8.5.21

Himmel mit Wolken oder ohne ...

 



H
ast du schon einmal Wolkenformationen am Himmel betrachtet? Fantastische Bilder, nicht wahr? Aber was sind schon Wolken? Gebilde aus Stickstoff und Sauerstoff - würde jetzt ein Physiker antworten. Wasser oder Eistropfen, die sich verdichten, um schließlich als lebenswichtiges Element in Form von Nebel, Regen oder Schnee die Erde zu benetzen.

      Ein Poet sieht das aus anderem Blickwinkel. Wolken sind für ihn der Vorhang, der vieles verbirgt, das zunächst unsichtbar bleibt oder vielleicht auch bleiben soll. Hinter einem Wolkenschleier erkennt man erst einmal nichts; später schiebt sich dann geruhsam das Bild in den Vordergrund, das eigentlich die Basis der Fantasie ist: der blaue Himmel. Oft besungen und mit unzähligen Gedichten bejubelt, bleibt der Himmel das unerreichbare Ziel aller Menschen.

      Der Himmel, unser blauer Himmel ist gewiss etwas Beständiges, ja sogar unerschütterliches. Wolken jedoch ziehen in ihrer Unbeständigkeit weiter und weiter, heute hier, morgen schon in unendlicher Ferne. Werden und Vergehen bilden diese Einheit, die das menschliche Dasein seit Jahrtausenden beherrscht und überhaupt erst möglich macht.

         So wie diese weißen bis dunkelgrauen Wolkenbilder ist auch das Leben der Menschen durch viele Zufälle und willkürliche Umständen wandelbar. Nichts bleibt konstant, alles ist ständig Veränderungen unterworfen. Wie eintönig und stumpfsinnig wäre doch ein Himmel ohne Wolken, wie geisttötend ein Leben, das stets berechenbar bleibt. Ich liebe die Wolken, die bizarren Gebilde, die sich ständig und unaufhörlich verändern. Aber ich mag auch das Blau des unendlichen Himmels, das zu jeder Tageszeit eine andere Farbnuance zeigt.

        Unser Leben scheint bisweilen solch ein Himmel mit eigenen Wolken zu sein! Ein eigener Himmel, aus der Ferne gesehen ist er wunderschön. Die Nähe erst zeigt die Wirklichkeit, den Alltag, das Leben im täglichen Kreislauf. Es ist dann wie ein Traum: Erwacht man daraus, ist man mitunter desillusioniert. Erst wenn diese menschlichen Ereigniswolken weitergezogen sind, hält auch die Realität wieder Einzug in das eigene Leben.

        Leben und Wolken, Dasein und Himmel, es sind scheinbar völlig andersartige Elemente. Trotzdem haben sie mehr gemeinsam, als man sich vorstellen kann. Beständigkeit verliert ohne ihren Gegenpol den Sinn, woran könnte man sie messen? Genauso ist es mit der Unbeständigkeit, sie gehört ohne Einschränkung in die Sphären der Wolkenschichten mit ihren turbulenten Auswirkungen. Es würde mir niemals in den Sinn kommen, einen Menschen danach zu beurteilen, welch aufwühlendes Leben er bisher durchstehen musste, ob nun gewollt oder auch unfreiwillig. Turbulenzen in einer Biografie sind die Wolken am Horizont des Lebens.               

        Wer wollte von sich selbst behaupten, sein Leben wäre stets in geraden Bahnen verlaufen? Ob nun ein heißer Samum in der Wüste oder ein kräftiger Nordweststurm an der Küste - die Ströme der Luftschichten über uns und ebenso die des Lebens sind selten eindeutig voraussehbar, wenn einmal wirklich eine Ahnung dessen sichtbar ist, dann wird das Resultat immer ein anderes sein, als wir es erwartet haben.

        Wolken am Himmel, bizarre Bilder, die in Sekundenschnelle wieder verschwinden. Wenn wir Menschen uns mit ihnen vergleichen würden, bliebe nichts übrig von allem, worüber wir uns ärgern oder was wir verachten.
Dann aber verblieben von all unserer Liebe im weiten Himmelsblau nur ein paar Wolkenfetzen.
Man darf die Wolken lieben, sollte aber dennoch mit den Beinen auf der Erde bleiben …

©2021 by H.C.G.Lux



1 Kommentar:

  1. gedankengänge - Gedankensprünge - sind wie die Wolken die tattäglich an uns vorüberziehen oft ohne beachtet zu werden dabei haben sie uns so viel zu erzählen...
    Phantsieanfacher - sie lassen sich nicht fest - halten - ein-sperren - verfolgen
    flüchtig wie ein Hauch bestehen sie - vergeh`n sie - entschwinden - nachdem sie uns ihre Märchen erzählen und uns Wege weisen...
    wolkenfetzen - wie sehr ich sie liebe...
    ob wir sie je aus einer anderen Sicht sehen werden, wenn wir auf ihnen wandern?...
    du läßt mich sehr nachdenklich zurück und der Himmel weint mit mir...
    angel..

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