mehr vorhanden waren.
        Selbst der Bürgermeister war davon betroffen, als der auf seine Rolex schauen wollte, war die schon längst auf dem Weg in die Schweiz!
Es wurde also schleunigst eine neue Ratsversammlung einberufen, auf der alle Anwesenden sich dafür aussprachen, den Ausländer-Beschluss schnellstens aufzuheben. Und so geschah es dann auch.
        Gleichzeitig wandte man sich an all die anderen Städte, dass sie sich von ihren eigenen Dummköpfen nicht beirren lassen sollten und niemals diese unsinnige Parole
»Ausländer unerwünscht« veröffentlichen dürften.
Doch wenn es nicht geändert wurde, sind diese Parolen auch heute noch in unserer Stadt vorhanden …

©by wildgooseman


Kommentare:

  1. Danke für diesen Beitrag.
    In 10 oder 100 Jahren werden wir vieleicht sagen, "es gab einmal eine Coronazeit", ein Virus der um die Welt ging. Alle Menschen rückten solidarisch zusammen und es half jeder jeden, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heut!
    Alles nur Märchen!
    Liebe Grüsse zu Euch beiden, eine Umärmelung und bleibt gesund, herzlichst Klärchen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Natürlich werden wir es nicht sagen sonder die nachkommen und die Geschichte...:-))

      Löschen
  2. Danke, Klärchen, - ich hab so langsam das Gefühl, dass die Natur (oder wer sonst auch) etwas gegen die Überbevölkerung der Erde tut.
    Wenn ich da an die Zeit des Mittelalters denke, wo durch die Pest fast die Hälfte aller Bewohner eines Landes unterging - hab ich so meine Bedenken.
    Ich hoffe, dass die jüngere Generation klüger ist - aber auch da habe ich meine Bedenken (was man so hört und liest)
    Euch gute Gesundheit von uns in Ostfreesland hollt jo fast!
    Horst und Ingrid

    AntwortenLöschen
  3. tja lieber Horst...was es ist - ist! so! nicht mehr> aber auch nicht <weniger, kaum jemand macht sich doch gedanken solange "alles da und greifbar ist, doch kaum isses weg...kommt das große Gejammer und Bedauern...
    gerade jetzt zu Zeiten der Corona Infektion die ja schon seit Januar im kleineren Kreis, ihhh bewahre - nicht in den medien - bekannt ist, was man "klein halten "wollte, sieht, merkt, hört und sieht man womit die menschen zufrieden sind.

    Nicht etwa mit der Aussicht auf Gesundheit und Vermeidung - nein - sobald VERZicht gefragt wird - hört das verständnis doch schon auf!
    ich hab immer schon gesagt, die menschheit rottet sich selber aus, da braucht sie kaum Hilfe dazu, das kriegt sie locker hin.
    jetzt hat sie Hilfe durch Corona und das ist ihr auch - nicht - recht - !
    wie es in 10 - 14 Tagen aussehen wird wenn die Lockerungen in den Zahlen der Toten und Schwerstkranken greifen, das werden wir sehen und: handeln müssen, der Wirtschaftlichkeit zum Trotz und der Staat wird weiterhin tief in die Tasche greifen müssen, es sind ja nur unsere Schulden nicht seine. Neuwahlen kommen immer und Geld ist schnell neu gedruckt...
    mei Nerve....mir wird ein bisschen schlecht wie blöd doch die menschheit ist.
    ich denke - auch die jüngere wird nicht wesentlich klüger sein, denn sie hat schließlich nicht so viel Erfahrungen wie wir.
    Umärmler für dich und Ingrid...Angel

    AntwortenLöschen

[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]