18. Oktober 2020

Sebastian Haffner?

                     

                           Wer war das noch gleich? - Haffner, Haffner?




Sebastian Haffner, der Name ist wohl nur noch wenigen unter uns bekannt. Er war seit seiner Rückkehr aus der Emigration in England ein sehr bekannter Journalist, Publizist und Schriftsteller. Gestorben ist er 1999 im Alter von 92 Jahren. Ich lernte seine Veröffentlichungen schon sehr früh kennen und schätzen, sein 1973 erschienenes Buch »Von Bismarck zu Hitler« zog mich damals schon in seinen Bann. Bis heute hat dieses Buch nichts von seiner Bedeutung verloren. Wie keine zweite Darstellung über den Nationalsozialismus leisteten die «Anmerkungen zu Hitler» für mich einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis deutscher Vergangenheit – und damit auch unserer Gegenwart.

 Ich lernte diesen Mann unter seltsamen Bedingungen persönlich kennen, nachdem ich schon einige seiner Veröffentlichungen gelesen hatte, ihn auch schon mehrfach im TV sah, z.B. beim damals beliebten »Frühschoppen mit Werner Höfer« in der ARD.

 Eines Morgens stand ich auf dem Bahnsteig in Hamburg-Bergedorf, als ich in die Innenstadt von Hamburg fahren wollte. Beim Warten auf die nächste S-Bahn fiel er mir auf, sein ausdrucksvolles Gesicht war unverwechselbar. Von seinem Outfit konnte man nicht unbedingt ablesen, welch eine Koryphäe zufällig neben mir stand. Ein unscheinbarer »Staubmantel«, (wie man diese Form damals nannte) zu einem grauen Anzug, eine nachlässig gebundene Krawatte, zeigte mir an, dass Mode nicht unbedingt ein überaus wichtiges Accessoire für ihn zu sein schien.

 Als wir so einige Zeit nebeneinander auf den Zug aus Richtung Aumühle warteten, konnte ich es mir nicht verkneifen, ihn immer wieder anzuschauen. Ich weiß natürlich heute, nach 40 Jahren, dass dies ein völlig ungehöriges Benehmen war; damals jedoch war ich so beeindruckt von ihm, dass es mir anscheinend gleich war. Jedenfalls sah Herr Haffner mich plötzlich an.
»Gefällt Ihnen meine Nase nicht? Oder ist es der Bart, der Sie stört?«

Ich war in dem Augenblick völlig konsterniert und stotterte irgendetwas vor mich hin.

 Dann lachte er herzlich auf, wahrscheinlich, weil er mein verdattertes Gesicht sah. Ich entschuldigte mich für mein unmanierliches Verhalten, doch mit einer kleinen Handbewegung, so als wische er ein paar Krümel vom Tisch, meinte er dann »Papperlapapp, da bin ganz anderes gewöhnt«, ging er darüber hinweg. Wir schauten beide in die Richtung, aus der unser Zug kommen sollte. Eine Lautsprecherdurchsage informierte dann aber die Wartenden, dass der Fahrplan etwas durcheinander gekommen sei und wir noch zehn Minuten Geduld haben müssten.

 Herr Haffner wendete sich mir wieder zu:
»Was soll’s. Die Zeit läuft so und so weiter. Vielleicht muss es so sein? Ist es nicht möglich, dass das Schicksal es so fügt? Oder wissen Sie es genau, warum Sie mich so fragend anschauten?«

      Ich schüttelte den Kopf. Was hätte ich auch sagen können? Allmählich war meine Befangenheit aus meinen Gedanken gewichen. Urplötzlich befanden wir uns in einem interessanten Gespräch, wie ich es bisher selten geführt hatte. Wir teilten unsere Ansichten über unser Dasein und die unendlichen Möglichkeiten, die uns das Leben bietet, die wir jedoch selten nutzen, weil sie nicht rechtzeitig erkannt werden. Es war für mich, den bisher stets auf dem realen Hintergrund des Lebens stehenden Menschen, eine interessante Erfahrung, meine eigenen Ansichten von einer ganz neuen Denkweise aus zu betrachten. All das spielte plötzlich eine völlig andere Rolle in meinem Gedankengang, als ich es zuvor sah.

 Es war eine Art der Prädestination, der ich bisher den Vorrang gab für alles, das meinen eigenen Lebenslauf bestimmte. Unverhofft, völlig ohne Vorwarnung, war bei mir eine Veränderung eingetreten, die ich so schnell nicht begreifen konnte. Ich entwickelte einen Sinn für das »Lesen zwischen den Zeilen«, das für mich etwas Neues war.

 Ich verstand nach unserem Dialog, warum einige Historiker nach Haffners Rückkehr nach Deutschland geradezu manisch versucht hatten, ihn von dem Sockel zu stoßen, auf den er sich ganz bestimmt nie gestellt hatte! Was machte seine »Geschichte eines Deutschen« beispielsweise so unbequem, dass man Angst vor den Aussagen hatte?

 Ich fragte ihn damals genau nach diesem Punkt, weil der mir besonders aufgefallen war. »Ja«, meinte er dazu, »Vielleicht war es der unbequeme Beweis, dass man alles, was geschah, schon früher hätte wissen müssen? Wissen Sie«, sagte er dann, »ich war kein Engländer in der Zeit, als ich dort lebte, ich sprach ein schauderhaftes Englisch, jeder erkannte gleich, dass ich Deutscher war.« Er lächelte verschmitzt.

 Bei unserem lebhaften Gespräch hatten wir beide vollkommen übersehen, dass wir inzwischen an der
S-Bahn-Station Krupunder angekommen waren!
Und Krupunder liegt etwa so weit vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt, wie unser Einsteigbahnhof Bergedorf! Was war geschehen? Wir hatten während unseres äußerst lebhaften Gesprächs vergessen, am Ziel, dem Hauptbahnhof, auszusteigen!

 Das Gute daran: Nachdem wir ausgiebig über dieses Versäumnis gelacht hatten, blieb uns nochmals etwas Zeit, das Gespräch zu verlängern. Der Abschied danach war herzlich, fast freundschaftlich. Ich sah Herrn Haffner nie wieder, aber er wird mir immer in Erinnerung bleiben!

 ©2020 by H.C.G.Lux

3. Oktober 2020

Es ist still geworden

 (Rekonstruktion von 2017)

Als er in der Frühe wieder zu ihr kommt, hat der morgendliche Ablauf schon seinen Anfang genommen. Wie jeden Morgen singt Maria mit ihrer wunderschönen glockenhellen Stimme ihr Lied und die Menschen im Speisesaal hören ihr begeistert zu. 

 Alle Schwestern und Patienten kennen dieses eintönige, unharmonische Lied, es beginnt und endet immer mit dem gleichen Ton. Dieser Ton verklingt zwar schnell, ist jedoch unterschwellig immer hörbar, ohne dass ein Nachhall die Resonanz stört. Irgendwann wird der letzte Ton zum Schweigen gebracht, ist nun nach zahllosen Wiederholungen unhörbar geworden. Dann tritt für lange Zeit eine Stille ein. Es ist eine erbarmungslose Stille, sie eroberte den Raum sehr schnell wieder zurück. Maria verbeugt sich nach allen Seiten, wirft hier und da eine Kusshand in den Saal und setzt sich dann an ihren Frühstückstisch.

Dann schweigt sie. Es ist, als wäre der Stundenschlag der Glocke verhallt und ruhte sich nun aus für den nächsten Auftritt. Die wunderschönen blauen Augen der Frau leuchteten früher stets in leidenschaftlichem Glanz, jetzt sind sie stumpf geworden, blicken rastlos im Raum umher. Ihre ziellosen Blicke verursachen ein Chaos in seinen Gedanken. 
Sie schaut ihn an, aber sie sieht ihn nicht. Sie erzählt etwas und weiß doch nicht, was sie sagt. Sitzt dann vor ihrem Teller und kann allein nichts damit anfangen. »Mutti« nennt sie die Nachtschwester und erzählt ihr, dass ihr Bruder sie geschlagen hätte. Ihre Worte sind keine Sätze mehr, nur halb verständliches Kauderwelsch.
Jeder dieser emotionale Momente bringt seine Gedanken ins Ungleichgewicht, baut sich zeitweilig auf zur Aggression, um kurz darauf in eine tiefe Mitleidsphase zu versinken. Er will mit ihr zusammen sein, ja, aber er kann sie nicht mehr erreichen.
Sie lächelt ihn an, ein leeres Lächeln, das nichts weiter bedeutet. Er versucht daraufhin, ihr etwas Liebes zu sagen, sie versteht es nicht, nickt nur mehrmals heftig mit dem Kopf. Ihr Blick verrät ihm, dass sie nichts verstanden hat.
Trauer macht sich in seinem Gemüt breit, wie stets in solchen Situationen drückt sie sein eigenes Ego völlig an den Rand des Daseins. Maria ist nicht mehr seine Maria und doch ist sie seine Frau, die er so sehr geliebt hat und immer noch liebt. Er wünscht sich nichts mehr, als in ihre Welt eindringen zu können, sie zu verstehen, wie er sie in all den Jahren ihres Zusammenseins immer verstanden hat.
Doch sie ist ihm entglitten, ist nur mehr eine leere Hülle, ihre Seele hat sie schon längst verlassen. Er muss einfach akzeptieren, dass ihrer beider Herzen nicht mehr im gleichen Takt schlagen, sondern getrennt voneinander in verschiedenen Existenzen leben.
Welch eine Wahrheit, welch eine unselige Gewissheit wird hier offenbar. Wie weit reicht Liebe? Kann sie den Tod überdauern? 
Ja, vielleicht. 
Kann sie aber einem Leben so viel Energie schenken, dass sie auch weiterhin, trotz einseitiger Zuwendung, bestehen bleibt? Fragen, die kaum jemand beantworten kann.
Maria ist seine Frau. Gewiss. Aber sie ist ein anderer Mensch. 
Er liebt sie auch weiterhin, aber er liebt einen Menschen, der einmal war und nun nicht mehr der Gleiche ist, nie mehr sein wird. 
Um diese Diskrepanz zu begreifen, wird er noch lange Zeit brauchen. Diese frühere Zeit ist auch nicht mehr rückholbar, damit muss er leben. Dieses Leben, sein eigenes Leben in der Zukunft aber wird bedeutend schwerer sein als das Leben seiner Frau, deren Gedanken im Nirgendwo ihre Heimat gefunden haben! 


©by H.C.G.Lux




Noch einmal: »Es ist still geworden«

 

  

Manch einer behauptet, das ein Text über Demenzkranke den Leser hinabzieht in die Gefilde der Traurigkeit, so als wäre es ein Meilenstein der Depression. Ich denke nicht, dass dem so ist! Jeder Mensch hat doch seine Phasen, in denen er mal himmelhoch jauchzend oder todtraurig sein eigenes Leben »erlebt«. 

        Lädt nicht gerade das letzte Quartal eines Jahres dazu ein, Rückschau zu halten auf das Gewesene? Seit alten Zeiten hat sich der Mensch beim »Fall der Blätter« auch über sein eigenes »endliches« Dasein Gedanken gemacht.
Bereits die Kirchen - beispielsweise - haben gerade diese Zeit als Besinnung auf das Kommende dargestellt, mag man es nun begrüßen oder nicht.

        Alles auf der Welt vergeht, es gibt nichts, das bleibt. Nur der Mensch fühlt sich oft als »elementares Teilchen« unverwundbar, ist jedoch letztlich enttäuscht, wenn auch ihm, dem »Homo nobilissima creatura«, (wie Thomas von Aquin es nannte), auch irgendwann der Verfall droht.
Annehmen, so denke ich, und auch versuchen zu verstehen, das wäre der Weg, der uns herausführt aus diesem bedrückenden Kreislauf! Ich weiß, dass dies ein steiniger Weg ist, ohne Frage.

        Es geht beileibe nicht um ein »Vergessen«! Aber nur wenn ich beim Schreiben eines Artikels etwas personalisiere, kann ich ja etwas ausdrücken, das sonst nur theoretisches Gerede wäre. Der Volksmund sagt dazu ganz profan: »Fleisch bei die Knochen tun«. Hört sich blöd an, gewiss, trifft aber den Nagel auf den Kopf.

        Letztlich kann nur jeder seine eigene Biografie zu Rate ziehen; meist stellen sich dann aber neue Fragen, die ebenso nicht ausreichend beantwortet werden können.
Wir leben halt nicht im statischen Raum, sondern im Wechsel des Geschehens und der Zeit. Gott sei Dank!

        Wahr und unumstößlich ist es, das »Werden und Vergehen« der Inhalt des Weltgeschehens ist. Und selbst die Kontinente sind im ständigen »auf und ab« begriffen; wie könnte der Mensch sich da abseits stellen wollen?

      Kommen und Gehen, fast zur gleichen Zeit: Nur zwei Tage vor meiner Geburt im Jahre 1934, starb meine Urgroßmutter.
Sollte das ein Symbol sein? Natürlich ist so etwas Unsinn! Aber seltsam erscheint es schon, das dieses Vergehen und Werden so beispielhaft erschien. Ich habe in den letzten Jahren oft daran denken müssen, ohne eine befriedigende Erklärung zu bekommen. Muss ich ja auch nicht. Was hätte ich dann davon?


©2020 by H.C.G.Lux



 

 

29. September 2020

Wir und unsere Vorgärten!

 

Es gibt Menschen, die tun alles, um den Kampf gegen das Unkraut auf dem eigenen Grundstück zu gewinnen.

Das gehört nun scheinbar zum Garten-Alltag des deutschen Hausbesitzers dazu. Wenn ich bei uns mal so ganz zufällig durch unsere Dörfer und Kleinstädte wandere, erfasst mich ein unsägliches Grauen. Immer mehr und immer öfter sehe ich dann die neuen, modernen Gärten, die nicht mehr wie solche aussehen, sonder eher wie Gedenkstätten von ehemaligen KZ’s.



        So viel tristes Grau sah ich in den ganzen neun Jahrzehnten meines Lebens noch nicht. Es scheint, dass irgendjemand einen neuen Gartenratgeber veröffentlicht hat unter dem Titel »Der germanische Garten in heutiger Zeit!«
          Dort wird dann genauestens beschrieben, wie jedes »Unkraut« und jedes Insekt restlos und ohne Mühe ausgemerzt werden kann. Und wie es bei uns üblich ist, nimmt dann auch die Zahl der »modern-garden-fans« schnell zu - weil man ja immer up-to-date sein muss!

        Es ist ein Vernichtungsdrang, der den deutschen Hausbesitzer dazu zwingt, in kollektiver Gemeinschaft die Natur auf den Urzustand zurückzuführen, mitten hinein in das absolute Chaos!

        Das aber ist eine total hässliche und naturfeindliche Einstellung, die kein normal denkender Mensch nachvollziehen kann! Diese, ich wage es kaum, das Wort in den Mund zu nehmen, »Natur-Steingärten« verdienen es nicht, überhaupt beachtet zu werden. (wenn man es im Lauf dieses meines Artikel nicht müsste.)

        Kann jemand mit gutem Gewissen sagen, dass solch eine lebensfeindliche Steinwüste den Namen Garten überhaupt verdient? Hier singt kein Vogel, hier summen keine Bienen und Hummeln; denn auch die Alibi-Bonsais werden nicht beachtet. Die fristen ihr armseliges Leben ebenfalls in einer Welt, die im Grunde genommen die Natur überhaupt nicht braucht - und nicht will!

         Sollte sich doch mal ein Vogel dorthin verirren, dann nur, weil es einen Nachbarn gegenüber gibt, der diesen steinernen Irrsinn nicht mitmacht! Jede Katze, die gehalten wird - und weil man ja so tierlieb ist - schaut sehnsüchtig zu den Zweigen der entfernt stehenden Bäume und denkt wahrscheinlich eher an Suizid als an Vogelgezwitscher.

        Wenn ich in der Nachbarschaft solcher hochstehend-kultureller Menschen leben müsste, würde ich noch nicht einmal aus dem Fenster schauen. Wer will denn so etwas sehen? Gibt es da wirklich Anhänger solcher Schottergarten-Wüsten? Ich kann es mir nicht vorstellen - sicher bin ich da nicht, denn immerhin befürworten 80 % aller Deutschen, dass Bienen und andere Insekten geschützt werden müssen ...

        Eines aber muss ich den Menschen aber zugestehen, die solche Wüsteneien lieben, denn die haben eine große Tradition! Sie gehen zurück auf das Frühjahr 1945, als in ganz Deutschland die Vorgärten ein einheitliches Bild boten.

 



©2020 by H.C.G.Lux

27. September 2020

Und noch 'ne Kochsendung!

 

Der Koch und die Maskenpflicht.


Eigentlich koche ich ganz gern. In letzter Zeit wurde ich des Öfteren daran gehindert, die Aneinanderreihung von Worten und Zeilen auf meinem Monitor ließen es nicht zu, dass ich diese angenehme Pflicht des sozialen Miteinanders ausleben konnte.
        Seit einiger Zeit hat sich das geändert, ich habe einen Teil meiner täglichen Aufgaben in die Küche verlegt. Meine Frau allerdings betrachtet das Ganze doch mit argwöhnischen Blicken, fragend schaut sie mich dann an und ich kann das gut verstehen - aber es muss halt sein!
        Die neuen Masken, die ich mir nun als pflichtbewusster Bürger zugelegt habe, sollen ja zwischendurch immer mal wieder abgekocht werden, um sie wieder keimfrei zu machen. Klar, verstehe ich ja auch, Desinfizierung von chirurgischen Instrumenten ist in jeder Klinik das »A und O« der keimfreien Chirurgie.
        Aber liebe Freunde und -innen, ich will doch nicht operieren? Doch ich bin ja gehorsam, »löcke nicht wider den Stachel« und trage jeweils da, wo es sein muss, eine hübsche Maske. Manchmal passt sie sogar zu dem Outfit des jetzigen Sommers! Solch eine modische Gesichtsmaske mit »Gänseblümchen vor dem Schnabel - Verzeihung, vor dem Mund natürlich - kann doch auch mal ein »gewisses Etwas« haben, oder nicht?
        Wenn ich morgens beim Bäcker meine Brötchen hole, lerne ich oft die wunderlichsten Stilrichtungen der Gesichtsmontur kennen. Neben gewöhnlichen blauen Einheitsmasken treffe ich Blümchen, Sternchen, Schottenmuster und dunkelfarbige maskenähnliche Kleidungsstücke, die mehr oder weniger geschmackvoll unterhalb der Nase angeordnet werden. Richtig angepasst scheint da aber keine zu sein, denn der ständige Griff zu diesem Mundkleidungsstück beweist doch, dass diese Sparte der Mode noch relativ jung ist. Oder es liegt daran, dass es mehr Gesichtsgrößen als S, M, L und XL gibt?
        Wie dem auch sei, gestern morgen stand da ein Pärchen im Bäckerladen und wollten einen Kaffee ordern. Es war unerwartet schrecklich, kann ich Euch sagen, die beiden waren völlig nackt! Kaum zu glauben, nicht?
Ja, sie hatten keinerlei Mundschutz vor ihrem Gesicht. Die Dame hinter der Theke machte sie darauf aufmerksam, dass es so nicht möglich sei, sie zu bedienen!
Sie müssten sich dann bitte an eines der kleinen Tischchen setzen, sie würde ihnen dann den Kaffee bringen.
Ich fragte sie, wo da der Unterschied sei zum normalen Einkauf? »Das ist nun mal so angeordnet!« war ihre Antwort.
Da es nun mal meines Wissens noch immer noch kein
Masken-Trage-Verpflichtungs-Gesetz gibt, wundert mich nun die Art, wie dieses Problem auf einfache Weise gelöst werden kann. »Das ist nun mal so!«
Warum nun die mögliche Virenlast eines sitzenden Menschen geringer sein soll als im stehenden Zustand - das muss ich doch mal bei einem Virologen meines Vertrauens erfragen!
        Auch die richtige Pflege mehrfach verwendeter Stoffmasken erfordert viel Geschick, glaubt bloß nicht, das wäre so einfach abgetan! Um ganz sicherzugehen, koche ich meine Masken fünf Minuten lang in einem extra dafür angeschafften Kochtopf ab, lasse sie dann trocknen und bügle sie danach auf Stufe ** ganz langsam und geduldig.
        
Wie ich ja schon erwähnteist es mit meinen Kochkünsten nicht so weit her, wenn Du Dich mal in meinem Bekanntenkreis umhörst, wirst du erfahren, dass außer Rührei und Spinat aus der Tiefkühlpackung nicht viel mehr herausgekommen ist. Ganz kluge Leute werden Dir dann sagen, dass der Horst außer dem Backen von Tiefkühl-Pizza nicht küchenfähig ist.

        Doch seit es diese Masken gibt, stehe ich fast jeden Tag am Herd! Jawohl, ich blicke andächtig in den Kochtopf und sehe den Bakterien und Viren zu, wie sie einfach weg-gekocht werden.
Bisher habe ich mich noch nicht getraut, hier und da mit ein paar Gewürzen zu experimentieren. Aber das kommt bestimmt noch! Basilikum, Rosmarin, Chili und Liebstöckel habe ich mir schon besorgt!
Dank dieser Masken werde ich - verflixt noch mal - doch kochen lernen ...

©2020 by H.C.G.Lux



26. August 2020

Das Neueste von der COVID 19-Front


 

Es liegt so etwas Imaginäres in der Luft um die unzähligen  Verschwörungstheorien. Zu dieser Erkenntnis kann eigentlich jeder kommen, der in den sozialen und weniger sozialen Netzwerken unterwegs ist.

        Manche Menschen halten die Bundesrepublik für eine Aktiengesellschaft, andere für einen Fußballverein ohne Zuschauer. Einige finden, dass Corona frei erfunden ist, um die Menschen zu verunsichern und der Freiheit zu berauben, andere wiederum glauben, dass schon der alte Nostradamus vorhergesagt hat, dass Covid-19 unweigerlich die Welt beherrschen wird.

Sollte das Virus nun aber tatsächlich da sein, dann wurde es durch vermehrte Tests mehrfach manipuliert, weil Virologen allesamt verkappte Politiker der verschiedenen Parteien sind - oder aber Verwandte von Bill Gates!

        Jetzt habe ich auch eine neue Theorie entdeckt:
Es war in den vergangenen Wochen überhaupt nicht so heiß, wie täglich behauptet wurde! Es wurden nur viel mehr Thermometer eingesetzt, das war der eigentliche Grund!

        Bei meinem Außenthermometer habe ich übrigens die Batterien ausgewechselt; seitdem ist es innerhalb von ein paar Tagen rund 10° kälter geworden. Jawohl, und das ist bewiesen!

 

©by H.C.G.Lux

 

31. Juli 2020

Manifest der Universität Polyhumanitas


 

Bei neuesten Ausgrabungen in den Bezirken Northern-Germany, Bavaria-East und Rhenania wurden überraschende Erkenntnisse über die Bevölkerung der Jahre nach Beginn des 3.Jahrtausends bekannt. Fundstellen belegen, dass ab dem Jahr 2020 n.Chr. hier eine Epidemie das Land überzogen hat, das die gesamte Einwohnerschaft unter ihre Kontrolle brachte. 

   Ein bis dahin unbekannter Virus,  SARS-CoV-2, vereinfacht Coronavirus genannt, verursachte eine Krankheit, Covid-19 genannt. Sie äusserte sich in den verschiedenen Formen nach Art der Virusgrippen: Husten, Atembeschwerden und Fieberanstieg.

     Durch das bewusst oder unbewusste Sozialverhalten der Menschen gelang es diesem Virus, Infektionszahlen weltweit zu erreichen, die es in der Neuzeit bisher nie gab. Das unterschiedliche Verhalten der verschiedenen Regierungen der Welt, die damals in mehr als 200 Staaten unterteilt war - (damals gab nachweislich noch keine einheitliche Weltregierung) - brachte den Nährboden dieses SARS-Virus zu ungeahnter Blüte!

     So mancher Regierungschef tat diese Gefahr als »Bangemachen« ab und ließ somit die eigene Bevölkerung im Unklaren über die Gefährlichkeit dieser schließlich zur Pandemie gewordenen Gefahr. Unsere Forschungen haben heute, 1000 Jahre später, ergeben, dass man mit den modernen Abwehrmethoden unserer Zeit mit diesem Virus kein Problem gehabt hätte.

     Es ist natürlich auch möglich, dass wir Neo-Humanide im Lauf des Jahrtausends klüger und besonnener geworden sind und auf alles, was die Menschheit gefährden kann, umsichtiger, rücksichtsvoller und gewissenhafter reagieren.

     Unsere Archäologen fanden in einer Höhle neben den Überresten von Menschen der Atomzeit seltsame Tücher, die diese Personen anscheinend vor dem Gesicht trugen. Eine Begründung dafür ließ sich bis heute noch nicht finden. Aus Bruchteilen von Schriftstücken ließ sich eine Art von Schutzmechanismus interpretieren, wenngleich sich nicht erklären lässt, welche Auswirkungen solch ein Bekleidungstück haben könnte.

     Professor Morgenrot vom Kulturreferat der Human-Work-Assoziation ist der Auffassung, dass sich eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe von Menschen nicht ableiten liesse. Das allerdings würde dann den Schluss zulassen, das entgegen aller geschichtlichen Deutung die Menschheit keinerlei Zusammengehörigkeitsgefühl besessen habe.

     Letztendlich lässt sich nun belegen, dass die Menschheit sich in früheren Jahrhunderten sehr barbarisch verhalten hat. Dies lässt sich auch aus Teil-Dokumenten belegen, die in uralten Gebäuden als Fundstücke entdeckt wurden. Das »Hilfe-Verhalten« war sicher in diesen Menschengruppen vorhanden, es war jedoch weit weniger ausgeprägt, als es in unserer Zeit als normal gilt.
Rücksichtslos und skrupellos zu sein - dieses Relikt der alten Zeit müssen wir uns heute im Jahre 3020 n.Chr. nicht mehr zu eigen machen.

AD 3020, FdR Professor em. Dr. Brotlos


20. Juli 2020

Was radikalisiert die Menschen?




Es gibt fast keine Wochenende mehr, an dem wir nicht von Gewaltaktionen hören oder lesen. Da wird gegen irgendetwas demonstriert, die entsprechende Demo schlägt binnen kurzem in maßlose Gewalt um. Die Leidtragenden sind sodann ?
 - Richtig! - die Polizei! 
Aber wehe, diesen Frauen und Männer platzt auch mal der Kragen, weil sie so provoziert werden, dass gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als ebenfalls Gewalt anzuwenden.




        Solche "Terror-Parties" sind nicht neu, sie gab es auch schon vorher. Denn wer Randale will, findet immer einen Grund! Siehe die "linken" Ausschreitungen jeweils am 1. Mai in den vorigen Jahren, oder die sogenannten "Protestaktionen" gegen "was -auch -immer -gerade- passt!".
Manche Gruppierungen leben ihre Gewalt so aus, dass andere Menschen bewusst geschädigt werden. Ich denke dabei an Hooligan-Actions bei Fußballspielen! Selbst wenn ohne Zuschauer gespielt wird, fahren Hunderte von »FANS« dort vor die Tore, nur um gegen einen »Feind« anzutreten!
      
Sobald in einem Staat (und zwar überall auf der Welt und hauptsächlich in Demokratien) Frieden herrscht, nehmen Gewaltaktionen einzelner Gruppen der Bevölkerung in erschreckendem Maße zu! In Diktaturen geschieht das seltener, hier hat der Staat das VORRECHT der GEWALT, da bedarf es des Terrors von unten nicht mehr.
        Ist das nun ein Teil der menschliche Natur? Das wäre die große Frage, denn solche Art von »Gewalt der Straße« ist schon aus dem klassischen Altertum bekannt.  
        Was radikalisiert uns denn so? Ist das Machtstreben? Kriegshandlungen im Westentaschenformat?

Ich bin ratlos, wenn ich morgen früh wieder lese:

KRAWALLE in XYZ
Die Party wurde
zum Problem



©by H.C.G.Lux

14. Juli 2020

Unsere Helden ...




Das ist ja so eine Sache mit den Helden! Man verehrt sie in einer Krise, überhäuft sie mit Lob, schreibt ellenlange Artikel in der Presse über »die Helden des Alltags in dieser schweren Zeit«. Jeder nickt beifällig und feiert die Frauen und Männer, die ihre Pflicht bis zur Selbstaufgabe tun!

Kaum aber lässt der Druck nach, läuft wieder alles seinen halbwegs gewohnten Gang, gerät alles ganz schnell wieder in Vergessenheit. Auch unseren Alten- und Krankenpflegekräfte droht dieses Schicksal aufs Neue: Eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und ihrer Bezahlung ist wieder in weite Ferne gerückt!

Dabei weiß doch jeder von uns, dass hier Veränderungen in höchstem Maße überfällig sind. Allein schon durch den demografischen Wandel macht sich das seit langem bemerkbar: Die Menschen werden immer älter und dadurch steigt auch der Bedarf in der Altenpflege! Wenn aber den Lobesworten der Anerkennung nicht auch Taten folgen, wird sich diese Personallücke niemals schließen.
Es ist auch von vornherein fragwürdig, warum die anspruchsvolle und aufopfernde Arbeit mit alten und kranken Menschen deutlich schlechter bezahlt wird als so manch ein Job in den industriellen Berufen!

Hierin spiegelt sich doch eindeutig die Geringschätzung für unsere Pfleger/innen, gleichzeitig ist es eine fatale Missachtung der Folgen solchen Verhaltens.

Natürlich leiden Pflegebedürftige und Krankenhauspatienten in hohem Maße, wenn zu wenig Personal vorhanden ist oder die vorhandenen Kräfte, wie es heute oft genug der Fall ist, völlig überarbeitet sind.
Lippenbekenntnisse hören sich immer wunderschön an; aber die »Helden des Alltags« auf einen Sockel stellen, hilft ihnen nicht und uns allen auch nicht.
So billig darf sich - heute noch mehr als bisher - niemand aus der Affäre ziehen. Es liegt doch auch in unserem ureigenen Interesse, weil wir alle irgendwann auch Hilfe brauchen werden …

©2020 by H.C.G.Lux

2. Juli 2020

Wissen ist Macht - oder?



Es ist sicher ein Klischee, dass jedes Ende immer einen neuen Anfang im Gefolge hat. Ein väterlicher Freund aus meiner Jugendzeit, sagte mir einst: »Leben bedeutet, alte Wege hinter sich lassen, Leben bedeutet Fortschreiten in die eigene Zukunft!«
Solche Binsenweisheiten musste man mir nicht aufoktroyieren, ich kannte sie aus Erfahrung. Und doch saugte ich seinerzeit alle Weisheiten, die mir die erfahrenen Männer, gerade aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, zu vermitteln suchten, wie ein Schwamm auf!
        Diese Zeit - vor etwa 70 Jahren - erscheint mir heute wie ein Kaleidoskop mit vielen Farben und Formen, bunt und strahlend, im nächsten Moment wieder im geisterhaften Dunkel verwischt. Dann steigen ständig neue Bilder aus meinem Gedächtnis an die Oberfläche, von der Zeit nicht ausgelöscht, nur durch den Nebel der Jahre verdeckt.
        Zu viel Neues stürmte auf einen jungen Menschen ein, der bisher nur sein Dasein in einem engen Bereich leben konnte. Jeder weiß, dass solch eine Existenz stets und ohne Ausnahme von Vorkommnissen begrenzt sein wird, auf die man keinen Einfluss hat. Was aber habe ich davon, wenn ich alles weiß? So frage ich mich heute - im Gegensatz zu meiner Jugendzeit: Muss ich so bewandert in allen Dingen sein, dass ich überall mitreden kann - oder sollte? Bin ich nicht viel glücklicher, wenn ich unbedarfter an eine Sache herangehe?
Was zwingt mich denn zu solch einem »All-Wissen«?
        Wir von der Elektronik überzeugten Menschen leben in einer Welt, in der alle glauben, dass die Wichtigkeit der Information das »Non-plus-Ultra« der Welt ist.
        Ist es das wirklich? Bedeutet Wissen wirklich Macht? Sind die ›News‹, die ich täglich konsumiere, es wert, dass ich mir ständig den Kopf darüber zerbreche? Jedem von uns ist doch klar, dass der Wahrheitsgehalt aller Nachrichten im Moment der Verbreitung schon nicht mehr richtig ist!
        Ich glaube, dass Ahnungslosigkeit auch ein Segen sein kann! Nein - nicht völlige Ahnungslosigkeit; aber die Kraft, darüber entscheiden zu können, was man erfahren will und was man auf sich beruhen lassen kann!
      Ein Beispiel: Wenn mir jemand die genauen Umstände mitteilen könnte, wann und wie ich einst diese Welt verlassen werde, ohne dass ich die Möglichkeit habe, diesen Ablauf zu ändern, würde ich das wissen wollen?
Ehrlich gesagt: Nichtwissen ist mir doch sehr oft angenehmer!

©2020 by H.C.G.Lux