6. November 2020

Friede und andere Kleinigkeiten.

 


»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!«

So kann man es bei Friedrich Schiller (1759-1805) in seiner Tragödie Wilhelm Tell nachlesen.
Ist es denn nur der »böse Nachbar«? Manchmal kann man dieses Gerede vom fried- und liebevollen Miteinander wirklich nicht mehr hören. Wird da nicht etwas künstlich erzeugt, das seit Menschengedenken nur in Fragmenten bestand? Gewiss, in näherer Verwandtschaft gibt und gab es so etwas noch häufiger.

Zweifelsfrei ist jedoch auch, dass es nirgendwo mehr Streit und Hass gibt, als im Umkreis von Familien! Und je größer diese familiären Kreise sind, desto weitreichender sind auch die Streitfälle, die oftmals bis aufs Blut ausgetragen werden.
Es müssen nicht unbedingt Dynastien sein, die schon in früheren Zeiten Kriege zu oftmals geringen Anlässen führten; auch der Nachbar von »gegenüber« führt seine Kriege, nur eben auf geringerem Level. 
Jeder auf dieser Welt will - und könnte auch in Frieden leben, das ist unbestritten. Was also steht dem entgegen?


Dort, genau dort liegt der wunde Punkt, der uns wieder an den Anfang zurückführt: Jeder will Frieden - aber bitte nur nach seinem eigenen Konzept! Der »Andere« ist immer willkommen, sofern er sich den eigenen Regeln anpasst und sich auch danach verhält! Wenn es nun aber differierende Meinungen gibt, wird die Sache schon unangenehmer. Oftmals gibt es kein Halten mehr, die Fronten verhärten sich und es kommt teilweise zu Zerwürfnissen, die lebenslang anhalten.

Als unchristliches Beispiel schaue ich mir die kirchlichen Institutionen an. In der Frage der Zusammenführung der beiden großen Kirchen (katholisch/evangelisch) gab es schon seit über 100 Jahren Versuche, dies irgendwie zu bewerkstelligen. Es scheiterte hauptsächlich immer daran, dass es kein »Zusammenschluss« sein sollte, sondern ein »Anschluss« angeboten wurde! Im Islam sind ja die gleichen Paradigmen vorhanden - Sunniten vs. Schiiten.

(Wie kommen meine Gedanken da auf die »Wiedervereinigung Deutschlands«? Ist doch seltsam, dass ich da ins Grübeln gerate, nicht wahr?«)

Der böse, böse Nachbar! Er ist immer derjenige, der schuld ist an der ganzen Misere. Vielleicht sind WIR ja manchmal auch »der Böse«?

Ich versuche (!), möglichst über den Tellerrand zu schauen. Oft bleibt es beim Versuch, gebe ich zu. Aber es ist schon mal ein Anfang …

 ©by H.C.G.Lux

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