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16.8.24

Wunderbares Wunder

 

 














Ich schaue durchs Fenster in unseren Garten. Ist das nicht wunderbar? Das Gras, die Büsche, die Blumen, die Bäume, alles ist nur für uns gemacht. Jedenfalls glauben wir es. Sieh doch, wie die Vögel beschäftigt sind, die Hummeln, die Ameisen. Sieh genau hin, wie die Sonne all das mit ihrer Wärme überschüttet. Alles bewegt sich, alles wächst, blüht, verändert sich. Alles lebt!

     Und doch: Leben auf unserer Erde, ist das einfach so natürlich? Kann das vielleicht nicht auch unnatürlich sein, dieses ›Natur pur‹? Denken wir an die eisigen Polargebiete, an feuerspeiende Vulkane. Was sind die glühenden Wüsten unter der Brise des heißen Windes? Unnatürlich, wie auch der zerstörerische Tsunami im Ozean? Haben wir die alles vernichtenden Erdbeben im Blick, auch das ist Natur pur? Ja, all das ist halt das Leben auf unserem Planeten!

  Aber das Leben auf unserer Erde versucht, all diesen tödlichen Gefahren zu widerstehen. Das Leben kämpft, es will mehr! Und es sucht nach allem, was es dafür braucht. Das Leben sucht meist all das, was es nicht selbst hat. Das Leben raubt sich all das, was nötig ist, um eben zu überleben! Das Leben ist ständige Rebellion. Mit allen möglichen Mitteln und auf allen möglichen Wegen.

     Dafür tauscht das Leben alles, was zu seinem Zweck passt, und was sein eigenes Defizit ergänzen kann, um erfolgreich für seinen eigenen Schutz gegen die Natur zu kämpfen. Das ist enorm wichtig. Jeder bestätigt, verteidigt und fördert sein eigenes Selbst. Sieh hin, wie der Löwenzahn seine Blätter weit unten spreizt und das Gras abstößt. Und wie die Rosen ihre Dornen schärfen, wie die mutige Amsel die gierige Elster von seinen Jungen wegjagt.

     Licht und Dunkelheit. Zwischen diesen Polen finden sich die Dinge in konstruktiven Wechselwirkungen. Sehen wir uns doch dieses Schauspiel des Seins an! Diesen Widerstand des Lebens gegen die Natur. Es passiert einfach, tausendmal und zu jeder Zeit, einfach unschlagbar.

   Niemand muss irgendeinen Knopf drücken oder nach Lourdes pilgern, um Wunder zu erleben. Diese ›Wunder‹ geschehen einfach. Milliardenfach und in ganz gewöhnlicher Weise. So gewöhnlich, dass wir es kaum noch bemerken. Wir denken kaum darüber nach. Nehmen wir doch mal die Zellteilung.

     Der gesamte menschliche Zellzyclus beispielsweise dauert etwa 19,5 Stunden. Das ist die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Zellteilungen. Ist das nun viel? Wie viel ist denn ›viel‹? Wie klein ist klein? Wie komplex ist komplex? Ist der Bodensee klein oder groß? Es kommt immer auf den Standpunkt an.

   Ich schaue auf unseren Garten. Unser Garten. Unser? Aber was geschieht denn hier? Geben wir ihm das Leben? Können wir alles wachsen und blühen lassen? Sind es unsere Bakterien, unsere Mikroben, unsere Bienen oder Wespen, unsere Hummeln oder Mücken? Unsere Schwalben? Der Zaunkönig sieht keinen Zaun um unsere Gärten, für ihn ist alles frei, freie Natur! Wie der fliegende Flaum des Löwenzahns. Er fliegt, wohin er will, nicht wahr?

       Ach ja, noch eine letzte Frage: Ist es unsere Erde, unsere Sonne? Unser Sonnenlicht, unser Chlorophyll? Ja, dieses Wunder gehört uns, uns allen! Aber wir sollen es bewahren. Ist das nicht etwas Wunderbares?

8.8.24

Bücher und Menschen.

 


Ich weiss nicht, wie ich darauf komme - aber in mancher Hinsicht versuche ich, Menschen mit Büchern zu vergleichen. Richtig dumm, nicht wahr? Dennoch bietet sich dieser Vergleich an, denn je mehr ich über dieses seltsame Thema sinniere, desto mehr kommen mir da etliche Vergleiche ins Gedächtnis.

       Es gibt da spannende Typen, lustige und langweilige, solche die dir schlaflose Nächte bescheren und jene, die dich wunderbar einschlafen lassen! Bei einem kommst du vor knisternder Spannung kaum zum Atmen während du beim nächsten nicht herausfindest, warum dieses unerträgliche Exemplar es überhaupt in deine Nähe geschafft hat.

       So ist es mit der Literatur und mit den Menschen. Manche werden dir von jemandem empfohlen, andere zwingen sich, förmlich auf. Über einige hast du viel Gutes gehört, das hat dich neugierig gemacht. Wieder andere erregen zunächst deine Aufmerksamkeit, mit der Zeit, wenn die ersten Seiten umgeblättert sind, hören sie einfach auf, dich zu interessieren. Andere fallen dir einfach in die Hände - du weisst nicht genau wie, aber sie fangen dich unweigerlich für alle Zeiten ein und du vergisst sie nie!

       Es gibt solche, die nur wenige Seiten lang, aber unvergesslich sind, Es gibt solche, die wirklich einschläfernd sind, aber es gibt auch solche, die sich über Monate halten und man geniesst sie in vollen Zügen. Es gibt solche, die einem nichts sagen, die deshalb nicht halten können, was sie aussen versprechen, sobald man sie aufschlägt, weiss man bereits all das, was sie sagen werden, und man verlässt sie nach ein paar Seiten.

       Es gibt dann noch diejenigen, die man nicht durchblättern will, du erinnerst dich aber dein ganzes Leben lang an sie, weil sie in dir eine unauslöschliche Erinnerung hinterlassen haben. Du wagst es nicht, zu ihnen zurückzukehren, um den guten Eindruck, den sie auf dich gemacht haben, der sich mit der Zeit geändert haben kann, nicht zu verderben Du liest sie dann noch einmal.

       Ja, dann bleiben noch die an deiner Seite, die man eines Tages entdeckt und von denen man sich nie wieder trennen kann! Sie werden zum Zufluchtsort, zu dem man geht, wenn man Trost braucht, und sie werden Teil deines Lebens als unzertrennlicher Begleiter.

       Gute Leute sind genauso schwer zu finden wie gute Bücher. Ich danke den Menschen, die für mich wie meine eigenen Bücher sind. Ich werde nie aufhören, ihre Seiten mit Liebe noch einmal zu lesen.

1.6.24

75 Jahre GG

 




Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Jedermann, auch die Gegner unserer Demokratie, berufen sich stets auf unsere Verfassung, sie erscheint mir, als die Beste, die Deutschland seit 1870, der Gründung des Deutschen Reiches, hatte. Besonders der Artikel 2, Absatz 1, GG wird oft hervorgehoben, weil er stets auf alle Aussagen passt, die der einzelne Bürger gerade von sich gibt:

»Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit«.

Damit zitiert man diesen Absatz des Grundgesetzartikels jedoch nicht vollständig. Dieser Satz wird erst komplett durch den Zusatz  »soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmässige Ordnung oder das Sittengesetz verstösst.«

    Wenn sich nun jeder an diese Prämisse halten würde, wäre in unserem Land schon eine Menge an abnormen Streitigkeiten der Wind aus den Segeln genommen. Dem aber ist eben nicht so. Jeder beruft sich auf das, was ihm zugute kommt, doch niemand nimmt jenes in Kauf, das ihm nicht behagt!

       Auch der wichtige Artikel 5 des Grundgesetzes nennt in Abs. 1 Grundrechte, die es zu schützen gilt: die Presse-, Meinungs-, Informations-, Rundfunk- und FilmfreiheitBeschränkt werden diese Rechte gemäß Art. 5 Abs. 2 GG durch die allgemeinen Gesetze sowie den Jugendschutz und das Recht der persönlichen Ehre.

    Wieder sind dies Themen, die die Menschen nur dann interessieren, wenn sie den eigenen Umkreis betreffen. Unser Grundgesetz gilt aber für alle Bürger, ob klein, ob groß, die hier in diesem Staat leben! Niemand existiert nebenher, keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft keine autonome Person. Keiner kann sich von unserem Staat einfach absondern und ausschließen. Somit ist das GG auch für die Gesamtheit gültig, ohne jede Ausnahme. Wenn sich dann jemand unbedingt ausschliessen will - wie z.B. die sogenannten »Reichsbürger«, dann steht er eben ausserhalb der Gesetze mit all den Folgen, die daraus erwachsen!

    Nicht immer sind sich alle Teilnehmer unseres demokratischen Landes dessen bewusst. Ich selbst, heute 90 Jahre alt, kann behaupten, dass ich die Gräuel des Nazi-Staates körperlich miterlebt habe und deshalb weiss, wovon ich rede! Jederzeit!

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Vor 31 Jahren sang Wolfgang Petry ein Lied,
das all das ausdrückte, was zeitlos immer noch gilt!
Daraus hier ein Auszug:
   

Es gibt wieder dieses Gestern
Es gibt Zeichen an der Wand
Es gibt Dummheit ohne Grenzen
Und Gewalt in diesem Land
Schon die Kinder lernen hassen
Und der Fremde wird zum Feind
Die Vergangenheit wirft Schatten
Einer wirft den ersten Stein

 Wer die Augen schließt
Wird nie die Wahrheit sehn
Wer noch länger schweigt
Wird schweigend untergehen
Nur bis hierher und nicht weiter
Und nicht alles ist mir gleich
Lieber einmal nein als
tausendmal vielleicht …


 

24.5.24

Ein ganz normaler Morgen

 


 

 













Die Sonne geht drüben hinter dem Wald auf, sie verziert mit einem hellen karminroten Schimmer die alten Fachwerkhäuser der Straße. Lichtgrüne Birken am Straßenrand wedeln sich im sanften morgendlichen Wind gegenseitige Grüße zu. Eine Amsel schmettert ohne Unterlass ihr morgendliches Lied in die Luft, von irgendwoher antwortet ein anderer schwarzberockter Amselmann.

        In der Fußgängerzone sind auch schon die ersten Passanten unterwegs. Die meisten von ihnen schauen dabei nicht auf die Farben des Sonnenaufgangs, hören auch nicht auf die Töne der Amsel. Sie sind wahrscheinlich zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, um diese wunderbaren Einzelheiten eines Morgens aufzunehmen.

  Sicher ist dies ein Bild, schon so oft gesehen, dass es niemand mehr reizt, besonders nicht in diesen morgendlichen Stunden. Vielleicht sind sie auch noch in Gedanken bei den Träumen ihrer Nacht?

       Ein Herr im grauen Flanellanzug tritt aus einer Tür auf die Straße, schaut nach links und rechts, nimmt dann seinen hellbraunen Aktenkoffer und schreitet gemessenen Schrittes die Straße hinunter. Wer mag er sein? Ich denke mir, dass er der Besitzer eines Ladens in der Einkaufspassage dort an der Brücke des kleinen Flusses sein mag, der nun seinen Tagesablauf beginnt.

  Die Fußgängerzone der Straße füllt sich allmählich. Das Café dort an der Ecke hat seine Pforten bereits geöffnet, eine Kellnerin macht die Tische auf der kleinen Terrasse für die kommenden Gäste bereit. Die rot-weiss gewürfelten Tischdecken bilden einen angenehmen Kontrast zu dem Grau der Platten des Gehwegs. 

  Ich suche mir einen Platz an einem der Tische, die Sonnenstrahlen verbreiten ein angenehmes Gefühl auf der kleinen Terrasse vor dem Café. Die freundliche Kellnerin kommt, fragt nach meinen Wünschen und bald darauf genieße ich meinen Cappuccino. Ich fühle mich so richtig gut und zufrieden, lasse den Tag an mich herantreten; alle Problemchen sind irgendwo weit hinter mir geblieben.

   Am Nachbartisch hat eine junge, gut gekleidete, junge Frau Platz genommen. Ihr hochsommerliches Outfit lenkt ein wenig von den anderen Passanten ab. Recht verführerisch bringt sie alles zur Geltung, was sie aufzuweisen hat. Anscheinend hat sie Vergnügen daran, ihre Reize so freizügig zur Schau zu stellen. Warum auch nicht?
Auch ältere Herren, wie ich beispielsweise, sind noch nicht so weltfremd, um solche Extravaganzen nicht auch noch mit Vergnügen zu betrachten. 

  Ich schaue dann auf den gegenüberliegenden Marktplatz und sehe mit Erstaunen den Gegenpol zu diesem Mädchen am Nebentisch. Eine alte Frau, weißhaarig und ärmlich gekleidet, mit zwei Plastiktüten in der Hand, sucht in den Papierkörben der Umgebung nach leeren Flaschen. Hastig lässt sie ihre Fundstücke in den Tüten verschwinden, schaut angestrengt nach allen Seiten und setzt sich dann auf den Rand des alten Brunnens, der den Marktplatz ziert. 

  Ich fühle mich auf einmal gar nicht mehr so wohl in meiner Haut, sehe diese divergierenden Gegensätze hautnah neben mir. Warum habe ich ein Gefühl in mir, als wäre ich schuld an diesem Notstand, der so offensichtlich zutage tritt? 

Die junge Dame neben mir schaut ebenfalls zu der alten Frau dort am Brunnen. Leicht verächtlich verzieht sie die Mundwinkel, um sich dann mir zuzuwenden. »Ich finde so etwas furchtbar, das verdirbt einem ja den ganzen Morgen!«
Diese ihre Worte lassen mich bis ins Innerste meines Herzens erschauern. Ich blicke sie an, möchte etwas darauf antworten, schweige dann jedoch und reiche der Kellnerin, die inzwischen hinzugekommen ist, einen Geldschein zum Bezahlen.

  Langsamen Schrittes gehe ich, ohne mich noch einmal umzuwenden, zu diesem Brunnen am Markt. Dort sitzt sie immer noch, in Gedanken versunken, die alte Dame und schaut in den fließenden Strudel des Wassers. Aus meiner Geldbörse nehme ich einen größeren Schein, falte ihn ganz klein zusammen und lege ihn der Frau in den Schoss. Mit einer fast versagenden, heiseren Stimme flüstere ich dabei: »Mehr Flaschen habe ich leider nicht!« 

Sie sieht mich mit einem langen Blick aus ihren hellblauen Augen an und entgegnet mir, kaum verständlich: »Möge Gott sie beschützen ...«

 


23.5.24

Die richtige Seite

 











Nach den schrecklichen Bildern aus der Ukraine und den Kämpfen in Gaza nun Umschaltung zur Hochwasserlage im Saarland und Rheinland-Pfalz. Diese Berichte dauern 4 Minuten. In meinen Gedanken noch das Leid der Opfer und Angehörigen folgt auf dem Fuße ein Bericht von der Preisverleihung für die Filmschaffenden. Schöne Bilder von glitzernden Kleidern und bezaubernden Gesichtern. Ich überlege. Wie lange hat die Verzauberung dieser Gesichter wohl gedauert? Länger als die Veranstaltung?

Ich komme zu keinem Ergebnis, weil inzwischen im neuen Thema der Abgeordnete Sch. völlig atemlos mit einem Bericht von seiner gestörten Wahlkampfveranstaltung zu Gehör kommen möchte. Er ist wirklich zu bedauern, kam er dabei doch nicht dazu, seinen Gegner der Verbreitung von Unwahrheit zu bezichtigen.

Ich schalte einen Kanal weiter. Siegmund B. erzählt gerade, wie er sich täglich über seine gesunde Ernährung freut. Aha, Werbung, seniorengerecht natürlich. Ich sollte eigentlich auch gesünder leben, schießt es mir durch den Kopf! Der Gedanke ist jedoch schnell wieder entflohen.

Auf NDR läuft eine Sendung über den Sudan. Mein schlechtes Gewissen meldet sich. Ich lebe ja auf der richtigen Seite des Zauns! Ein bisschen schäme ich mich, aber ich kann nichts dafür, dass ich weiss und nicht dunkelhäutig bin. Ein Gefühl von Ohnmacht beschleicht mich. Was kann ich aber direkt tun beim Anblick dieses Elends? Ich schalte einfach um.

Gibt es nicht immer einen Ausweg? Da, WDR, endlich eine interessante Reportage. Es geht um eine Hauptschule in Berlin. Ich bin ganz bei der Sache. Habe mir nebenbei ein Bier eingeschenkt. Ich will gerade einen Schluck nehmen, da sehe ich ein etwa 15 Jahre altes Mädchen.

»Hast Du Träume?« fragt die Stimme einer Reporterin. »Meine Träume kann niemand erfüllen!« Die Antwort kam zielgenau. »Deshalb muss die auch keiner erfahren! Vielleicht irgendwann einmal, wenn ich wieder in den Iran kommen kann?« Charakterstark, denke ich bei mir. Doch schaut sie sehr verloren in die Welt, sie wirkt dabei so zerbrechlich.

Ich schalte das Gerät aus. Ich ahne, was aus ihr wird, und sie weiss es auch. Mir schleicht eine Träne ins Auge. Das ist mir schon seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Warum eigentlich? Ich lebe doch auf der richtigen Seite des Zauns!

Die Illusion von vermeintlicher Sicherheit ist mir zur zweiten Haut geworden. Ich bin hier Zuschauer und Voyeur, weit weg von Opfern und Tätern. Geborgen in der anonymen Masse der betroffenen Gesellschaft. Die Realität wird mir portioniert nach Hause geliefert, in appetitlichen Dosen. Und wenn es zu viel wird, schalte ich einfach ab.

Ich höre und sehe täglich aufs Neue viele grauenvolle Dinge. Aber da muss doch irgendwo noch die Welt intakt sein? Solange »Gefragt, Gejagt« über die Bildschirme rauscht, solange »Bauer Fritz noch seine Frau sucht«, da kann doch alles nicht so schlimm sein, wie man immer tut. Oder, was denkst du?

 So ganz sicher kann ich mir aber nicht sein. Einen Trost habe ich aber gewiss: Solange ich die Fernbedienung in der Hand halten kann, habe ich die volle Kontrolle!

 

 

25.4.24

Auch mal schweigen?

 











 

Nicht alle Dinge in der Welt sind so ernst, wie wir sie auffassen. Die Welt wäre besser, wenn wir etwas mehr Sinn für Humor hätten. Überall sieht man nur verkrampft dreinblickende Menschen auf der Strasse, fast nie ein Lächeln, kaum ein paar nette Worte, selten ein Dankeschön. Glauben wir denn, dass das, was wir tun, überaus wichtig ist? Dass die Ordnung des Universums davon abhängt, dass wir unsere Tätigkeit gewissenhaft erfüllen? Dass alles warten kann, bis wir getan haben, was wir sollten?

        Wir sorgen uns darum, dass alles schriftlich festgehalten wird, wir versuchen, andere mit unserer Genauigkeit zu beeindrucken. Leider vernachlässigen wir dann auf alarmierende Weise unsere Zuneigungen, menschlichen Beziehungen und täglichen Freuden im Austausch für ein gutes finanzielles Einkommen.

        Prahlen wir nicht gern mit unseren Verdiensten, die uns das Gefühl geben, so unendlich wichtig zu sein? Im Geheimen verachten wir doch diejenigen, die durch unproduktive Beschäftigungen abgelenkt werden, blicken dann auf diejenigen herab, die uns nicht ebenbürtig sind, weil sie ihre Zeit mit flüchtigen Vergnügungen verschwenden! Oder auf diejenigen, die das Leben nehmen, als wäre es ein Spiel, ohne zu wissen, dass es die Wirklichkeit ist.

        Wer begründet seine eigene Einstellung zum Leben mit einer Formel, die kein Klischee ist? Es scheint mir, dass alles, was wir selbst tun, richtig zu sein scheint. Gibt es denn keinen Menschen, der mir eine Faustregel an die Hand gibt, mit der ich den rechten Blickwinkel sehen kann? Anscheinend ist es nicht realisierbar, weil jeweils die eigene Meinung wichtig erscheint.

         So ist es im Grunde völlig gleich, ob ich etwas zu einem Thema sage oder schweige! Irgendjemand hat wiederum seine Meinung dazu, ob nun diese richtig ist, weiss nun ebenfalls keiner. Bleibt der Gedanke, dass es völlig gleich ist, ob richtig oder falsch: Ob reale Wirklichkeit oder Fake-News:

 »Cogito ergo sum.« sagte einst
René Descartes
 (1556-1650)

Ich denke. Also bin ich!

Das aber ist immer richtig, denke ich jedenfalls!

 

23.4.24

Wüste Gedanken

 

















Es ist schon ungewöhnlich, oftmals beim Lesen von Artikeln im ständig wachsenden »Sozial-Media-Bereich« verspüre ich ein leichtes Schwindelgefühl. Diese seltsamen Gefühle in meinem Kopf erzeugen nach einiger Zeit eine Gänsehaut. Dabei liegt es nicht nur an der schlechten Ausdrucksform der Autoren und den unmäßig vielen Rechtschreibfehlern. Auch die Schwierigkeit, die einfachsten Zeitformen zu konjugieren, kann allein nicht der Hauptgrund sein.

      Nein, in den meisten Fällen sehe ich eine endlose Ideenwüste, durch eine außergewöhnliche Apathie hervorgerufen. Ich bemühe mich immer, den betreffenden Artikel zu verstehen, ich greife dennoch mit meinen Nervenzellen meist ins Leere. Auf irgendeiner Ebene sollte ein Verständnis doch möglich sein, denke ich mir, doch es will sich mir kein Pfad erschließen.

      Kann es denn sein, das die Künstliche Intelligenz schon solchen Einfluss gewonnen hat, dass unsere Sprache, um die uns in alten Zeiten viele beneidet haben, buchstäblich den Bach heruntersegelt? Oder ist es möglich, dass die Tatsache, dass alle Beteiligten ihre Inhalte nur einen Klick entfernt auf Google haben, mit der Begeisterung für Wissen verwechseln?

      Macht die Oberflächlichkeit der meisten dieser Informationen dieselben zu einer Art kulturellem Klebstoff, ohne Neugier der Leser auf die Wahrheit oder auf eine eigene Meinung? Es gibt doch nicht nur das, was uns durch Werbung und massenhafte Infos mehr und mehr durchgekaut und durch Google und »X« bereitgestellt und aufgedrängt wird? Das wäre dann ein Armutszeugnis modernster Art!

    Schafft Google eine Generation intellektuell machtloser Bürger? Ehre sei den Kindern, die es inmitten dieses Chaos schaffen, sich selbst und die Welt um sie herum neu zu erfinden.

1.4.24

Gemeinsam in einer Welt!

 

 








Wer möchte bezweifeln, dass wir in einer Zeit des geistigen Umbruchs leben? Dazu kommt noch, dass dieser Wandel sich nicht nur auf einen begrenzten Bereich erstreckt, sondern eine globale Frage ist. Die christlich geprägte Welt unserer Hemisphäre macht gerade eine zweite Phase der Aufklärung durch, in der Normen und Verhaltensweisen ständig aufs Neue infrage gestellt werden und jederzeit täglich neu diskutiert werden.

       Die islamische Welt dagegen hat im Grunde genommen noch nicht einmal mit der ersten Entwicklungsperiode richtig begonnen! Hier gilt immer noch mit dogmatischen Verhärtung eine überlieferte Tradition, die keinerlei Widerspruch duldet. Wenn die Sharia als politisches Instrument der Herrschaft gilt, wird die Menschlichkeit auf der Strecke bleiben.

       Für diese Entwicklung sind mehrere Gründe verantwortlich. Der Hauptgrund aber dürfte sein, dass auf Grund der Globalisierung weltweit und der Vernetzung durch Medien aller Art alles Geschehen überall in Sekundenschnelle bekannt wird.

       Dies gilt für kriegerische Vorgänge jeder Art, ebenso für Hungersnöte in vielen Ländern der Erde. Bangladesh, Palästina, Syrien, Somalia und der Sudan z.B. sind nicht so weit entfernt, wie sie noch vor hundert Jahren schienen. Durch unsere erhöhte Beschleunigung der Verkehrswege rücken die Völker optisch und auch real immer näher zusammen.

       Die Menschheit lebt weder ethnisch noch politisch oder religiös in abgeschotteten Grenzen. Außerdem ist die Zeit, in der jedes Land ökologisch oder ökonomisch autark leben konnte, lange vorbei. Die sogenannten »Inseln der Glückseligen«, auf der jeder nach seiner Art leben und wirken konnte, gibt es einfach nicht mehr. Die Bedrohungen durch die Urgewalten der Natur oder auch der staatlichen Mächte, die ihre Einflusssphäre ständig ausdehnen wollen, hat allem ein Ende bereitet.

       Lange Zeit gingen die hegemonialen Ansprüche nur von Russland und den USA aus. Im Laufe der Zeit sind es nun Indien, China und die arabischen Länder, auch der Iran, die ihre weltweiten Ansprüche anmelden.

       Für die Staatsmänner der Welt ist es vielleicht noch möglich, die Unterschiede zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Armut, zu analysieren. Hier jedoch Lösungen zu finden oder auch nur die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Interessen auszugleichen, das scheint unmöglich zu sein. Dort, wo klare Entscheidungen getroffen werden müssten, treten Kompromisse an deren Stelle, die nicht weiter nach vorn führen, sondern immer nur im Kreis laufen und niemand weiter bringen.

       Alles Handeln jedoch hat die Maxime, die Freiheit heißt! Als Freiheit der einzelnen Person war sie eine Errungenschaft des Christentums. Sie räumte jedem Menschen, gleich welcher Rasse und welchem Geschlecht eine unmittelbare Beziehung zu Gott ein. Diese Freiheit ist nun allerdings keine allgemein bindende Richtschnur mehr, jeder versteht unter »Freiheit« etwas anderes!

       Freiheit ist ein Gut, das man nicht für sich allein haben kann, es ist ein Universalrecht, das für alle Menschen auf dieser Erde gilt! Als Prämisse aber gilt dabei: Freiheit ist ohne Toleranz nicht möglich, weil die Achtung der Freiheit jedes Einzelnen erst das Zusammenleben möglich macht! Sie schließt dabei aus, dass religiöse Überzeugungen durch Hetze und Drohungen geltend gemacht werden. Das gilt für den einzelnen Menschen und es gilt demgemäß für Völker.

       Hier genau liegt die Schwierigkeit des Verständnisses zwischen dem politisch motivierten Islam und dem Christentum, das für uns die Grundlage des europäischen Wertesystems ist. Es ist dabei eine Illusion, dass man davon ausgehen kann, dass eine ideologische Koexistenz beide unterschiedliche Systeme auf Dauer im Gleichgewicht halten kann. Auch ein militärisches Patt wird dies nicht schaffen.

    Martin Luther sprach von der »Freiheit des Christenmenschen«. An dieser Auffassung scheiden sich die Geister; an ihr kommt niemand vorbei, auch der Islam nicht!

Hannah Arendt, die politische Philosophin sagte einst: »der Grund aller Politik ist Freiheit«. Er macht erst das Leben lebenswert - und das gilt auch für den Islam!

20.3.24

Deutsche Welt?

 











Denk ich an Deutschland in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht.

Heinrich Heine schrieb dies 1846 in seinem Gedicht »Nachtgedanken«. Für mich selbst ist Heine der Dichter, der meinem Herzen von allen Poeten des 19.Jahrhunderts am Nächsten steht. Ich kann mit ihm fühlen, erleben und alles erdulden, was auch ihn umtrieb. Sein ganzes Wirken hat mich seit meiner Schulzeit begleitet!

Darüber will ich jedoch erst in den folgenden Tagen etwas schreiben - heute jedoch ist es ein Text aus dem 17.Jahrhundert, der mich irgendwie beeindruckt hat. Es war ein relativ wenig bekannter Dichter, der diese nachstehenden Verse damals zu Papier brachte, sein Name ist

Hans Assmann von Abschatz,
(er lebte 1646-1699 in Schlesien)

 

Hier dieser Text, der mich bewegte:

Wie ist die deutsche Welt in Neuigkeit ersoffen!
Man deckt und kleidet sich,
man schreibet, singt und spricht,
man reiset, schläft und ißt, man reitet,
tanzt und ficht’ nach neu erwählter Art.
Wer Glück und Gunst will hoffen,
Muss sich in allem Tun der Neuigkeit bequemen,
Sonst wird ihn Überwitz mit Hohn und Spott beschämen.

Das Alter wird veracht, das doch so viel’ begehren;
Doch will ich lieber alt- als jungeboren sein.
Mit Aufgeld tauschet man die alten Münzen ein;
Der Firnewein
*) gilt mehr, als der noch soll verjähren.
Man sieht die Aloe nach hundert Jahren blühen,
Der jungen Tulpe Pracht in kurzer Zeit entfliehen!


 *) im strengen Sinne als fehlerhafter Wein
durch Überlagerung oder auch falsche Lagerung

Ja, man sieht die Probleme der heutigen Welt nach dem Lesen dieses Textes wahrscheinlich mit den gleichen Augen, wie der Dichter vor 300 Jahren. Was hilft es? Es hat überhaupt keinen Zweck, darüber zu lamentieren - man hat es auch in fünfzehn Generationen nicht geschafft, das Rätsel des Lebens aufzulösen ...

11.3.24

Einst und Heute

 













Irgendwann, in gar nicht so weiter Ferne, wird der Tag kommen, an dem eine geist-technische Maschine - ein hochentwickelter Algorithmus - etwa wie das angepriesene K.I. - besser als Du weißt, was zu Dir passt, was für Dich am besten ist. Ein Gerät, das in der Lage ist, die optimalen Entscheidungen für Dich zu treffen, die Dir das größte Glück bringen sollen. Was glaubst Du, wie diese Welt an diesem Tag in jener Zukunft aussehen wird?

       Und eines ist sicher: Mit Bestimmtheit wird dieser Zeitpunkt kommen, an dem wir das Offensichtliche endgültig akzeptieren müssen. Diese entsprechenden Denk-Maschinen sind in einer Reihe alltäglicher Situationen effektiver als wir! Wir werden ihnen daher eine erhebliche Anzahl von Verantwortung übertragen müssen. Ob wir es wollen, oder nicht!

       Wir haben nun mal die »Büchse der Pandora« geöffnet, jetzt liegt es an den dafür Verantwortlichen, sie für die Menschheit in eine Form zu bringen, die ihr nicht schadet! Ein Super-schwieriges Unterfangen!

(Die Erfinder und Entwickler der Kernspaltung bedauerten in der Folgezeit, dass sie diese Erfindung so schnell und unüberlegt forciert hatten! Einige der Wissenschaftler gingen sogar so weit, ihre eigenen Erfindungen gänzlich zu verteufeln!)

       Wie also geht es weiter? Die Frage stellt sich doch nun: Sind wir Menschen auch eine Art Mechanismen mit geringerer Leistung, mithin anhand der heutigen Zustände in der Welt, auch möglicherweise defekt? Oder sind die I.T.Maschinen eine Art verbesserter Mensch?

    Sag mir doch, Algorithmus, wie soll ich die mir gestellte Frage beantworten? Wird diese wunderbare Welt, die kommen soll, heller sein als die Welt von heute, oder wird sie einfach anders bleiben?
 Sag mir, Algorithmus, was oder wer bin ich? Kennst Du die Wahrheit, nach der in Tausenden von Jahren schon gesucht wird?

 

2.3.24

Unwahrscheinlichkeiten

 

 KI - die neue Religion?















Die Köpfe, die Hirne, die Geister, die unsere Zukunft bestimmen, sind sehr besorgt über die Fähigkeiten unserer jungen Generation in Bezug auf mathematische Kenntnisse. Sie sind der Meinung, dass unsere Kinder zu schwach sind, wenn es darum geht, die Geheimnisse der Zahlensprache zu enthüllen! So etwas hatte es doch in früheren Zeiten nicht gegeben! Mehr Unterrichtsstunden würden gebraucht, mehr Zeit für diese Arbeit in diesen gewaltigen Höhlen der Zahlen. Es werden diejenigen Kräfte benötigt, die unseren Nachwuchs bei den komplexen Operationen unserer IT-Welt nicht im Stich lassen.

       Der Rest des schulischen Wissens wäre es nicht wert, dass sie sich ihren Kopf zerbrechen, weil der keine große Rolle spielen kann, denn alles andere Wissen, dass gefragt werden könnte, kann über Künstliche Intelligenz nachgefragt werden. Literatur, Kunst, Geschichte, Sprachen, alles kleinere Dinge, entbehrliche Universen, die das Hirn nur belasten und von einer wichtigeren Tätigkeit ablenken!

       Wozu Bilder malen, fantasievoll mit den Farben spielen und das innere Sein des eigenen Wesens auf eine Art darstellen, die den Ursprung im Werden und Vollenden des Seins als Ziel hat? K.I. macht das alles fehlerfrei und einfacher, weil Fiktion und Irrealität nicht beachtet werden muss.

       Wozu sich den Kopf dabei zerbrechen, den Ablauf eines Geschehnisses so darzustellen, dass eine Spannung in einem Roman aufgebaut wird, die erst mit der Beendigung bzw. mit dem Schlusssatz dem Leser ihren Höhepunkt darbietet? Dem K.I. gelingt das alles unproblematischer, weil einfacher und pragmatischer, dazu bequem benutzbar.

       Junge Generationen werden immer weniger zu jungen MenschenIch befürchte, dass wir das Zombieverhalten von Kindern fördern. Versunken in ihre technischen Spielereien, eingetaucht in ausschließlich elektronische und virtuelle Welten, mit dem Kopf voller Zahlen: Null eins, eins eins, null null, eins null. Die so beschriebene Welt verliert ihre tatsächliche Dimension und verwirrt Empfindungen und Gefühle.
George Orwell winkt in der Ferne! 

        Die jungen Leute bleiben arm. Arme kleine Leute, die nicht einmal danach fragen, weil sie es ja wissen! Sie sitzen auf den Schwellen ihrer technischen Kathedralen. Und es sind diese armen Menschen, die die Algorithmen schreiben, die später autonom werden und zu absoluten Gottheiten heranwachsen, die über unser tägliches Leben wachen, die Algorithmen, die uns mit jedem Tag ein bisschen mehr Angst machen sollten! Wir fürchten die Autonomie von Maschinen und die Schwierigkeit, ihnen beizubringen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Wir haben Angst vor Ersatzfunktionen, wir haben Angst davor, entbehrlich und wegwerfbar zu sein, wir haben Angst davor, völlig nutzlos zu werden. Ich denke, in Wahrheit sollten wir uns nicht vor Algorithmen fürchten, sondern vor denen, die sie erstellen. 

    Ich denke, dass wir diejenigen sind, die den Menschen nicht verstehen. Maschinen spiegeln das wider, was wir sind, sie werden zu monströsen Dingen, die irgendwann nicht mehr beherrschbar sein werden.  Wir wissen dies; jedoch wir freuen uns über jeden neuen »Success point«, der in immer rasanterem Tempo die Menschheit zu Androiden erzieht …

Krieg ist kein Spiel

    Ich bin eigentlich in einer Familie groß geworden, die den Krieg gehasst hat. Dazu haben die Jahre 1914-18 und 1939-45 zu viele Opfer ...