26.4.22

»Sie sollen es einmal besser haben!«

 

Wer von uns kennt diesen Satz unserer Großeltern oder Eltern nicht? Du sollst es einmal besser haben! Und?
Haben wir es wirklich besser? Heißt die elektronische Revolution, dass es allen besser geht? Ich bezweifle diesen Ansatz stark. Es kommt immer auf die Basis an, auf den Ausgangspunkt der Aussage! Was heißt denn schon besser? Wäre es besser gewesen, wenn ein Germane im Smoking herumlief anstatt im Bärenfell? Würde ihm ein Pils besser schmecken als ein Becher Met?
      Wie viel mehr Tote hätte es im »Dreißigjährigen Krieg« gegeben, wenn Tilly damals schon ›Raketen oder Wasserstoffbomben‹ gehabt hätte. Und der alte Napoleon wäre brav in seinem Lande geblieben, wenn die Millionen von Landminen, die heute noch überall vergraben liegen, schon 1800 an seinen Grenzen gelegen hätten.


        Besser? Es war zu keiner Zeit wirklich ›besser‹, weil immer die Zukunft glorifiziert werden sollte. Genau wie auch die Vergangenheit. Wer kennt nicht die »Gute Alte Zeit«, vielfach beschworen, die niemals diesen Lorbeerkranz verdient hat, der ihr angehangen wurde! Es kommt immer auf die inneren Umstände an, die maßgeblich am Leben beteiligt sind. Und diese tragen immer eine »Träne im Knopfloch«. Wer die Gegenwart nicht liebt, weil sie ihm zu schwer, zu unleidlich erscheint, liebäugelt jeweils mit der Vergangenheit, die er sich ja nach Belieben aussuchen kann, er muss nur lang genug forschen. Sehen wir das nicht heutzutage erneut! Warum glauben so viele Menschen schon wieder, dass die Diktatur des III.Reiches ein herrlicher Staat war?
        Es ist richtig, auch wir, die man uns heute die Alten nennt, hatten keinen Respekt vor der »gestrigen« Generation! Weil diese es ja war, die alles in ihrer Hand hatte und nicht freiwillig die Jungen beteiligte. Sicher ist das eine Eigenart des Menschen, die man jedoch auch im Leben der animalischen Geschöpfe findet. Das »Alte« muss nach einer gewissen Zeit abtreten, tut es das nicht, wird es gezwungen.
Das bedeutet im menschlichen Sinn aber immer, dass es stets revolutionäre Auswirkungen gibt, weil selten jemand freiwillig das »Erreichte« wieder abgibt.


Und - das sollte nie vergessen werden: es war zu allen Zeiten so! Ob bei den Neandertalern, bei den antiken Herrschern, den Potentaten des Mittelalters, den europäischen Kolonialherren, den Eroberern des amerikanischen Kontinents bis hin zu den Kriegen unserer Neuzeit!
Sie alle wollten, dass ihre Nachkommen es »einmal besser hatten«!

Aber - und das ist auch unzweifelhaft:
Immer auf Kosten Anderer!

 

2 Kommentare:

  1. Sicher ist der Gedanke Begleiter durch das Leben, der Eltern und Grosseltern, das es den Kindern besser geht. Ich denke für mich, ich bin in einer guten Zeit aufgewachsen, meinen Eltern ging es in ihrer Jugend schlechter. Für uns wurde es immer besser. Über die Zukunft unserer Kinder und Enkel komme ich ins Grübeln und habe meine Zweifel. Sie müssen wohl ausbaden was wir in guten Zeiten verzapft haben. Die Frage ob sie es besser haben beantwortet die Zeit mit der, und in der die Nachkommen leben. Ein nachdenkliches gutes Thema wie immer bei Dir.
    Leeve Gröten, Klärchen

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  2. Es gibt keinen Gedanken, die nicht etwas Besseres für unsere Nachkommen wünschen. Aber die große Frage ist doch: Was ist besser? Das- so meine ich - liegt immer an der Einsicht des Betrachters!
    Beispiel: Ist es besser, in 30 Minuten von Hamburg nach Bremen zu rasen, oder in Zwei Stunden gemächlich durch die Nordheide zu schleichen? Das Fazit ist doch: was will ich erreichen!
    Das allein muss doch der Sinn sein.
    Ich hatte mal einen Kollegen, der war stolz darauf, aus dem Ruhrpott nach Südspanien in einem Tag zu schaffen. Toll, dachte ich damals.
    heute weiss ich, dass ihm dadurch eine Menge an Eindrücken verwehrt geblieben sind. Schade, die Welt kann doch so wunderschön sein ...

    meint mit lieben Grüßen
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Deine Nachricht![b/]