12.9.22

Krieg ist kein Spiel


 

Ich bin in einer Familie groß geworden, die den Krieg gehasst hat. Dazu haben die Jahre 1914-18 und 1939-45 zu viele Opfer bei uns Menschen gekostet, die nichts weiter wollten, als in Ruhe und Frieden leben. Die Staatsführung war jedes Mal dagegen.

        Dennoch haben wir mit den Nachbarskindern »Krieg« gespielt. Wilhelmstrasse gegen Friedrichstraße, Oberstadt gegen Unterstadt. Und es ging manches Mal ganz schön zur Sache, blutige Nasen, blaue Flecken am ganzen Körper waren da an der Tagesordnung. Im »Jungvolk der Hitlerjugend« ging es danach munter mit dem »Kriegspielen« weiter, wir waren ausersehen, stets die Sieger zu sein!


        Meinen Opa habe ich nie wütend gesehen. Das jedoch waren Momente, wo er mich zornig ansah: »Krieg spielt man nicht!« Er bezahlte diese Aussage mit seinem Leben! Dieses Mal beglich er es an seine, wie er meinte, Freunde aus dem Nachbarland Polen, mit denen er vorher stets ein gutes Verhältnis hatte. Aber auch die Freunde konnten nichts daran ändern ...

    Zehn Jahre später war ich Soldat bei der Bundeswehr. Ich dachte oft an meinen Opa, doch ich war auch indoktriniert mit der Tatsache, dass »mein Feind« im Osten zu Hause wäre und ich »mein Vaterland« zu verteidigen hätte. Wobei der Herr Bundeskanzler noch etwas früher sagte, dass »kein deutscher Junge wieder ein Gewehr in die Hand nehmen sollte!«  Aber: »Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?«

    Mein Großvater hätte das bestimmt nicht gut befunden, und wenn er die Soldatinnen heute gesehen hätte, wären ihm sämtliche Gesichtszüge entgleist. Er hätte sie gefragt, ob sie so etwas ihren Kindern erklären könne!!

    Aber ich will darüber nicht rechten! Ich möchte nur sagen, dass entgegen aller historischen Aussagen Krieg kein Spiel ist! Die Munition in der Ukraine sind keine Zündplättchen aus den damaligen Spielzeugpistolen. Schon jetzt sind ganze Landstriche überall auf der Welt mit Kampfmitteln verseucht. Als es im Grunewald in den letzten Tagen brannte, mussten Weltkriegsbomben mit Wasser gekühlt werden, bei uns in Ostfriesland sucht man immer noch nach Sprengkörpern in den Flüssen.

       Evakuierungen wegen Kriegsbombenentschärfungen gehören 77 Jahre nach dem Krieg immer noch zu unserem Alltag. Wir vergessen es sehr leicht: Krieg hinterlässt Gefahr, Krieg ist kein Spiel, die Einsatzkräfte in den Kasernen der Bundeswehr wissen, wozu sie da sind.

Das Schlimme aber daran: Niemand - auf der ganzen unfriedlichen Welt, verdient am Krieg so viel, wie die Waffen-Industrie!

 

©by H.C.G.Lux  

2.9.22

Der Himmel über mir!

 



Wolkenbilder, gemixt mit den facettenreichen Wasserfarben in Blautönen hoch oben am Himmel. Coelinblau nennt der Maler diese wunderschöne Farben, “himmelblau”. Sie werden eigentlich nur übertroffen vom tiefen Blau des Meeres an südlichen Küsten.

       Es ist der Himmel über mir. Oft jedoch sehe ich ihn nicht, da ist er verborgen unter einem nebligen Dunst. Dieser diesig graue Schleier aus dem Bindemittel Wasser und den Farb-Pigmenten der Sonne gemischt nimmt mir oft die Sicht auf die großartigen Farben des Firmaments. Dieser Himmel über mir ist immer da, wenn auch manchmal verborgen. Aber ich ahne ihn, und deshalb ist auch die Sehnsucht nach den Sonnentagen, nach dem blauen Himmel und den weissen Wolken immer vorhanden.



       Diese alte Laterne ragt hoch hinauf in den Himmel, als wolle sie ihn erreichen. Irgendwie strahlt sie eine Sehnsucht aus, eine Begierde nach mehr. Ich identifiziere mich mit dieser Laterne. Fest in der Erde stehend und doch ständig hinaufstrebend, mitten hinein in diese dahinsegelnden Gebilde. Sinnloses Verlangen nach blauer Ferne und dem, was dahinter liegt...

 

»Mit euch zu wandern über Ozean und Kontinente, 

mit euch zu reisen durch azurne Himmelshöh’n,

mit euch zu überwinden, was die Menschen immer trennte,

und nie mehr einsam in der Nacht nur zu den Sternen seh’n «

       So dichtete ich einmal als halbwüchsiger Junge, als mich wieder einmal das Fernweh gepackt hatte. Ich liebe die Wolken, die bizarren Gebilde, die sich ständig und unaufhörlich verändern. Und ich mag das Blau des unendlichen Himmels, das zu jeder Tageszeit eine andere Farbnuance zeigt.

       Und dann stand ich irgendwann einmal mitten drin in dieser so schneeweißen Watte der Wolken. Auf dem Gipfel eines Berges sah ich hinab auf diese Gebilde, die ich von unten so bewunderte. Ich stand mitten in diesen Wolken und hätte nun glücklich sein müssen.  Aber meine Enttäuschung war riesengroß! Ich sah nichts anderes, als genau die graue, diesige Nebelwand, die ich unten im Tal so verabscheute! Das Gipfelkreuz, das mir im Tal so als erstrebenswertes Ziel erschienen war, sah nun aus der Nähe ziemlich gewöhnlich und arg ramponiert aus. Keine Spur vom Streben in höhere Regionen. 

       Unser Leben ist solch ein Himmel. Ein eigener Himmel unter einem anderen Himmel! Aus der Ferne gesehen sieht alles wunderschön und begehrenswert aus. Die Nähe zeigt dann erst die Realität, den Alltag, das Leben im täglichen Kreislauf. Es ist dann oft wie ein Traum: Erwacht man daraus, findet man sich nicht mehr zurecht.

       Aber ich träume weiter. Ich bewundere weiter den Himmel und die Wolken, die bizarren Gebilde, die ich auch anders kenne. Wer mir meine Illusionen nehmen will, tötet mich. Himmel, Wolken, Träume, Nebel und Dunst- alles gehört zusammen! Auf ewige Zeit...

 ©by wildgooseman

30.8.22

Altsein - Plus oder Minus?

 

Eine reichlich verzwickte Frage. Da sollte man zunächst klären, was denn »alt« ist. Da käme zunächst der Gedanke »älter als«, der zum Nachdenken reizt. Was wusste ich damals, vor unendlich langer Zeit, vom »Altsein«? Wusste ich seinerzeit schon, was ich alles nicht mehr können würde? Und ist alles, was heute schwierig ist, denn unbedingt so wichtig, dass ich darüber traurig sein müsste?

Ich meine: Nein! Vieles ist doch nur Gewöhnung an frühere Zeitspannen. Ich bin überzeugt, dass Nachsinnen keinerlei Perspektiven für die Jetztzeit bringt.
Habe ich früher besser gelebt? Unruhiger sicher, ich bin froh, dass mein DASEIN nichts mehr mit Hetze und dem Drängen nach »immer mehr« zu tun hat; dass ich heute lebe und das wirklich noch kann, was ich auch möchte!

Bedaure ich es, alt zu sein? Nein - niemals. Jetzt sind die Jüngeren am Zuge, die, die alles mit anderen Augen betrachten, die irgendwann zum gleichen Schluss kommen werden (oder auch nicht?) wie ich heute. Ich gönne jedem sein Dasein, sein Leben. Er oder sie sollten nur zwischendurch einmal nachdenken, dass nichts so bleibt, wie es ist - alles geht den Weg des Lebendigen. Und die Angst davor, irgendwann nicht »mehr da zu sein« begleitet doch meist die Menschen aller Genres immer wieder.

Dass dann das Buch des Lebens zugeschlagen wird, unvermittelt und meist ohne Vorankündigung, muss niemand erschrecken: Es ist doch das Gesetz vom Baby-Alter an. Das Dumme ist dabei, dass jeder es weiss, aber keiner es wahrhaben will.

Ich schreibe dies, weil ich das Leben kenne, sei fast 89 Jahren kenne. Ich liebe das Leben - jedoch weiss ich um meine Endlichkeit, und das ist gut!

 

©by H.C.G.Lux

26.8.22

 





Nachfolgendes Gedicht schrieb Anfang des 19.Jh. 
Johann Peter Eckermann,
(*1792, Winsen/Luhe - ϯ 1854 Weimar)


Heimat
- (die drei letzten Verse)

Mich trieb mein Stern voll Unruh weit umher,
Von Weisen lernt' ich, war am Fürstenthrone;
Ich stand am Po, am mittelländ'schen Meer,
Am See Venedigs, trank die Flut der Rhone;
Ich sah den Rhein, die Maas, der Nordsee Welle,

Du flossest ruhig fort an kleiner Stelle.*)
Wie zu beneiden scheinet mir dein Los!
Was hab' ich denn erreicht? –
Doch laß mich schweigen.

Die Sonne sinkt hinunter still und groß,
Der Tag mit seinem Leben will sich neigen.
Der müde Wandrer, lang' umhergetrieben,
Ruht bald erquickt am Herzen seiner Lieben.

*) (Gemeint ist die Luhe, der kleine Nebenfluss
der Ilmenau, die dann danach in die Elbe mündet.)

Johann Peter Eckermann, ein Name, der stets in einem Atemzug mit J.W.v.Goethe genannt wird. Eckermann, wer war er, wie haben wir ihn uns vorzustellen? Nur ein Adlatus, der dem großen Dichter stets zur Hand ging? Oder war er ein Mensch, der durch seine Stellung auch dazu beitrug, dass der große Meister in seiner eigenen stets gestärkt wurde? Als treuester Mitarbeiter trug er mit seinem Redigieren der Texte viel dazu bei, dass Goethe in Europa einen beeindruckenden und entscheidenden Einfluss auf das europäische Geistesleben bekam. Er war ein enger Vertrauter und Bewunderer  Goethes. Um ihn zu treffen, reiste er 1823 erstmals nach Weimar, Goethe war damals bereits 73 Jahre alt, Eckermann 31


Eckermanns Lebenslauf

liest sich wie ein Abenteuerroman. Er wird in Winsen/Luhe geboren, zieht mit seinem Vater, der hausierender Händler ist, durch die Lande, geht nur unregelmäßig zur Schule und wird dennoch nach seiner Konfirmation Amtsschreiber in Lüneburg, Uelzen und Bevensen. 1813 hat er als Kriegsfreiwilliger in den Niederlanden Kontakt zur niederländischen Malerei. 1815 beginnt er eine Ausbildung als Kunstmaler, besucht dann kurzzeitig das Gymnasium und beschäftigt sich erstmalig mit der Literatur.

Veröffentlicht seinen ersten Gedichtband, übersendet 1821 Goethe ein persönliches Exemplar! Eckermann arbeitet an einem Drama »Graf Eduard« - das jedoch unvollendet bleibt und auch nie veröffentlicht wird. Er lebt dann in Empelde (bei Hannover), wo er als freier Schriftsteller tätig ist. Er übersendet Goethe sein Manuskript »Beiträge zur Poesie«; es wird 1823 auf dem Buchmarkt erscheinen.

1831 folgt die Eheschließung mit seiner langjährigen Verlobten Johanne Bertram. (Sie stirbt bereits 1834 mit 32 Jahren)

Es folgen viele Reisen innerhalb Deutschlands und Europas. Auf Betreiben Goethes erhält er die Ehrendoktorwürde der Universität Jena.
1832 stirbt Goethe, vorher hatte er ihn 1831 als Herausgeber seines literarischen Nachlasses eingesetzt.

Bis zu seinem Tode 1854 bedrückte ihn stets quälende Armut und ein schlechter Gesundheitszustand, zeitweilig gelindert durch diverse Mäzene, die ihm verschiedene Kur-Aufenthalte ermöglichten. Er wurde in seinem Leben mit vielen Ämtern bedacht - die aber keinerlei finanzielle Auswirkungen hatten. Eckermann stirbt bitterarm im Alter von 62 Jahren. Er wird neben der Fürstengruft in Weimar auf dem Historischen Friedhof beigesetzt.

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Es ist ein Bild eines sehr begabten Menschen, der durch missgünstige Verhältnisse nie das werden konnte, was er wollte. Eine sehr große Rolle spielte dabei aber auch die frühe Hinwendung zu Goethe, die seine Talente fest banden, zu Lebzeiten des großen Dichters brachte das zwar erhebliche Vorteile für ihn, dafür war er aber sehr an ihn gebunden. Eckermann störte das nicht, weil er Goethe verehrte; dennoch schränkte ihn die persönliche Entscheidungsfreiheit in jenen Jahren doch unbewusst ein.

Gleichartige Verhaltensweisen lassen sich bis in die heutige Zeit mannigfaltig finden. Vielleicht brauche große Geister auch ebensolche, damit sie an ihnen wachsen können?


H.C.G.Lux

Der Farbenspieler

 




Franz Lenbach (1882- 1941, der Hirtenknabe

Schon seit Langem störte mich
die blendendweiße Leinwand
auf meiner alten Staffelei.
Drum fasst ich mir ein Herz
und mischte meine Farben
enthusiastisch und voll Fantasie:

Das Chromoxidgrün mischte ich
mit Kassler Braun zu einem
wunderschönen Erdenton.
Ein wenig Gelb mit Grün noch
für die Sonne auf den Wiesen,
mit dunklen Schatten ausgefüllt.

Pariser Blau mit lichtem Ocker
gepaart für dunklen Tannenwald;
magentaroter Abendschein
hinter der braunen Fischerhütte
am kleinen Umbragrünen See
vollendete die namenlose Pracht.

Wie von selbst lief da der Pinsel,
über freie Flächen, sie zu füllen,
gestaltete die Farben, Formen
und zum zauberhaften Farbenspiel
verliefen die Gedanken sich
mitten hinein in dieses Bild.

©by H.C.G.Lux

24.8.22

Ich bin

 


Es ist ein grauer Tag nach all der Sommersonne, feiner Nieselregen erfüllt die Luft mit einem nasskalten Anklang. Während ich mir John Clares Gedichte zu Gemüte führe, sehne ich mich nach jener Zeit (1793-1864), in der sie entstanden sind, zurück. 

Wirklich? Ist es so erstrebenswert, diese enormen Klassenunterschiede des damaligen französischen Königreiches herbeizuwünschen? Sicher nicht, solche Wünsche sind.

In dieser Übergangszeit zwischen den Welten, als in Frankreich die große, zum Teil auch erschreckende Revolution ihren Anfang nahm, als Louis XVI. und Marie Antoinette versuchten, das Leben der Menschen noch stärker zu beeinflussen, begann auch die romantische Bewegung in Europa.

 »Ich bin! Doch was ich bin -
mag's keiner wissen?
Im Stich gelassen und
gefallen aus der Zeit.«

John Clare hat hier mit seinen nostalgischen Anwandlungen mitten in ein Wespennest gestochen. Welche Zeitläufte der Dichter damit meint, tut er uns nicht kund. Es scheint dabei, dass jenes eigene Dasein, dessen er sich rückblickend erinnert, doch Zweifel aufkommen lässt, lebenswert gewesen sei. Später fragt er weiter, und mit diesem Fragen erschliesst sich ein weiteres Feld der Fragen nach dem Sein.

»Und was ist Leben? 
Eine Sanduhr auf der Flucht,
ein Nebel, der sich löst
in Sonn' und Wind,
ein
immer wiederkehrender Traum,
der stets geträumt sein muss.
Und Glück? 
Eine Blase im Strom,
die beim Ergreifen in ein
Nichts zusammenschrumpft«

Ein Nichts! Was bleibt von Träumen? Wie ein Luftballon in den Himmel steigt, irgendwann , in irgendeiner Höhe, zerplatzt er.

Wir alle leiden doch an Nostalgie, mehr oder weniger ist jeder Mensch dazu verurteilt, sich zu erinnern oder auch manches zu bereuen, doch wir bleiben immer darin verstrickt, im Sinne des natürlichen Ablaufs unseres Lebens.

Falsch oder nicht, wir haben zu allen Zeiten Träume gewebt, haben Gespinsten nachgetrauert, von denen alle wussten, dass sie nie in Erfüllung gehen könnten! Wir ersehnten immer eine wirkliche Zukunft - eine Brücke zwischen heute und morgen, ohne Abkürzung, ein Weg, auf dem wir sicher entlangwandern könnten.

Dieser Weg sollte ohne Bangen sein, ohne Angst vor zukünftigen Taten, ohne das widerspenstige Schwert einer unsicheren Welt.

Und dann? Wie drückte John Clare es aus:
»Eine Blase Luft in einem Strom!«

©by H.C.G.Lux



18.8.22

Es gibt keine Abenteuer mehr

 

 
Vor einigen Tagen hörte ich beiläufig, wie ein Bekannter meinte, es wäre gar nicht mehr möglich, echte Abenteuer zu erleben. Er erhielt auch prompt viel Zustimmung zu dieser Meinung. Ich war doch etwas erstaunt und habe lange über diese Aussage nachgedacht!

Ist das wirklich so? Gibt es nur noch die beiden Alternativen Langeweile oder Nervenkitzel. Ich mag das einfach nicht glauben. Ist nicht jedes wirkliche Leben schon für sich gesehen immer auch ein Abenteuer? Aber: Hat nicht solch ein Abenteuer auch immer einen Preis? Abenteuer erleben heißt immer, auf etwas anderes verzichten! Ruhe, Geborgenheit, Nestwärme; manchmal auch auf Freunde und liebe Verwandte, oft genug auch auf Liebe! Es ist doch einleuchtend: Wenn ich mir da stets alle Möglichkeiten offenhalten will, erlebe ich doch keine Abenteuer! Denn Eines ist sicher dabei: Abenteuer kosten Mühe, Schweiß und Wagemut, Strapazen und Anstrengungen.

Ich muss mich aufraffen, diesen Weg zu gehen, muss mich jeden Tag auf etwas Neues einlassen., muss meinen inneren Schweinehund überwinden und die Bequemlichkeit hinter mir lassen. Abenteuer bedeuten für mich aber auch Offenheit. Ich muss mich dem Leben, auch dem Unbekannten öffnen, muss bereit sein, auch Schmerzen des Lebens zu ertragen. Schmerzen und Trauer, die ich nicht hätte, wenn ich hinter dem Ofen sitzen bliebe. Ich darf auch vor Enttäuschungen nicht zurückschrecken. Ich darf auch vor nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten nicht einfach das Handtuch werfen! Wenn ich ein Abenteuer, dieses Abenteuer des Lebens suchen will, gibt es doch nur eine Möglichkeit: Ich muss aktiv werden! Und zwar dort, wo ich mich gerade befinde. Und das kann eben überall sein.

Abenteuer kann ich nicht im Supermarkt kaufen oder an der Tankstelle, selbst Amazon hat das Lebensabenteuer für mich nicht in seinem Programm! Ich muss also aktiv werden. Aktiv werden heißt aber: Nicht darauf warten, dass dieses Leben mich findet, sondern es selber suchen. Und dazu muss ich dann aber auch bereit sein!

Ich selbst habe stets das Abenteuer dort gefunden, wo ich es nicht suchte. Meist fand es mich! Ich würde um alles in der Welt nicht auf diese Lebensabenteuer verzichten wollen, und selbst die Erinnerung kann ich immer wieder auskosten. Abenteuer gehören zum Leben, zu jedem Leben. Jeder von uns hat seine eigenen Abenteuer zum Auskosten. Heute, morgen, übermorgen. Aber nur nicht zu lange warten!

Irgendwann findet Dich das Leben nicht mehr. Und dann ist es zu spät ...

©by H.C.G.Lux



Ich will!

 



Ich will hören, sehen.
Was in mir ist, was mit mir ist.
Nein, nicht das, was dort war, 
was vielleicht sein sollte.

Zu sagen, was ich denke.
Nicht, was ich denken sollte!
Nicht, was ich sagen sollte,
Was andere hören wollen.

Denn das bin ich nicht,
Das war ich auch nie.
Ich will fühlen, mitfühlen.
Was ich fühle, ist Leben.

Und nicht, was ich fühlen sollte!
Ich will selber fragen,
Was ich möchte und nicht
Um Erlaubnis bitten müssen!

Ich möchte wagen,
Was mich reizt zu wagen.
Ich will nicht immer nur
Sicherheit wählen.

Einfach ausprobieren!
Ja, das will ich. 
Und das mache ich.
Auch wenn alles schief geht!

©by H.C.G.Lux

16.8.22

You don’t speak english?

 



Früher dachte ich oft, ich müsste mehrere Fremdsprachen lernen. Das wäre doch toll, man kommt sich selbst so gelehrt vor. Gelehrsamkeit ist doch auch etwas Anstrebenswertes. Alle meine Kinder und Enkel können mehrere Fremdsprachen. Nur ich nicht. Also dachte ich, ich müsste lernen, lernen und nochmals lernen.

Aber über »Io sono d´alla Germania« und »il conto, per favore« bin ich in Verona nicht hinausgekommen.

        Wenn ich dann in Paris alles einfach mit »très bien« beantworte und mir das Bitten mit »S'il vous plaît« auch leicht gemacht wird, hört bei mir die Fremdsprache schon auf. Muss ich mehr können? Ich spreche doch deutsch! Ja - zugegeben, das ist gar nicht so einfach.
Heute, wo bei uns jeder ›Denglish‹ spricht, kommt man sich ganz rückständig vor, wenn man ›Deutsch‹ redet.
          Aber ich spreche nun mal deutsch. Und vielleicht auch besser als mancher Deutsche. Es gibt ja leider Deutsche, die von Ausländern, die Deutsche werden wollen, eine Sprachprüfung verlangen, bei der sie selber unweigerlich durchfallen würden. So können sie durchaus froh sein, dass sie in Deutschland geboren sind(!) und damit ihr Recht Deutscher zu sein so erworben haben!

        Wir sollten es den Engländern abgucken: Die machen es nämlich genau anders! Fremdsprachen lernen ist für die meisten unter ihnen völlig unter ihrer Würde. Schließlich sind sie ja eine Großmacht mit ihrem früheren riesigen Commonwealth-Verband. Ihre Sprache ist ja die beherrschende Sprache auf der Welt.

        Alle sind Untergebene in ihren Augen, die nur ihrer Königin zu dienen haben. Ich kenne einige Partnerschaften mit Engländern, wo sich kaum einer von ihnen bemüht, die Sprache ihrer Partner wenigstens etwas zu sprechen. Ihre "Partner" haben gefälligst Englisch zu lernen, wenn sie mit ihnen Kontakte pflegen wollen.

        Siehst du, und deshalb spreche ich deutsch. Ja, ja, ich weiss, manchmal kommt man ohne die übernommenen Wörter aus anderen Sprachen einfach nicht aus. Weil man dann halt nicht verstanden wird. Wenn mein Friseur plötzlich »Haircutter« heißt, und mich fragt jemand nach einem solchen, dann kann ich ihm keine Antwort geben, auch wenn ich direkt davor stehe!

        Sprachen verändern sich ständig, schon seit Hunderten von Jahren ist das so. Kaum ein Engländer beispielsweise versteht heute noch das »English«, das einst Shakespeare sprach oder schrieb. Oder anders herum: Wenn ich in meiner Kindheit zu meiner Mutter gesagt hätte: »Pah, du siehst ja geil aus!« Was glaubst du, wäre da wohl passiert?

        Alles ist im Fluss. Nicht immer zum Vorteil der Sprache. Aber das muss es auch nicht. Trotzdem sehe ich es als vorteilhaft an, wenn ich nicht die Sprache der jugendlichen Mitmenschen von heute ausnahmslos übernehme.
              Die deutsche Sprache wird schon seit Langem von einer Unzahl unnötiger und unschöner englischer Ausdrücke überflutet. Die Werbung bietet Coffee to go oder Joghurt mit weekend feeling. Im Fernsehen gibt es History, Adventure oder History Specials.
Wir schmieren uns Anti-ageing-Creme und After-shave ins Gesicht oder sprühen styling ins Haar. Bei der Bahn gibt es nur noch tickets, und den service point - und so geht es weiter durch all unsere Interessen. Manche Leute finden das cool.
          Andere - ich denke die Mehrheit der Menschen in Deutschland - ärgern sich über die überflüssigen englischen Brocken und sehen darin eine verächtliche Behandlung der deutschen Sprache. Es ist in der Tat albern - und würdelos, Wörter wie "Leibwächter", "Karte", "Fahrrad", "Nachrichten" oder "Weihnachten" durch bodyguard, card, bike, news oder X-mas zu ersetzen.
Kinder heißen doch bei uns noch Kinder und es sind keine »Kiddys«! Aber es würde den Rahmen dieses Themas sprengen, hier noch mehr dazu zu schreiben.

Ich jedenfalls werde mich mit dem Denglish niemals anfreunden. Mir reicht das einfache Deutsch meiner Tage. Damit habe ich mich noch immer verständigen können.

Wem das nicht reicht, der darf gern denglisieren ... 

 ©by H.C.G.Lux

15.8.22

Ein Stimmungsbild

 





Am Morgen streift ein kühler Wind 
über Wald und Auen.
Wolkenbilder hängen wie Gemälde 
am lichtblauen Firmament.
Von fern her tönt wie Flötenklänge
einer Amsel fröhlicher Gesang.
Zwischen kahlen Zweigen
hängt der rote Sonnenball.

Zur Tagesmitte ruht der Wind
über grünbraunen Feldern aus. 
Eine Kette wilder Gänse
zieht mit hellem Schrei
übers Land dem Fluss entgegen.
Ein Sonnenstrahl 
bricht durch die Wolken.
Es riecht nach Regen.

Abend wird’s, die karminrote Sonne
sinkt hinter schwarzen Wäldern
in die Unendlichkeit der Nacht. 
Alle Blüten schließen ihre Augen.  
Stille breitet sich weit übers Land.
Die Sichel eines bleichen Mondes 
zieht nebelschleiergleich
durch alle Zweige.

©by H.C.G.Lux



Krieg ist kein Spiel

  Ich bin in einer Familie groß geworden, die den Krieg gehasst hat. Dazu haben die Jahre 1914-18 und 1939-45 zu viele Opfer bei uns Mensc...