3. Oktober 2020

Noch einmal: »Es ist still geworden«

 

  

Manch einer behauptet, das ein Text über Demenzkranke den Leser hinabzieht in die Gefilde der Traurigkeit, so als wäre es ein Meilenstein der Depression. Ich denke nicht, dass dem so ist! Jeder Mensch hat doch seine Phasen, in denen er mal himmelhoch jauchzend oder todtraurig sein eigenes Leben »erlebt«. 

        Lädt nicht gerade das letzte Quartal eines Jahres dazu ein, Rückschau zu halten auf das Gewesene? Seit alten Zeiten hat sich der Mensch beim »Fall der Blätter« auch über sein eigenes »endliches« Dasein Gedanken gemacht.
Bereits die Kirchen - beispielsweise - haben gerade diese Zeit als Besinnung auf das Kommende dargestellt, mag man es nun begrüßen oder nicht.

        Alles auf der Welt vergeht, es gibt nichts, das bleibt. Nur der Mensch fühlt sich oft als »elementares Teilchen« unverwundbar, ist jedoch letztlich enttäuscht, wenn auch ihm, dem »Homo nobilissima creatura«, (wie Thomas von Aquin es nannte), auch irgendwann der Verfall droht.
Annehmen, so denke ich, und auch versuchen zu verstehen, das wäre der Weg, der uns herausführt aus diesem bedrückenden Kreislauf! Ich weiß, dass dies ein steiniger Weg ist, ohne Frage.

        Es geht beileibe nicht um ein »Vergessen«! Aber nur wenn ich beim Schreiben eines Artikels etwas personalisiere, kann ich ja etwas ausdrücken, das sonst nur theoretisches Gerede wäre. Der Volksmund sagt dazu ganz profan: »Fleisch bei die Knochen tun«. Hört sich blöd an, gewiss, trifft aber den Nagel auf den Kopf.

        Letztlich kann nur jeder seine eigene Biografie zu Rate ziehen; meist stellen sich dann aber neue Fragen, die ebenso nicht ausreichend beantwortet werden können.
Wir leben halt nicht im statischen Raum, sondern im Wechsel des Geschehens und der Zeit. Gott sei Dank!

        Wahr und unumstößlich ist es, das »Werden und Vergehen« der Inhalt des Weltgeschehens ist. Und selbst die Kontinente sind im ständigen »auf und ab« begriffen; wie könnte der Mensch sich da abseits stellen wollen?

      Kommen und Gehen, fast zur gleichen Zeit: Nur zwei Tage vor meiner Geburt im Jahre 1934, starb meine Urgroßmutter.
Sollte das ein Symbol sein? Natürlich ist so etwas Unsinn! Aber seltsam erscheint es schon, das dieses Vergehen und Werden so beispielhaft erschien. Ich habe in den letzten Jahren oft daran denken müssen, ohne eine befriedigende Erklärung zu bekommen. Muss ich ja auch nicht. Was hätte ich dann davon?


©2020 by H.C.G.Lux



 

 

Kommentare:

  1. lieber Horst,
    ich denke ja, bei dem was man denkt fragt man sich nicht warum man so denkt oder
    ob/ man etwas davon hat...man/ich/du/er/sie/es denkt weil denken zum leben gehört, zur Rückschau und ins vorwärts/sehen---
    kein Hirn ist leer, es bewegen sich - keine Ahnung Nervenenden,neutronen Stränge die wir nicht beeinflussen können die durch ihre Lage und Anordnung die Durchblutung twas in uns bewegen.
    deine Gedanken sind immer wieder
    in jedem neuen Gedankengang immer wieder interessant und manchmal möcht ich wissen welche geschichten noch
    aus dir herauskommen...
    kommen und Gehen
    Gedanken mit dem Leben und erst mit dem Sterben hören sie auf...
    Umärmler für all deine Gedanken..
    angelface

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    1. Danke, Engelchen, wie gut, dass es mir (noch?) nicht in den Tag hineingelegt wurde, damit leben zu müssen. Wenn wir diesen Menschen unsere Hilfe anbieten, sollten wir es tun.
      Schreiben hilft leider dagegen nicht - aber dennoch ist es wichtig, (glaube ich wenigstens), das Thema nicht einfach in die Versenkung zu verschieben.
      Zumal es Menschen gibt, die noch mitdenken und mitleiden können.
      Gott sei Dank!
      Auch von mir eine herzliche Umarmung -
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]