3. November 2020

Ich kann doch nichts dafür!

 

Wer sich über mich ärgert, sollte immer bedenken, welch schlimme Kindheit ich hatte:

Ich hatte kein Handy und kein Internet. Zur Schule und zurück musste ich zu Fuß. Ich wurde nicht tagtäglich mit dem Auto zur Schule gefahren und dort wieder abgeholt. Doch mit viel Glück habe ich das überlebt.

Zum Spielen stand mir kein zehnfach TÜV-geprüfter Spielplatz zur Verfügung, wo unter der Schaukel eine Gummidämmmatte war, damit ich mich auch ja nicht zu Tode stürzte, wenn ich zu blöd zum Schaukeln war.

Ich musste im Feld und auf der Straße spielen, zwischen Kühen, Stacheldrähten und Pferdeäpfeln, kletterte auf ungesicherte Bäume und ich lief durch Morast und den Bach. Und wenn ich dabei auf die Schnauze flog, dann heilte das von selbst, ohne dass man mich in Sagrotan oder sonst was badete und sofort zum Arzt schleppte oder sogar die Lehrer vor Gericht verklagte.



Stellt Euch vor: Meine Familie war so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit leisten. Und so moderne Namen wie Pascal, Kevin oder Falco kamen doch überhaupt nicht infrage. Die wurden nur für Auto- oder für Zigarettenmarken benutzt!

Es ist wirklich wahr: Meine Eltern mussten mich mit einem normalen Namen ansprechen. Doch, das ging tatsächlich, sie sahen mich ja auch häufig genug, weil es bei uns keine Ganztagsbetreuung in der Schule gab und ich nicht nur zum Abendessen und Schlafen zu Hause war.

Und dann, stellt Euch das mal vor, meine Ernährung übernahmen meine Eltern noch selbst. Ja! Damals gab es tatsächlich Mütter - ich versichere, dass es stimmt - die das historische Ritual des Kochens noch beherrschten - und auch durchführten!

Ich glaube, dass ich dies alles einigermaßen überstanden habe, grenzt schon an ein Wunder. Heute ist das alles glücklicherweise gar nicht mehr vorstellbar! Die Kinder haben es sehr viel besser, nicht wahr?

Deshalb bitte ich um Nachsicht - wer so aufgewachsen ist wie ich, der muss ja zwangsläufig einen  Dachschaden davongetragen haben, es kann gar nicht anders sein.

Also bitte ich Euch um Euer Wohlwollen für einen so Zurückgebliebenen …

Horst

 

Kommentare:

  1. Handy - Internet, Telefon - Auto Fernseher der Jahrgang 1946/ich:-)) kannte all dies auch nicht in der Kindheit, wuchs nicht wie selbstverständlich damit auf und sagt nicht mal Danke für all diesen Luxus lieber Horst.
    Es wäre schon zemlich putzig wenn wir uns mal zusammensetzten, eine Schar heutiger Schulkinder gleich welchen Alters um uns herum und würden wir dann noch von der Jugend erzählen die wir kennen und nicht mal ungern sondern genauso selbstverständlich erlebten würden sie Bauklötze staunen!!!! es nicht glauben ...
    so ändern sich die Zeiten, und das mögen wir manchmal kaum glauben!
    wir sind weder vom Straßendreck krank geworden, noch von der Mangelernährung denn die war wenigstens nahrhaft weil selber gekocht und kam nicht aus einer Mac Donalds Tüte.
    ich glaube es ist ganz gut weil wir wenigstens noch den vergleich haben wie Leben auch sen kann...
    guter beitrag....gefällt mir...
    herzlichst Angel

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    1. Ich bin froh, Engelchen, dass ich noch "normal" aufwachsen konnte. Sicher hat die moderne Zeit ihre Vorteile mit sich gebracht, klar. Dennoch habe ich es von früher übernommen, dass ich nicht "jederzeit erreichbar sein muss", und dass ich dabei kein schlechtes Gewissen habe - "never ever"! Und das ist schön,
      andererseits freue ich mich immer, dass Kontakte online möglich sind - wie bei uns beispielsweise, nicht?

      Damit grüße ich Dich,
      Horst

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  2. ja lieber Horst dem stimme ich sofort zu und finde es erfreulich, ja mehr als das wenn sie so zuverlässig lange halten und man sich nicht; " aus dem Aug - aus dem Sinn" verliert obwohl man sich persönlich von Angesicht zu Angesicht gar nicht kennt...
    Ob so lange Verbindungen bei den heranwachsenden Kindern oder Enkeln wohl in 50 Jahren auch so lange halten werden?
    naja, wir werdens vielleicht von unseren Wölkchen am Himmel heraus sehen:-))
    ich weigere mich - wie du, ständig und für jeden beliebig erreichbar zu sein, mach mich doch nicht zum Sklaven anderer die nicht wissen wie sie ihre eigene Langeweile und Untätigkeit überbrücken sollen und deshalb ständig an den Dingern hängen die angeblich soo unentbehrlich - gewohnt und vertraut geworden sind...
    das hat nix mehr mit eigener Unabhänggkeit mehr zu tun, oder ist normal oder gar als modern und "man geht ja nur mit der Zeit" zu bezeichnen!
    das
    unterstreiche ich nicht.
    ein Thema das mich immer mehr aufregt wenn es nur noch um mich rum und von solcher Wichtigkeit ist.
    herzlichst angel

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    1. Was soll ich da noch erwidern? Es ist alles erwähnt, wir sind uns einig, zusammen mit noch vielen Menschen unserer "Gattung", was also kann man dazu noch sagen?
      Der Frühling kann nichts dazu beitragen, wenn der Winter sagt:
      "Zieht Euch warm an, es wird kalt!"
      Ich grüße Dich vielmals,
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]