2. Juli 2020

Wissen ist Macht - oder?



Es ist sicher ein Klischee, dass jedes Ende immer einen neuen Anfang im Gefolge hat. Ein väterlicher Freund aus meiner Jugendzeit, sagte mir einst: »Leben bedeutet, alte Wege hinter sich lassen, Leben bedeutet Fortschreiten in die eigene Zukunft!«
Solche Binsenweisheiten musste man mir nicht aufoktroyieren, ich kannte sie aus Erfahrung. Und doch saugte ich seinerzeit alle Weisheiten, die mir die erfahrenen Männer, gerade aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, zu vermitteln suchten, wie ein Schwamm auf!
        Diese Zeit - vor etwa 70 Jahren - erscheint mir heute wie ein Kaleidoskop mit vielen Farben und Formen, bunt und strahlend, im nächsten Moment wieder im geisterhaften Dunkel verwischt. Dann steigen ständig neue Bilder aus meinem Gedächtnis an die Oberfläche, von der Zeit nicht ausgelöscht, nur durch den Nebel der Jahre verdeckt.
        Zu viel Neues stürmte auf einen jungen Menschen ein, der bisher nur sein Dasein in einem engen Bereich leben konnte. Jeder weiß, dass solch eine Existenz stets und ohne Ausnahme von Vorkommnissen begrenzt sein wird, auf die man keinen Einfluss hat. Was aber habe ich davon, wenn ich alles weiß? So frage ich mich heute - im Gegensatz zu meiner Jugendzeit: Muss ich so bewandert in allen Dingen sein, dass ich überall mitreden kann - oder sollte? Bin ich nicht viel glücklicher, wenn ich unbedarfter an eine Sache herangehe?
Was zwingt mich denn zu solch einem »All-Wissen«?
        Wir von der Elektronik überzeugten Menschen leben in einer Welt, in der alle glauben, dass die Wichtigkeit der Information das »Non-plus-Ultra« der Welt ist.
        Ist es das wirklich? Bedeutet Wissen wirklich Macht? Sind die ›News‹, die ich täglich konsumiere, es wert, dass ich mir ständig den Kopf darüber zerbreche? Jedem von uns ist doch klar, dass der Wahrheitsgehalt aller Nachrichten im Moment der Verbreitung schon nicht mehr richtig ist!
        Ich glaube, dass Ahnungslosigkeit auch ein Segen sein kann! Nein - nicht völlige Ahnungslosigkeit; aber die Kraft, darüber entscheiden zu können, was man erfahren will und was man auf sich beruhen lassen kann!
      Ein Beispiel: Wenn mir jemand die genauen Umstände mitteilen könnte, wann und wie ich einst diese Welt verlassen werde, ohne dass ich die Möglichkeit habe, diesen Ablauf zu ändern, würde ich das wissen wollen?
Ehrlich gesagt: Nichtwissen ist mir doch sehr oft angenehmer!

©2020 by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. Wissen ist Macht, ...ein Spruch der wie du selbst feststellst nur bedingt richtig ist denn es kommt ganz darauf an, denke ich welches Wissen und wozu man es verwenden und einsetzen kann.
    Was nutzen mir anerlernte Fähigkeiten, aus Schule, Ausbildung,Beruf wenn ich sie später im Leben nicht anwenden/vielleicht vervollständigen und wach halten kann, aber ich denke du meinst ein anderes WISSEN.
    Lebenserfahrungen gemacht zu haben, sind meist mehr nutzbar was die Zukunft angeht gewisse fehler nicht mehr zu begehen, dafür kommen - man braucht sich nicht drum grämen - kommen ein Leben lang andere auf einen zu.
    die näheren Umstände wie wir - wann aus dem leben scheiden - würde ich auch nicht wissen mögen, denn ists *schlimm und schmerzhaft würde man instinktiv - je nachdem wie man veranlagt ist, darauf warten und das - fände ich furchtbar.!
    Insofern ist das Wissen fast schon als schädlich anzusehen!
    eine gewisse "Ahnungslosigkeit ist unschuldig passt aber eher zu Kindern, bei einem alten menschen nennt man es oft Dummheit wenn und weil sich dieser geweigert hat ins Morgen zu sehen.
    herzlichst angel

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  2. Um völlig ahnungslos zu sein, müsste ich unwissend sein. Ich denke aber nicht, dass ich dumm bin, wenn ich etwas nicht weiß. Was macht mich zum Wissenden?
    Meine Mutter meinte einmal, sie hätte "nichts gewusst!" (betr. der KZ's)
    In einer Diskussion versuchte ich ihr nachzuweisen, dass dies unwahr wäre. Vergeblich ...

    Ich gab meine Bemühungen dann auf, weil ich ihr das nach 50 Jahren nicht mehr beweisen konnte,
    Allein aus der Tatsache, das "man hätte wissen können" ist kein Beweis abzuleiten. So bleibt dann nur die Einlassung: "ich will nicht alles wissen, weil es mich belastet"?
    Bis heute habe ich daran zu 'knabbern' ...

    Liebe Abendgrüße von
    Horst

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  3. lieber Horst...ich glaube ja und das ist meine ERfahrung mit ihnen oder dem einen Teil den ich näher "kannte", dass es unnütz ist etwas jemandem beweisen zu wollen,sie nehmen es eh als " Belehrung" ...
    wer glauben will was seine Überzeugung ist, wird das nie ändern oder in ganz wenigen Fällen v i e l l e i c h t einige die den eigenen Verstand nutzen - und e i n s i c h t ig ist...
    liebe Grüße in deinen Morgen...
    sinmd wir heute die einzigen die sich unterhalten:-))
    herzlichst angel...
    mein erster Gang im Morgen ist immer zu dir..lacht
    der vorletzte Satz von dir ist richtig -

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    1. Nö -da sind schon noch ein paar Eingewei(c)hte Mitleser, die ich immer willkommen heißen möchte!
      Ach Engelchen - wir wollen doch keinen belehren, dem Oberlehreralter bin ich davongeradelt.
      Aber ich habe festgestellt: So manch einer hat doch eingesehen, dass es auch heute teilweise noch "Ja-Sager" gibt, die dann hinterher "auch-nichts-gewusst-haben".
      Ich weiß jedenfalls eines: Wir hier gehören nicht dazu!
      dass es so bleibt -liebe Grüße
      von mir.

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  4. Lieber Horst,
    viele wissen mehr als sie zugeben, aber es könnte sein, das es belastet und manche werden mit einer Belastung an Wissen nicht fertig.
    Was bringt es, wenn man jemanden etwas beweisen will, dann geht es um recht haben und Genugtuung.
    Andererseits ist es oft ratsam, sein Wissen für sich zu behalten. Es kommt ja auch darauf an worum es geht.Besserwisser gibt es genug, aber da stehe ich drüber und im rechten Augenblick schweigen ist oft klug.Belehrungen will keiner, aber sicher lernen und anwenden sein Wissen anwenden.Da gibt es das Gute und das Schlechte, wir haben die Wahl.
    Ich habe schon verstanden was Deine Beweggründe sind, das Wissen von gestern und heute, aber man muss nicht alles wissen, kann aber fragen stellen. Das ist jedem freigestellt!
    Ich komme zu Dir und lese gern ,so wie ich Zeit habe, liebste Grüsse, Klärchen, moin,moin!

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    1. Natürlich ist es jedem freigestellt, Klärchen, nur denke ich, wer z.B. von der Vergangenheit nichts weiß, kann auch heute nicht mitreden, weil ja die Voraussetzungen fehlen.
      Vielleicht verläuft das Leben dann ruhiger???
      Alles Liebe,
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]