29. September 2020

Wir und unsere Vorgärten!

 

Es gibt Menschen, die tun alles, um den Kampf gegen das Unkraut auf dem eigenen Grundstück zu gewinnen.

Das gehört nun scheinbar zum Garten-Alltag des deutschen Hausbesitzers dazu. Wenn ich bei uns mal so ganz zufällig durch unsere Dörfer und Kleinstädte wandere, erfasst mich ein unsägliches Grauen. Immer mehr und immer öfter sehe ich dann die neuen, modernen Gärten, die nicht mehr wie solche aussehen, sonder eher wie Gedenkstätten von ehemaligen KZ’s.



        So viel tristes Grau sah ich in den ganzen neun Jahrzehnten meines Lebens noch nicht. Es scheint, dass irgendjemand einen neuen Gartenratgeber veröffentlicht hat unter dem Titel »Der germanische Garten in heutiger Zeit!«
          Dort wird dann genauestens beschrieben, wie jedes »Unkraut« und jedes Insekt restlos und ohne Mühe ausgemerzt werden kann. Und wie es bei uns üblich ist, nimmt dann auch die Zahl der »modern-garden-fans« schnell zu - weil man ja immer up-to-date sein muss!

        Es ist ein Vernichtungsdrang, der den deutschen Hausbesitzer dazu zwingt, in kollektiver Gemeinschaft die Natur auf den Urzustand zurückzuführen, mitten hinein in das absolute Chaos!

        Das aber ist eine total hässliche und naturfeindliche Einstellung, die kein normal denkender Mensch nachvollziehen kann! Diese, ich wage es kaum, das Wort in den Mund zu nehmen, »Natur-Steingärten« verdienen es nicht, überhaupt beachtet zu werden. (wenn man es im Lauf dieses meines Artikel nicht müsste.)

        Kann jemand mit gutem Gewissen sagen, dass solch eine lebensfeindliche Steinwüste den Namen Garten überhaupt verdient? Hier singt kein Vogel, hier summen keine Bienen und Hummeln; denn auch die Alibi-Bonsais werden nicht beachtet. Die fristen ihr armseliges Leben ebenfalls in einer Welt, die im Grunde genommen die Natur überhaupt nicht braucht - und nicht will!

         Sollte sich doch mal ein Vogel dorthin verirren, dann nur, weil es einen Nachbarn gegenüber gibt, der diesen steinernen Irrsinn nicht mitmacht! Jede Katze, die gehalten wird - und weil man ja so tierlieb ist - schaut sehnsüchtig zu den Zweigen der entfernt stehenden Bäume und denkt wahrscheinlich eher an Suizid als an Vogelgezwitscher.

        Wenn ich in der Nachbarschaft solcher hochstehend-kultureller Menschen leben müsste, würde ich noch nicht einmal aus dem Fenster schauen. Wer will denn so etwas sehen? Gibt es da wirklich Anhänger solcher Schottergarten-Wüsten? Ich kann es mir nicht vorstellen - sicher bin ich da nicht, denn immerhin befürworten 80 % aller Deutschen, dass Bienen und andere Insekten geschützt werden müssen ...

        Eines aber muss ich den Menschen aber zugestehen, die solche Wüsteneien lieben, denn die haben eine große Tradition! Sie gehen zurück auf das Frühjahr 1945, als in ganz Deutschland die Vorgärten ein einheitliches Bild boten.

 



©2020 by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. mich packt buchstäblich das Grauen bei diesen Bildern!!!!!!!!schlimm!!!!scheusslich!!!!grässlich!!!naturfeindlich!
    und alles andere als tierfreudlich, von Menschen die hindurch"wandern" ganz zu schweigen....!
    Vielleicht gibt es ja nicht mehr so viele von 1943/45 die leben oder längst aufgegeben haben!
    Was tun wir unserer Jugend damit an wenn es weder Insekten noch Tiere gibt die in diesen Steinwüsten exstieren können...
    sie lernen sie erst gar nicht kennen...
    ein Glück gibt es noch landstriche und Gärten auch in Deutschland in der Schweiz aber auch schon auf dem Lande habe ich vereinzelt ähnlich Scheussliches gesehen...
    graue Steinwüsten in der Stadt gibt es eigentlich genug, doch wann verlegen wir auf die Dächer der Städte Bäume und Wiesen???
    Die Schuldfrage stellen sich andere dass sie nicht dagegen sind und können es doch nicht ändern wenn noch verhandene Gärten mit der Nagelschere geschnitten werden.
    Du siehst mich mit Recht entsetzt...
    Umärmler für deinen Aufruf...
    angel

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  2. Danke, Engelchen! Es ist gut zu wissen, dass die Unsitten sich nicht so einfach über die natürlichen Gegebenheiten des Lebens überstülpen lassen.
    Ich habe hier in Ostfriesland festgestellt, dass es in der Hauptsachen die Menschen sind, die aus Großstädten aufs Land ziehen, die mit ihren Neubauten solche Wüsten anlegen. Gottlob verbieten viele Kommunen diese Wüsteneien. Dann aber reden diese Menschen über "Freiheitsberaubung" und "Eigentumsbeschränkung"!
    Wer zwingt sie eigentlich, ihre Städte zu verlassen? Manchmal kann ich es nicht mehr nachvollziehen, wenn viele Kinder aus solchen Familien einen Igel nur noch kennen, wenn er tot auf der Straße liegt ...
    Voller Gram grüßt Dich herzlich
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]