13. Februar 2020

Das Internet und ich



Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie es vor - sagen wir mal - 35 Jahren war. Wie habe ich mich über die ganz realen Dinge informiert - so ganz ohne Internet? Ohne Google, ohne Wikipedia - überhaupt ohne die ganzen ~wiki-Seiten zu benutzen?
Was habe ich gemacht, wenn ich ganz dringend - aus welchem Grund auch immer - wissen wollte, wer in Venezuela zur Zeit Präsident war? Wo habe ich nachgeschaut, wann »Ringo Starr« geboren wurde? Mit wem und wie oft Farah Fawcett-Majors verheiratet war? (Ob es dann wichtig war, steht auf einem anderen Blatt. Heute ist es meist auch nicht wichtig, was man wissen möchte!)
Ob es nun für den Beruf oder für das ganz private Vergnügen: Ich hatte doch damals auch ständig Fragen, oder doch nicht? 
Wenn ich mich recht erinnere: Wollte ich früher vielleicht gar nicht so viel wissen? Habe ich etwa im 24-teiligen Brockhaus meine Fragen gar nicht nachgeschlagen - und nach etlicher Zeit auch Antworten bekommen? Ich weiß es einfach nicht mehr!
ATARI 1040 ST
     

   
H
eute tippe ich kurz mal ein paar Tasten an und schon spuckt mir der Kasten die Antworten aus. Wie konnte ich nur ohne das Internet leben?
Ich legte 1986 bei meinem Cyber-Beginn noch den Telefonhörer auf die Muschel des Moduls und schaute dabei ständig nach der Uhr, da jede Minute noch abgerechnet wurde! Wie habe ich das alles nur ohne die »Helferchen« gemacht? 

Das aber ist eine der wenigen Fragen, die mir Google nicht beantworten kann ...

©by H.C.G.Lux

6. Februar 2020

Nur mal gucken ...


Antje und Wiebke treffen sich mal wieder zum »Shopping-Bummel«. 
Ischa doch nix gegen zu sagen, nich?
Hier mal rein un da mal rein, »ach wie schööön« un: »Kiek mol, is dat nich mooi?«
Hinnerk, was Wiebkes Mann is, war schon skeptisch, als die beiden Frauen ihren Plan kundtaten. »Na, wenn dat man gut geht, Nachher kommt ihr wieder mit sechs Paar Schuhen zurück, is dat nich so? Ich kenn euch doch!«
Abwehrend und voller Elan waren sich die beiden einig: 
Antje voller Elan: »Nee, wat du woll denkst? Sind wir mall in’n Kopp, was? Wir passen da schon aufeinander auf!«
Beschwörend nickte Wiebke mehrfach mit dem Kopf!
Ein Schuhladen, großes Schaufenster, herrliche Auslagen.
»Wolln wir mal rein?« Wiebke schaute ihre Freundin beschwörend an, »nur kucken, ja?«

Die war sofort Feuer und Flamme: »Klar, bloß keine Hemmungen, wolln nur mal sehen, was es da Neues gibt, nich?«

»Sind die nich toll?« fragt Wiebke ihre Freundin, als sie gleich die roten Stiefeletten anprobiert,
»wie für mich gemacht!«

Antje hat gerade ein Paar hellbraune Stiefel in der Hand: »Boah, sind die schick!«
Wiebke dann: »Die passen dir wie angegossen!«
»Meinst du?«, fragt Antje. »Aber Super! Und was meinst du zu diesen Roten?«
»Ein Traum!«
Wiebke verdreht die Augen. »Und?«
»Da fragst du noch? Was kosten die? Is nich wahr, die Hälfte runtergesetzt. Is gebongt!«
»Bei mir auch, müssen wir fragen? Solche Gelegenheit kommt nie wieder! Also!«

Sie verlassen beschwingt und freudestrahlend das Schuhgeschäft.
»Ich hab auch nur die Hälfte gezahlt!«
Sie sind überglücklich und wie häufig, wieder der gleichen Meinung: 
»So kann man auch Geld sparen, nich?«

©by H.C.G.Lux

4. Februar 2020

Wer kennt die Namen, nennt die Zahlen?



Wem sagen die Namen: Geitling, Mausegatt, Finefrau, Wasserfall, Sonnenschein etwas? Wahrscheinlich sind es wenige Menschen, die damit etwas anfangen können. Es sind Namen von kohleführenden Flözen in der Gegend des Ruhrgebiets!
Dann gibt es noch die Namen: Kronprinz, Gottessegen, Blumenthal, Prinzregent, Rosenblumendelle, Vollmond, Dannenbaum, Helene - Ich denke, die Zahl derer, die diese alten Zechen heute noch kennen, werden sicher immer geringer werden. Es sind die Namen von alten Kohlebergwerken im Ruhrgebiet, die nur noch in der Geschichte oder dem Gedächtnis von alten Bergleuten existieren. 

Alte, zum Teil uralte Namen, die einst in vielen Gegenden das Gesicht der Städte prägten. Es sind diese Städte, die nach und nach durch den Steinkohlebergbau Ansehen erhielten, die Reichtum erwarben und nach dem Niedergang im 20./21. Jahrhundert zum Teil in Bedeutungslosigkeit versanken.
      
        Das Ruhrgebiet - früher volkstümlich einfach »Kohlenpott« genannt, war die Seele des Wiederaufbaus nach dem 2.Weltkrieg. Hier wurde der Grundstein gelegt zu einem Aufstieg, um den die Bundesrepublik Deutschland von vielen Ländern beneidet wurde.
        Seit dem 13.Jahrhundert wurde im Süden des heutigen Ruhrgebiets Kohleabbau betrieben, meist anfangs noch im Stollenabbau, bei dem waagerechte Stollen in den Berg hineingetrieben wurden.
Später zog sich der Abbau dann weiter nach Norden, da war der Abbau über Stollen nicht mehr möglich, weil die kohleführenden Schichten des Gesteins - die Flöze - immer tiefer im Berg verliefen. Es wurden Schächte senkrecht in den Berg »abgeteuft«, um auch hier an das begehrte »Schwarze Gold« zu gelangen! Bis zum Ende des Kohlebergbaus in Deutschland im Jahre 2018 wanderte dann das Abbaugebiet nach Norden bis nach Ibbenbüren am Teutoburgerwald.
      
          Wer im Steinkohlebergbau beschäftigt war, hatte damals einen sicheren Arbeitsplatz. Im Jahre 1957 waren über 600.000 Beschäftigte im Steinkohlebergbau tätig, 1990 waren es noch 130.000. Im Dezember 2018 wurde das letzte Bergwerk »Ibbenbüren« offiziell geschlossen, die Abbauteufe lag zuletzt
bei 1.335 m.

Bei Schließung dieser letzten Zeche waren noch etwa 600 Bergleute beschäftigt - zum Abschluss waren es noch 50! Damit war der deutsche Kohlebergbau endgültig gestorben.
        
     Wer im Kohlebergbau arbeitete, hatte stets mit mehr Risiken als an jedem Arbeitsplatz über Tage zu leben. Viele Unglücke zeugen von den Gefahren unter Tage. Kohlenstaub-Explosionen, Strebeinbrüche, Schachteinstürze Schlagwetterexplosionen, die Reihe könnte endlos fortgeführt werden. Es waren seit dem Jahr 1800, dem Beginn der Zählung, rund 4.500 Menschen, die allein durch Unfälle im Steinkohle-Bergbau des Ruhrgebiets ihr Leben ließen!
Vorüber. Vergangen. Vergessen? Hoffentlich nicht ...


©by H.C.G.Lux

1. Februar 2020

Die eisigen Gräber in der Ostsee


Beim Untergang der Passagierdampfers Titanic
am 14. April 1912 starben insgesamt 1.495 Menschen, nur 712 überlebten. Das Schiff war auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York, kollidierte mit einem Eisberg und sank im Nordatlantik.
Es war wirklich ein grauenhaftes Unglück, hundertfach in Szene gesetzt, verfilmt und global kolportiert!

Am 30.Januar 1945 wurde die »Wilhelm Gustloff« durch Torpedotreffer eines sowjetischen U.Boots versenkt, die Zahl der Opfer betrug 9.000 Flüchtlinge und verwundete Soldaten
Einige Tage später, am 9.Februar 1945 wurde die
»General v. Steuben« ebenfalls durch ein U-Boot versenkt, hier waren etwa 3500 Opfer zu beklagen
Das dritte große Schiff, das in den Fluten der Ostsee unterging, war am 16.April 1945 die »Goya«. Bei diesem Untergang waren es rd. 7000 Tote, im Wesentlichen verwundete Soldaten und Flüchtlinge, fanden dort ihr Grab in der Ostsee!
Besonders perfide und skrupellos finde ich es, dass die russischen U-Boot-Kommandanten später als Helden gefeiert und verherrlicht wurden! Welch eine Heldentat!
Dies waren jedoch längst nicht alle Opfer der Schiffsuntergänge zu den Zeiten der Flüchtlingstransporte über die Ostsee! Schätzungsweise verloren insgesamt 28.000 Menschen in diesen letzten Kriegstagen allein durch die Schiffsuntergänge ihr Leben!

Kaum eine Replik der späteren Jahre - bis auf einen schmalzigen deutschen Film - bezog sich auf diese Opfer, die dort ihr Leben ließen, während andererseits die Ertrunkenen der »Titanic« unablässig vor Augen geführt wurden! Alle Menschen sind eben gleich.
Manche allerdings ein wenig »gleicher«!

©by H.C.G.Lux

28. Januar 2020

Romantik gestern und heute ...


Wenn man heute den Begriff »Romantik« hört, denkt man mit Sicherheit an »Kerzenlicht, trautes Beisammensein, oder Sonnenuntergänge. Und doch sind die Liebesschwüre in Gedichtchen und die »Schmetterlinge im Bauch« etwas völlig anderes, als das, was Romantik eigentlich bedeutet! 
Ja - im Grunde genommen müsste man für das, was heute unter "Romantik" genannt wird, einen völlig neuen Begriff prägen!
Glückseligkeit, Leidenschaft, Euphorie kämen in Frage - treffen aber auch nicht das Ziel.

Romantik ist im Sinne des Begriffs etwas unbestreitbar anderes! Der Begriff hat sich seit 300 Jahren in vielfacher Form gewandelt. Romantik war eine literarische Epoche, die etwa von 1795 bis 1848 ihre hohe Zeit hatte. Der Begriff entstammt den französischen Wörtern roman, romance und bezeichnete Werke, die in der Volkssprache des jeweiligen Landes statt in Latein geschaffen wurden!
        Die Romantiker wandten sich von den Vorbildern der Antike ab und mehr der alltäglichen Sprache des einfachen Volkes zu. Ihnen fiel sozusagen die Aufgabe zu, die Welt zu romantisieren, d.h. geheimnisvoll zu gestalten. Sie lehnten damit die Lebensrealität der aufklärenden Zeit als auch die erzieherischen Anliegen der Klassik entschieden ab.

        Zwischen dem Ende des 18. und der Mitte des 19. Jh.  war für die Menschen in Europa das Leben von vielen sozialen Umbrüchen geprägt. 1789 brachte die Französische Revolution weitreichende Umgestaltungen innerhalb Europas nach sich. Auch der Fortschritt in Wissenschaft und Technik, der schon den Anfang des industriellen Zeitalters anzeigte, brachte große Verunsicherung für  die Menschen. Die Welt veränderte sich mehr und mehr. Die Verstädterung und die einsetzende Industrialisierung wurde nun von den Romantikern als 
herzlos, grau, und menschenfeindlich empfunden.
         Die Kritik an dieser Gesellschaft, die sie zunehmend nur als bloßes Streben nach Besitztum und Gewinn ansahen, wuchs in zunehmendem Maße. Nach dem Verständnis der Romantiker war die Welt zerrissen: auf der einen Seite die Welt der Vernunft, auf der anderen die des Gefühls. Um der gefühlskalten Welt zu entkommen, flüchteten sie in Fantasie und Mystizismus. Vor dem Hintergrund dieser Weltflucht wandten sich die Autoren der Romantik in verstärktem Maße den Märchen, Sagen und Volksliedern zu. Außerdem verehrten sie das Mittelalter und die Schönheit der Natur!
      Das Ideal, das sie anstrebten war eine Dichtkunst, in der Wissenschaft, Religion, Poesie und Prosa gleich verteilt sind; wo Epik, Lyrik, Dramatik über alle Grenzen hinaus miteinander verbunden werden.
      An Stelle von starren Grenzen sollte damals die romantische Literatur weltoffen sein und niemals vollendet werden können. Das bekannteste Motiv für die Romantik war die »Blaue Blume«.
Die Sehnsucht an sich wurde in dieser Epoche durch die »Blaue Blume« stilisiert, der Dichter NOVALIS griff dieses Thema erstmalig auf.
      Andere Motive dieser Zeit waren dann noch das Fernweh, die Todessehnsucht oder das Nachtmotiv. Gerade Letzteres war für viele Dichter besonders wichtig! Die Nacht symbolisierte nicht nur die Dunkelheit sondern auch das »Geheimnisvolle«, das Mysteriöse, sie galt auch als Quelle der Liebe. Und damit schloss sich dann der Kreis der Romantik!
        Wir sehen heute dieses Wort ein wenig anders. »Er/sie ist so romantisch!« Oder: »Es sind so romantische Verse!« Man spürt, dass die Bedeutung eine andere Gewichtung erhalten hat. Das ist bestimmt kein Manko, im Gegenteil; ich glaube aber, dass ich schon mal darüber nachdenken müsste, wenn ich dieses Wort sinngemäß benutzen möchte.


©by H.C.G.Lux

23. Januar 2020

Worte, die oft nicht ankommen!


Worte, die oft nicht ankommen!

Wer immer auch glaubt, richtige Worte zu einem aktuellen Thema zu finden, befindet sich mit Sicherheit auf dem Holzweg. Ohne Ausnahme wird er/sie umgehend eines Besseren belehrt werden.
(Aber ich denke -wow - welch ein großes Wort!) Also ich denke, dass ich trotzdem mit meiner Meinung, ob richtig oder falsch - nicht hinter dem Berg halten werde. Als ich 11 Jahre alt war, wurde der Jugend, also auch mir,  jede Meinung aufgezwungen. Auch Ich habe damals begeistert den Arm zum H-Gruß ausgestreckt - weil ich es nicht anders kannte! Und trotzdem würde ich mich niemals NAZISAU nennen lassen.

Ebenso wenig kann ich aber auch nachvollziehen, wie jemand von "Opferrolle" reden kann, der unsere unselige Geschichte nur aus der Schule kennt. (Und die dort auch "geschönt" wurde.)
Wer die Gräuel der Konzentrationslager als Märchen abtut, ist für mich hirnlos - dem ist nicht zu helfen und der sollte auch -verdammt noch mal - die Klappe halten!

Heute kann ich meine Meinung sagen, ohne dass ich früh am Morgen  aus dem Bett geholt werde und danach für immer verschwinde!
Ich lebe in einer Demokratie, der anfälligsten Staatsform, die es gibt; doch es gibt keine bessere. Und wer unsere Regierung - oft auch zu Recht - kritisiert, darf die gebotene Humanitas nicht außen vorlassen.
Mit feuchtem Dreck um sich werfen, sollte man getrost den Kleinkindern überlassen, die erfreut es ganz gewiss. Wenn Erwachsene das aber später fortsetzen, zeigt es nur, dass sie in einer Kleinkindphase steckengeblieben sind, über die man im Grunde genommen nur den Kopf schütteln kann. 

Ich jedenfalls möchte nicht wieder einer Diktatur nachlaufen müssen. Jedermann, der seine Welt heute einteilt in Rechts und Links, in Gut und Böse, sollte einmal darüber nachdenken, ob er selbst nicht von alledem einen nicht geringen Teil in sich trägt

Karl Jaspers, der Philosoph, prägte einst ein Wort, das es wert ist, als Fanal an jede Hauswand gesprayt zu werden:
Es darf keine Freiheit geben zur Zerstörung der Freiheit!

©by H.C.G.Lux

8. Januar 2020

"Quare verbis parcam? Gratuita sunt!"


Warum soll ich mit Worten sparen? Sie sind doch umsonst!
 (Lucius Annaeus Seneca (4 v.Chr. - 65 n.Chr.)


Schreiben ist ja im Grunde genommen keine schwierige Sache. Nee, wirklich, daran hapert es ja nicht. Das kann der Mensch oder er kann es nicht. Punkt. Wenn ein Mensch es nicht kann, ist es auch kein Thema, vielleicht ist es sogar besser, er muss sich dann keine weiteren Gedanken über den Textablauf machen. Die Freiheit lacht dann sozusagen vom weißen Papier!
Glaube ich nun aber, dass ich schreiben könnte, - die meisten der »Autoren« glauben es natürlich, - dann beginnt erst einmal das Problem, sein Autoren-Gesicht zu zeigen. Schön ist es natürlich, wenn das Hauptthema schon vorhanden ist, dann muss es nur noch in die richtige Abfolge gebracht werden. Was aber nun, wenn ich nicht weiss, worüber ich überhaupt etwas schreiben soll? 

         Da taucht nun zunächst einmal die Frage auf: Muss ich überhaupt schreiben? Was treibt mich denn dazu? Gut, so lange es nicht ausgedruckt wird, entsteht ja noch kein Schaden.
Na ja, vielleicht entsteht da solch eine winzige Spur einer transzendentalen Energie? Kann doch sein. Gut, ich frage ja nur!
        Warum mache ich das, ist es für das Universum wichtig? Lacht der Kontinent oder erbebt die Welt in all ihren Bestandteilen? Wundert sich der Staat über mein Statement, ärgert sich die Gemeinde?  
Oder kann es sein, dass meine Nachbarschaft erbebt? Nee, das glaube ich kaum. Ich würde die Antwort auf diese Frage auch nicht geben, selbst wenn ich sie wüsste. Vielleicht schreibe ich ja aus Rache an der derzeitigen Regierung? Vielleicht aber nur aus Spaß oder um meine philanthropischen Gelüste zu stillen?
        
        Im Grunde ist es ja auch nicht mein Problem. Wenn ich etwas schreibe, gibt es nur wenige Menschen, die ganz sachte gezwungen werden könnten, sich mit meinen Schreibereien zu befassen und mir dann sogar noch ihre sanften Kritiken unterzujubeln! Aber natürlich so vorsichtig, dass ich nicht noch eine Enttäuschungsspur im Universum zurücklassen müsste.

              Also allein mit der Frage nach dem ungewissen »Warum« ließe sich doch schon eine einzige Seite füllen, ohne dass auch nur der Hauch einer Antwort zu ahnen wäre. Das macht doch schon einen ungeheuren Spaß oder etwas nicht? Ihr könnt mir glauben, es ist eine ungeheure Provokation, wenn dieser leere Bildschirm da vor mir steht und mich so höhnisch anblinzelt! Wie, frage ich, soll man da einen konstruktiven weltverbessernden Gedanken fassen? Das ist schier unmöglich. Ja, natürlich, ich kann nun einen farbigen Hintergrund nehmen; ich hätte dann dem weißen Gegenüber den Wind aus den Segeln genommen.

         Aber nein! Hah! Ich stelle mich diesem Konflikt. Wäre doch gelacht, wenn ich da nicht die Oberhand behielte. Man sieht es ja auch: Es kommt etwas dabei heraus, weil Farbe allein nämlich gar nichts über das geistig Verbrochene aussagt. Seien wir doch mal ehrlich mit uns selbst, allein das Wollen ist nicht unbedingt das Nonplusultra des Schreibens, man muss wirklich ein wenig gedankliches Gewürz dazutun.
        Nee, du irrst, ich hab es nicht vergessen: Auch die Rechtschreibung hat noch ihren Stellenwert, wenn wir es nicht schon wussten, hält die PISA-Studie es uns jährlich vor Augen. Es ist schon grausam, den Menschen in einem kulturell hochstehenden Land immer wieder ihre Unzulänglichkeiten vorzuführen, ich fühle mich dann immer so minderwertig.
 
         Wenn ich nun meinen inneren Schweinhund überwunden habe, versuche ich zu schreiben! Lach bitte nicht! Ich fasse mich ja immer kurz, zu längeren Ergüssen reicht mein Gedankengut nicht, deshalb bleibe ich auch bei Kurzgeschichten! Ich falle sonst immer zurück in meine als Kind mühsam erlernte Rechtschreibmethode à la Sütterlin. Und die strotzt dann ja wohl in der modernen Zeit vor Fehlern.
          Das macht nichts, meinst Du? Irrtum! Wenn Du mal durch Foren und Chats Deine Streifzüge machst, wirst Du merken, dass Du mit Deiner Rechtschreibung völlig daneben liegst! Da siehst Du vor Kürzeln und Anglizismen überhaupt nicht mehr, in welcher Sprache eigentlich geschrieben wird!

        Entschuldigung, ich bin zu weit vom Thema abgekommen. Also ich war bei den Kurzgeschichten. Und da, Du wirst es kaum glauben, taucht schon die nächste Frage auf: was ist denn kurz?
Was ist denn bei einer Kurzgeschichte kurz genug?
Wo fängt kurz an, vielleicht bei einer Miniaturlänge, wo hört kurz auf? Vielleicht niemals, wie bei der Relativitätstheorie? 
Ja und dann, was ist eine Geschichte?
Also Geschichte hat mich früher immer sehr interessiert, aber diese  war ja auch nicht kurz, sie war stets solch ein kaleidoskopartiges bluttriefendes Monster, das die Sieger stets für sich entschieden.
        Nein, das ist ja auch keine Kurzgeschichte; stell dir vor, unsere Neolithikum-Vorfahren hätten schon auf ihre Steinplatten mit Hammer und Feuerstein Kurzgeschichten geschrieben - dann  könnten wir heute lesen, wie man einen Höhlenbären fängt oder ein Mammut jagt. Wäre uns das heute eine Lebenshilfe?
Sicher nicht. Siehst Du, ebenso hilft es niemand, wenn er meine Schreibversuche lesen muss. Also? Wozu bzw. warum? Altpapier gibt es schon zur Genüge, das muss ich nicht noch erweitern.
So viel bunt bedrucktes Hochglanzpapier gab es noch nie in der »Geschichte«!
        Also lasse ich dieses Problem eben Problem sein und wende mich meinem Privatvergnügen zu: Für mich selbst zu schreiben.
Wer sollte mich da aufhalten wollen? Vielleicht ein Festplattenabsturz ohne Back-up? Auch Humorverlust käme da infrage oder der Besuch meiner Erbtante, auch Alzheimer könnte da eine Rolle spielen.

          Aber so weit ist es noch lange nicht. Und deshalb muss die Welt, muss mein Land und die Gemeinde (auch die Nachbarn, die davon noch nichts wissen) damit leben, dass ich schreibe.
Ob sie es nun gut finden oder nicht, ich weiss es nicht, ist mir aber auch egal, völlig egal ...

©by H.C.G.Lux

29. Dezember 2019

Zum Neuen Jahr


Gleich nebenan, hinter den Wäldern
wartet voll Sehnsucht das Neue Jahr.
Mit vielen guten Wünschen bepackt
hoffen mit ihm blaue Träume.

Doch was in der Ferne als Himmel lacht,
erscheint in der Nähe oft neblig trüb,
der helle Sonnenschein am Morgen
wandelt sich abends zu trübem Schein.

Drum Mensch, bleib bescheiden,
so mancher Wunsch, schnell offenbart,
zeigt sich am Ende als drohendes Unheil,
es wäre dann besser ungesagt geblieben.

Gleich nebenan, über leere Gefilde
nähert sich nun das Neue Jahr.
Mit guten Gedanken voll beladen,
holt unsere Hoffnung es jubelnd herein!


©by Wildgooseman

19. Dezember 2019

Nicht vergessen - es geht dem Ende zu!


Nicht vergessen - es geht dem Ende zu!



Das Ende eines Jahres ist wieder erreicht. Jetzt ziehe ich mal wieder Bilanz. War 2019 das Glücksjahr, das mir unzählige »Horoskope« versprochen haben?
Nööö - es war wie immer: So lalala!
Die Stimmung auch, mal himmelhoch jauchzend, dann wieder zu Tode betrübt. Meist aber doch ziemlich zufrieden.
Schließlich lebe ich doch ein recht komfortables Leben - ohne Hunger und Not, nicht wahr?

Aber trotzdem, über dem Ganzen hängt irgendwie doch eine dunkle Wolke, die sich in der Dauer des Jahres mit mieser Politik, Parteigezänk, noch schlechterem Klima und Demonstrationen gegen dieses Klima -( als ob das Klima dafür etwas könne.) Heute demonstriert man ja einfach gegen alles, was Lisa und Hänschen nicht passt.
Diese Stimmung spiegelt sich natürlich auch in unzähligen Publikationen, Traktaten und Weissagungen wider, die da veröffentlicht werden. Da verkündet einer das Ende des Abendlandes, ein anderer sieht den Untergang der Demokratie vor Augen. Dann wiederum verspricht jemand, mittels Selbsthypnose könne Jedermann alles schaffen, was er will!
Dazu gibt es noch Videos und Bücher über die Selbstoptimierung von Körper und Geist!
Als Krönung dann noch die ganzen Heilsbotschaften aus unzähligen religiösen Kreisen.

Oha! Da denke ich bestürzt, wieder nicht gelesen, was wirklich wichtig ist?
Nun, das kann ich ändern: Nächstes Jahr geht es los damit, versprochen! Schließlich muss ich doch wissen, worauf es ankommt, oder? Wie stehe ich sonst da? Vielleicht als böser »Antichrist«, der die Welt nicht retten will?
Ich hab da eine Idee: Ich werde mit solchen Büchern und Videos nächste Woche meine Freunde beschenken!
Dann können wir in den Tagen darauf hervorragend darüber diskutieren und alles beschnacken, was es da zu lesen und zu sehen gab.
Und danach schaue ich dann, ob das Angepriesene bei den Freunden wirkt, dann sehe ich gleich, ob es Sinn hat …

Aber was ist, wenn meine Freunde das gar nicht lesen und die Menge des Altpapiers damit erweitern???
©by H.C.G.Lux

9. Dezember 2019

FRAGE




Verehrung

Wir verseuchen das Wasser

Wir verpesten die Luft
Wir verräuchern die Lungen
Wir verbrauchen das Herz

Wir verjubeln die Stille

Wir vertreiben die Zeit
Wir verscherzen die Liebe
Wir verraten den Traum

Wir verwerten die Werte

Wir verwalten das Heil
Wir verplanen das Morgen

Wir verehren - Gott?