31.3.22

Der Zug.

 



Ich habe einen Zug gesehen! Wirklich, vor Überraschung musste ich zuerst einmal meine Nerven beruhigen. Ein blitzsauberer Zug, hübsch braun und ockerfarben. Und das Wichtigste: Er fuhr immer noch auf Schienen! Ich wähnte mich schon auf dem digitalen Gleis des Neuronalen Verkehrsnetzes - aber nein, der Zug raste ganz altertümlich ohne jede Digitalisierung wie zu früheren Zeiten auf echten Schienen an mir vorbei. Man stelle sich das nur vor!

        Die allgemein übliche prozessgesteuerte Projektierung schien hier noch nicht angelangt zu sein; vielleicht war es ein Überbleibsel aus einer Zeit, die ihre Erfindungen noch hausgemacht auf dem internen Marktplatz offenbarte?

        Ich rieche immer noch den Kohlenrauch der Lokomotive der alten Baureihe »50«!
Mannomann, das hat mich richtig aufgewühlt, die Wagen aus Großmutters Zeit waren ein anderes Kaliber als die modernen Großraumwagenkathedralen, wie man sie heute sieht.

        Jeder dieser blitzsauberen Häuschen auf Rädern, jeweils mit eigenem Balkon - vorn und auch hinten - hatten sogar braune Gardinchen an den Fenstern, man glaubt es kaum.

        Die Person, die ich auf dem niedrigen Schotter-Bahnsteig bemerkte, war ein richtiger schnurrbärtiger Onkel, der seine blaue Uniform mit der leuchtend rote Mütze stolz der zuschauenden Menge präsentierte. Die kleine Signalpfeife trug er wie einen Verdienstorden an einer Kordel um den Hals. Sie zeichnete ihn aus als einen Mann, der die Macht hatte, den Zug starten zu lassen!               
Seine Majestät Wilhelm II. hätte seine wahre Freude an diesem wahren Staatsdiener gehabt, denke ich.

        Ja - und dann kam dieser Zug herangeschlichen! Sechs Waggons, einer so schön herausgeputzt wie der andere. Mit lautem Zischen und Prusten hielt die Lokomotive an dem Schild mit dem großen »H«. Eine blitzblanke Maschine; rote Räder, die mit einer Pleuelstange verbunden, dem Zug seinen Antrieb verschafften. Ein wahres Meisterwerk deutscher Maschinenbaukunst, da konnte es keinen Zweifel an der Wertarbeit geben!

        Ich wollte nun den Lokführer fragen, woher dieser anspruchsvolle Zug kam - dazu kam es nicht mehr. Ich erwachte schweißgebadet, der schöne neue alte Zug verschwand irgendwo in den Wolken des frühen Morgens ...

©by H.C.G.Lux

3 Kommentare:

  1. Der Zug der Zeit ist weitergefahren! Wie schön dass man noch träumen kann.Dazu braucht es ruhige Tage und Nächte.
    Liebe Grüsse in den Tag an Euch und keine Albträume.Im Harz und auf Rügen sind die alten Loks zusehen, die Du im Traum gesehen hast. Herzlichst Klärchen

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    1. Ja, liebes Klärchen, mir ist bekannt, dass es viele sogenannte "Museumszüge " gibt, wunderschön und ansehenswert. Und mit viel Liebe erhalten.-
      Aber das alles ist ein "Nichts" gegen die dampflokbetriebenen Strecken, die es im normalen Bahnverkehr gab. 1949 fuhr ich von Ostfriesland nach Kassel mit mehreren solcher Züge - viermal umsteigen mit jeweils 2 Stunden Aufenthalt zwischendurch! Holzklasse (3Kl.)- und proppevoll! Das war kein Spaß - im Gegenteil zu den heutigen Fahrten mit der "Museumsbahn".
      Schön? Naja, aus der heutigen Zeit gesehen vielleicht, aber ich weiß nicht so recht ---
      Danke und Grüße von
      Horst

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  2. Naja, die normalen Dampfloks kenne ich auch , von Westrhauderfehn nach Leer, Halt in Folmusen. Das sind schöne Erinnerungen. 1949, war ich da schon geboren...
    Dann gab es die Kleinbahn nach Wanne-Eickel :-))

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[B]Ich danke Dir für Deine Nachricht![b/]