14. Juli 2020

Unsere Helden ...




Das ist ja so eine Sache mit den Helden! Man verehrt sie in einer Krise, überhäuft sie mit Lob, schreibt ellenlange Artikel in der Presse über »die Helden des Alltags in dieser schweren Zeit«. Jeder nickt beifällig und feiert die Frauen und Männer, die ihre Pflicht bis zur Selbstaufgabe tun!

Kaum aber lässt der Druck nach, läuft wieder alles seinen halbwegs gewohnten Gang, gerät alles ganz schnell wieder in Vergessenheit. Auch unseren Alten- und Krankenpflegekräfte droht dieses Schicksal aufs Neue: Eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und ihrer Bezahlung ist wieder in weite Ferne gerückt!

Dabei weiß doch jeder von uns, dass hier Veränderungen in höchstem Maße überfällig sind. Allein schon durch den demografischen Wandel macht sich das seit langem bemerkbar: Die Menschen werden immer älter und dadurch steigt auch der Bedarf in der Altenpflege! Wenn aber den Lobesworten der Anerkennung nicht auch Taten folgen, wird sich diese Personallücke niemals schließen.
Es ist auch von vornherein fragwürdig, warum die anspruchsvolle und aufopfernde Arbeit mit alten und kranken Menschen deutlich schlechter bezahlt wird als so manch ein Job in den industriellen Berufen!

Hierin spiegelt sich doch eindeutig die Geringschätzung für unsere Pfleger/innen, gleichzeitig ist es eine fatale Missachtung der Folgen solchen Verhaltens.

Natürlich leiden Pflegebedürftige und Krankenhauspatienten in hohem Maße, wenn zu wenig Personal vorhanden ist oder die vorhandenen Kräfte, wie es heute oft genug der Fall ist, völlig überarbeitet sind.
Lippenbekenntnisse hören sich immer wunderschön an; aber die »Helden des Alltags« auf einen Sockel stellen, hilft ihnen nicht und uns allen auch nicht.
So billig darf sich - heute noch mehr als bisher - niemand aus der Affäre ziehen. Es liegt doch auch in unserem ureigenen Interesse, weil wir alle irgendwann auch Hilfe brauchen werden …

©2020 by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. Lieber Horst , alle die pflegen haben meine Wertschätzung, so ist es, wir brauchen es alle mal. Sie haben nicht verdient das sie so wenig verdienen.
    Hoffe es ändert sich etwas. Ich war 15 Jahre in der Pflege tätig und weiß wie schwer es ist und wieviel Liebe dazu notwendig ist. Man pflegt nicht wegen des Geldes.Physisch kommt man an Grenzen und pschychisch auch.Es ist sehr erfüllend und die Menschen sind dankbar.Jetzt in dieser Krise ist es eine Herausforderung für die Pflegekräfte.
    Leeve Gröten, Klärchen

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  2. hab lange gestern vor deinem POst gesessen und mir die Worte auf der Zunge zergehen lassen ohne recht zu wissen, WAS ich dir darauf schreiben soll..
    In der heutigen Zeit pflegerisch tätig zu sein grenzt an mehr als nur die Herausforderung es zu schaffen menschen vor dem Ende zu bewahren
    ihnen zu helfen über die letzte Brücke zu gehen,
    zu schnell kommt der Tod um die Ecke und verhindert jede Art der Hilfe.
    Bezahlen kann man sie nicht, denn wer kann Mitleid, Fürsorglichkeit, Achtsamkeit,Aufmerksamkeit, Dankbarkeit dem Leben gegenüber und Konzentration einschätzen und entsprechend honorieren.(!!!?)
    keiner behaupte ich....
    gäbe es kein ausgebildetes Personal gäbe es auch keine Kranken mehr, nur noch menschen die vor sich hinsterben, ohne Rat,Tat und Hilfe, nur mit Leid.
    corona als Mahnmal zeigt uns deutlich
    wie hilflos wir sind.
    und die menschen die es /noch nicht/ betrifft
    machen weiter wie bisher...
    in allem, wie furchtbar vergesslich sind wir...
    manchmal, ja manchmal mag ich diese Welt nicht mehr.
    Umärmler Angel

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  3. Ja Ihr Lieben, auch mir fällt es schwer, die Gefühle zu unterdrücken, wenn ich an die Pflegenden denke, die ihre ganzen Kräfte denen opfern die sich nicht mehr selbst helfen können.
    Gleichzeitig saufen sich andere Menschen(?) am Ballermann unter den Tisch frei nach dem Motto:
    "Was geht uns das an!"
    Man möchte wirklich verzweifeln am ganzen Wesen der halben Menschheit!
    Kann sein, dass es allen zu gut geht? Ich wünsche vielen nur sechs Wochen Erleben in der "Sahel-Zone", wenn Millionen Heuschrecken alles verschlingen!
    Wir können nichts weiter tun als »anprangern«, immer und immer wieder -
    meint manchmal verzweifelnd
    Euer Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]