5. April 2021

Sprache und Moral

Es gibt wohl niemand in unserer Generation, der dies negieren würde: Unsere Sprache, unsere Ausdrucksweise und auch die Bedeutung der Worte verändert sich ständig. Fast unmerklich, (seit Jahrhunderten schon), modifiziert und korrigiert sich unsere Ausdrucksweise, viele Begriffe und Worte aus anderen Kulturkreisen werden assimiliert. Es ist eine äußerst spannende Sache, dies zu beobachten!

        Mir fällt da beispielsweise die tausend Jahre alte »Jiddische Sprache« der osteuropäischen Juden ein. Aus deren reichem Wortschatz wurden in den Zeitaltern vor 1933 unzählige Worte in die deutsche Sprache integriert, ohne dass die Menschen, die sie gebrauchten, überhaupt wussten, woher sie stammte!
Aus meiner Kindheit kenne ich noch viele dieser Ausdrücke, die mir in Fleisch und Blut übergegangen sind. (Mag sein, dass meine Zuneigung zum Judentum dort ihre Wurzeln hat, ich weiß es nicht!)
        Aber auch andere Sprachen hinterließen in unserem Kulturkreis ihre Prägung. Ob nun Latein oder Griechisch in den gebildeteren Kreisen, ob später im 18. und 19. Jahrhundert französisch als das Vornehmste galt, so ist es heute »in«, amerikanischen Slang im Sinne von »denglish« von sich zu geben.
Und es ist eine Tatsache, dass moderne Gesangsstücke bei uns nur noch in englischer Sprache zu hören sind - von »Evergreens« einmal ausgenommen.
Vielleicht sind wir ja damit auf dem Wege zu einer Weltsprache, der dem ESPERANTO nicht geglückt ist?
        Und dann - man mag es bedauern oder nicht - es ist eine Tatsache: Es gibt eine Reihe von Ausdrücken, - wenn wir die einst ausgesprochen hätten, unsere Eltern wären uns sicher nicht unbedingt freundlich begegnet! 
        Sprache jedoch hat nur am Rande etwas mit unserer Moral zu tun! Ich meinte im Wesentlichen die psychologische Seite der Medaille! Und die, so sehe ich es, ändert nicht nur das Resultat der menschlichen Erziehung, sondern den Menschen überhaupt! Und das ist bedenklich, weil alte Werte verloren gehen, die Hunderte von Jahren Bestand hatten.
Seit einigen Jahrzehnten verändert sich peu á peu das Wesen der Humanität!
Die Brutalität wächst; was einstmals nobel und exzellent war, gehört heute vielfach in die Gosse.
        Es ist schade um eine Kultur, die damit auch unwiderruflich verlorengeht. Ein Beispiel sei dafür genannt:

Auch in meiner Schulzeit gab es Streit und auch Schlägereien z.B. auf dem Schulhof. Da wurde der »Hahn vom anderen Misthaufen« erbarmungslos zu Boden gezwungen unter Anfeuerungsrufen der gegnerischen Parteien! Dann jedoch - wenn der Unterlegene am Boden war, stand der Sieger fest und der »Machtkampf« war beendet.
Das aber ist heute anders. Die Machtgelüste unter Schülern (auch *innen !) werden ebenfalls noch ausgetragen. Aber - und das ist der Unterschied - der Unterlegene wird danach noch ausgiebig mit Füßen traktiert, bis er kaum noch aufstehen kann und fast krankenhausreif liegenbleibt, sofern nicht jemand dazwischen tritt!
Wer dies nicht glaubt, betrachte einmal ausgiebig einen Pausenhof, er wird sein blaues Wunder erleben!

        Das sind manchmal die Ansätze einer Kultur, die man so freundlich aufgeklärtes Zeitalter nennt!
Aus Worten werden Taten! Kommt uns das nicht bekannt vor? Erst kürzlich noch gelesen!
      »Denkmal der Schande«, »Vogelschiss der Geschichte«, »wir werden sie jagen«, »in Anatolien entsorgen« – so sprachen Spitzenpolitiker in unserem Land! In beispielloser Weise haben diese Menschen in den vergangenen Jahren menschenfeindliches Gedankengut durch die Sprache in die Mitte unserer Gesellschaft getragen.
Da kann sich niemand mit einem Beileids-Posting auf Facebook seiner eigenen Verantwortung entziehen!

        Wir alle tragen Verantwortung – nicht nur für das viel beschworene Klima, sondern für das Miteinander in unserem Land. Kritisieren wir konstruktiv oder zeigen wir mit dem Finger auf andere?
Kommen wir wirklich ins Gespräch oder tauschen wir altbekannte Floskeln aus? Nehmen wir den anderen als Menschen wahr oder als Gegner und Feind?
Antworten wir auf den Hass mit Hass?
        Wie ist es denn in den Foren des Internets? Sind wir da nicht auch ratlos?
Ich jedenfalls habe oft keine Sprache, keine Worte dafür, denn in keiner Sprache unserer Erde finde ich eine Antwort auf den Hass in der Sprache …


©2021 by H.C.G.Lux

Kommentare:

  1. Die Moral zwischen Worten und Taten. Ich finde in beidem ist es verloren gegangen, die es aufrecht erhalten werden oft schief und fragend angeschaut. Denglisch, ja ,darüber schrieb ich auch schon und gehe mit Dir.
    Wir haben so einen schöne Sprache, würden die hasserfüllten Menschen sie anwenden, wäre alles weniger brutal.All zuviele verstehen einander nicht mehr, leider.
    Der Umgangston hat sich verändert, die Sprache ist halbherzig und es wird nicht klar gesprochen. Ein Zeichen der Zeit? Manchmal finde ich auch keine Worte, aber meine Sprache lasse ich mir nicht nehmen.Die Zeit hat ihre Zeichen und Abkürzungen in den neuen Medien, die muss man kennen, wenn es gewollt ist.
    Blievt gesund un plitsch un laat jö nich unnerkriegen, hartlig Klärchen

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    1. Mok wi, mok wi! Und at wünske ik di ok, Klärken. Bit de Dagen denn.
      Mien heel Sieden sünd mi afschmeert. Nu fang ik van vöörn an - mokt aber nix ...

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  2. lieber Horst
    mit deinen Worten und Gedanken sprichst du mir tief aus der Seele...manches Mal tut die verunglimpfung und Demütigung unserer Sprache fast körperlich weh,
    es gibt kaum hörbar ein bitte, wenn man etwas gerne möchte keie richtige Begrüßung nur ein angeblich flttes "modernes he...oder hä wobei letzteres ein Fragezeichen seinoder ausdrücken soll..
    schmerzhaft immer wieder zu erfahren tut es ja schon fast körperlich weh dieser Umgangston miteinander der uns so weit voneinander entfernt..
    alte Werte, wer kennt und schätzt sie noch in diesen total ver -/rückten Zeiten
    damit bin ich in Gedanken ganz bei dir...
    oft wende ich mich ab und zweifle an meinen Ohren ob es wirklich stimmt welch Laute Münder verlassen ohne nachzudenken..
    deine Beispiele sind so deutlich was aus Sprache und Laut geworden ist...
    dass die Jugendsprache eine eigene ist wird in jeder Generation festzustellen sein, doch deutsch bleibt deutsch und weder denglisch noch halbherzige Aussetzer versuchter "Kommunikation kann daran etwas ändern...
    herzlichst angel

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    1. Bin vollkommen Deiner Meinung, Engelchen! Manchmal möchte man die Ohren für eine Zeitlang in die Ecke stellen, nicht? Nützt es etwas - nixxx!
      Nachösterliche Grüße von mir,
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Deinen Kommentar![b/]