28.12.21

Zwischen Gestern und Heute!


Manches von dem, das ich früher tat, kann ich heute nicht mehr verstehen. Es ist aber auch möglich, dass ich nicht mehr weiss, wie ich seinerzeit dachte und warum ich so und nicht anders reagierte. Weil ich heute anders denke und auch fühle, ist mir all das fremd geworden, für das ich früher gekämpft habe. 
 Ist das nun ein Widerspruch? Ich glaube nicht. Denn wenn ich auch nicht mehr die gleiche Empfindung habe, bin ich dennoch für mein damaliges Denken und Handeln verantwortlich. Stehe ich deshalb in meiner eigenen Schuld?

    Damals war es für mich richtig. Wenn Fehler gemacht wurden, war früher oder später die Vergeltung dafür im eigenen Lebensablauf spürbar. Ist es nun möglich, den gleichen Fehler zweimal zu machen? Ich sage: Nein! Wenn es das zweite Mal geschieht, ist es die eigene Wahl! Mit dieser zweiten Wahl allerdings gibt man dann jedoch selbst zu, nichts daraus gelernt zu haben.

   Nun gibt es aber auch Fehler im Leben, die von außen verursacht werden, die man nicht verhindern kann, auch wenn man sie erkannt hat. Solche Zwänge können ein Leben aus dem Gleichgewicht bringen, lassen es Wege einschlagen, die völlig an der Normalität vorübergehen.

    Wenn man dabei von »Höherer Gewalt« spricht, ist dies doch nur ein Bruchteil der Ursachen. Auch dieser Begriff zeigt die Unzulänglichkeit des Menschen, gewisse Schwierigkeiten einfach in den Griff zu bekommen.  Solche Probleme beeinflussen häufig das Erleben und Leben zweier Menschen, die als Paar zusammen sind. Paarbildung des Menschen hat ja zum überwiegenden Teil mit Liebe und Sexualität zu tun. Die Liebe spielt hierbei eine überragende Rolle, da sie die Triebkraft zum Zusammenleben zweier Menschen darstellt. Ohne die Liebe wären wir Menschen auf der Schwelle zum Menschsein stehen geblieben. 
Das Gefühl, zusammenzugehören allein würde nicht ausreichen, den Bestand der Menschheit zu gewähren.

    Ich liebe dich! Welch eine Gewalt steckt darin, welch ein Gefühl erschließt sich bei diesen Worten, tausendfach bedichtet und besungen und immer wieder neu erfunden. Da kommen wir unausbleiblich zu der Frage: Was ist wichtiger, lieben oder geliebt zu werden? Meine Antwort darauf: Was ist wichtiger für einen Vogel, der rechte oder der linke Flügel? Beides gehört zusammen wie der Himmel zur Erde, wie Feuer und Wasser, wie Leben und Tod! Wie ICH und DU.
Vor Kurzem las ich diese Sätze eines französischen Poeten:
»Manchmal sehe ich dich und ich sehe nichts! Ein anderes Mal sehe ich in mich selbst hinein und was sehe ich? Dich.«

    Gibt es etwas Bedeutsameres als diese Aussage? Da dürfen dann auch ruhig Fehler auftreten, wenn ein Paar zusammenhält, wird ein jeder dieser Fehler aus dem Weg geräumt werden können, solange er nicht an die Wurzeln des Zusammenlebens heranreicht. Liebe kann im Grunde niemand verletzen, denn jeder von uns ist selbst verantwortlich für das, was er fühlt und was er tut.
Wie könnte ich einem Anderen die Schuld geben, wenn meine Partnerschaft nicht gelingt? Da ist schnell ein Schuldspruch zur Hand, nicht wahr?
Wie oft hörte ich die Aussprüche: »... dann ist er in meine Ehe eingebrochen.« Oder auch: »... ich habe ihn an sie verloren.«
Ich bin überzeugt, dass niemals jemand einen Anderen verlieren kann, weil niemals jemand einen Anderen besitzt!
Paar_1

 Früher als ich jung war, glaubte ich, dass ich durch mein Tun mein ganzes Leben verändern könne. Alle Dinge hatten ihren Sinn dadurch, dass ich ihnen den Sinn gab. Das machte mir Mut, das gab mir Kraft, um alle Schwierigkeiten zu bewältigen. So konnte ich stets den Kopf hochtragen, konnte immer frei atmen. Alles in meinem Leben war nach meiner Ansicht in Ordnung.
Heute nach vielen Jahrzehnten habe ich in meinem Herzen die Gewissheit, dass dieses Denken falsch war. Ich kann mein Leben nicht verändern; ich kann ihm wohl eine neue Richtung geben, gewiss. Nur die Zeit ganz allein kann mein Leben verändern!

    Und weißt du was, liebe Leserin, lieber Leser? Ich liebe diesen Gedanken. Weil er mir die Schuld nimmt an Abläufen, die ich vielleicht hätte beeinflussen können. Gut, dass ich nicht weiss, was durch mein Zögern oder durch unüberlegtes Handeln alles geschehen ist! Ich verstehe heute manches nicht mehr, was ich früher tat, das sagte ich im Eingang schon.
Gutes und Schlechtes, Erfolge und Fehler halten sich eben im Menschenleben stets die Waage. Und nebenbei habe ich auch gelernt: Man liebt nicht nur einmal!
Aber ich weiss mit Gewissheit: Die wahre Erfahrung meiner Freiheit ist: 

Lieben heißt auch, etwas zu haben, ohne es zu besitzen!


©2021 by H.C.G.Lux


4 Kommentare:

  1. ach lieber dichterischer dnker lieber Horst, wenn ich dich nicht lesen würde, wäre mir - im Laufe meines bisherigen Lebens so gar manche Lebensweisheit nicht eingefallen, hätte mir diese und ähnliche Gedanken die den Deinen so gleichen - vielleicht nicht gemacht...
    Der mensch gehört nicht einem - er gehört allensfalls zu einem wenn er/sie/es diese Bindung zum Gegenüber spürt.
    deine tiefe Nachdenklichkeit im Wesen, dieses sich selbst hinterfragen und nichts leichtfertg dahinsagen, sich entschuldigen können wenn es doch einmal geschieht, den Mut dazu-zu-haben kann sich nur aus dem Leben heraus entwickeln und ihn weiter gut durchs Leben tragen - hofft man selbst und tut es....Tag für Tag.
    Mir tut es immer gut solche Texte zu lesen, weil man reflektieren kann, auf Augenhöhe dem Leben ein Danke sagen..
    ich umarme dich für deine Gedanken und Worte...
    wo werden sie bleiben wenn wir nicht mehr sind?-----
    herzlichst mein Wunsch Du/Ihr werdet einen guten Jahreswechsel zusammen erlebt haben...
    angel.

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    1. Nicht an Morgen denken! »"This" is the day«,
      sagte einst Somerset Maugham.
      Warum also traurig?
      Und noch ein Wort zum Tage - diesmal von unbekannt:

      Was du heute kannst besorgen,
      das verschiebe nicht auf morgen -
      wenn du's übermorgen,
      auch noch kannst besorgen ...!

      grüßt lächelnd
      Dein Freund Horst
      der sich noch herzlich für die P.N.bedankt

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  2. den Wortspruch von u n b e k a n n t lieber Horst hab ich mir vor über 100 Jahren schon zum Wahlspruch erkoren ...
    nix ist schöner als etwas was eh gemacht werden soll/müsste/muss schon erledigt und abgehakt zu haben...
    dafür kann man doch durchaus die zeit verwenden...
    Häkchen machen....Häkchen machen...> > Häkchen gemacht...
    lacht angel

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[B]Ich danke Dir für Deine Nachricht![b/]

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Der Tag kommt, irgendwann. Die roten Rosen lassen stumm die Köpfe hängen. Der weiße Schleier der Vergessenheit trennt messerscharf das Geste...