9.1.23

Sie sollen es einmal besser haben!

 


 

Wer von uns kennt diesen Satz unserer Großeltern oder Eltern nicht? Du sollst es einmal besser haben! Und? Haben wir es wirklich besser? Heißt die elektronische Revolution, dass es allen besser geht? Ich bezweifle diesen Ansatz stark. Es kommt immer auf die Basis an, auf den Ausgangspunkt der Aussage! Was heißt denn schon besser? Wäre es besser gewesen, wenn ein Germane im Smoking herumlief anstatt im Bärenfell? Würde ihm ein Pils besser schmecken als ein Becher Met?

   Wie viel mehr Tote hätte es im »Dreißigjährigen Krieg« gegeben, wenn Tilly damals schon ›Raketen oder Wasserstoffbomben‹ gehabt hätte. Und der alte Napoleon wäre brav in seinem Lande geblieben, wenn die Millionen von Landminen, die heute noch überall vergraben liegen, schon 1800 an seinen Grenzen gelegen hätten.

    Besser? Es war zu keiner Zeit wirklich ›besser‹, weil immer die Zukunft glorifiziert werden sollte. Genau wie auch die Vergangenheit. Wer kennt nicht die »Gute Alte Zeit«, vielfach beschworen, die niemals diesen Lorbeerkranz verdient hat, der ihr angehangen wurde! Es kommt immer auf die inneren Umstände an, die maßgeblich am Leben beteiligt sind. Und diese tragen immer eine »Träne im Knopfloch«. Wer die Gegenwart nicht liebt, weil sie ihm zu schwer, zu unleidlich erscheint, liebäugelt jeweils mit der Vergangenheit, die er sich ja nach Belieben aussuchen kann, er muss nur lang genug forschen. Sehen wir das nicht heutzutage erneut! Warum glauben so viele Menschen schon wieder, dass die Diktatur des III. Reiches ein herrlicher Staat war?

   Es ist richtig, auch wir, die man uns heute die Alten nennt, hatten keinen Respekt vor der »gestrigen« Generation! Weil diese es ja war, die alles in ihrer Hand hatte und nicht freiwillig die Jungen beteiligte. Sicher ist das eine Eigenart des Menschen, die man jedoch auch im Leben der animalischen Geschöpfe findet. Das »Alte« muss nach einer gewissen Zeit abtreten, tut es das nicht, wird es gezwungen.
Das bedeutet im menschlichen Sinn aber immer, dass es stets revolutionäre Auswirkungen gibt, weil selten jemand freiwillig das »Erreichte« wieder abgibt.

   Und - das sollte nie vergessen werden: es war zu allen Zeiten so! Ob bei den Neandertalern, bei den antiken Herrschern, den Potentaten des Mittelalters, den europäischen Kolonialherren, den Eroberern des amerikanischen Kontinents bis hin zu den Kriegen unserer Neuzeit!
Sie alle wollten, dass ihre Nachkommen es »einmal besser hatten«! Aber - und das ist auch unzweifelhaft: Immer auf Kosten anderer!

8.1.23

Heimatgedanken

 


 

Wir sind kaum aus dem Ei gekrochen und noch nass hinter den Ohren, da werden wir schon auf einen bestimmten Ort festgelegt, den Geburtsort! Irgendwann später bekommen wir eine Brille aufgesetzt, die ein bestimmtes Gefühl beinhaltet: Die Heimat. Das ist dann so etwas wie ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Wohlbehagen und Beglückung.

      Diese Verklärung bleibt normalerweise ein Leben lang im Menschen vorhanden. Man identifiziert sich in einer anderen Gegend sofort mit diesem Ort, mag man ihn auch daheim oftmals kritisieren. Hier gehöre ich dazu, dies ist meine Heimat! Kennst du dieses Gefühl? Kehre ich beispielsweise nach langer Abwesenheit an meinen Heimatort zurück, sieht die Sache schon ganz anders aus! Nichts ist mehr so, wie ich es erlebt habe, alles ist ungewohnt, fremd und nicht so schön, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte.

      Wie ist das möglich? Heimat ist ein fester Bezugspunkt im eigenen Leben, dieser Punkt bleibt im Gedächtnis als feste Größe. In der Realität jedoch ist es kein Orientierungspunkt, da sich die Umstände tagtäglich verändern! Wenn ich ständig an einem Ort wohne, werde ich dies nicht bemerken, bin ich aber auch nur ein Jahr fort, fallen mir sofort Dutzende von Änderungen auf.

      Eigentlich finde ich es positiv, wenn ich dies erkenne. Nicht nur der Ort, das Land, die Umgebung ist schließlich diesem Wechsel unterworfen - ich selbst habe mich ja ebenfalls immer wieder reformiert! Von einem festen Punkt an entweder positiv oder auch manchmal unvorteilhaft.

         Heimat ist nicht nur der Ort, an dem wir geboren werden, an dem wir aufwachsen, viele Menschen träumen davon, ihn später wieder als festen Standort ansehen zu dürfen. Das aber liegt immer an den Erlebnissen, die man »damals« hatte.

      Wenn wir Heimat nicht als das bestimmte Gefühl verstehen, kann diese Formel schnell zur Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit gegenüber jenen instrumentalisiert werden, die unter anderem aus ihrer eigenen Heimat vertrieben worden sind!

Hüten wir uns vor diesen Aussagen, sie machen uns nicht zu humanen Individuen, sondern zu Egozentrikern ohne jedes harmonische Verhältnis zueinander. 

7.1.23

Freude

 




Und ich habe mich so gefreut!

sagst du vorwurfsvoll,
wenn dir eine Hoffnung
zerstört wurde.
Du hast dich gefreut -
ist das nichts?


6.1.23

Die Chance

 



Ich wollte immer schon Klavier spielen. Wirklich, das war mein Wunsch schon vor achtzig Jahren. Am Anfang war es ja auch einfach, da meine Mutter davon ganz eingenommen war. Diese Tatsache allein ist schon erwähnenswert genug. (Im Verlauf meines kindlichen Daseins schien alles, was mir so vorschwebte, nach Mamas Ansicht nur Zeitverschwendung zu sein.)

Das Klavierspielen jedoch gefiel ihr und so setzte sie sich mit allen Kräften dafür ein, dass ich bei einer Klavierlehrerin nebenbei Unterricht nehmen durfte. Nur - wir hatten kein Klavier! Aber unsere Nachbarin von der anderen Straßenseite, Frau Anders, eine ehemalige Pianistin, die damals mein jetziges Alter hatte, war von meinen Wünschen angetan und ich durfte in ihrem «Salon« meine ersten Schritte machen.

Sofort bei der ersten Berührung der Tasten war es klar, hier wächst ein musikalisches Genie heran! Frau Anders, meine Mutter, meine Großmutter - alle waren von meinem Anschlag begeistert, so etwas »Sanftes« hätten sie noch nie gehört - also des Lobes übervoll, wurde ich nun offiziell in die pianobegeisterte Welt der Musik aufgenommen.     

Es war herzbewegend, als ich zum ersten Mal, ich war gerade »Acht« geworden, steckte noch in kurzen Hosen, das Klavierkonzert Nr. 1 g-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy endlich ohne Stocken spielen konnte, rannen nicht nur mir, sondern allen Anwesenden Sturzbäche von Tränen die Wangen herunter.

Meine Klavierlehrerin war so gerührt, dass sie ihr Gesicht gen Himmel hob und fortwährend den Kopf mit den Künstlerlocken schüttelte. (warum, wusste ich damals gottlob noch nicht) Es war ein Erlebnis, dass noch lange nachwirkte und alle, die in dieses Intermezzo verflochten waren, zu stummen Zeugen machte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es waren ohne mich als Hauptperson genau Drei!

Vier Wochen später erreichte meine Mutter ein gerichtlicher Räumungsbefehl für unsere Wohnung - wegen ruhestörendem Lärm. Daraufhin stoppte meine Mutter den Klavierunterricht aufgrund dieser Beschwerden von unmusikalischen Nachbarn!

Jener versäumten Chance, die mein Leben nachhaltig hätte verändern können, trauere ich bis heute nach. Bis zum heutigen Tage muss ich bei jedem Klavierkonzert weinen; in meiner Wahrnehmung wäre ich ja immer der Interpret gewesen ...

5.1.23

Der Morgen, der unvergesslich bleibt

 


 


Als ich endlich meine Lage überdenken kann, muss ich plötzlich lachen. Ohne Scherz - dieser Lachanfall kommt so urplötzlich über mich wie ein Regenschauer an einem heißen Sommertag! Verständlich ist das nicht. Warum lacht man so völlig ohne Grund? Es scheint eine Reihe von humoristischen Geschehnissen zu sein, die mich dazu animieren; jedoch habe ich nicht die geringste Ahnung von der Ursache. Mit energischen Anstrengungen versuche ich, die Lachkrämpfe zu unterdrücken, es ist einfach nicht möglich.

         Das Ganze ist nun schon viele Monate her, mag auch so manches in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten sein - dieses Phänomen bleibt fest in meinem Gedächtnis haften. Da sitze ich wieder auf dem Boden der Duschzelle, schaffe es nicht, weder den linken Arm noch die Beine zu bewegen, kann auch keinen vernünftigen Ton aus meinem Mund herausbringen - aber ich lache ununterbrochen!

        Wer könnte das glauben, viel weniger noch verstehen? So vergehen einige Minuten. Dann versuche ich, mit der verbliebenen Hand auf den Boden zu klopfen. Mit Erfolg, meine Frau vernimmt dieses Geräusch, eilt mit Erschrecken herbei und hilft einem nackten Mann aus dem Dilemma. Darüber wiederum muss ich ebenfalls lachen. Nachdem der Rettungswagen angefordert ist, werde ich notdürftig bekleidet und warte nun - unter weiteren Lachanfällen - auf die Helfer von der Rettungswache. Dieses Warten dauert keine zehn Minuten, da liege ich schon auf der Tragbahre - und rase unter vollem Orchesterklang der Klinik entgegen!

        Unterdessen muss ich über die Situation lachen, die Mannschaft im Wagen schaut erst etwas verblüfft und muss dann einfach unter gleichzeitigem Gebrauch der ersten Hilfsmittel ebenfalls lachen! Mich selbst sehe ich aus einer Perspektive, wie ich sie noch nie erlebt habe.

        In der Notaufnahme sieht zunächst alles sehr ernsthaft aus - jedoch auch darüber muss ich nun lachen. Die ersten Untersuchungen usw. nehmen danach ihren Lauf, ich muss mich ständig sehr zurückhalten, um nicht wieder in Lachkrämpfe auszubrechen. Auf der Stroke Unit-Station die üblichen Handlungen. Alles läuft in hervorragender Manie ab.

        Das Ende des Morgens jedoch ist völlig unerwartet: Ich kann mich nicht zurückhalten - es is nicht möglich. Trotz der ernsthaften Lage können alle mich versorgenden Menschen sich ebenfalls vor Lachen nicht mehr zurückhalten, sie schauen mich an, schauen sich an - und lachen! Auch der Oberarzt scheint davor nicht gefeit zu sein, denn er reiht sich ein in das Oktett der Lacher, die sicher vergaßen, sich gegen solch eine Situation impfen zu lassen.

        Ich jedenfalls - wenn ich es so nennen darf - erklomm mit diesem Geschehen wieder die erste Stufe der Restitution meiner Gesundheit. Wobei ich doch betonen muss, dass solch ein Schlaganfall sicher nichts Lächerliches ist - wahrhaft nicht! Aber immerhin konnte ich das Team, das mich damals betreute, von einer humanen Seite sehen, die wahrscheinlich nicht viele Patienten erleben werden. Dank an alle, die mitlachen konnten.

        Und noch etwas: Es sind bei mir keinerlei Einschränkungen zurückgeblieben - außer der Erinnerung an diese eine Woche ...

 

4.1.23

Aus der Kinderzeit

 

 


 

 


Zum Neuen Jahr ein klassisches 
Gedicht zum Nachdenken









In alten Briefen saß ich heut' vergraben,
Als einer plötzlich in die Hand mir fiel,
Auf dem die Jahresziffer mich erschreckte,
So lange war es her, so lange schon.

Die Schrift stand groß und klein und glatt und kraus
Und reichlich untermischt mit Tintenklecksen:


»Mein lieber Fritz, die Bäume sind nun kahl,
Wir spielen nicht mehr Räuber und Soldat,

Türk hat das rechte Vorderbein gebrochen,
Und Tante Hannchen hat noch immer Zahnweh,
Papa ist auf die Hühnerjagd gegangen.
Ich weiß nichts mehr. Mir geht es gut.

Schreib' bald und bleibe recht gesund.
Dein Freund und Vetter Siegesmund ...«


»Die Bäume sind nun kahl«, das herbe Wort
Ließ mich die Briefe still zusammenlegen,
Gab Hut und Handschuh mir und Rock und Stock,
Und drängte mich hinaus in meine Haide.

 Detlev v.Liliencron, 

 

 














3.1.23

Immer wieder

 Frau Schütze grüßte jeden Tag sehr freundlich. Seitdem sie ihr Domizil in die Wohnung im ersten Stock des Hauses verlegt hatte, war sie - im Gegensatz zu ihren Vorgängern - ein wahre Erholung für das Gemüt eines alten Herrn, wie es Ulrich nun mal war. Du wirst mir zugeben, es ist schon ein Unterschied, ob jemand bei einer Begegnung »Hrngr« als Morgengruß von sich gibt oder ob er »Einen wunderschönen Guten Morgen« so lieblich in die Gegend flötet, nicht wahr?


        Nun, die neue Nachbarin wohnte jetzt direkt über Ulrichs Heimstatt in der ersten Etage. Frau Schütze war eine liebenswerte Person, es ging gar nicht anders, man musste sie einfach sympathisch finden. Und wenn Ulrich noch so zwanzig Jahre jünger sein würde - er lächelte dabei still vor sich hin - wer weiß, wer weiß? Ulrich hatte seit dem Einzug der Frau Schütze bedeutend mehr Zeit damit verbracht, sich zu pflegen, als vorher! Woher das wohl kam? Er verstand sich selbst nicht mehr. Das letzte Jahrzehnt hatte Ulrich doch auch gut ohne den ganzen Firlefanz überstanden, und nun?

        Im Januar, einige Tage später waren in der Nacht gerade die ersten Zentimeter Neuschnee gefallen. Ulrich hatte seine Schneeräumarbeiten, zu denen er als Erdgeschossbewohner nun mal verpflichtet war, ziemlich atemlos hinter sich gebracht. Er freute sich schon auf den morgendlichen Tee, der bei ihm zur festen Regelung geworden war. Als er den Gehweg von den letzten Schneeflöckchen befreit hatte, ging die Haustür auf und Frau Schütze trat aus der Tür.

     »Vorsicht!«, schrie Ulrich, »es ist noch ziemlich glatt, ich muss da noch streuen!«
Erschrocken blieb sie in der Tür stehen. »Jetzt haben Sie mich aber erschreckt. Aber ›Sie‹ sollten lieber aufpassen, meine Knochen sind noch elastisch genug!« Sie lachte hell auf. »So, ich muss aber schnell ins Office, machen Sie’s gut Herr Ulrich!« Ulrich nickte zustimmend, dann packte er seine Gerätschaften und brachte sie in den Keller. Endlich kam er zu seiner Tasse Tee, die er sich in Windeseile zubereitete.

        Als er in seiner Küche am Tisch neben dem Fenster saß, schaute er nachdenklich auf die Straße hinaus, auf der die Autos recht langsam und vorsichtig entlang schlichen. Seine Gedanken waren etwas angespannt. ›Ja‹, dachte er, ›da wird mir die Wahrheit so einfach vor die Füße geworfen, sieh mal einer an‹. Er dachte dabei an Heinrich Heine. Der schrieb einmal diese Verse:

     Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
         Und ertrage dein Geschick,
         Neuer Frühling gibt zurück,
         Was der Winter dir genommen.

         Und wie viel ist dir geblieben,
         Und wie schön ist noch die Welt!
         Und, mein Herz, was dir gefällt,
         Alles, alles darfst du lieben!

Gab es da noch etwas zu ergänzen? Nein, damit war ja alles gesagt. 

2.1.23

Hans-Friedrich

 



Irgendwann hat es sich mal eingebürgert, dass man seinem Kind einen Namen geben musste, damit erkenntlich wurde, aus welchem Stamm es herausgewachsen ist. Gut gesagt. Jeder soll ja auch wissen, dass genau er gemeint, wenn er gerufen wird. Anastasius oder Theodosius wären so schöne alte Namen mit gotischer Vergangenheit, die einst Geschichte schrieben. Vielleicht schreibt der Filius auch mal Große Geschichte? Was hätte ich dann davon? Nix, also überlassen wir so etwas anderen Größen und wenden uns dem Realen zu.

        Nun muss ich diese oben genannten Namen nicht unbedingt selbst verwenden, auch wenn ich sie nicht schlecht finde; doch ich habe einen bekannten Namen gefunden für eine Person, die mir nahesteht!

     Es ist eine Person, die mir ziemlich bekannt ist. Ich kann mit ihr kommunizieren, kann sie beschimpfen, wenn mir danach ist. Auch ein Lob ist manchmal drin. Ich sage ihr ungeschminkt meine Meinung, ob sie diese nun hören will oder auch nicht.

        Dabei muss ich aber auch bemerken, dass mir all das Namenlose an sich ziemlich langweilig vorkommt. Ich habe der Person jetzt auch ein Gesicht gegeben! Jawohl. Und diese Person möchte ich nun mal kurz vorstellen: Es ist Hans-Friedrich. Es ist mein oftmals netter, manchmal unausstehlicher innerer Schweinehund. Irgendwie mag ich ihn trotzdem, auch wenn ich ihn so manches Mal gegen die Wand schmeißen würde. Vorsichtshalber mach ich das dann doch nicht - was tue ich, wenn er sich wehrt?

        Heute im frischen Jahr 2023 habe ich ihn ein bisschen gepflegt. Muss ja auch mal sein, dann ist er auch wieder lieb und ich kann gut mit ihm zusammenarbeiten. Hans-Friedrich hat es heute übernommen, für den Mittagstisch zu sorgen. (Hoffentlich habe ich da nicht mit Zitronen gehandelt?) Neujahrsbrunch ist nämlich etwas, das er gern macht! Da gibts dann einen vorzüglichen schwarzen Toast mit zwei Eiern, eine saure Gurke und fertig ist das Mahl!

        Ja doch, ich weiss, ich müsste Hans-Friedrich mal die Leviten lesen - doch ich kann das so schlecht, der gibt mir immer Widerworte. Im Moment diskutieren wir beide noch über das Thema Staubsaugen am Montagmorgen! Ich bin der Überzeugung, dass ich noch ganz gute Chancen habe, ihn zu überzeugen. Als Belohnung darf er dann auch auf der Couch entspannen - ich gönne es ihm wirklich ...


1.1.23

Ruhe in Frieden.

 



 Er hat ihn nun verdient, diesen Frieden, denke ich. Benedikt der XVI. teilte den Katholizismus wie kein anderer Papst vor ihm. Er bat zuletzt alle Betroffenen um Vergebung, an denen er glaubte, falsch geurteilt zu haben, diese Ehrlichkeit darf man ihm getrost abnehmen, dennoch bleiben Fragen offen, die er nicht mehr beantworten kann. Dabei sollte man es auch belassen. Als seine Kräfte ihn verlassen hatten, konnte er nach acht Jahren die Bürde seines Amtes nicht mehr tragen. Diese Geste ist ihm hoch anzurechnen.

        Nun ist er aus dieser Welt gegangen. Mir als evangelischem Christen bedeutet sein Tod nicht so viel wie den katholischen Schwestern und Brüdern; für mich war er halt nur ein alter Mensch, der ein paar Jahre vor mir die Ewigkeit betreten hat. Lassen wir ihn in Frieden ruhen.

31.12.22

Altjahrsabend

 




Ganz leise schwebt das Laub von dürren Bäumen,
es heißt nun Abschied nehmen von den Träumen,
die nicht mehr zu erreichen sind.

Als dieses Jahr noch jung in seiner Wiege lag,
lachte uns voller Morgenröte jeder Tag, 
voll Begeisterung versprach es Glück.

Nun ging das Jahr dahin auf leisen Sohlen.
Oftmals verwirrten seine Kapriolen,
mit denen es uns überraschte.

Auf dem Kalender les’ ich: einunddreißig!
Dies Jahr ist nun vorbei, das weiss ich,
schau trotzdem noch einmal zurück.

Adieu sagen uns des Jahres letzte Tage,
viele Wunden, viele Freuden, manche Klage,
sind fast in Vergessenheit geraten.

Mit Knall, viel Lärm und lautem Krachen, 
begrüßen wir das Kommende! Wir lachen
und schauen voll Neugier aufs Kalenderblatt.

Ein neues Jahr liegt da vor uns in Kindsgestalt.
Ob wir es noch erleben, wenn es alt?
Das weiss niemand. Gott sei Dank! 

Ein guter Wunsch soll uns begleiten,
in das Neue, in die Zukunft leiten:
Ein frohes Neues Jahr!

 

30.12.22

Auf ein Neues.




Auf ein Neues.

 

Wieder ein neues Jahr, wieder wird all das laut, das noch an jedem Jahresende die Menschheit bewegt und die Herzen voller Hoffnung höher schlagen lässt - Friede auf der Welt! Man möchte allen Persönlichkeiten, die zum Neuen Jahr ihre guten Gedanken und Wünsche unter die Leute bringen, zurufen:  »Verdammt noch mal, fangt doch endlich einmal damit an!«

    Seit unzähligen Jahren immer die gleichen Wünsche und Hoffnungen millionenfach ausgesprochen, jedes Mal am Ende eines Jahres stellt man dann fest: Es hat sich nichts, aber auch rein gar nichts geändert!

      Und für 2023? Einige große Persönlichkeiten unserer politischen Weltgeschichte - von denen wir wissen, dass sie gar nicht so groß sind, wie sie meinen, zu sein, verkünden uns mit viel Trara, dass wir als Teile von 7 Milliarden Menschen nichts mehr wünschen als Frieden! Eine wundersame Entdeckung. Vielleicht werden die Luzifergestalten unserer Zeit, werden die Taliban, die Ayatollahs und die machtbesessenen Diktatoren von diesen Aussprüchen so gerührt, dass sie umkehren auf ihrem Weg und sich dann alles zum Besten wendet? Es wäre wunderbar, wenn ich dies glauben könnte. Solche Wunder jedoch geschehen nicht, gestern nicht, heute nicht und in Zukunft ebenfalls nicht«

      Der Glaube sieht die Dinge ganz anders; In einer dauernd bedrohenden und bedrohten Welt muss Gott aus Lasten und Trümmern unseres Lebens sein Werk unter uns errichten.
Das sagte einst Jochen Klepper (1903–1942), einer der wichtigsten christlichen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

      So werden wir also weiterwandern auf diesem unsicheren Pfad des Neuen Jahres. Wir werden uns weiterhin am Leben freuen, so lange wir können und nie die Hoffnung aufgeben. Und das ist richtig so! Wenn wir alles aufgeben, alles nur als gegeben hinnehmen und auch womöglich als »gottgewollt« ansehen - was sind wir dann? Marionetten in einem Puppenspiel, dessen Fäden stets nur von machtgeilen Typen gezogen werden. Und dann haben ja auch die jungen Menschen, die sich »letzte Generation« nennen, in Teilen wirklich recht, auch wenn man ihre Umtriebe nicht unbedingt respektieren mag.

      Dann denke ich an die Umweltzerstörung, die von uns Menschen eingeleitet wurde. »Macht Euch die Erde untertan!« So steht es in dem Buch, dass »Die Heilige Schrift« genannt wird. Ich habe jedoch trotz eifrigem Suchen keine Stelle in ihm gefunden, die sagt, dass wir diese Erde zerstören sollen! Wenn wir uns also einfach über die Grundsätze des Lebens einfach hinwegsetzen - warum sollen wir uns dann noch an alle anderen Gebote halten?

      Was ist dann mit dem 5.Gebot? »Du sollst nicht töten.« Dieses gilt dann jeweils nur für den Anderen? Nein, liebe Freunde, Solch eine Haarspalterei ist einfach nicht mehr tragbar. Wir schaffen ein Ende eines Krieges, indem wir neue Waffen entwickeln! Eine tolle Logik.

      Das Jahr, dass ich nun zum 89.Mal beginnen darf, hat noch viele Fragen für mich bereit. Fragen, deren Beantwortung ich noch gern erleben möchte. Mag sein, dass von den guten Wünschen aus den vielen Mündern einiges erfüllt werden kann, mag sein, der Friede auf Erden, den uns die Weihnachtsbotschaft verkündet hat, bedarf aber noch einer Bestätigung! Und die - die werde ich wohl kaum noch erleben.

    Ich wünsche Euch allen, die ihr diese Epistel hier so nebenbei lest, ein gutes, friedvolles Neues Jahr, es möge all die kleinen Wünsche in Erfüllung gehen lassen, die ein jeder von uns hat - beim Warten auf den großen Traum, der die Welt bewegt!

 

29.12.22

Noch ne Bilanz?

 



Ich bin mir nicht ganz so sicher bei dieser Beurteilung. Was ist es denn wert, wenn ich dieses oder jenes aufzähle. Jeder von uns hat doch seine eigene Aufzählung der guten und weniger interessanten Stunden.

        Gibt es also gesellschaftliche oder politische Ereignisse, die man als erfreulich nennen kann? Wenig, würde ich sagen. Solch eine unfreiwillige Bilanz des Jahres wird stets ausgeglichen dargestellt. Ich selbst verbinde dabei 2022 wie ganz sicher viele andere Menschen vor allem mit Corona, Krisen und Kriegen! Und mit all den entsetzlichen Folgen, die Menschen in allen Ländern der Erde erleiden mussten.

        Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, der Völkermord an der muslimischen Minderheit in China, den Uiguren. Die Entrechtung der Frauen in Afghanistan mit der Burkapflicht und dem Verbot der Höheren Schulbildung und dem Studium der Frauen, Dann die Gewalt des islamischen Regimes im Iran gegen Frauen und Männer, die für nichts anderes demonstrieren als für ihre Selbstbestimmung und die Demokratie.

     Aber auch bei uns ist es vielerorts schwierig, die Freiheit, die wir wirklich genießen könnten, zu verteidigen. Sogenannte Reichsbürger, die irgendwie den Sturz unserer Republik planen, dann Rechtsextreme, die Asylbewerber angreifen, dazu Antisemitische Vorfälle überall. Der Glaube an das Gute wird durch die brutale Realität tagtäglich erschüttert. Man fühlt sich oft in das Jahr 1939 versetzt.

        Dabei helfen auch die gutgemeinten endlosen »Bitten um Frieden« von Würdenträgern aller Couleur in der Welt rein gar nichts. Seit ich 11 Jahre alt war, wurde um Frieden gebeten, in Kirchen und überall, wo Menschen beieinander waren! Und? Haben wir jemals Frieden in der Welt gehabt? Es gab kein Jahr, das nicht in einem Teil der Welt Leid und Elend durch Kriegshandlungen durchzogen war! Ich kann in dem ganzen Konglomerat nicht erkennen, wo der Rote Faden des Friedens sichtbar ist, leider.

        Ich persönlich werde das Jahr 2022 mit durchaus gemischten Gefühlen in Erinnerung behalten; es brachte mir nichts besonders Unangenehmes, und deshalb bin ich doch einigermaßen zufrieden. Für das Neue Jahr große Vorsätze? Nein, noch nie habe ich davon viel gehalten. Vielleicht der eine Wunsch: optimistisch und zuversichtlich zu bleiben. Und für uns alle den Wunsch, dass für uns Nächstenliebe kein Fremdwort wird, und wir uns nicht zu viel und nicht zu wenig informieren, um nicht Verschwörungstheoretikern auf dem Leim zu gehen. Für Euch aber: alle guten Wünsche!

 

 

28.12.22

Der Stammgast

 



 Er kam jedes Jahr zweimal bei uns an die Haustür: Am ersten Samstag im Juni und am letzten Mittwoch im Dezember. Seit er vor sieben Jahren zum ersten Mal erschien, gehörte er zum Jahresablauf wie Neujahr und 1.Mai, meine Frau fragte schon immer vorher: »Na, kommt der Hartmut nicht bald?« Und richtig - die Türglocke meldete ihn schon bald darauf an.

     Sein breites Grinsen ließ bei uns immer die Sonne im Hausflur aufgehen. »Hi Buddys«, sagte er so ganz salopp, »da bin ick ma´ wieda, wollt´ mir nur ma´ nach euerm´ Wohlerjehen erkundijen. Allet Okay? Ja ick seh schon, bei Euch is allet in Butta. Bei mir ooch, sonst würd ick ja nich hier stehn, wa?. Ja, ja, det war wieder ´n buntet Jahr, aber ick hab’s überlebt, Un nu bin ick hier!«

        Auch wenn er alles wohl auswendig gelernt hatte - vor unserer Tür klang es immer wie ein Stück aus der Geschichte des Lebens. Er bekam dann seinen Teller mit Suppe, einen Briefumschlag mit einem Schein darin (schon vorher bereitgelegt) Und nach dem Verzehr des Mittagsbrots, das er stets - auch im Winter - auf der Terrasse einnahm, verabschiedete er sich formvollendet von uns, mit einer Verbeugung und einem herzlichen Dank. Dann war er wieder weiter unterwegs, ins Ungewisse,
     Letztens wollte ich ihm noch eine ältere Winter-Lederjacke mit Pelzfütterung schenken, die mir zu eng geworden war. Voller Entsetzen lehnte er diese Gabe ab! Auf mein erstauntes Nachfragen meinte er dann: »
Wat soll ick denn damit? Det jloobt mich doch keener, dat ik uff de Waltz bin. Nee, nee, lassen se man, ik bin schon jut gerüstet!«

        Im letzten Juni kam er dann nicht mehr an unsere Tür, auch nicht im Dezember. Wir haben nie erfahren, was mit Hartmut geschehen ist, es ist dabei nicht ganz so einfach, wie es aus der Ferne ansehen mag. Auch das Leben spielt manches Mal so ein Stück wie  Leonard Cohens Hallelujah so ganz nebenbei! 

 

In der Frühe

 



 Wenn ich morgens kurz nach dem Erwachen den Blick nach draußen wende, habe ich das Gefühl, mitten in den Wolken zu schweben. Nee, nicht was du jetzt denkst, mein Konsum von Alkohol hält sich in ganz engen Grenzen. Wenn heute ein Gastwirt von meinem Umsatz leben müsste, wäre er schon vor Jahren verhungert.

        Nein, es ist der Gedanke an das Leben an sich, das Dasein inmitten der Unmengen von Eindrücken, die täglich auf uns hernieder prasseln. Dieser aufreibenden Betriebsamkeit kann auch niemand aus dem Weg gehen, ganz ohne eigenes Dazutun wird man einfach in das Gewusel eingebunden. Was könnte man denn da auch tun?

        Ein Leben als Eremit in einer klitzekleinen Klause hoch oben in den Bergen des Parnass wäre eventuell noch eine Möglichkeit. Bei einem totalem »veganen« Leben würde es sich möglicherweise anbieten, die Welt aus einer Perspektive zu betrachten, die so niemals sichtbar sein wird.

        Dieser Gedanke beruhigt mich irgendwie ungemein! Es ist fast so, als wäre ich dort auf dieser steilen Klippe hoch über der Ebene angekommen.

Ich sehe fast das Dutzend Dohlen, das meine Behausung umspielt. Schon ganz schön doof, nicht?

        Ich denke, es ist höchste Zeit, aufzuhören, sonst nimmt mir niemand meine morgendliche Anspruchslosigkeit mehr ab. Ist ja auch zu blöd, wenn der Kaffee durch die Maschine rauscht, das Frühstücksei schon im Becher ruht - und ich gleichzeitig gleichzeitig auf dem Sitz der Musen, dem Parnass, meine geistigen Freiübungen vollziehe. Der Himmel ist doch überall blau. Naja, nicht immer, im Moment ist das Grau mehr angesagt ...

 

 

27.12.22

Auf der Engelstation

 



Angelo war traurig. Der Großengel hatte ihm verboten, zur Erde zu fliegen. Er sei noch zu jung dafür, hatte er gemeint, er müsse noch einige Jahrzehnte warten. Ohne Ausbildung sei es nicht möglich, die entsprechenden Kenntnisse zu erwerben und so ganz unbedarft - nein und nein und nein - das käme nicht infrage.

      Angelo saß auf der kleinen Wolke, ganz rechts, da wo die Sonne immer untergeht. Er stützte sein Köpfchen auf beide Arme, schaute wehmütig hinüber zum Horizont. Ein paar klitzekleine Perlentränchen sah man schon bei ihm, wenn man genau hinsah, aber wer achtete schon auf solche Nebensächlichkeiten?

      Alle Engelskollegen, die nach unten wollten, mussten an ihm vorbei; sie grüßten den Kleinen auch immer ganz artig im Vorbeifliegen - dann waren sie auch schon weg. Angelo blieb dann nur ein mattes Winken mit den Händchen.

      Der Großengel Patricius beobachtete den Kleinen aufmerksam aus der Ferne, er wusste um die Traurigkeit Angelos und dessen Wünsche. In dieser Angelegenheit jedoch konnte und durfte er dem Kleinen nicht behilflich sein. Es war ein ehernes Gesetz auf der Engelstation und Gesetze waren eben dazu da, eingehalten zu werden. Sonst brauchte man sie nicht, oder?

      Angelo kletterte von seiner Wolke herunter, als am rosenroten Abend alle Englein von ihrer Tätigkeit auf der Erde wieder zurückkehrten. Er hörte aufmerksam zu, wenn die Kameraden von ihren Erlebnissen dort unten erzählten. Ei - was waren das für absonderlichen Dinge, die er da vernahm! Vieles konnte er sich überhaupt nicht vorstellen. Wie war es denn möglich, dass die Menschen - darunter auch die Kinder - sich untereinander alles antun konnten, nur um sich weh zu tun?

      Er hielt sich schließlich die Ohren zu, das konnte er alles nicht mehr anhören. Erschießen, Totschlagen, brutales Foltern, dann von den verhungernden Kindern in vielen Ländern. Schließlich das Gerede vom »Frieden auf Erden«. Wie passte das alles zusammen?

      Die anderen Engel, die auf der Erde ständig im Einsatz waren und überall halfen, wo es nur möglich war, sie machten nur noch Überstunden und waren abends völlig kaputt und müde. Angelino, der kleine Engel, der erst letzte Dekade zu ihnen gekommen war, weinte manches Mal in der Nacht. Angelo fragte ihn dann, ob er Schmerzen hätte. Seine Antwort war immer: »Ja - im Herzen!« Angelo streichelte und tröstete ihn dann und kuschelte sich eng an ihn. So schliefen die Beiden dann schließlich wieder ein.

      Patricius, der Großengel, rief eines Tages, viele Äonen später, den Angelo in sein Büro. Mit bangem Herzen und den Blick auf den Boden gesenkt, betrat Angelo die große »Wolke Nummer Eins«, in dem Patricius sein Geschäftszimmer hatte und von dem aus er alles leiten konnte.

    »Ja, mein lieber Angelo«, sagte er freundlich zu dem Kleinen, der ganz verschämt vor ihm stand, »heute ist dein großer Tag, du darfst zum ersten Mal hinunter in das Erdental! Angelino, dein guter Freund wird dich begleiten, damit du alles am Anfang richtig machst. Du darfst dann danach selbst entscheiden, wo und wann deine Hilfe gebraucht wird.«

      Angelos Gesicht strahlte voller Freude. Endlich, endlich hatte er seine Ausbildung beendet. Nun durfte er helfen, überall dort, wo es nötig war. Der Großengel bewegte seinen Zeigefinger vor Angelos Gesicht auf und ab, als er dann noch bemerkte: »Aber setze deine Kräfte überlegt ein, nicht jeder, der Hilfe haben möchte, darf sie auch erhalten! So manch einer, der uns bittet, tut dies nur aus Berechnung und weil es für ihn selbst zum Vorteil ist! Unterscheide hier gut!«

      Etwas betreten hörte Angelo sich die Ermahnungen des Patricius an. Doch mit dem Ungestüm der Jugend rief er dann: »Angelino, auf - zur Erde, es ist viel zu tun!«

»Nicht so eilig«, brummte Angelino, »du kommst noch schnell genug in das Tohuwabohu, bloß nicht übertreiben!«

      Patricius, der Großengel, wiegte seinen Kopf leicht hin und her. Er wünschte seinen Engeln alles erdenklich Gute, es würde schwer genug werden dort unten auf der Erde - schwer genug …

 

Mythen und Märchen

  Unser ganzes Dasein, unsere Welt seit Beginn der Geburt ist übersät von Mythen und Sagen, von unbeweisbaren Erzählungen und Märchen. Märch...