16. August 2019

Fakes in News


 

Die allseits bekannten gefälschten Nachrichten unserer Tage sind wie Viren, die uns infizieren und folglich die sozialen Beziehungen belasten. Sie stellen die öffentlichen Nachrichten vollständig ins Abseits, machen sie unglaubwürdig und zum Teil fast unkenntlich.
         Diese Krankheit verbreitet sich plötzlich und überraschend; sie dringt in alle sozialen Netzwerke ein, die Ansteckungsgefahr ist immens, ein Click und schon verbreitet sie sich wie ein Waldbrand in der Steppe. 
          Die gefälschten Nachrichten wären in den meisten Situationen leicht zu erkennen. Eine Suche, die ein bisschen kürzer oder etwas tiefer ist, würde oft ausreichen, um die Wahrheit in den Vordergrund rücken. Aber hierfür ist etwas Arbeit notwendig, suchen ist nun mal nicht ganz frei von Mühe. Viel einfacher ist es doch, sich dumm zu stellen und alles zu glauben, was da ins Netz gestellt wird!
      Auf diese Weise beteiligen wir uns mit einer Mischung aus Freude und auch Empörung an der Korruption der sozialen Netzwerke, zu denen auch wir gehören: Wir werden angesteckt und - wenn wir alles lang genug geschluckt haben - gehen wir zu aggressivem Handeln über, üben Verleumdungen aus, explodieren manchmal voller Empörung.. 
         Unsere sogenannten »sozialen Netzwerke« tragen zu einem großen Teil zu dieser Desorganisation des menschlichen Denkens bei. Computer allein können uns leider nicht zu klügeren Lebewesen machen!
         DAS ist unsere schöne neue Welt. Eine Welt, in der Maschinen und die KI uns kräftig helfen, viel dümmer zu sein, als wir es ohne ihre Kooperation sein würden.
Ob Aldous Huxley das 1932 schon in der »Schönen Neuen Welt« gesehen hat?

28. Juli 2019

Sorgen oder was sonst



Ich denke, es gibt niemand auf der Welt, der dieses Wort nicht kennt, der sich noch nie mit den Tatsachen befassen musste, die dieser Begriff nun mal mit sich bringt. Sorgen, das sind in allen Sprachen der Welt Dinge, Angelegenheiten und kummervolle Anlässe, die so manchen Menschen das Leben schwer machen.
         Was sind Sorgen? Ist das die Quintessenz aller unangenehmen Dinge, die wir unterlassen haben? Oder das Fazit aller Fehler, die übrig bleiben, wenn wir mehr wollen, als uns angemessen erschien? Ganz gleich, was immer wir als Einzelner darunter verstehen; Sorgen beinhalten immer und ausschließlich das, was uns selbst oder unseren Nächsten Kummer bereitet oder bereiten kann!
         Seit ein paar Jahrzehnten hat sich in unserem Sprachschatz ein Wort eingenistet, das unsere Eltern noch nicht auf ihrer Sprachpalette hatten: Entsorgen!
Sprachlich gesehen hat es die Bedeutung von »uns von den Sorgen befreien!«Inhaltlich jedoch geht es genau diesen Möglichkeiten aus dem Wege, indem es auf Umwegen zu einem völlig neuen sächlichen Begriff wird - entsorgen!
         Wenn wir Gegenstände entfernen, die wir nicht mehr brauchen, wenn wir etwas loswerden möchten, dann sprechen wir von »entsorgen« Beispielsweise »entsorge« ich meine uralten Computerteile, die ich schon längst loswerden wollte. Ich entsorge Videokassetten, die seit Jahren schon ihre Eigenschaft aufgegeben haben, ich entsorge meinen Hausmüll, ich entsorge dieses und jenes!
         
           Haben mir diese Gegenstände, all diese Dinge, von denen ich mich endlich trennen will, hat mir dieser ganze Müll »Sorgen« bereitet? Ich denke, das hat überhaupt nichts mit Sorgen zu tun, es ist lediglich eine Floskel in unserer Sprache, die uns in Ermangelung eines anderen Begriffes einfach »zugeflogen« ist.
         Entsorgen? Es ist doch gemeinhin so, dass wir Menschen immer und zu jeder Zeit etwas zu entsorgen haben. Oder glaubt vielleicht jemand, bei ihm wäre stets alles im Lot? Das wäre dann aber doch eine Fehleinschätzung, die schleunigst zu korrigieren ist!
         
           In unseren Gedanken läuft oft alles wie Kraut und Rüben durcheinander, wir denken dies und jenes, behaupten manches, müssen oft auch zurückrudern. Wir ärgern uns in dieser Minute über eine Aussage, kurze Zeit später haben wir erkannt, dass der Gegenpart doch Recht hatte. Wir sind mit unseren Einschätzungen schnell bei der Hand - wie leicht ist es doch, an Vorurteilen festzuhalten. Etwas später stellen wir fest: Mensch, das stimmt ja so gar nicht!
         Es sind unendlich viele Einzelheiten, mit dem unser Gehirn sich täglich auseinandersetzen muss. Wie kann es sein, dass alles - wirklich alles - richtig und fehlerlos bei uns ankommt - oder auch weitergeleitet wird?
Halten wir nun für immer an diesen Fehleinschätzungen fest? Oder haben wir den Mut zuzugeben: Ja, du hast Recht, ich bin einem Fehler aufgesessen!
         Wenn wir nun genügend von diesen Trugschlüssen gesammelt haben, müssen wir sie doch auch einmal loswerden, nicht wahr? Oder aber mitschleppen bis zum St.Nimmerleinstag. Einfacher wäre es, sie zu »entsorgen«! Für alle Zeiten abwerfen.
          
Eine Frage dazu: Wo lässt DU entsorgen? Wenn du die Antwort kennst, dann bist du gut dran! Denn dann kannst du beruhigt sein - es wird alles einmal gut werden!


©2019 by H.C.G.Lux

18. Juli 2019

Flucht und andere Kleinigkeiten

 

Siebzehn, eine Zahl, die eigentlich nichts Besonderes aufweist. Siebzehn. Nun gut, beim »Black Jack« vielleicht ganz angebracht. Aber hier? Da wäre mir die Drei, oder auch die Vier bedeutend lieber. Aber was soll ich machen, etwa vor mich hin grummeln?
Das ist mir zu dumm, also setze ich mich brav auf einen der beiden freien Stühle.
        Freie Stühle? Ach, ich vergaß, du weißt ja nicht, wo es mich heute früh hingetrieben hat, nicht? Möchtest du das wissen? Gar kein bisschen neugierig?
Doch ich sage dir, wo ich bin, es hätte ja keinen Sinn, es für mich zu behalten, dann wäre ja dieser ganze Schrieb für die Katz!
        Also, damit deine Neugier befriedigt wird: ich sitze jetzt im Wartezimmer der Praxis eines Allgemeinmediziners! Warum? Na, du fragst aber, alte Menschen haben nun mal hier und da ihre kleinen Wehwehchen, von denen man doch gern wissen möchte, woher und warum und wieso. Du nicht?
Glücklich ist, wer vergisst, was nun nicht zu ändern ist! Das war, so glaube ich, eine der Operettenmelodien, die mit der Zeit aus der Mode gekommen sind. 
Heute liebt man ja den »Sprechgesang« als unmelodiöse Verballhornung der menschlichen Stimme.
        
       Ich bin also beim lieben Onkel Doc und warte, dass die sechzehn noch vor mir plazierten Mitmenschen ihre unbequemen Stühle freimachen und durch eine der beiden Türen verschwinden, um irgendwann mit einem leisen »Tschüss« durch die Ausgangstür das Weite zu suchen. Aber das kann dauern, denke ich so bei mir.              

Ich schaue mich um: Wo gibt es Lesestoff? Der kleine Tisch in der Mitte des Raumes lacht mich an. »Hier«, ruft er mir leise zu, »ich habe einiges für dich!« Hoch erfreut ob des freundlichen Angebots hebe ich meinen edlen Körper vom Stuhl und strebe diesem kleinen Tischchen zu. Wahrlich, eine erkleckliche Anzahl von bunten Blättern streckt sich mir da entgegen. Großformatige Überschriften recken sich empor. Ich bin erstaunt.

        »Schlafen Sie schlecht? Ein Ratgeber für gute Nachtruhe!«
Wird da eventuell ein Gute-Nacht-Liedchen geträllert?
       
 »Ihre Bandscheibe macht Beschwerden? Wir zeigen Ihnen, wie Sie diesen aus dem Wege gehen!«
Donnerwetter was mache ich dann ohne dieselbe?
         
        »Der Darm, Ihr wichtigstes Organ! Nur Mut, es gibt Hilfe! Wir zeigen ihnen wie!«
Aber bitte: Auf’s Klo geh ich schon gern allein!
       
 »Wenn ›ES‹ nicht mehr so richtig klappt! Nicht verzagen,
Dr. Chiasis fragen«
Der gute Mann gibt Hilfestellung, in allen ’Lagen’. Vielleicht mit anschaulichen Beispielen?
 Und da liegt noch ein anschauliches Blatt. Besonders dicke rote Lettern:
        »Was Professor Dr.Majoran zur Krebsdiagnostik anmerkt: Rauchen Sie nicht, trinken Sie nicht, machen Sie keinerlei ›Spielchen‹, dadurch können Sie versuchen, der Krankheit zu entkommen!«
Na gut, vielleicht klappts ja, wenn nicht - er ist ja nicht verantwortlich …

***
        Nein, also, was tue ich hier? Allein vom Lesen all dieser Gesundheits-Postillen spüre ich überall schon gewisse kleine Beschwerden. Rechter Unterbauch, das kann doch nur der Appendix sein!              
Ätsch - geht ja nicht, ist ja schon 70 Jahre raus!

»RAUS« ist ein sehr guter Rat, macht’s gut, Freunde!

©by H.C.G.Lux

17. Juli 2019

Die Alten?!



Ich höre oft - zu oft - die alten vorgedachten und vielfach verbreiteten Vorurteile, wenn es um die Meinung der jungen Generation geht:
... die wissen alles besser,
      die sollen erst mal ...
                    die haben doch keine Erfahrung.

Ja, es ist doch leider so, dass wir Alten das Wissen der Welt für uns gepachtet haben. Die alten Damen und Herren, die ja immer häufiger werden, müssen sich ständig bemerkbar machen. Da denkt man manches Mal an Noah oder Methusalem; es ist aber auch möglich, bei Bob Dylan mit seinem Song »Forever Young« aus dem Jahr 1974. Das scheint schon fast die Hymne dieser Generation zu sein, nicht wahr?
Die Haare sind grau oder weiß oder gar überhaupt nicht mehr da. Der Rücken schmerzt in jeder Lage und die Beine tun es auch nicht mehr richtig!
Aber in unserer eigenen Vorstellung sind wir offenbar alle 25 oder manchmal auch 30 geblieben, wir stürzen uns mit Elan und Wissen oder Halbwissen in jede Diskussion.
Wenn wir mit 65 oder 67 aus dem Berufsleben ausscheiden, hat das doch gewiss auch seinen Sinn. In diesem Alter hat man geleistet, was zu leisten man imstande war. Manches gut, worauf man stolz sein kann; einiges nicht so gut, damit kann man sich über kurz oder lang abfinden. Mit 75 steigt kein Maurer mehr aufs Baugerüst, kein Landwirt bestellt mehr mit 80 seine Äcker.
Nur Intellektuelle meinen, nicht aufhören zu können -oder zu dürfen. Dabei ist doch alles, was diese Generation geleistet hat, bei Lichte besehen, nicht wirklich so dolle! Schaut man sich den Zustand der heutigen Welt an, die wir mitgestaltet haben, wäre ein beschämtes Schweigen wohl eher angebracht.
Es ist ja auch nicht so, dass wir keine nachfolgende Generation hätten. Mir fällt bei Gesprächen mit 30-40-Jährigen auf, dass sie einen pragmatischen Realitätssinn besitzen, der z.B. den 68ern immer fehlte! (Und in manchen Bereichen immer noch fehlt!)
        
Deshalb hätte ich einen Vorschlag an diverse Medien: Nächstes Mal, wenn wieder etwas zur Debatte steht, das hundertprozentig Gegendiskussionen auslösen wird, fragen Sie bitte nicht die unvermeidliche Division der »Alten Garde« an, die früher mal im Rampenlicht standen.


Fragen Sie dann bitte die Jüngeren um Rat. Auch wenn diese frisch von der Schulbank kommen, noch keinerlei Erfahrung besitzen und bunten Blödsinn reden - es ist dann doch wenigstens ein frischerer Unfug - ohne den Mief von Jahrzehnten!
Ist es nicht so, dass mit den Jahren auch das Gedächtnis bei uns dafür nachlässt, dass man manches häufig schon x-mal entweder so oder gegensätzlich erzählt hat?
Ja, und die Genossen meiner Altersklasse
(keine Angst, ich weiß schon noch, wie alt ich bin ) sollten sich nicht nur »Forever young« zu Gemüte führen, sondern gelegentlich auch mal bei »MyGeneration« von ›The Who‹ von 1965 reinhören. Da heißt es ganz leise, aber bestimmt:   »Hope I die before I’m old!«                                    
        
Nun, sterben soll ja nicht unbedingt gleich sein, das ist gewiss nicht nötig. Aber den Mund rechtzeitig zu halten und nicht immer den Quark von Gestern zu wiederholen, das wäre keine schlechte Idee!   
Wir Alten haben gesagt, was wir zu sagen hatten. Punkt! Jetzt soll endlich die nächste Generation das Wort bekommen!
Ob ich das wohl noch erlebe? 

©2019 by H.C.G.Lux

13. Juli 2019

Manche Tage

Es gibt Tage,
die sind voller Licht.
Sonnenschein dringt
in die fernsten Winkel deines Herzens.
Frag nicht: warum!
Genieße nur die hellen Stunden
in denen dein Herz Flügel hat.

Es gibt Tage,
die sind voller Schatten.
Finsternis verdrängt
die Helligkeit des Seins.
Frag nicht, warum!
Ergreif ' nur die Gelegenheit
um Ruhe in dir selbst zu finden.

Es gibt Tage,
da wirst du erkennen,
dass auch die Sonne wieder scheint
und alle Schatten
hinterm Grau verschwinden.
Du darfst nur niemals
die Geduld verlieren.

29. Juni 2019

Aus alten Zeiten



Ich saß an diesem himmelblauen Tag in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch, schaute interessiert den Hausrotschwänzen zu, die losgelöst von allen Sorgen des täglichen Lebens durch die Zweige des Schmetterlingsflieders huschten. Dieses Pärchen wohnte seit einigen Tagen in unserer Garage. Seit sie sich durch das offene schmale Fenster in die Garage eingeschlichen hatten, gehörte dieser Teil des Hauses nun dem Leben dieser kleinen Mitbewohner. Anscheinend sagte ihnen dieser ungemütliche Ort zu; in einer Ecke des dort angebrachten Regals beschlossen sie, ihr Nest einzurichten!

        Seitdem stand unser Wagen nun draußen vor dem Garagentor, wir hatten entschieden, diesen gefiederten Untermietern keinesfalls eine Kündigung zuzusenden. Sie waren eine Bereicherung unseres Tagesablaufs; in der Frühe schauten wir zuerst ganz vorsichtig durch einen Türspalt, ob dort bei unseren neuen Freunden alles in Ordnung war.
        Der Tag schlich ohne besonderes Ereignis vor sich hin, die Sonne schickte schon früh ihre Kraft geballt zur Erde. Im Hause war es bedeutend angenehmer als in der freien Natur, so versuchte ich irgendwie, den Tag sinnvoll zu gestalten. Marie hatte, als sie heute früh auf eine Kurzreise ging, mir zwar einige Aufgaben zugeteilt, die ich - wenn ich Lust hätte - ausführen könnte. Da erhob sich danach die Frage: Habe ich Lust? Meine interne Antwort hieß eindeutig: Nein!
        So kam es dann seltsamerweise, dass ich mich auf dem Dachboden wiederfand, den ich schon lange nicht mehr betreten hatte. Dank guter Isolierung war es dort ganz gut auszuhalten. Beim Herumkramen fand ich dann, versteckt in einer Ecke, einen alten Pappkoffer, der sicher schon lange Zeit auf seine Entdeckung gewartet hatte. Du kennst diese alten Koffer noch? Es war so eine Art von »Hartschale«, die diese Kriegsware so überaus vielfältig unter der Bevölkerung verbreitet hatte, eine Presspappe, die unter Zumischung anderer Bestandteile als Lederersatz diente. Jedenfalls war diese Art Koffer weit verbreitet.
        Tante Ursula hatte bei ihrem Ableben noch viel Trödelkram auf dem Speicher liegen. Als ich seinerzeit ihr Haus übernahm, freute ich mich schon lange vorher wie ein kleiner Junge auf die Schätze, die dort zu entdecken waren. Nun gut, Schätze waren es nicht gerade, die ich fand, dennoch konnte ich etliche interessante Funde machen, die zum Teil zwei Weltkriege
überstanden hatten und nun archaische Erkenntnisse an den Tag brachten.
        So lag dort unter anderem ein alter, verrosteter Karabiner K98 von 1906 in einer alten Kiste, der Kolben war angebrochen - warum das alte Ding dort von der guten Tante aufbewahrt wurde, entzog sich meiner Kenntnis. Onkel Albert, ihr Mann, hatte seine Waffe wohl 1918 aus unerfindlichen Gründen aus dem Krieg mit nach Hause gebracht und dort oben deponiert.
        Aber ich wollte ja von dem Koffer erzählen, der so viele Dinge enthielt, die mich zum Nachdenken brachten. Obenauf lag eine Mädchen-Turnhose mit dem Emblem der Hitlerjugend auf einem Bein, das Besondere an diesem Glanzstück aber war der Beinabschluss mit Gummiband! So etwas würde heute wohl kein weibliches Wesen mehr anziehen!
              Als Nächstes fand ich einen dicken Schmöker, in Leder eingebunden, »Unser Deutsch-Ost-Afrika!«
Interessant die Schwarz-Weiß-Fotos in diesem Band, auf der ersten Seite der General v.Lettow-Vorbeck wie ein Pascha in entsprechender Pose mit den Daumen hinter dem Koppelschloss. Hinter ihm stolz aufgereiht seine »Askaris«, die schwarzen Hilfssoldaten der Deutschen, in fast ebensolcher Positur.
        In einer Ecke des Koffers lag ein altes Springseil für Kinder, die Schnur ausgefranst, mit Holzgriffen, die einst bunt bemalt waren. Wie viele Mädels damit wohl ihre kunstfertigen Übungen vollbracht hatten?

        Ich kramte weiter in dieser kostbaren Schatzkiste, eine riesige Pappschachtel, mit einem blauen Seidenband umwickelt, erblickte nach vielen, vielen Jahren wieder das Licht der schnöden Welt! Als ich sie öffnete, kam mir die diese ganze Welt in Form von unzähligen farbenfrohen Briefen entgegen. Jeder Brief war sorgsam in seinem Umschlag verstaut worden, so war es nicht schwierig, die jeweiligen Absender zu ermitteln.
        Den ganzen Nachmittag vergrub ich mich in diesen alten Briefen und handschriftlichen Aufzeichnungen, vergaß Essen und Trinken, die Zeit und mit ihr die reale Welt. Die Vergangenheit von völlig unbekannten Menschen hatte mich so in ihren Bann gezogen, dass ich kaum aufblickte. Irgendwann aber musste ich doch einmal eine Pause einlegen. Ich fand es aber ganz tröstlich, dass ich ja morgen weiterforschen konnte.
        Als ich nachmittags schweren Herzens den Koffer zur Seite stellte, hatte es ein ganz kleiner und bescheidener Brief geschafft, dass ich ihn mit in mein Arbeitszimmer nahm. Dieser Brief hatte kein Kuvert mehr, er war wohl so einfach zwischen die anderen geraten. Das Datum dieses Briefes, 1.Juni 1913, machte mich doch sehr nachdenklich. Es war ein weißer, schon vergilbter Bogen aus Büttenpapier, auf dem anscheinend ein Kind in krakeliger Sütterlinschrift seine Worte zu Papier gebracht hatte. Ich konnte einfach meine Blicke nicht von diesen Zeilen lassen, sie berührten meine Seele!
      »Mein lieber Fritz«, stand da, mal groß, mal klein geschrieben, reichlich mit Tintenklecksen versehen, »die Bäume sind nun schon kahl geworden. Weißt Du noch, wie wir hier immer gespielt haben? Schade, wir spielen nicht mehr Räuber und Gendarm. Und die Liese hat sich beim Galoppieren das rechte Vorderbein gebrochen, sie mussten sie erschießen. Tante Hannchen hat Zahnweh, sie läuft immer mit ihrem Taschentuch herum. Papa ist auf Jagd gegangen. Jetzt weiß ich nichts mehr, mir geht es gut. Schreib bald zurück und bleib gesund.
Dein Bruder Paulchen
        Ich war erschüttert. Fritz hieß mein Großvater, ich weiß nicht, ob er einst der Empfänger dieses Briefes war. »Die Bäume sind nun kahl!« Dieser Satz ließ mich den Brief still weglegen, meine Gedanken gingen auf die Reise, über hundert Jahre rückwärts in eine Zeit, die viele Leute später »die gute, alte« nannten!
        Kann ja möglich sein, dass sie es wirklich war, jedenfalls für alle, die damals Kinder waren und nicht wussten, welche unheilvollen Erlebnisse noch auf sie warteten. Wir heutigen Menschen denken auch immer noch, dass es »früher« alles besser war.
Möge uns dieser Kinderglaube erhalten bleiben, er hilft so manches Mal, schwierige Lagen zu überstehen …

©2019 by H.C.G.Lux

27. Mai 2019

Ein schönes Märchen!°


In einem Land, fern von uns,  lebte einmal eine wunderschöne, Frau. Eines Tages betrachtete sie auf einem Spaziergang einen Frosch in einem Biotop auf einer Wiese, nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt.

Plötzlich sprang der Frosch in ihren Schoss und sagte:
"Herzliebste Frau, 
ich war einstmals ein hübscher Prinz - bis mich eines Tages eine böse Hexe verzaubert und mit
diesem Fluch belegt hat. Ein Kuss von Dir und ich werde wieder der tolle junge Prinz, der ich einmal war.
Dann, meine Süße, können wir heiraten! Du darfst einen Haushalt im herrlichen Schloss meiner Mutter führen, kannst Deine Kochkünste zeigen, meine Wäsche waschen und bügeln und mich liebevoll am Abend empfangen.
Du wirst meine Kinder gebären und groß ziehen und darfst
damit glücklich sein bis an das Ende Deiner Tage.
*************

Am Abend dieses Tages sass die junge Frau leise lächelnd
vor einem Glas Chardonnay und leckeren kross gebratenen
Froschschenkeln in einer leichten Zwiebel-Weisswein-Sauce
und freute sich über die feine Mahlzeit!
Und die Moral von der Geschicht’,
blöde Frauen gibt es nicht!



24. Mai 2019

Kirche? Nein, danke!

Ja, ich weiß, ein heißes Thema, nicht wahr? Kommt darauf an, von welcher Seite man es betrachtet. Der Eine denkt an die »Institution Kirche« mit ihren Formalien, mit alten überkommenden Rattenschwänzen und Schwächen. Der Andere meint die Gemeinschaft der Gläubigen, die sich im Glauben trifft und oft belächelt oder offen verspottet wird.
Der 
Dritte wiederum sieht die alten, oft wunderschönen Gebäude vor sich mit einem Abglanz historischer Zeiten.
Mancher bewundert das Bauwerk als solches. Die nachgelassene Baukunst unserer Ahnen ist ja auch oft bewundernswert.
Und wieder ein 
Anderer schaut auf seine Steuererklärung und sagt ganz eindeutig: "Nein, ohne mich!" dazu.

Außer zu Gottesdiensten gibt es nun unzählige andere Möglichkeiten, eine Kirche zu besuchen. Oft sind es auch ganz profane Umstände, die einen Menschen den Weg in eine Kirche finden lassen. Vielleicht regnet es gerade unvorhergesehen? Oder, an einem heißen Sommertag, wo ist es da kühler als in einer Kirche? Und in der Hektik des täglichen Lebens möchte man vielleicht ganz einfach einmal Ruhe finden! 

Ich denke, gegen solche unvorhergesehenen Besucher ist überhaupt nichts einzuwenden! Ich habe dabei schon oft erlebt, dass da jemand dabei war, der eine Kirche schon seit vielen Jahren nicht mehr von innen gesehen hat. Es kann ja sein, vielleicht, dass dann von seinem Besuch eine Kleinigkeit bei ihm haften bleibt. Wer weiß das so genau? Unser Vater geht oft seltsame Wege mit seinen Kindern.

Eine jugendliche Besucherin sagte mir einmal sinngemäß:
»In einer Kirche fühle ich mich immer so winzig klein,
es ist immer ein leises ehrfurchtsvolles Gefühl dabei. Ich fühle, dass Gott hier zu Hause ist. Und ich weiß dann nicht,
wie ich ihm gegenübertreten soll!« 


Ich war damals sehr betroffen. Weil ich irgendwie fühlte, dass hier doch ein Denkfehler sein musste. Etwas später hätte ich ihr eine gute Antwort geben können; leider war sie da schon fort. Ist da etwas dran an dieser Aussage?
Meiner Meinung nach nur ein winziges Teilchen.Vielleicht aber sind diese Sätze auch nur eine Quintessenz einer Anschauung, die jahrhundertelang das Leben des Menschen bestimmte. Teilweise leider auch noch heute.
Gott wohnt in der Kirche. Dieses Bauwerk ist gewissermaßen sein Wohnsitz, seine Adresse. Und da soll er auch gefälligst bleiben. Und sich ja nicht einmischen in Dinge, die außerhalb dieses Gebäudes vorgehen!
Was ist das doch für eine Vermessenheit von uns. Wir sperren Gott damit ein in die Abgeschiedenheit eines Gefängnisses. Es ist zugegebenermaßen ein schönes, kostbares Gefängnis, aber es bleibt halt ein solches.
Natürlich hatte das Mädchen auch Recht: Gott wohnt in der Kirche. Aber sie hätte das kleine Wort »auch« hinzufügen müssen. Gott wohnt überall da, wo man ihn wohnen lässt! Und da ist die Palette der Möglichkeiten riesenhaft!
Das kann die Halle des Hauptbahnhofs sein wie auch der Arbeitsplatz am Band. Das Büro genau so wie meine Garage in der ich mein Fahrzeug nach einer Fahrt mit einem »Gott-sei-Dank, wieder zu Hause« abstelle.
Ja, und solch ein winzig kleines Gebet- und es ist ein Gebet, wenn es denn nicht sinnlos dahingeplappert wird,- führt dann auch gleich zum zweiten Teil der Aussage des Mädchens: »Ich weiß dann nicht, wie ich ihm gegenübertreten soll!« 
Viele von uns wissen es auch nicht. Und dabei ist es doch ganz einfach: Wir treten ihm gegenüber wie einem guten Freund, wie einem Verwandten. Noch einfacher gesagt: Wie vor einem Vater! Wie tritt man nun seinem Vater gegenüber? Genau! Man spricht mit ihm!
Und da kommt nun der wunde Punkt bei uns allen: Wann sprechen wir denn einmal mit diesem Vater, unserem Vater? Wenn es uns einmal nicht so gut geht? Wenn wir vielleicht nicht mehr ein- und aus wissen? Wenn wir etwas brauchen, wenn wir einen Wunsch haben! 
Es ist doch so. Wenn wir von »Beten« sprechen, meinen wir in erster Linie »Bitten«! Vielleicht liegt das am deutschen 
Wortstamm Gebet? In anderen Sprachen heißt Beten zunächst einmal Danken und Loben! 

Jesus Christus hat einmal gesagt: »Bittet, so wird euch gegeben!« Aber doch nicht so, wie man einen Automaten bedient. Oben `nen Euro rein und unten kommt dann die Ware heraus. Gott als Vollzugsbeamter unserer Wünsche, ein seltsamer Vorgang, nicht?
Ihm richtig gegenübertreten, das heißt mit ihm reden. So wie Christus es getan hat. Zum Beispiel in Gethsemane: Da drängen sich auch menschliche, allzu menschliche Wünsche vor: »Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!«
Aber dann, dann kommt das Wichtigste: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!«

Ja Freunde, alles gar nicht so einfach, nicht wahr? 

Und dann: Zum rechten Beten gehört auch das Danken! Und wenn wir nicht wissen, wofür wir danken sollen - nun, dann wäre es doch einmal ganz gut, darüber nachzudenken, was wir alles zu verlieren haben!
Gott gegenübertreten, das muss nicht in der Kirche sein! Es heißt ganz einfach, ein Gespräch mit ihm führen! Laut oder leise, oder auch lautlos. Zu Hause oder in der Kirche oder im Wagen, oder beim Joggen. Er hört zu. Immer! Und eines ist sicher: Er gibt auch Antwort! Jedem. Wir müssen nur hinhören!
Und wenn wir - du und ich - uns einmal richtig prüfen, dann werden wir zugeben müssen, dass er schon oft zu uns gesprochen hat. Jeder von uns, da bin ich mir ganz sicher, hat das schon einmal erfahren... 


Sören Kierkegaard sagte dazu:

"Beten heißt nicht, sich selbst reden hören,
sondern heißt dahin kommen,
dass man schweigt,
und im Schweigen verharrt,
bis der Betende Gott hört." 


© by H.C.G.Lux

20. Mai 2019

Traum vom Märchenland



Können Regentropfen reden, während sie zur Erde fallen? Kann es sein, dass sie es nur eilig haben hinunterzukommen? Hätte vielleicht jeder seine eigene Sprache um die Geschichte seines Bruders zu empfinden und zu hören? Oder ist es so, dass alle gleich sind ohne Sinn und eigene Bedeutung und sie hätten sich nichts zu sagen?
Kommt, Freunde, lasst uns doch die Welt einfach mit Märchenaugen sehen, lasst die Hoffnung den Schmerz außer Kraft setzen und Freude die Oberhand gewinnen. Seht doch, wie viel Licht hinter dem Schatten ist! Und bitte sprecht leiser, damit die Träume sich nicht fürchten, sie sind doch sehr schreckhaft.
Das Negativum in der Welt versucht immer wieder, lauter zu reden oder sogar zu schreien, damit es sich hinter dem Schleier des »Nicht-verstanden-werden« verstecken kann. Lassen wir es nicht zum Führer durch unser Leben werden und unsere Sinne gefangen nehmen.

Hört ihr den Wind stöhnen und voller Wehmut dahinziehen? Er weht bis zum Gespinst unserer Traumbilder, gleitet weiter in die Unendlichkeit und lässt uns zurück, wenn wir nicht darauf achten. Dann aber ist es zu spät, denn wer nur noch Rückschau hält, verliert den Kontakt zur Gegenwart. Die dann davon hervorgerufene Wirklichkeitsebene wird von unseren Traumschleiern verdeckt, öffnet eine Tür ins Unendliche mit einem Blick auf das Nichts! Wer will das?
 Franz Kafka sagt:
Das Glück begreifen, dass der Boden, auf dem Du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße die ihn bedecken.“
Dieses Glück zu haben, zu vervollkommnen, ist eigentlich das Glück überhaupt. Was wissen wir, was erinnern wir noch von dem, das für uns einst selbstverständlich war? 
Wir wussten doch schon als Kinder, dass Schneeflocken, diese einzigartigen unverwechselbaren Gebilde, weinen können! Wir vergaßen es. Natürlich, die Realität des täglichen Lebens macht es keinem Menschen leicht, in den lichten Höhen der Märchen zu leben.
Aber gerade dieses Nichtwissen und dennoch erinnern macht uns zu einzigartigen Geschöpfen.

 Wir dürfen das Wunderbare des Lebens erkennen, wenn wir es nur zulassen. Wir schauen bis zum Horizont, der so fern scheint, doch ein kleiner Schritt reicht, dass er uns gehört.
Das geht nicht? Hast du es mal versucht? Als Kind konntest du es, dir gehörte die ganze Welt. Dann holte die Realität dich ein, von diesem Moment an sprachen die Regentropfen kein Wort mehr, die Schneeflocken weinten nie wieder.
Still!
Hörst du sie wieder? Die Regentropfen? Nein? Dann bist du noch nicht wieder im Märchenland angekommen. Aber du bist auf dem richtigen Weg. Ganz gewiss, denn du träumst wieder.

 ©by H.C.G.Lux

18. Mai 2019

Schubladendenken ...


Überall, wo wir Menschen treffen, schätzen wir uns gegenseitig ab. Wir etikettieren den anderen, stecken ihn sofort in eine Schublade. Und diese Schubladen sind für uns wichtig. Wir brauchen diese Schubladen! Drei große Fächer sind zunächst wichtig: Freund, Feind, Neutral.
Anschließend teilen wir sie dann ein in wichtig, unwichtig, wertvoll, wertlos, interessant, langweilig.
Ja, und wer erst einmal in einer solchen Lade steckt, für den ist es schwierig, dort wieder hinauszukommen. Manchmal fast unmöglich!
Menschen werden ohne ihr Zutun in Reichtum, Armut oder irgendwo dazwischen geboren. Sie kommen im Norden zur Welt oder tief im Süden, in heißen Gegenden oder in Polarkälte.
Sie können eine Schule besuchen oder auch nicht, -weil keine Möglichkeit besteht. Sie sind krank oder kerngesund, unterernährt oder können sich täglich sattessen, oftmals dann sogar im Übermaß!

Menschen sind braun oder gelb, schwarz oder weiß, oft auch eine Mischung von mehrerem.
Sie glauben an Jahwe, Gott oder Allah, sind Hinduisten oder hängen Buddha an. Oftmals wird auch hier eine quirlige Melange geglaubt, wobei dann Fatalisten und Extremisten oft den Eindruck erwecken, alle dieser diversen Gläubigen wären dann auch so! 
Der Ausspruch Friedrich des II. »Jeder soll nach seiner Façon selig werden.« wird fast nie akzeptiert.

Wie heißt es dann so schön? »Ich toleriere jede Meinung, - aber es muss meine eigene sein!«
Wenn ich auf andere Menschen treffe, würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass auf jeder meiner Schubladen steht:
BESONDERS WERTVOLL
Ob ich das wohl mal schaffe? 

©by H.C.G.Lux