1.3.22

Siebzehn oder Vier ?

 


Siebzehn, eine Zahl, die eigentlich nichts Besonderes aufweist. Siebzehn. Na gut, beim »Black Jack« vielleicht ganz angebracht. Aber hier? Da wäre mir die Drei, oder auch die Vier bedeutend lieber. Aber was soll ich machen, etwa vor mich hin grummeln?

Das ist mir zu dumm, also setze ich mich brav auf einen der beiden freien Stühle. Freie Stühle? Ach, ich vergaß, du weißt ja nicht, wo es mich heute früh hingetrieben hat, nicht? Möchtest du das wissen? Gar kein bisschen neugierig? Doch ich sage dir, wo ich bin, es hätte ja keinen Sinn, es für mich zu behalten, dann wäre ja dieser ganze Schrieb für die Katz!

Also, damit deine Neugier befriedigt wird: ich sitze jetzt im Wartezimmer der Praxis eines Allgemeinmediziners! Warum? Na, du fragst aber, alte Menschen haben nun mal hier und da ihre kleinen Wehwehchen, von denen man doch gern wissen möchte, woher und warum und wieso.

Du nicht? Glücklich ist, wer vergisst, was nun nicht zu ändern ist! Das war, so glaube ich, eine der Operettenmelodien, die mit der Zeit aus der Mode gekommen sind. Heute liebt man ja den »Sprechgesang« als unmelodischer Verballhornung der menschlichen Stimme.

Ich bin also beim lieben Onkel Doc und warte, dass die sechzehn noch vor mir platzierten Mitmenschen ihre unbequemen Stühle freimachen und durch eine der beiden Türen verschwinden, um irgendwann mit einem leisen »Tschüss« durch die Ausgangstür das Weite zu suchen. Aber das kann dauern, denke ich so bei mir.

Ich schaue mich um: Wo gibt es Lesestoff? Der kleine Tisch in der Mitte des Raumes lacht mich an. »Hier«, ruft er mir leise zu, »ich habe einiges für dich!« Hoch erfreut ob des freundlichen Angebots hebe ich meinen edlen Körper vom Stuhl und strebe diesem kleinen Tischchen zu. Wahrlich, eine erkleckliche Anzahl von bunten Blättern streckt sich mir da entgegen. Großformatige Überschriften recken sich empor. Ich bin erstaunt.

»Schlafen Sie schlecht? Ein Ratgeber für gute Nachtruhe!«

Wird da eventuell ein Gute-Nacht-Liedchen geträllert?

»Ihre Wirbelsäule macht Beschwerden? Wir zeigen Ihnen, wie Sie diesen aus dem Wege gehen!«

Donnerwetter was mache ich dann ohne dieselbe?

»Der Darm, Ihr wichtigstes Organ! Nur Mut, es gibt Hilfe! Wir zeigen ihnen wie!«

Aber bitte: Auf’s Klo geh ich schon gern allein!

»Wenn ›ES‹ nicht mehr so richtig klappt! Nicht verzagen, Dr. Chiasis fragen« Der gute Mann gibt Hilfestellung in allen ’Lagen’. Vielleicht mit anschaulichen Beispielen?

Und da liegt noch ein anschauliches Blatt. Besonders dicke rote Lettern: »Was Professor Dr.Majoran zur Krebsdiagnostik anmerkt:

Rauchen Sie nicht, trinken Sie nicht, machen Sie keinerlei ›Spielchen‹, dadurch können Sie versuchen, der Krankheit zu entkommen!«

Na gut, vielleicht klappt es ja, wenn nicht - er ist ja nicht verantwortlich. Nein, also, was tue ich hier? Allein vom Lesen all dieser Gesundheitspostillen spüre ich überall schon gewisse Beschwerden. Rechter Unterbauch, das kann nur der Appendix sein! Falsch, geht ja nicht, ist ja schon 50 Jahre raus!

»Raus« ist ein sehr guter Rat, macht’s gut, Freunde!


©by wildgooseman

2 Kommentare:

  1. obwohl mir das Lächeln zur Zeit etwas schwer-fällt in Anbetracht der aktuellen Ereignisse - lächle ich nun doc als ich deine Abhandlung über`s warten im Sprechzimmer lese. ...*
    weißt du was ?
    schon seid längerer zeit entdecke ICh in keinem der Wartezimmer überhaupt noch Lesestoff - ganz im Gegenteil: man muss sich was mitbringen wenn man die zeit überbrücken will"""! -*!°
    nichts mehr liegt da , nicht mal Werbung,,wenn dann ganz vereinzelt mal WERBUNG wie beschrieben...und dass einem das Lachen und Lesen vergeht..also nix wie raus und den Onkel doc bitte nur von HINTEN .,,sehen!,
    die gähnende Leere der Zimmer des Wartens scheint aber auch dir im hohen Norden anscheinend aufgefallen zu sein...
    es war
    vergnüglich deine Gedanken zu lesen,....
    Grüße in den Norden...ins alte Land
    herzlichst angel

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  2. Ich kann Dir darauf leider keine Anwort geben - mein letzter "Wartezimmerbesuch" liegt schon lange zurück. Und wenn - mein "Kindl"
    ist immer dabei. Wenn ich dann Langeweile bekommen sollte: Die Betrachtung der Mitpatienten mit gleichzeitiger Beurteilung hilft mir immer! Es gibt so viel zu entdecken - packen wir's an ...
    Es grüßt herzlich,

    Horst

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[B]Ich danke Dir für Deine Nachricht![b/]

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