4. Mai 2020

Home Office


Also - Frau Hannelore, ihres Zeichens Lohnbuchhalterin in einer Baufirma, wurde nun doch so langsam sauer. Seit sechs Wochen war sie jetzt schon im »Home Office« tätig. Anfangs war es ja ganz toll, dass der Chef ihr diese Möglichkeit geboten hatte, andere Mitarbeiterinnen hatten Kurzarbeit oder wurden »freigestellt«. Aber mit der Länge der Zeit ging ihr diese ganze Chose doch gewaltig über die Hutschnur. 

      »Ich bin es leid!« schrie sie laut in die Wohnung hinein. Der Computer auf dem Schreibtisch erschrak so, dass er fluchtartig das Netz verließ und in Tiefschlaf versank. Und Mariele, die Jüngste ihrer drei Töchter rief erschrocken: »Hattu du Schmerzen, Mama?« Die beiden Älteren verschwanden blitzartig in ihren Kinderzimmern. Langsam kannten sie diese Ausbrüche ihrer Mutter schon, aber in früheren Zeiten hatte es so etwas nie gegeben. »Nein, meine Süße«, sagte die Mama und strich der Kleinen beruhigend übers Haar, »Mama hat sich nur geärgert. Aber nicht über euch«, fügte sie dann sofort hinzu, um ja keine böse Stimmung aufkommen zu lassen.

        Es war auch wirklich zum Abschalten! Keine Kontakte mehr mit Kolleginnen, Schulen und KiTas nicht mehr vorhanden, selbst das Au-Pair-Mädchen durfte nicht mehr antreten, Oma sowieso nicht, weil sie ja zu den Risiko-Gruppen gehörte. Papa arbeitete auf einer Ölplattform, eine Heimreise war untersagt. So blieb also alles wieder einmal an der lieben Mama hängen. Zwischen Schreibtisch, Herd, Waschmaschine und Kinderzimmern hin- und herpendelnd, ließ sie sich schließlich kraftlos in einen Sessel fallen, um kurz ihre beste Freundin anzurufen, die sie schon fünf Wochen nicht mehr treffen konnte.
»Ich halte es einfach nicht mehr aus«, rief sie ins Smartphone hinein, Lisa würde sie vielleicht verstehen, dachte sie, auch wenn die keinen Nachwuchs hatte.
»Was soll ich noch machen? Ich kann einfach nicht mehr weiter!«
Die Freundin dachte kurz nach, dann sagte hatte sie eine Idee: »Weißt du, ich weiß da etwas, das dir hilft. - Geh morgen zum Doc, lass dich krankschreiben und bleib - doch einfach mal - zu Hause ...«

©2020 by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. lacht...welch eine unterhaltsame hübsche Geschite!
    Jaha, die muss man sich mittlerweile "einfallen - lassen" um sich selbst zu unterhalten,und um was zum _Lachen zu haben! ..., es fehlt einem fast alles was normal und bisher gewöhnt war. Diese" Kontaktsperre auf Abstand" kann einen ganz schön nerven und einem auf-den-Sack-gehen - überall Vorsicht walten zu lassen erfordert fast mehr Aufmerksamkeit weil man die Unbefangenheit und Leichtigkeit der selbstverständlichen Abläufe des Alltags innerhalb weniger Wochen verlernen kann.
    " Wie lange" soll das noch dauern, fragen sich viele, dabei wissen wir es -
    wir befinden uns in einer Zeitschleife die nicht abzusehen ist.
    ich beneide nicht die Eltern die in winzigen Wohnungen mit Mann/Frau/Maus und Kindern 24 Stunden rund um die Uhr alles bewältigen und wuppen müssen "was so anliegt - ohne die Konzentration, gute Laune und ihren Humor zu verlieren"!
    Kontaktarmut hat schon manche Krankheitsbilder unvermittelt ins Leben gerufen...
    Ich vermute mal, du hast nicht darunter bisher gelitten.
    liebe Grüße in deinen Tag und danke für die hübsche Geschichte...
    ich denk mir jetzt auch wieder eine aus"!
    herzlichst angelface

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  2. Ja Engelchen - ich bedaure auch immer die Familien, die in engen Stadtwohnungen leben müssen! Es kann - nicht nur unter den heutigen Verhältnissen - kein Vergnügen sein.
    Mögen die Verhältnisse wieder besser werden,
    das wünscht uns-
    mit einem lieben Gruß
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]