16.11.22

Existenzielle Fragen

 

Wohin zieht der Wind, wenn er weht? Was macht das Fallschirmchen des Löwenzahns, wenn es mitten auf der Autobahn landet? Wer gebietet dem Menschen, seinen Bruder zu töten, den er doch eigentlich liebt? Es waren ähnliche Fragen, die mich seit meiner Schulzeit prägten, die meinen Verstand ständig in Rotation versetzten; niemals gelang es mir, die Bremse für den Wissensdurst zu finden, die mich unablässig antrieben.

   Ob die Cumulus-Wolken weinten, wenn die graue Patina des Kosmos alles überdeckte; ob das Himmelsgewölbe in seiner schönsten azurblauen Eleganz strahlte und es nichts gab, das diese herrliche Pracht überwinden konnte - nichts schränkte jemals die Schönheit der Natur ein. Schon früh bewunderte ich die schlichte Noblesse der Schöpfung. Ich erfreue mich noch heute an der Betriebsamkeit der kleinen Hummel, die sich sogar ganz leicht auf dem Rücken streicheln lässt, dabei nur eines ihrer sechs Beinchen zur Abwehr ausstreckt, in ihrer Tätigkeit auf der Blüte jedoch nicht nachlässt.

    Bei all dieser Faszination vergesse ich indes nie, dass auch der Gegenpol zum täglichen Dasein ein fester Bestandteil der animalischen und der humanen Existenz ist. Es ist hingegen eine absolute Wahrheit, dass dieser tägliche Kampf ums Leben - ums Überleben - all das beinhaltet, dass seit Beginn des Lebensablaufes auf unserer Erde stets unter dem gemeinsamen Motto stand: »Fressen und gefressen werden«!
Ich sehe schon das massive Kopfschütteln über diese trostlose Aussage! Mir wäre es früher auch nicht leichtgefallen, hier die Zwangsläufigkeit dieser Aussage zu akzeptieren. Es ist so: Diese kurze Aussage hat uns geformt!

    Wir fressen uns heute nicht mehr, wir schlachten uns bloß noch! Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ob das die Quintessenz der Menschen auf der Erde ist? Bis zum heutigen Tage verhungern unzählige Menschen, während sich Milliarden mittels Messer und Gabel selbst zu Tode zu bringen suchen. Die Kochkunst und der Kult um den Genuss treiben seltsame Blüten. Von der verschwenderischen Übererfüllung unserer Bedürfnisse lebt eine große Industrie. Zum Preis des Raubbaus an den letzten Lebensräumen und des katastrophalen ökologischen Fortschrittes. So wird für die Wohlhabenden pflanzliche Nahrung – unter hohen Energieverlusten und überhaupt nicht nachhaltig – an intensiv gehaltene Tiere verfüttert oder zum Teil sogar in Bio-Treibstoff umgesetzt. Das große Umdenken, das so oft angesagt wurde, ich sehe es nirgends. Gewiss eine Schar von Unverdrossenen versucht es, aber mehr oder weniger kleckerweise oder erfolglos. Ob es jemals eine Änderung geben wird? Es steht in den Sternen. Wohin zieht der Wind, wenn er weht? Diese Fragen stelle ich mir nicht mehr, denn es gibt immer wieder neue Probleme.

    Da findet man Micro-Plastik im antarktischen Schnee! Da verenden Delfine im Plastik-Müll des pazifischen Raums. Die Armut und der Hunger in der Welt werden immer größer. Die religiösen Streitigkeiten und die Kriege zwischen den Völkern nehmen stark zu. Es scheint alles außer Kontrolle zu geraten - auch aufgrund der Bevölkerungszunahme auf der Erde. (8 Milliarden sind es zurzeit) - Laut einer Prognose der UN werden es im Jahre 2065 etwa 9,7 Milliarden sein!

    Es macht keinen Sinn mehr, noch mehr aufzuzählen! Wer stoppt diesen Wahnsinn? Wer könnte das? Wer?

2 Kommentare:

  1. lieber Horst
    das große Warum - wenn und aber -
    und Wer...
    vor lauter Verzweiflung und Hilflosigkeit aufgegeben...?
    haben es viele Menschen ebenso aus Arroganz etwas nicht wahr haben zu wollen., oder laut zu verkünden# es ist mir egal - erst komme ich und dann erst mal nix' Gedanken findest du doch überall nicht nur im Netz auch auf den STraßen und oft sogar in Gesprächen untereinander..
    der Kampf ums überleben hat für die jetzige Generation erst begonnen und wir befinden uns mittendrin in der ERkenntnis dass im Grunde unsere Welt viel zu klein für diese Massen an Überbevölkerung ist...
    du hast herausgearbeitet was als Anschlag an Behörden, Kirchen und Rathäuser, auch an Schulen und Gemeinden bis hin zu den Reichen und Schönen, ein Bewusstseinsherausforderer ist...
    nur, wer liest das?... es sollte Pflichtfach sein...das tüchtige Gesetzesrütteln das weiterhin versucht - doch oft aus feigheit und wirtschaftlichem Denken fehlt...
    wir schauen zu..
    manche weinen
    andere wenden sich ab
    weil sie schon den Gedanken daran dass wir selbst schuld sind, nicht ertragen...
    was weiter wird
    bleibt ein geheimnis bis es sich offenbart
    angel

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    1. Jeder Teilnehmer am eigentlichen Diskurs schweigt vorsichtig, bis er irgendwann selbst zu den Betroffenen gehört. Das war sch vor hundert Jahren so - warum sollte es nun anders sein.
      Oft müssen wir uns auch an die eigene Brust schlagen - und das, glaube mir, tut unheimlich weh! Je älter man wird, desto mehr sieht man die Wahrheit. Ist leider so, meint mit Grüßen
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Deine Nachricht![b/]

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