30.11.22

Morgens um 7

 


 

Morgens scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Aber ist sie es auch? Wir sehen doch nur das, was wir sehen wollen. Die vielen Dinge, die abseits geschehen, kriegen wir nur am Rande mit. Man muss ja auch nicht alles wissen. Das Böse, das immer wieder in der Welt - auch unserer kleinen Welt - geschieht, muss man das alles aufsaugen?

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      Am Montagabend fallen mitten in Krefeld Schüsse. Ein Mann wird getötet, die Hintergründe sind weitgehend unklar.

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Eine sechsfache Mutter wird im April 2022 in Berlin erstochen. Jetzt beginnt der Mordprozess gegen den Ehemann. Sieben Monate nach der tödlichen Messerattacke auf eine 31-Jährige hat der Prozess gegen deren Ehemann vor dem Berliner Landgericht begonnen.

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Nach dem verheerenden Unwetter auf der italienischen Insel Ischia haben die Behörden die Bergungsarbeiten fortgesetzt und einen weiteren Toten geborgen. Die Feuerwehr fand am Montagmorgen einen 15 Jahre alten Jungen im nördlichen Küstenort Casamicciola, wie die Präfektur in Neapel mitteilte. Damit stieg die Zahl der Toten auf acht.

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       Ja - so oder ähnlich sieht es morgens in den Nachrichten aus. Wer das und vieles mehr nun verzehren will, der hat einiges vor sich. Da fragt man sich nun: Muss das sein? Es ist in Ordnung, wenn man helfen kann, dann ist das Wissen selbstverständlich! In den meisten Fällen sehe ich leider sehr oft eine Nachricht, die zwar im Nebeneffekt Neues mitteilt, in der Hauptsache jedoch reißerische Klischees mit viel Konsequenzen an den Mann bzw. Frau bringt.

       Wahrscheinlich bringt unser IT-Zeitalter diese Nebenwirkungen mit sich. Ich jedenfalls versuche, mich dagegen zu wehren, indem ich ein »eingebautes Gedankensieb« benutze, das täglich gereinigt wird!

Bei Amazon ist es nicht erhältlich - aber in Eigenarbeit lässt es sich mit ein wenig Gehirnschmalz zubereiten!

        

 

29.11.22

Lini

 



 

Ein paar Gedanken aus dem Nähkästchen.

Sie war zwei Jahre älter als ich. Sie hatte bereits im letzten Jahr die Schule verlassen, nun schien sie in die Welt der Erwachsenen eingetaucht zu sein. Dessen ungeachtet hatte sie sich ihr kindliches Gemüt noch bewahren können. Natürlich, für einen heranwachsenden Jungen, der ich seinerzeit war, bestand bereits eine Anziehungskraft, die mich sehr irritierte - mit der ich jedoch nichts anfangen konnte.

        Ich wusste natürlich schon, dass es zweierlei Menschen gab! Dieses Mirakel war mir in den letzten Kriegstagen in vielfacher Hinsicht schon bewusst geworden. Aber dass ich selbst nun das Phänomen der gegenseitigen Faszination erleben sollte, war mir fremd.

        Lini besuchte uns des Öfteren. Hauptsächlich, um meinen kleinen Bruder zu beaufsichtigen. Das, so war mir bald klar, war ganz sicher nicht der einzige Grund ihres Besuchs. In ihrer eigenen Familie war auch ein Baby vorhanden. Anscheinend war dafür aber ihre ältere Schwester zuständig?

        Im Dezember des Jahres 1947, ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Lini fragte mich, ob ich sie begleiten will, beim Suchen nach einem Weihnachtsbaum. Voller Enthusiasmus sagte ich zu und nach Schulschluss, der damals samstags um 12.00 Uhr war, machten wir uns auf den Weg nach Leer. Dabei mussten wir mit einer Fähre über die Ems setzen; die Emsbrücke, die als neues Bauwerk die gesprengte alte Brücke ersetzen sollte, war noch im Bau. Am frühen Abend waren wir wieder auf dem Rückweg - leider mit leeren Händen! Es war nirgendwo ein Bäumchen zu ergattern. So war der Weg ganz umsonst gewesen.

        Das aber war nur die halbe Wahrheit. Der Nachmittag hatte uns beiden mehr gegeben, als wir von ihm erwartet hatten. Eine Freundschaft - und noch ein bisschen mehr - die lange Jahre noch aufrechterhalten wurde, bis irgendwann die Entfernungen zwischen uns so riesig wurden, dass ein Wiedersehen nicht mehr möglich war.

        Ich bin fast sicher, dass Lini die erste Liebe meines Lebens mit dessen ganzen Empfindungen war. Lini - die eigentlich Caroline hieß - hatte so im Buch meines Lebens eine ganze Seite für sich reserviert ...

 

28.11.22

Ein Sack Reis in China!



»Das ist genau so wichtig, als wenn in China ein Sack Reis umfällt!«

Dieser alte Slogan hat sicher schon seit einer Reihe von Jahren Einzug in unsere Redensarten gehalten. Er wurde immer abgetan als ein unwichtiges Kriterium, das niemanden interessieren muss.

         Jetzt sieht es auf einmal völlig anders aus. Heute muss es uns interessieren, ob dort »ein Sack Reis umfällt«! Im fernen Osten entscheidet sich in der Gegenwart genau wie in anderen Teilen unserer Welt unser Schicksal, mag man es nun glauben oder nicht. Noch nie waren wir von einem anderen Land so abhängig, wie in der Jetztzeit von China, diesem Staat, der mit seinen rund 1,4 Milliarden Menschen schon jetzt bestimmt, was für die Menschen gut sein soll!

         Man erkennt es an den Verhältnissen im »Reich der Mitte«, von denen wir täglich aufs Neue lesen. In der Volksrepublik hat die strenge Corona-Politik am Wochenende wieder zu großen Protesten geführt. Nicht nur in Schanghai, auch in der Hauptstadt Peking und anderen Millionenstädten gingen Demonstranten auf die Straßen. Auf Videos aus Schanghai, die sich trotz staatlicher Zensur im Internet verbreiteten, waren Rufe wie »Nieder mit der Kommunistischen Partei! Nieder mit Xi Jinping!« zu hören. Unter dem jetzigen Staats- und Parteichef verfolgt die Volksrepublik eine strikte Null-Covid-Strategie, die jedes lokale Aufflammen des Virus mit rigiden Abschottungsmethoden einzudämmen versucht.

         Trotz des strengen Vorgehens gegen das Virus wird das Volk gegenwärtig von der schlimmsten Corona-Welle seit Beginn der Pandemie vor knapp drei Jahren heimgesucht. Die Gesundheitskommission meldete am Montag mit rund 40.000 Neuinfektionen wieder einen Höchststand im Land. In Peking waren es knapp 3900 Fälle.

         Teufel oder Beelzebub - wer siegt in diesem Wettstreit? Und welche Gefahren für den Weltfrieden werden da am Horizont sichtbar? Es ist doch unbestritten, dass in diktatorischen Staatsgebilden, wenn in der inneren Politik Schwierigkeiten auftraten, die Reißleine gezogen wurde. Es bot sich da immer an, durch Maßnahmen in der Außenpolitik das Volk wieder zur Räson zu bringen!

         Ich denke da nebenbei auch an Taiwan - wie schnell wäre es da geschehen, dass ein neuer Brandherd weltweit entsteht ...

 

27.11.22

Die Menschen sind klüger, als man denken mag




Eigentlich wollte ich heute so richtig den 1. Sonntag im Advent loben. Wirklich, das wollte ich. Ein Gegner der Weihnachtszeit war ich niemals - auch wenn es manches Mal so ausschaut. Was mich daran stört ist lediglich der Kommerz um dieses Fest der Christenheit. Da machen sich dann leicht solche bitterbösen Gedanken auf den Weg und geraten leicht in etwaige Verkehrsstockungen.

         Apropos Verkehrsstockung! Das war der Grund, warum ich von meinem Vorhaben abgewichen bin! Seit Wochen hatte das rechtsextreme Magazin »Compact« in der Bundesrepublik zu einer Kundgebung am gestrigen Sonnabend in Leipzig mobilisiert. »Ami Go Home« - unter diesem Motto sollte demonstriert werden. Dazu waren 15.000 Teilnehmer angemeldet worden. Sie wurden dann auch erwartet, jedoch hatten sich die Ausrichter da wohl verkalkuliert! Es kamen deutlich weniger Menschen zu dieser Demo. Unmaßgebliche Angaben sprachen von 1.000 - prüfen lässt sich das wie immer nicht.

         Dann aber kam es völlig anders: Heftiger Gegenprotest stoppte zudem die Demonstration der Rechten, sodass sie ihre Versammlung schließlich vorzeitig beendeten. Die Stadt Leipzig hatte sich auf einen Groß-Demo-Tag eingerichtet. Auf dem Simsonplatz wurden mancherlei pro-russische und hetzerische Reden geschwungen, als sich danach ein Demonstrationszug durch die Stadt in Bewegung setzte, war nach einigen Metern »Ende-der-Fahnenstange«.

      »Gegendemonstranten« hatten diesen rechten Aufzug gestoppt. Sie bildeten auf der angemeldeten Demonstrationsroute eine Sitzblockade, die laut Polizei bis auf 500 Personen angewachsen war. Eine geforderte Räumung der Blockade wäre nach Meinung der Polizei wohl "unverhältnismäßig" gewesen. Auch die Ausweichrouten waren entweder durch Menschen oder brennende Barrieren blockiert, es bestand sodann nach Angaben der Polizei »keine Option für eine Fortsetzung des Aufzugs«.

         Siehst du - solch ein Bericht hat dann wohl zu Recht meine eigenen Nachrichten durcheinandergebracht. Und darüber freue ich mich wie ein kleiner »Butzemann«, dass es bei uns Menschen gibt, die »Nein« sagen zu allem, was ihnen von Volksverhetzern oktroyiert werden soll!

         Wenn schon Demos - dann solche, die einen Sinn machen. Jedenfalls nach meiner Meinung, ich lasse aber gern jedem seine Betrachtung der Dinge. Er müsste sich dann jedoch - später einmal - dafür auch verantworten. Und jener Verpflichtung sind schon einmal Millionen unserer Großväter und Großmütter ausgewichen!

25.11.22

Guten Morgen



Die Sonne lacht mich durch mein Fenster im Arbeitszimmer an. Und das vom hellblauen Himmel. Schon ein wenig seltsam, Ende November solch ein herrliches Wetter. Doch es ist schon spürbar - von der Nordsee her nähern sich langsam einige Wolkengebilde, so als wollten sie mir ein paar Warnungen zuteilwerden lassen: 

Freu dich nur nicht zu früh! Na, ist ja auch nicht besonders schlimm, es gehört alles zum Leben dazu. Sonne und Regen, Freud und Leid, gute und böse Nachrichten. Wie weit man sich davon beeinflussen lässt, ist im täglichen Ablauf des eigenen Lebens eingebunden.

Ein lieblicher Duft zieht durch die Wohnung. Die Frau des Hauses ist dem alljährlichen Element des »Plätzchenbackens« verfallen! Störungen sind nicht erwünscht - früher, als die Kinder noch »Kinder« waren, war das schon anders. Aber wie lang ist das schon her? Die Kinder backen jetzt für ihre Kinder - daran kann man erst ermessen, wie die Zeit dahinfliegt.

Übermorgen ist der 1.Adventssonntag. Wie hieß das früher immer so schön? »Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - dann steht das Christkind vor der Tür!« Das Christkind? Vor der Tür? Wie schnell vergeht doch diese Zeit, da ein Kind voller Vorfreude sich kaum noch halten kann. Irgendwie schaut es heute danach aus, als ob dieses besagte »Christkind« Unterschiede macht, nach Einkommen gestaffelt! So manch eine Familie kann da ein Liedchen singen, das nicht unbedingt von »Freude« handelt.

Der Sinn des Ganzen? Der ist lang schon auf den Ladentischen und den Katalogen der Versandhäuser steckengeblieben.

Aber davon ein anderes Mal ...

23.11.22

One Qatar, one Love

 

 

 Lange hatte die Fifa sich nicht gerührt. Schon im September hatten die großen europäischen Fußball-Nationen angekündigt die „One Love“-Binde zu tragen. Doch bei der FIFA gibt es keinen Platz für die Liebe. Sie wolle ihre eigenen Botschaften transportieren. Kurz vor dem WM-Start schien die Zeit reif, diese Botschaft durchzusetzen. Der Weltfußballverband packte die Drohkeule aus: Gelbe Karten für die Spieler, Geldstrafen – möglicherweise sogar Punktabzug. Aber: Genaues wurde nicht offengelegt! Das ist das schmutzigste Geschäft, das die FIFA seinen Mitgliedern antut.

Die Botschaft der FIFA: Wagt es nur nicht, euch zu widersetzen. Das Vorgehen zeigt einmal mehr, wie ignorant der mächtige Verband mit den Anliegen seiner Mitglieder umgeht und wie rigoros Qatar seine Interessen durchsetzt. Schon beim Bierverbot kurz vor dem Start des Turniers wurde deutlich, wer hier die Richtung diktiert. Auch bei der Frage nach der Kapitänsbinde missbraucht die Fifa ihre Macht. Dass der DFB und die sechs weiteren Verbände, die sich auf die Binde geeinigt hatte, vor diesem Gebaren einknicken, ist ein fatales Signal.

Europa, das Zentrum der Fußball-Macht, lässt sich diktieren, für welche Werte es einzustehen hat und für welche nicht. Die Nationen scheuen die Konfrontation, statt ein Zeichen zu setzen, dass durch die angedrohten Sanktionen noch deutlich an Strahlkraft gewonnen hätte. Die Verbände, die doch noch mutig Flagge zeigen, könnten weit mehr gewinnen als einen WM-Titel.

Nun aber ist es völlig egal! Nach der Niederlage der Deutschen gegen Japan wird es eng. Es ist möglich, in der Vorrunde auszuscheiden. Nun denn - dann soll es so sein, und wir freuen uns schon auf die nächste WM mit 48 Mannschaften. Und der Herr Infantino wird wieder Präsident sein, dafür sorgen schon jene Mitglieder, die an seiner Nahrungsquelle hängen! Wer kräht dann noch nach 2022? Die nächste WM hat dann ihr neues Fiasko ... 

21.11.22

Kann sein


 Ein Morgen, ein neuer Tag,
ein Stückchen
gemeinsames Dasein: 


Kann sein ein Jahr,
kann sein ein Tag,
vielleicht nur kurz,
ein Stundenschlag -

So ist das mit der Liebe

Kann sein mit dir,
kann sein bei dir,
wir sagen Ich
und Du und Wir -

So ist das mit der Liebe

Kann sein ein Blick,
kann sein ein Mund,
ein Blumengruß,
Umarmung und -

So ist das mit der Liebe

Kann sein, kann sein,
mir ist nicht bang,
ein Tag, ein Jahr,
ein Leben lang -

so ist das mit der Liebe.

 (Lothar Zenetti)


19.11.22

EKD - bitte schweigen?

 



»Das Image der EKD ist in Gefahr«, voller Sorge äußern sich Vertreter der CDU. Sie sammeln damit sicher keine Sympathiepunkte ein.

        Sie blasen also zum Angriff auf EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich. Das hat einen gewissen Unterhaltungswert. Einige alte CDUler gegen die jüngste Vorsitzende (26) einer EKD-Synode. Sie werfen Frau Heinrich vor, mit der »Letzten Generation« gewaltbereite Aktivisten zu unterstützen. Man spricht von Demokratiegefährdung. (Da wüsste ich aber noch einiges andere aus diversen Gruppen) Man vergleicht sie sogar mit den früheren RAF-Protesten. Geht’s auch etwas weniger dramatisch?

        Es ist ganz klar: Die Attacken auf Kunstwerke kann man wirklich nicht gutheißen und Klebstoff-Straßenblockaden sind nicht nur nervig, sondern auch kontraproduktiv. Aber: Die RAF verübte Terroranschläge und sie ermordete Menschen!
Dieser zivile Ungehorsam der Klimaaktivisten praktiziert jedoch noch keinen Umsturzversuch, wie man ihn von verschiedenen Seiten befürchtet.

        Es erscheint den wütenden CDUlern aber längst nicht mehr, um eine intellektuelle Auseinandersetzung über Formen des Protestes zu gehen. Es heißt im Schreiben der Unionspolitiker, man habe Sorge, dass die Äußerungen der Frau Heinrich der Evangelischen Kirche und ihren Mitgliederzahlen unermesslichen Schaden zufüge!

        Sauber - diese Angst vor dem Imageverlust scheint größer zu sein als die vor den Klimafolgen oder den vermeintlichen Angriffen auf die Demokratie - noch weniger um die Menschen, also um uns! Mit solchen Spielen dürfte die CDU ihrem eigenen Ansehen erheblich mehr schaden als die Präses der EKD dem Image ihrer Kirche.

18.11.22

Weltmeister in Doppelmoral ?

 



Die Inseln der Glückseligkeit auf unserer schönen Welt sind Demokratien. Leider sind ihre Bewohner sich dieser Vorzüge meist gar nicht bewusst. Dabei ist doch eindeutig klar, dass die Mehrheit der Menschen auf unserem »Globus« in Unfreiheit lebt.

Heute gilt Sport als Mittel der Völkerverständigung. Wo aber Vertreter von autoritären oder gar totalitären Regimen mit den Repräsentanten demokratischer Länder zusammenarbeiten müssen, sind die westlichen Wertvorstellungen nicht mehr gefragt. Kuhhandel bestimmen den Alltag.

Was in der Politik für die Vereinten Nationen und ihre Machtlosigkeit bei der Verhinderung von Krieg und Terror gilt, findet eine Parallele in der FIFA, der seine Weltmeisterschaft nach Katar vergeben hat; diesem Weltfußballverband, dessen Geschichte von Korruption und Bestechlichkeit geprägt ist.

Die deutsche, von zahlreichen Verhaltensmaßregeln für Spieler, Funktionäre und Publikum begleitete Empörung gegen den Wüstenstaat ist nicht frei von Heuchelei. Die damals getroffene klare, mit einer Zweidrittelmehrheit gefallene Entscheidung für diese „WM der Schande“ (– so Amnesty International-) ist zwar nicht offiziell, aber doch augenzwinkernd von Deutschland gebilligt worden.

Das deutsche Verhalten ist dabei ebenso wenig sauber aufgearbeitet worden wie das offenkundig nicht fleckenfreie „Sommermärchen“. Nun hagelt es jetzt mit langjähriger Verspätung Boykottaufrufe und Empfehlungen, wie man sich vor der Öffentlichkeit von Katar distanzieren kann.

Weltmeisterschaften künftig nur noch an freie Länder zu vergeben, lautet eine der Forderungen. Dies wäre zu schön, um wahr zu werden, ist aber ein Märchen mit »Milchmädchenrechnung«.

Natürlich ist Katar der ideologische Musterknabe des politischen Islam, unzweifelhaft aber hat man in den letzten Jahren Fortschritte bei den Menschenrechten gemacht. Der märchenhaft reiche Staat hat letztlich viele Investitionen bei zahlreichen deutschen Firmen gemacht.

Unser Wirtschaftsminister Habeck macht nun ganz kleinlaut Diener beim Emir und bittet um Gaslieferungen! E i n Titel ist uns vielleicht schon sicher: Weltmeister in Doppelmoral?

17.11.22

Gestern und heute

 





In jenen Tagen träumten wir 
die Sehnsucht zu den Sternen hinaus.
In jenen Stunden schickten wir die Träume
als Wünsche von Haus zu Haus.

Jene Tage der Sehnsucht, der Träume
sind so lang schon her.
Sie erscheinen heute, als wenn es erst 
gestern gewesen wär.

Früher, gestern, was ist Zeit 
im Reich der Träume
und verblasster Fantasien?

Diese Stunden längst
verflossener Gedanken
sind längst zu Hause bei dir.

16.11.22

Damals und Heute

 

 

Ja, damals - ich bin heute noch ziemlich verwirrt, wenn ich an die Zeit denke. Wo war die Furcht geblieben, die mir früher immer treu zur Seite gestanden hatte? Ich war gerade erst zwölf Jahre alt, ein Hänfling, der aus dem Nest gefallen war und der sich nun vor den Räubern in Acht nehmen musste. Ich hatte in den Wochen der Flucht vor der Roten Armee jeden Respekt verloren, vor den Soldaten, vor den anderen Flüchtlingen, vor den Erwachsenen überhaupt, auch vor der eigenen Mutter! Ich musste mit ansehen, wie jede Art von Gerechtigkeit in den Wirren der Zeit verloren ging, wie der Eigennutz den Gemeinnutz ins Abseits gestellt hatte und mir nichts, dir nichts einfach das Ruder übernahm.

Ich kannte das Denken dieser Art überhaupt nicht, stellte aber fest, dass dieses Buckeln nach oben und Treten nach unten das Non plus Ultra geworden war, ohne dass jemand dazu einer Anweisung bedurfte! War nun etwa die Zeit gekommen, dass ich selbst diese Haltung übernehmen musste? Ich fühlte mich unwohl bei diesen Gedanken; solche Art von Leben war ich bisher nicht gewohnt. Bei uns lief alles geradlinig ab, jeder wusste, wer war und was er zu tun und lassen hatte.

Und nun? Alle Ordnungen einer Gesellschaft waren aus dem Gleis geraten, all das, was gestern noch als selbstverständlich galt, wurde nun als völlig falsch angesehen und musste unbedingt sofort korrigiert werden. Und das ohne Vorwarnung und ohne jegliche Erklärung seitens der älteren Generation! Wir - die jungen Menschen, fügten uns, was hätten wir auch anderes tun können? Ähnlich wie auch unsere Eltern waren wir einer neuen Zeit ausgeliefert, auf die wir uns nicht hatten vorbereiten können, die uns völlig ohne Stützen und Hilfen auf das Leben losließ.

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Ja - wenn ich heute an jene Zeit meiner Kindheit und Jugend denke - Himmel, was sind das für Unterschiede! Nicht die Technik, nein, die kann auch ein Segen sein. Aber das Leben, unser zeitliches Leben besteht doch auch aus den gedanklichen und seelischen Auseinandersetzungen. Die Strömungen der Geisteswelt können nicht einfach an die Seite geschoben werden. Große Geister, die lange vor uns gelebt haben, mahnen uns mit ihren Worten - wir müssen nur hinhören! Unsere Werte, die einstmals ihre Berechtigung hatten, sind auch heute noch aktuell!

Auch wenn sie oft nur als Geplapper von senilen Alten angesehen werden. Sie gelten dennoch - so manch einer aus der heute tonangebenden Gesellschaft wird dies noch mit einiger Verspätung zugeben müssen (wenn er es nicht schon in der Anonymität getan hat.)   Ich denke zurück an die Zeit vor 100 Jahren! Reichspräsident Friedrich Ebert ernennt 1922 Walter Rathenau zum Außenminister Deutschlands. Fünf Monate später wird dieser von einer rechten Gruppe in unserem Land ermordet! Lange her, nicht wahr? 100 Jahre sind in einem Menschenleben erstaunlich lange, wenn man aber richtig drüber nachdenkt - ist es wirklich so? Ich schaue mir die Nachrichten im TV an. Vieles hat sich wiederholt, zwar nicht direkt in früherer Form, aber es deutet sich an, dass die Hoffnungen der Menschen nicht zuschanden gemacht werden dürfen.        

 Wir, und zwar wir alle, die wir denken können, sollten den Anfängen wehren! Damit unsere Nachkommen nicht wieder sagen müssen: Unsere Eltern haben nichts davon gewusst ...

***

 

Existenzielle Fragen

 

Wohin zieht der Wind, wenn er weht? Was macht das Fallschirmchen des Löwenzahns, wenn es mitten auf der Autobahn landet? Wer gebietet dem Menschen, seinen Bruder zu töten, den er doch eigentlich liebt? Es waren ähnliche Fragen, die mich seit meiner Schulzeit prägten, die meinen Verstand ständig in Rotation versetzten; niemals gelang es mir, die Bremse für den Wissensdurst zu finden, die mich unablässig antrieben.

   Ob die Cumulus-Wolken weinten, wenn die graue Patina des Kosmos alles überdeckte; ob das Himmelsgewölbe in seiner schönsten azurblauen Eleganz strahlte und es nichts gab, das diese herrliche Pracht überwinden konnte - nichts schränkte jemals die Schönheit der Natur ein. Schon früh bewunderte ich die schlichte Noblesse der Schöpfung. Ich erfreue mich noch heute an der Betriebsamkeit der kleinen Hummel, die sich sogar ganz leicht auf dem Rücken streicheln lässt, dabei nur eines ihrer sechs Beinchen zur Abwehr ausstreckt, in ihrer Tätigkeit auf der Blüte jedoch nicht nachlässt.

    Bei all dieser Faszination vergesse ich indes nie, dass auch der Gegenpol zum täglichen Dasein ein fester Bestandteil der animalischen und der humanen Existenz ist. Es ist hingegen eine absolute Wahrheit, dass dieser tägliche Kampf ums Leben - ums Überleben - all das beinhaltet, dass seit Beginn des Lebensablaufes auf unserer Erde stets unter dem gemeinsamen Motto stand: »Fressen und gefressen werden«!
Ich sehe schon das massive Kopfschütteln über diese trostlose Aussage! Mir wäre es früher auch nicht leichtgefallen, hier die Zwangsläufigkeit dieser Aussage zu akzeptieren. Es ist so: Diese kurze Aussage hat uns geformt!

    Wir fressen uns heute nicht mehr, wir schlachten uns bloß noch! Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ob das die Quintessenz der Menschen auf der Erde ist? Bis zum heutigen Tage verhungern unzählige Menschen, während sich Milliarden mittels Messer und Gabel selbst zu Tode zu bringen suchen. Die Kochkunst und der Kult um den Genuss treiben seltsame Blüten. Von der verschwenderischen Übererfüllung unserer Bedürfnisse lebt eine große Industrie. Zum Preis des Raubbaus an den letzten Lebensräumen und des katastrophalen ökologischen Fortschrittes. So wird für die Wohlhabenden pflanzliche Nahrung – unter hohen Energieverlusten und überhaupt nicht nachhaltig – an intensiv gehaltene Tiere verfüttert oder zum Teil sogar in Bio-Treibstoff umgesetzt. Das große Umdenken, das so oft angesagt wurde, ich sehe es nirgends. Gewiss eine Schar von Unverdrossenen versucht es, aber mehr oder weniger kleckerweise oder erfolglos. Ob es jemals eine Änderung geben wird? Es steht in den Sternen. Wohin zieht der Wind, wenn er weht? Diese Fragen stelle ich mir nicht mehr, denn es gibt immer wieder neue Probleme.

    Da findet man Micro-Plastik im antarktischen Schnee! Da verenden Delfine im Plastik-Müll des pazifischen Raums. Die Armut und der Hunger in der Welt werden immer größer. Die religiösen Streitigkeiten und die Kriege zwischen den Völkern nehmen stark zu. Es scheint alles außer Kontrolle zu geraten - auch aufgrund der Bevölkerungszunahme auf der Erde. (8 Milliarden sind es zurzeit) - Laut einer Prognose der UN werden es im Jahre 2065 etwa 9,7 Milliarden sein!

    Es macht keinen Sinn mehr, noch mehr aufzuzählen! Wer stoppt diesen Wahnsinn? Wer könnte das? Wer?

15.11.22

Goodbye means forever?

 



Dieses Goodbye dauert sicher keine Ewigkeit, die Endlosigkeit eines solchen Abschieds ist nicht messbar. Die niederdrückenden Glockentöne sind längst verklungen.  Hier und da am Rande des Weges nur wenige Blumen auf den letzten Ruhestätten. Ein wenig verwaschene Farbe dringt durch sie in das trostlose Regengrau des morgendlichen Novembertages. 

       Unter trostlosen Regenschirmen eilt eine Anzahl schwarz gekleideter Gestalten den Weg entlang. Es scheint, dass man diesen Ort so schnell als möglich verlassen möchte. Hier und da blitzt noch ein verschämtes Taschentuch auf, halblaute Gespräche, von der nebligen Luft fast verschluckt, ein dezentes Hüsteln. Der letzte Mann schließt die gusseiserne Pforte dieses stillen Ortes hinter sich. Zurück bleibt das Erdenkind, das man zur letzten Ruhe trug. Die Vergänglichkeit nimmt Gestalt an. Alles nimmt seinen Gang wieder auf. Das Leben geht weiter. Welch ein allgemeines, radikales Wort. Das Leben geht weiter! Natürlich geht es weiter, die Zeit bleibt ja nicht stehen. Aber für die engsten Betroffenen scheint die Sonne still zu stehen. Bei ihnen ist eine Lücke entstanden, ein Zwischenraum, der einstmals gefüllt war mit Liebe und Vertrauen, mit Aufmerksamkeit und Freuden. Natürlich auch mit Verdruss und Ärger, die auch zum Leben gehören!

       Nun ist diese Kette durchbrochen, ein Glied daraus ist entfernt. Dieser Mangel wird sich noch lange bemerkbar machen. Wir stellen Fragen dazu, ständig stellen wir Fragen. Nach dem Warum. Dabei ist doch alles klar, niemand müsste fragen, die Antworten liegen seit der Geburt auf dem Tisch. Und dennoch, seit Äonen von Jahren werden immer die gleichen Fragen gestellt und auch immer die gleichen Antworten gegeben. Wozu also? Um das Leid besser zu ertragen? 
Im Laufe des Lebens haben wir alle gelernt, dass unsere Schritte mit zunehmendem Alter bedächtiger werden, leiser und leiser. Wir sind unschlüssig in den Gedanken an unser eigenes Dasein. Ist das Feuer der Jugend erloschen? Nein, beileibe nicht, doch es hat sich zu Glut verändert, Träumten wir früher von der Zukunft, so ist es heute die ferne Vergangenheit, die uns so manches Mal übermannt.

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Durch diese Reminiszenz entsteht die Unsicherheit in unserer Gegenwart. Wir können sie nicht einfach weglegen wie ein Buch, in dem wir gelesen haben. Stets fügen sich immer wieder Gedanken und Worte in unser Gedächtnis ein, die wir längst verschwunden geglaubt hatten. Wie alte Lieder, die auftauchen und unser Gedächtnis ständig mit ihrer Klangfolge wieder und wieder erobern und oft stundenlang belagern. Wir sangen doch früher immer gern. Wir singen auch heute noch. Aber unser Gesang, mit dem wir das Leben umrahmen, wird immer leiser, weicher, melodiöser. Aus dem Lied, das einst unsere Freude am Dasein transportierte, treibt nun die Melancholie neue Triebe, die das Herz berühren. Diese Melodie des Lebens, immer wieder neu interpretiert, versucht aus dem Schatten der Vergangenheit Knospen hervorzubringen, Sprösslinge, die niemals zu Blüten werden, weil ihnen die Zeit fehlt.

       Wie sinnlos erscheint doch der Lebensbaum an der Friedhofspforte. Wozu steht er dort? Mit Liebe wurde er einst gepflanzt, zum Zeichen der Erinnerung an Menschen, die auf ihrem letzten Weg vorbeikamen. Sinnlosigkeit hat also ihren Sinn. In dieser Allee des Vorübergehens auf jeden Fall. Sie gehört dazu, zum Leben, zum Abschied nehmen. Hinter den stillen Kulissen des vergangenen Lebens aber beginnt die nächste Strophe des Liedes, das täglich neu gesungen wird. Der Himmel wird nicht immer so grau bleiben, wie er heute den Menschen erscheint, die am Ort der Ruhe nun entfliehen. Am strahlend blauen Himmel werden dann wieder weiße Federwolken übermütig durch die Lüfte jagen. Bunte Falter gaukeln über geschmückten Gräbern von Blume zu Blume, freuen sich des Daseins, weil sie ihre Endlichkeit nicht ahnen können.

       Goodbye, niemand der gegangen ist, wird vergessen. Wichtig aber ist, dass nun keiner bei dem Gedächtnis stehen bleibt! Wie hieß doch die Allerweltsformel? Das Leben geht weiter? Es ist tatsächlich so. Und alle, die hinter dem dunklen Vorhang entschwunden sind, haben uns doch etwas voraus: Sie sind bereits dort, wohin wir alle noch gehen. Aber wir holen sie ein! Ganz gewiss.

       Goodbye means forever? Nein. Aber es sind nun mal Momente der nicht einsehbaren Ewigkeit, die jeden bedrücken. Wir Menschen wollen wissen, was hinter dem Vorhang ist! Deshalb diese ganzen esoterischen Versuche, ihn ein wenig zu heben. Unnötig weil unsinnig. Wer das erfasst hat, ist schon ein gutes Stück weiter auf seinem Weg der inneren Freiheit! Goodbye, irgendwann und irgendwo ...

Entsetzen packt mich,

 wenn ich so etwas in meiner Zeitung lesen muss:

 >>Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)

muss nicht nur mit Morddrohungen gegen sich selbst leben, sondern ist auch besorgt über die Sicherheit seiner Familie. »Ich selbst werde immer noch bedroht, und auch für meine Kinder bekomme ich erschütternde Morddrohungen«, sagte Lauterbach dem „Kölner Stadt-Anzeiger". 

»Mein Auto muss ich in einem Vorort parken. Ohne Personenschutz kann ich abends leider nicht vor die Tür gehen«, fügte der SPD-Politiker hinzu. Lauterbach wohnt in der Kölner Innenstadt. Seit langem ist er Ziel von Hass-Kommentaren, die sich vor allem gegen seine Corona-Politik richten. 

(General-Anzeiger, Leer)

 Jetzt frage ich mich, was sind das für Menschen? Was berechtigt sie, auf diese Art und Weise ihre Mitmenschen zu bedrohen? Es ist dabei doch völlig gleich, ob ich die Meinung des Angegriffenen teile oder nicht; auf keinen Fall darf ich Leib und Leben eines anderen Menschen in Gefahr bringen - auch nicht mit Worten! Auf Worte folgen meist dann auch Taten, und die sind fürchterlich. Solch eine aggressive Meinungsäußerung hat mit Demokratie - für die diese Leute sonst so lautstark kämpfen - so wenig zu tun, wie der Storch mit dem Kinderkriegen!

Freunde, gebt solchen Typen die Rote Karte, und zwar jetzt, und nicht erst, wenn keine Möglichkeit mehr besteht! 

14.11.22

Wege des Lebens







Manchmal geschieht es, dass ich Rückschau halte auf mein Leben. Klingt das überheblich, oder abgedreht, wie ein Kind des 21.Jh. neulich in einer Diskussion meinte? Ich denke: »Nein«. Menschen in der letzten Altersstufe haben das Recht zu einer Nabelschau! Da sind beispielsweise die Geburtstage. Sind solche Tage es wert, hier erwähnt zu werden? Wen geht dieser Tag denn an, im Grunde nur mich selbst. Ich feiere schon seit vielen Jahren diesen Tag nicht mehr. Wozu? Um mich selbst zu feiern? Das liegt mir überhaupt nicht. Soll aber jeder halten, wie er es möchte. Vielleicht sind es aber auch Tage, um Rückschau zu halten. Oder Ausblick auf das Kommende. Rückschau oder Ausblick? Der Beginn eines neuen Zeitabschnitts, gibt mir diese Möglichkeit. Zurückschauen? Auf das letzte Jahr? Nein. Ich ergreife die Gelegenheit, um zurückzublicken auf fast acht Jahrzehnte.

        Zurückblicken, ändert das etwas an den Geschehnissen? Natürlich nicht. Was war, ist vorbei, ein unumkehrbares Kontinuum! Und trotzdem schaue ich gern zurück, um ein vorläufiges Fazit zu ziehen. Ist vielleicht das Vorrecht der alten Generation, zu der ich gehöre. Ich schaue also zurück auf meinen Lebensweg. Ein langer Weg, ein unterschiedlich beschaffener Weg. Mal war dieser Weg hügelig, mal bergig, mal eben und leicht zu bewältigen. Mal steinige Strecken, enge Pfade und holperige Gassen, dann wieder breite und komfortable Straßen mit exklusivem Pflaster. Ich wanderte durch wunderschöne Landschaften, durch karge Wüsten; trockene staubige und dürre Einöden wechselten ab mit grünen Wiesen, blumenreichen Gärten und wasserreichen Flüssen. 

     In den letzten Jahren wurde der Weg immer schwieriger. Die Wege wurden steiniger, sandiger. Im letzten Sommer konnte ich die Wege nicht mehr so einfach entlanggehen. Ich habe gemerkt, dass der Körper manchmal mehr Ruhe braucht, damit die Seele aufatmen kann, sie braucht immer wieder Zeit zur Regeneration. Ich bleibe stehen an einem Geburtstag. Schaue zurück auf das, was war, auf die Strecke meines bisherigen Lebens. Ich erinnere mich, wer diese Wege mit mir gemeinsam ging, oder wer mich auch nur eine kurze Zeit begleitete.
Ich erinnere mich dann an die Weggefährten, die mit mir wanderten. Durch felsiges, hügeliges Land, wer mich dort an die Hand nahm, wenn ich zu fallen drohte. Wer mich begleitete durch schattige Wälder und grüne Wiesen, durch schöne Landschaften, durch steinige Wüsten, auf grundlos tiefen Meeren. Nachdenkend sehe ich alle vor mir, die mit mir lachten, die mit mir fröhlich waren, die mir viel bedeuteten und mit denen ich unendlich schöne Stunden meines Lebens verbringen durfte. Die Menschen, die mir ihre Liebe schenkten, mich so annahmen, wie ich war und nicht danach fragten, was es ihnen einbrachte. Ihnen allen sei besonders gedankt, auch wenn sie dies nicht lesen können! Ich denke aber auch an all die Menschen, die mir nicht so gut gesonnen waren, die mir viel Leid zufügten, die mich immer wieder nach unten drückten, sodass das Aufstehen immer schwerer wurde. Ihnen sei alles verziehen, was mir angetan wurde, denn auch ich war an vielem schuldig oder zumindest beteiligt!

       Ich sehe auch alle Menschen vor meinem inneren Auge, die meine künftigen Wege nicht mehr mit mir gehen werden, Alle, deren Lebensweg lange vor meinem eigenen endete. Die Mitmenschen, Freunde, die an einer Abzweigung unseres Weges ihre Richtung geändert haben und einen anderen Weg gingen. Ich wünsche ihnen, dass sie ebenso glücklich werden, wie ich es oft war und dass sie alle Mühen meines Lebens nicht erfahren müssen! Gewiss, manches Mal würde ich gern einige Strecken meines eigenen Lebensweges noch einmal gehen, um vieles intensiver begreifen zu können, und um in manchen Momenten zu erfahren, was Weggefährten für mich bedeutet haben und vor allem noch haben. Ich würde mir erhoffen, dass sich manche Wege wieder mit meinen kreuzen, und die Menschen, die mir etwas bedeuten, mich auch wieder ein Stück bis zum Ende meines eigenen Weges begleiten würden …

      Doch ich richte immer wieder meinen Blick nach vorn. Vergangenes werde ich hinter mir lassen, vor mir liegt noch ein Stück Weges, wie lang dieser ist, kann ich nicht ermessen. Er liegt noch unbetreten vor mir und wartet auf mich. Ich weiß nur zu gut, dass diese meine letzte Wegstrecke auch steinig und mühsam sein kann! Aber ich denke an die schönen Ausblicke entlang meines Weges, ich vertraue auf meine eigene Kraft, meinen eigenen Willen und vor allem:
Ich vertraue auf Gott, der all meine Lebensjahre an meiner Seite war und es auch weiter sein wird!‹

13.11.22

Volkstrauertag



Um wen? Um was? Ich erlebte noch Zeiten, da sagte man »
Heldengedenktag« dazu. Da trauert das Volk(?) um seine Toten, die in irgendwelchen Kriegen ihr Leben lassen mussten, für Politiker und Feldherrn, die sich schließlich den Lorbeerkranz umhängen konnten. Trauert das Volk? Nein, das wäre denn doch zu hoch gegriffen.

        Die Familien trauern, die Kinder, Eltern, Ehepartner haben ihre Liebsten verloren. Sie trauern - nicht nur an diesem Tag - um die geliebten Menschen, die aus unerfindlichen Gründen sterben mussten, damit ... - ja wie geht es nun weiter?

    Man sagte einmal: Damit Deutschland leben konnte! Welch ein Hohn! Mein Vater verließ diese Welt im Alter von 32 Jahren!

Für Deutschland? Nein, er starb, weil verbrecherische Elemente meinten, unser Land, (unser REICH) müsste über sich hinauswachsen. Er wurde nicht gefragt, nein, er wurde gezwungen, Frau und Kinder zurückzulassen.

        Volkstrauertag. Trauert das Volk? In unserem Land leben heute unzählige Neubürger mit Wurzeln, die mit Deutschland nichts zu schaffen haben. Es sind tolle Menschen, die mithelfen, das Leben in unserem Land erfolgreich zu gestalten!

         Warum sollten sie trauern? Um unsere Kriegstoten? Dann bleiben noch die Gefallenen, die in der Bundeswehr ihr Leben ließen. Wer denkt denn noch an die Soldaten, die in Afghanistan ihr Leben gelassen haben? Gewiss, sie waren freiwillig dort, warum - wussten sie nur selbst.
 
Ein früherer Verteidigungsminister erklärte dass so:

»Deutschland wird am
Hindukusch verteidigt!«

Ergibt das einen Sinn? Ich sehe keinen, denn 10 Jahre haben keinen Sinn ergeben - das wissen wir inzwischen alle. Wir trauern um unsere Toten!

Aber persönlich, ohne Wenn und Aber. Dazu brauchen wir keinen besonderen Tag. Es sollte immer ein Tag des Gedenkens sein, das war ursprünglich der Sinn. Es wurde ein Tag des Gedenkens - der hat jedoch nur dann einen Sinn, wenn man daraus lernt!

Und …? 

9.11.22

9.November

 

 


Ein Tag, der Deutschland seit Mitte des 19.Jahrhunderts beeinflusste. Der 9. November ist ein höchst vielschichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Jedes Jahr fallen hier Feier- und Gedenkstunden zusammen. Im Positiven, aber auch leider in negativer Wertung. Die Daten:

1848                       Scheitern der Märzrevolution

1918                       Novemberrevolution

1923                      Hitler/Ludendorff - Putschversuch

1938                      Novemberpogrom der Nazis

1989                      Fall der Berliner Mauer

Der 9.November markierte in der deutschen Geschichte häufig einen epochalen Wendepunkt. Das jüngste historische Ereignis an diesem Tag war der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989, die 28 Jahre lang die beiden deutschen Staaten teilte.

        Am gleichen Datum 51 Jahre zuvor fand die gewaltsame Judenverfolgung in Deutschland einen ersten Höhepunkt. In der Nacht zum 9. November 1938 wurden auf Geheiß der nationalsozialistischen Führungsriege in ganz Deutschland - und angeschlossenem Österreich - Läden und Wohnungen jüdischer Bürger geplündert und zerstört, Synagogen in Brand gesetzt und Jüdinnen und Juden ermordet. Der Tag ging als »Reichspogromnacht« in die Geschichtsbücher ein.

     Der Hitlerputsch 1923 scheitert in München, dessen Ziel die „nationale Revolution“, d.h. die Absetzung der Bayerischen Regierung und der Reichsregierung ist.

     Philipp Scheidemann ruft am 9. November 1918 die erste Deutsche Republik aus. Die Novemberrevolution 1918 führt das Deutsche Reich von einer konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratische Republik.

     Die sogenannte Märzrevolution scheitert. Robert Blum, der Führer der gemäßigten politischen Linken im Frankfurter Paulskirchenparlament, wird durch seinen Tod zur Symbolfigur für den Umbruch der Revolution zwischen Herbst 1848 und Frühjahr 1849. Nach der Niederschlagung des Aufstands wird Blum am 9. November 1848 hingerichtet.

        Wir sehen also, dass es ein besonderer Tag ist, an den wir denken sollen. Je nachdem die Würfel fallen, hat jeder seine eigenen Erkenntnisse. Meine eigenen dabei? Ein Tag wie jeder andere, muss man ihn unbedingt stilisieren? Ich bezweifle es, wir sollten lieber vorsorglich jenes Tages gedenken, an dem alle Menschen dieser Welt für ein gedeihliches Miteinander zusammenfinden!

Ja - aber leider werden wir das Jahr 3000 nicht mehr erleben, und ob es dann anders sein wird, ist auch zweifelhaft ...

 

8.11.22

Marocco



Ich denke über meine Begegnung von gestern nach. Mache mir Gedanken, die wiederum ins Nichts führen. Ich sehe die Berge des Rifs, den Sand der Sahara. Wie lange ist es her? 75 Jahre? Es war eine andere Zeit, eine Zeit, als das Reisen noch viel schwieriger war, als man noch Pass und Visum und Mut brauchte, um überhaupt ins Nachbarland zu kommen.

        Es ist Frühling, oder ist es schon Sommer? Jedenfalls ist es ein Tag ohne Wirklichkeit. Was soll schon geschehen, in flirrender Hitze vor und hinter den Wolken. Auf dem Balkon des Hotels in der Kasbah liegen ungezählte Blattreste von Citrusbäumen, die ihren weiten Weg zwar angetreten hatten, dann jedoch durch windige Umstände hier gelandet sind.

        Vor ein paar Wochen waren diese Früchte noch Blüten, die Gewächshäuser mit ihren Tomatenpflanzen trugen die Tarnkappe der Unfehlbarkeit, träumten aber schon die Wünsche von illusionären Hoffnungen. Alles hat sich verändert, aus Blüten werden Früchte und aus Leben wiederum rostbraunes Blut. Gibt es noch Menschen, die Opfer zählen und auf vielen Doppelseiten der Gazetten ihre Statistiken der Umwelt zur Ansicht bieten? Woraus entsteht nur der hasserfüllte Blick auf den Nachbarn, auf dessen Kinder und den dadurch erworbenen Anspruch auf effektivste Einnahmen? In der Kasbah ist das Leben zu Hause, sagt man. In der Kasbah ist aber auch der unausweichliche Tod daheim. Auf Orientteppichen lag schon immer der Geruch von Kinderarbeit. Sollte es heute anders sein?

  Wer zählt schon die Namen der Hände, die Millionen Knoten in Banknoten und Kontostände verwandeln? In der Nachbarschaft entstand stets der ursprüngliche Grund für Zwistigkeiten. Die Miniaturpolitik im Verhältnis zum Nächsten ist die Basis der Politik eines Landes zu seinen Angrenzern. Missgunst, Neid und auch Angst erscheinen überall - auch in der Natur - als Folgeerscheinung des Lebens. Oft sind sie dann die Auswirkung zum Beginn eines nächsten Krieges! Solch ein Krieg ist ja nicht eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, wie Clausewitz es als These ansah. Genau so könnte man behaupten, mein totes Blatt auf dem Balkon wäre die Fortsetzung der Natur in einer anderen Sphäre. Das ist eine Fehlinterpretation. 

  Die jungen Menschen, die im Orient Früchte für andere Menschen in Europa züchten, pflegen und ernten, wollen Teil des Ganzen sein. Sie möchten teilhaben an den Errungenschaften der Welt und nicht in den Wellblechhütten am Stadtrand ihr Dasein fristen, um für die Besitzenden nur die Hilfskräfte zu sein. Sie machen sich auf den Weg in die Gefilde, von denen ihnen immer erzählt wird. Auf vielen verschlungenen Wegen versuchen sie, die Gegenden zu erreichen, die ihnen immer als Wunschziel vor Augen geführt wurde. Manche schaffen es, viele nicht. Diese Menschen landen dann wieder irgendwann auf den Plantagen, in ihren Dörfern und den armseligen Hütten. Einige haben an Erfahrung gewonnen, viele von ihnen werden es wieder versuchen.

  Die Menschen aber, die es geschafft haben, machen auch eine Erfahrung! Sie werden recht schnell vertraut mit der Tatsache, dass auch in der Fremde das Glück nicht auf der Straße liegt! Und sie kommen zu der Erkenntnis, dass sie im ersehnten Ausland nicht erwünscht sind, dass niemand sie will, weil sie ihr eigenes Verständnis vom Leben mitbringen - und ihre eigene Religion! Und so geschieht es, dass sie nie dort ankommen, wohin sie ursprünglich wollten: Auf die Inseln der Glückseligen und die Gärten der Hesperiden! Stattdessen sind sie über kurz oder lang wieder auf den Bazaren ihrer Kasbah zu Hause und träumen weiter vom Leben, das es für sie nicht gibt.

        Wir als Mitteleuropäer besuchen gern die Länder des Orients. Es schien stets, als seien dies die Länder des Glücks. Welch ein Widersinn in allen Erfahrungen der Zeit. Aber es war schon immer und überall auf der Welt so: Auf der Weide nebenan ist das Gras viel, viel grüner!

 

7.11.22

Der Fremde

 



Da sitzt er. Mutterseelenallein auf einer Bank am ZOB, dem Busbahnhof. Es herrscht hier reger Publikumsverkehr zur Rush-hour. Jede der zahlreichen grünen Sitzbänke sind besetzt. Frauen mit vollgepackten Einkaufstaschen, die schleunigst wieder nach Haus wollen. Rentner, das zerfurchte Gesicht vernebelt mit Zigarettenrauch, misstrauisch in die Umgebung schauend. Schulmädchen, mit affektiertem Verhalten, sie terrorisieren ihr Handy, nachdem sie vor ein paar Minuten ihre Gesprächspartner oder -rinnen verabschiedet hatten.

        Seine Bank bleibt leer, ausser seiner Person. Ist es, weil der Mann ein wenig fremd ausschaut? Olivfarbene Haut, schwarze Augen, schwarz gelocktes Haar, etwa 18 Jahre alt.

     Ich habe noch 30 Minuten Zeit, bis mein Bus kommt, überlege dabei, ob ich mir noch einen Kaffee genehmige. Nein, dieses »To-Go« liegt mir überhaupt nicht, ich lasse es also.

Gehe näher zu der halbleeren Bank und frage höflich, ob ich Platz nehmen kann. Der junge Mann nickt, mit einigen, mir unverständlichen Worten rückt er weiter zur Seite, indem er seine Tasche zur Seite stellt, er wirkt etwas zurückhaltend. »Warten Sie auch auf den 121er?« frage ich ihn. »Non«, antwortete er darauf. 
»À treize«

Ich nicke »Du s-precken française?« fragt er dann. Ich wehre mit einem Lachen und etlichen Handbewegungen ab. »Non, mon ami«, meine ich dann, »nur ein paar Worte!«

        Wir lachen beide laut auf. Die Leute auf dem Bussteig schauen uns erstaunt an. Dann reden wir noch eine ganze Weile - mit Händen und Füßen-, aber wir verstehen uns ziemlich gut. Inzwischen ist mein Bus schon wieder weg und wir beide warten jeweils auf den nächsten - weitere 30 Minuten lassen uns noch genügend Zeit dazu.

        Er erzählt mir, gebrochen deutsch, von seiner Heimat im Rif-Gebirge. Sein Heimatdorf liegt am Ouergha, einem kleinen Fluss. Er spricht von Schwierigkeiten mit der Polizei, Demonstrationen für bessere Lebensbedingungen, die jeweils unterdrückt wurden. Dann schweigt er.

        Wir trennen uns, er reicht mir beide Hände. Die Busse kommen, wir fahren in verschiedene Richtungen. Wie im Leben!

 

 

Kochen mit X und Y

 

 

Ich versuche mal wieder, am Nachmittag ein paar Blicke auf das TV zu werfen. Wobei es gleich ist, welches Programm gerade auf dem Schirm ist: Alles Käse!

        Nee, stimmt doch nicht, ausnahmsweise alles Leber. Ja, richtig gelesen - Leber. Auf die vielfältigste Art wird effizient dargestellt, welche Leberarten ich dünsten, braten grillen kann, genaue Anwendungskriterien werden selbstverständlich mitgeliefert, hübsch mit Bildern verpackt. Die Zutaten erklärt man mir haargenau, der augenblickliche Moderator ist sich auch nicht zu schade, auf den anwesenden »Sternekoch« hinzuweisen, der diese »wundersamen Gerichte« natürlich ganz elegant und äußerst reinlich darbietet.

        Komisch, wenn ich in der Küche meine Künste spielen lasse, sieht es danach adäquat aus wie auf dem letzten Tag des Oktoberfestes nach Beendigung des Ganzen.

        Ich schalte um auf einen anderen Kanal. Toll! Man offeriert mir, wie ich am leichtesten meine soeben »schwer erworbenen Kilogramm« wieder loswerden kann, wenn ich genau so esse, wie es mir vorgeschlagen wird. Dann bin ich stets auf der »rechten« Seite des Lebens!

        Da steh ich nun, ich armer Tor,
              und bin so klug als wie zuvor!

lässt Goethe seinen Faust sagen. Wie recht er doch hatte. Wisst Ihr was? Ich richte meine Mahlzeiten an, wie ich es will. Und die schmecken dann auch vorzüglich.

Ach so - braucht Ihr vielleicht ein neues Rezept für Lebergulasch?

6.11.22

Ist das etwa neu?

 

Wieder einmal dieses Thema, bisher nur angedeutet, nun aber hochaktuell:
TWITTER auf dem Prüfstand! Was macht nun der Elon Musk mit dieser globalen Nachrichten-Plattform? Mehr Redefreiheit, wie Herr Musk befürwortet? Was aber bedeutet das? Noch mehr Hetze und Fake-News über alle Sparten des Internets? Es ist zu befürchten!
        Hass im Netz und diverse Falsch-Informationen z.B. über die Corona-Pandemie haben alles getan, die Glaubwürdigkeit a l l e r Dienste infrage zu stellen.
        Unter Elon Musk soll Twitter laut eigener Aussage »warm und einladend für alle« werden. Dieses Ziel wird hauptsächlich für die digitale Plattform gelten, weniger für das Unternehmen. Denn sofort nach der Übernahme setzt Musk hier zum personellen Kahlschlag an. Die Kündigungen gehen zeitgleich und per E-Mail bei Tausenden Angestellten ein!
Mit diesen Massenentlassungen senkt Musk die Kosten des Unternehmens. Ob er auch die Einnahmen steigern kann, steht auf einem anderen Blatt. Es wird sich zeigen, wie viele Nutzer monatlich dafür bezahlen werden, ein verifiziertes Twitter-Konto zu führen. Mehrere Unternehmen haben nach der chaotischen Übernahme und Musks Gebaren ihre Werbung auf der Plattform erst mal ausgesetzt, darunter VW und General Motors. Hält dies nun an, wird die aktuelle Welle an Kündigung-E-Mails nicht die letzte bleiben.
Ein knallharter Kapitalist und eiskalter Machtmensch – das ist das andere Gesicht des Multimilliardärs und Tesla-Chefs Elon Musk. Vielleicht ist es nötig für die Erfolge, die Musk ohne Zweifel vorzuweisen hat. Es gehört zum Gesamtbild eines Mannes, der sich öffentlich als witziger, smarter und positiv verrückter Typ darstellt.
        Meine eigene Meinung hat leider kein Gewicht, dennoch glaube ich, dass solche Menschen dieser »Bauart« alles dafür tun, dass der Ur-Kapitalismus fröhliche Auferstehung feiert - und viele »Fans« feiern dies auch noch! Wenn sie einmal erwachen werden, ist es wieder einmal zu spät! Dann hat wieder einmal niemand etwas gewusst!

 

5.11.22

Vorwärts?

Wenn ich vorwärts gehe, lasse ich eigentlich alles Alte hinter mir. Eine Binsenweisheit, nicht? Doch wie viele alte Zöpfe werden nun abgeschnitten? Da sind dann doch einige Strähnen, an denen ich hänge, manche Themen haben viel in mir geöffnet, an die ich früher auch nicht im Traum dachte. Und nun? Hier ein wenig aufheben, an stillen Orten speichern, ganz verschämt im Keller des Daseins ganz hinten in der Ecke unter anderem Gerümpel verstecken? Das passte vielleicht in das Leben meiner Mutter hinein. Sie konnte sich von keinem Teil trennen, das sie jemals erworben hatte. Es war halt zu schwer, dieses oder jenes überhaupt zu bekommen. Deshalb habe ich dies seinerzeit auch verstanden. 

 


  Gut, aber heute? Es gibt kaum noch Gegenstände, die noch repariert werden, alles ist auf den Verschleiß hin konstruiert, manchmal auch mit "Sollbruch-Stellen" (obwohl dies immer abgestritten wird). Neu-Kauf ist das Motto der Jetzt-Zeit.

Die Frage ist nun: Wie ist es denn mit der Literatur? Gewiss, über Geschmack kann man nicht streiten, das war schon zu allen Zeiten so. Doch Geschmack und Richtung ist noch ein anderes Thema! 

   Ich lese zurzeit einen Roman von Somerset Maugham. "The Razor's Edge

(Auf Messers Schneide). Ein sehr interessantes Buch (Larry Darrell ist ein junger Amerikaner auf der Suche nach dem Absoluten. Der Fortschritt dieser spirituellen Odyssee bringt ihn mit einigen von Maughams brillantesten Charakteren zusammen – seiner Verlobten Isabel, deren Wahl zwischen Liebe und Reichtum lebenslange Auswirkungen hat)

        Kaum ein Mensch liest so etwas heute noch, jedenfalls kenne ich niemand, der das Buch gelesen hat. Seltsam? Nein, es ist die Schnelllebigkeit unseres Zeitalters, das dieses Phänomen hervorgebracht hat.  

   Wenn ich jetzt im weiteren Verlauf meiner Erörterung auf meine eigenen Texte zurückkomme, dann erkenne ich dabei, dass manche Themen völlig im luftleeren Raum schweben, so dass ich kaum noch nachvollziehen kann, warum ich sie schrieb! Folglich? »Unproduktiv sein« mag im Moment manches Mal in die Welt passen. Leider kann sich dies niemand erlauben. Also? Ist es nun gut oder ab in die Tonne? Noch ein wenig abwarten. Aber dann, endlich weg damit. Ja, oder doch nicht ...?

4.11.22

Addition

 Ich habe nun den neuen Stil gefunden. Nicht mehr das »na-na-na«, sondern ich möchte etwas schreiben zum täglichen "Einerlei" - es dabei zu einem Ablauf machen, den ich immer nachvollziehen kann. Mal mehr, mal weniger - wie es mir beliebt.

Mal schauen, was so etwas ergibt ...



04.11.22

 Lernt einsehen, dass man bei Entschlüssen mit der Tat anfangen muss!  (Grillparzer, Melusina)

 


Dein Schmerz, mein Schmerz,

  Auf meinem Schreibtisch liegt ein Text, den ich im Netz fand. Ich trinke meinen Tee, hole tief Luft und denke daran, wie echte Liebe über ...