13. Dezember 2018

Der Weg nach Bethlehem



 Dunkle Tage, wolkenverhangen, es wird nicht so richtig hell um uns herum. Ich mag eigentlich die dunklen Tage, die zum Jahresende so manchen Menschen schwer zu schaffen machen. Warum?  Das ist eigentlich nicht recht erklärbar. Vielleicht sind es die Spaziergänge, dick eingemummt in warme Kleidung? Oder der heiße Tee in der warmen Stube, gute Gespräche am Kamin? Ist das nicht schön? Die vielen Lichter, die an diesen Tagen tausendfach die Welt erleuchten. Die uns auch den Weg nach Bethlehem erhellen, ihn aufzeigen als Hoffnungsweg!
Wartest Du auch auf die Weihnachtsfreude? Sie wird sich auch in diesem Jahr nicht von selbst einstellen. Wie schnell, rasend schnell, geht sie unter in dem ganzen Trubel um die Weihnachtszeit. Meist wird sie überdeckt von einem bitteren Beigeschmack, so manches Mal sogar ganz übersehen.
Solch eine Weihnachtsfreude kann niemals das Ergebnis von Stillstand und Unbeweglichkeit sein, denn sie steht immer am Ende eines Weges! Es ist der Weg zu uns selbst in die eigene Einsamkeit, es ist der Weg in die Armut dieser Welt und dem besonderen Reichtum, den eben diese Welt nicht bieten kann, den nur das Herz zu finden vermag.
Es ist ein schwerer und weiter Weg nach Bethlehem. Auch ein einsamer Weg, denn sehr oft ist niemand da, der ihn mit uns geht. Erst wenn wir dort ankommen, wenn wir diesen langen Weg hinter uns haben, werden wir feststellen: Bethlehem ist eigentlich doch sehr, sehr nah!
Und an dieser Krippe - dieser winzigen, nun durch tausende von Kerzen er
leuchteten Krippe im Stall von Bethlehem werden wir auf andere Menschen treffen!  Sie sind, wie wir selbst, den weitesten Weg dieser Welt gegangen, den es gibt: Den Weg aus den eigenen, engen Mauern hinaus in das helle Leben. Schließen wir uns ihnen an und rufen mit allen Menschen auf dieser Erde:
      »Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen«




©by Wildgooseman

12. Dezember 2018

Dezembermorgen























Am Pappelweg,
gleich hinterm Ufersteg
verlöschen langsam die Laternen.


Hoch droben, zwischen matten Sternen
schimmert schon das Morgenblau
auf silberperlengleichen Tau.


Dort am Gartenzaun,
man bemerkt ihn kaum,
steht ein uralter Rosenstrauch.
Aus einem Kamin quillt weißer Rauch.


Ein Dompfaffpärchen in den Bäumen,
erwacht aus Winterträumen,
fliegt frei von allen Sorgen
in den Dezembermorgen.


©by Wildgooseman

9. Dezember 2018

Aus der Vergangenheit lernen?



Heutzutage werden bei uns vielfach Parallelen gezogen zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. In fast allen Staaten der Erde kommen entweder die rechtspopulistischen Kräfte wieder an die Oberfläche oder die Machtgelüste der Diktatoren feiern vielfach fröhliche Auferstehung!
Die Masse der notleidenden Menschen jubelt ihnen und ihren diversen Versprechungen zu; dabei ist bei jedem dieser Potentaten voraussehbar, dass lediglich die eigene Macht und deren Erhalt ihr Ziel ist und die Wähler nur dazu dienen, ihnen hierzu Hilfestellung zu geben.
Parallelen zum vorigen Jahrhundert? Solche Vergleiche sind sicher nicht sehr hilfreich; die Umstände jener Zeit sind meist nicht mit denen von heute vergleichbar. Doch Eines ist dabei unerlässlich: Wir müssen unbedingt aus der Vergangenheit lernen! Die damaligen Strukturen der Gewalt sind aus einer Not heraus gewachsen, niemand konnte seinerzeit bei Beginn ahnen, wohin diese Umstände führen würden. Diese Not ist in vielfacher Hinsicht auch heute vorhanden, gewiss. Wir aber sollten heute aus der Geschichte lernen, weil unsere Zukunft jedes Mal eine andere sein wird. Und wir alle können daraus unsere Schlüsse ziehen, weil wir fähig sind, in die Vergangenheit zurück zu schauen um den kommenden Ablauf verändern zu können. Wir sind doch in der Lage, uns wirklich bildhaft anzusehen, wie es angefangen hat. Tun wir es aber? Nein, wir überlassen den Despoten dieser Zeit willig unsere Zukunft und denken nur in sozialen Medienkritiken über irgendwelche Folgen nach.

Eines wird doch wohl jedem klar sein: Wenn wir die Kriege unserer Zeit nicht schon im Keim ersticken, werden sie eines Tages die Menschheit völlig ausrotten! Machen wir uns da nichts vor: Wir haben doch genügend Mittel dazu. Mindestens fünf Atommächte haben wir auf der Erde, dazu gibt es dann noch weitere zehn, die im Verdacht stehen, Atomwaffen zu besitzen oder herstellen zu können! Das ist eine Bedrohung von ungeheurem Ausmaß. Und kaum jemand stört sich daran, man hat sich scheinbar so sehr daran gewöhnt! Und wenn jeder Politiker glaubt, dass ausgerechnet sein Land davon verschont bleiben wird, ist das ein Trugschluss von ungeheurem Ausmaß!
Der Ausspruch des früheren Papstes Bonifatius VIII. (1235 - 1303) »Qui tacet consentire videtur!« 
scheint heute wieder wahr zu sein.
»Wer schweigt, scheint zuzustimmen!«

 Schweigen wir, oder schreien wir es laut in die Zeit hinein? Parallelen zur Geschichte sind nie ganz von der Hand zu weisen. Damals hat jeder - bis auf wenige aufgeschlossene Menschen - geschwiegen! Sollen wir es wieder so weit so kommen lassen, nur weil es bequem ist? Stört uns das Leid der Menschen nicht mehr, weil wir selbst auch an etwas leiden?          
»Unser ***Land zuerst!« Wobei wir dann die drei Sternchen durch x-beliebige Staaten ersetzen können - das ist die Devise unserer Tage. Unsere Erde wehrt sich schon seit Langem gegen die Vergewaltigung der Natur durch uns. Wir wissen es, wir quälen uns durch Naturkatastrophen hindurch, wir wissen um die Ausbeutung des Einen durch den Anderen und tun nichts, gar nichts dagegen. Weil die Wirtschaft nicht darunter leiden darf, weil es sonst wieder mehr Arbeitslose gibt, weil wir mehr Ressourcen brauchen! Weil, weil, weil ...
Wir haben unsere Erde, unser Land, unsere Menschen bekommen, um sie zu pflegen und zu schützen. Das ist wahr. Aber wir haben sie nicht erhalten, um sie zu zerstören! Doch ich bin mir nicht sicher, ob es da nicht schon zu spät ist ...

©2018 by wildgooseman

3. Dezember 2018

Die Nacht ist vorgedrungen


Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern,
so sei nun lobgesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Die erste Strophe dieses Adventsliedes führt uns hinein in die Dunkelheit des Lebens. Als Jochen Klepper im Jahre 1903 in Beuthen/Oberschlesien geboren wurde, lag Deutschland noch in wilhelminischer Nacht, in der nur die Oberschichten der Gesellschaft die Helligkeit vor Augen hatten. Die Eltern Kleppers, eine deutsch-nationale Pastorenfamilie, waren fest in ihrem typischen Milieu verbunden, gut »lutherisch«, stolz auf ihr Preußentum, auf die Hohenzollern und auf ihre »deutsche« Haltung. Genau so, wie es der damalige Protestantismus vorgab! Diese Prägungen seiner Kindheit wurde Klepper zeit seines Lebens nicht mehr los.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

        Kleppers Theologiestudium in Breslau, ab 1923 -1926, war für ihn - wie auch für seine Mutter, von der er wohl den Kunstsinn geerbt hatte - eine Zäsur im Leben. Wie er beschrieben wurde, war er ein etwas »ästhetischer« Jüngling, der Gedichte schrieb und für die Stars der Stummfilmzeit schwärmte. Wegen seiner andauernden Kränklichkeit blieb er immer Mutters geliebtes Sorgenkind!
       Sein Vater war ein gestrenger Pfarrherr, der Marschmusik liebte, er hatte dem Jochen den herrnhutischen Pietismus und den Respekt vor der Obrigkeit eingeimpft.
Dies war jedoch eine heikle Mischung. Klepper wurde hin und her gerissen zwischen Künstlerleben und bürgerlich geordneter Pfarrerlaufbahn und geriet dabei in schlimme neurotische Zustände. Mit 23 Jahren war er eine Zeit lang dem Suizid sehr nahe.
In dieser Zeit war er dem Kommilitonen Harald Poelchau eng verbunden. (Dieser wurde später Gefängnisseelsorger in Tegel und Mitglied des sogenannten »Kreisauer Kreises«, einer Widerstandsgruppe gegen Hitler.)
        Klepper gab nun seine unvollendete Abschlussarbeit über den Pietismus auf und verließ damit auch die theologische Fakultät! Er hatte sich gegen den Pfarrerberuf und für eine journalistische und literarische Laufbahn entschieden. Nachdem er seine erste Stelle beim Evangelischen Presseverband gefunden hatte, schirmte er sich vor dem Großstadtleben immer mehr ab, um kreativ tätig zu sein.
        Kurz darauf lernte er dann seine Freundin Hanni Stein kennen; sie war dreizehn Jahre älter als er, verwitwet und hatte aus ihrer Ehe mit einem Anwalt zwei Töchter. Aus einer jüdischen Modefamilie stammend, konnte sie Jochen mit finanzieller Sicherheit und einem Ambiente umgeben, wie er es aus seiner Jugend gewohnt war.
Seine Hanni ermunterte ihn, sich künstlerischen Themen zu widmen. Die Beiden führten eine wirklich glückliche Ehe. Klepper baute sich in Berlin mit Hanni und den beiden Mädchen eine neue Heimat auf. Das hatte er bewusst so gewählt, um weit genug von seinen Eltern zu sein, die in Schlesien lebten. Diese missbilligten seine Verbindung mit einer Jüdin von Anfang an!

Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

        Nach einigen Jahren der Ruhe und journalistischen Arbeit beim Rundfunk in Berlin wurde sein Leben wieder düsterer. Die Hitlerdiktatur 1933 bescherte ihm als erstes die Entlassung aus dem Rundfunk. Langjährige Verhandlungen mit der NS-Bürokratie begannen, er versuchte dennoch zu publizieren, um wenigstens ein geringes Einkommen zu erhalten. Die zunehmenden Schikanen gegen "jüdisch versippte" Familien aber gingen auch an Kleppers kleiner Familie nicht vorbei. Jochen war in seiner Haltung fest überzeugt, dass "die Juden sich zu Christus bekehren müssen", sollten sie gerettet werden. Deshalb war er umso glücklicher, als Hanni sich im Dezember 1938 taufen ließ! Sie tat dies aus freien Stücken, obwohl sie wusste, dass ihr dieser Schritt angesichts der antisemitischen Politik der Nazis nichts nützen würde.
        Kleppers finanzielle Lage hatte sich jedoch etwas gebessert. Mit seinem 1937 erschienenen Roman »Der Vater« über den preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. errang er Aufmerksamkeit und auch Erfolge. Am Beispiel des gestrengen Landesvaters, der in der Verantwortung vor Gott sein Land saniert, wollte Klepper dem gottlosen "Dritten Reich" diskret den Spiegel vorhalten. Zugleich verarbeitete er damit den eigenen Vaterkonflikt. Es gelang ihm nicht! Die wenigsten Menschen registrierten die Botschaft zwischen den Zeilen! Die meisten seiner Freunde und Bekannten hatten völlig andere Ziele, sie strebten, wie auch Klepper eigentlich selbst, die Rückkehr zu einer »Christlichen Monarchie« an. Die Aktivisten des Kirchenkampfes, wie beispielsweise Martin Niemöller, lagen überhaupt nicht auf Kleppers Linie!
        Natürlich war klar, dass Klepper mit Rücksicht auf seine Familie nicht aufsässiger sein konnte. Aber er hätte ja auch mit Hanni und der Tochter Reni rechtzeitig ins Ausland gehen können, so wie es die ältere Tochter Brigitte 1939 tat. Aber der Gedanke, dann von Deutschland getrennt zu sein, ängstigte ihn, den treudeutschen Klepper. Und außerdem, seit dem Kriegsausbruch war eine Flucht sowieso unmöglich geworden.

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

     Dann kam noch einmal, am
10. Dezember 1942, eine letzte kleine Chance für Reni und Hanni: Das neutrale Schweden hatte endlich eine Einreisegenehmigung für die Beiden erteilt. Nun kam alles auf den Ausreisestempel an, den SS-Führer Adolf Eichmann in Aussicht gestellt hatte. Aber Eichmann, der Scherge für die »Endlösung«, lehnte die Ausreisegenehmigung ab! 
Das bedeutete nun für Klepper Ausweglosigkeit! 
        Sie hatten ihr Haus im Vorort Nikolassee am 10.Dezember noch einmal adventlich geschmückt. Doch ihre Nerven waren zermürbt von all dem Druck, der seit zehn Jahren auf ihnen lastete. Es ging nun um Leben oder Tod: Dem 39-jährigen Jochen Klepper und seiner Ehefrau Hanni drohte die Zwangsscheidung! 
Hanni, die getaufte Jüdin, und ihre Tochter Reni, die seit einem Jahr den gelben Stern tragen mussten und in einer Fabrik Zwangsarbeit leisteten, sollten in den Osten deportiert werden. Die kleine Familie war nun  entschlossen, sich eher gemeinsam das Leben zu nehmen, als die Trennung zu erdulden!
        Für Jochen Klepper und seine kleine Familie war dies das Ende. Ihr Dienstmädchen fand am nächsten Morgen, dem 11. Dezember 1942, einen Zettel an der Küchentür: »Vorsicht Gas

In seinem letzten Tagebuch-Eintrag 
schrieb Klepper: "Wir sterben nun - 
ach, auch das steht bei Gott - 
Wir gehen heute Nacht gemeinsam 
in den Tod. Über uns steht in den 
letzten Stunden das Bild des 
Segnenden Christus, der um uns ringt." 
.....................................................................................................
Jochen Kleppers letzte Tagebucheintragung vom 10. Dezember 1942
Die Toten lagen auf einer Decke am Boden. Die beiden Frauen hielten sich umarmt. Die Augen Jochen Kleppers waren offen geblieben und drückten ein großes Erstaunen aus ...

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

 ©2018 by Wildgooseman













29. November 2018

Go, tell it on the mountains ...


Gott kommt ganz leise zur Welt,
unscheinbar, als kleines Kind.
Nur wahrnehmbar für die,
die nicht Ohren und Kopf voll haben
mit Lärm und Unruhe.

Die Hirten sind Menschen,
die schweigen und in die Stille der Nacht
hinaushören können.
Sie sind die Ersten, die wahrnehmen,
wer dort die Erde betreten hat.
-Franz Kamphaus-




Weihnachten steht vor der Tür. Wieder einmal. Seit 2000 Jahren ist dieses Ereignis zum jeweiligen Jahresende das Fest des Jahres für Familien, Vereinigungen, Clans und Clubs.
        Vor etwa 100 Jahren trat eine Zäsur ein! Der Commerz trat ins Leben dieses celebrativen Weihnachtsfestes. Seitdem vergrößert sich die geschäftsmäßige Form dieser Geburtstagsfeier Christi um das Vielfache ihrer ursprünglichen Gestaltung. Die einstmals geliebten alten Weihnachtslieder mag man schon nicht mehr hören; wer sich im Kaufhaus beim Erwerb einer neuen Hose gleichzeitig »Stille Nacht, Heilige Nacht« um die Ohren rieseln lässt, hat ganz gewiss keine Lust mehr, das gleiche Lied auch noch zu Hause im Kreise der Familie zu singen. Mir jedenfalls geht es schon etliche Jahre so!
        Dabei ist das Christfest doch alles andere als ein Abklatsch irgendeiner Party, bei der Alkohol und fetzige Musik die Hauptrolle spielen!
Eigentlich müssen wir nichts, aber auch rein gar nichts beweisen, wir müssen nicht über uns selbst hinauswachsen und wir müssen auch nichts erreichen!
        Eigentlich! sage ich, denn jedes Jahr wieder schaffen wir es, aus dem Weihnachtsfest einen Leistungssport zu machen. Es wird ein Triathlon aus
Geschenkekauf, Feiern und Besuchen. Und nichts erlöst uns aus diesem selbst gewählten Sport. Wir ganz allein können uns daraus erlösen, in dem wir uns darauf besinnen, was Weihnachten wirklich bedeutet - und auch mal getrost »Nein« sagen.
        Wir können uns sagen, dass unser Gott Ehrfurcht und Achtung hat vor dem mühevollen Weg, den wir gehen, vor der Art, wie wir unser Leben bewältigen und vor der Weise, wie wir uns den Aufgaben, die täglich neu auf uns warten, doch immer wieder stellen! Er weiss ganz sicher, dass wir eigentlich für diese Welt nicht gemacht sind. Wäre es anders, wäre Gott nicht Mensch geworden, hätte sich uns nicht zur Seite gestellt, als Trost, als Bruder, als Herr!
        Wäre es anders, dann bliebe uns Weihnachten erspart! Dann hätten wir lediglich Wintersonnenwende und Julklapp. Wer sich in diesen Tagen das Kind in der Krippe betrachtet, der beugt sich im Geheimen auch vor dem Wunder ›Mensch‹ in all seinen Lebensarten und auch Zweideutigkeiten! Und das dürfen wir ruhigen Gewissens, denn unser Schöpfer macht es uns doch vor. Er nimmt den Menschen - uns, in all seiner Gebrochenheit wirklich ernst; er liebt uns so, wie wir sind. Der große Gott, der Schöpfer, der Allmächtige wird klein, winzig klein! Warum? Damit der Mensch groß werden kann- wenn er es ernst nimmt.

       
Weihnachten steht vor der Tür. Das Fest der Geburt Christi, ein Geburtstag, wie jeder andere? Nein, denn wenn wir weiter denken, sehen wir schon hinter der Krippe das Kreuz!
Sehen wir es wirklich? Oder wird es von dem ganzen Rummel um die Weihnachtstage übersehen? Gott ist für uns gekommen, für Dich, für mich, für alle Menschen, die guten Willens sind.

 ... Go, tell it on the mountains,
over the hills and everywhere,
that Jesus Christ is born!



©2018 by Wildgooseman

24. November 2018

Ein blauer Morgen

morgen
Ein blauer Morgen am Fluss. Zeitlos. Grenzenlos. Ein morastiger Pfad führt hinunter zum Wasser. Es ist kühl, spürst du, wie das taunasse, moosige Gras deine Füße benetzt? Kaum fühlbar streicht ein Windhauch über die Rispen des Schilfs. Erzählt von den Träumen der Nacht, als sich das Sternenlicht auf der Oberfläche des Flusses spiegelte, als der Mond verschwiegen durch die Blätter der Bäume lugte.
Horch! ---
Ein leises Geräusch, so fremd und doch aus fernen Tagen so vertraut. Irgendein kleines Tier streift durch die Gräser. Vielleicht zurück von der Nahrungssuche in der nächtlichen Dunkelheit.
Ein Hauch von Frische weht durch den nebligen Morgen, eine Ahnung von unendlicher Freiheit erhebt deine Seele wie auf Schwingen in die blaue Frühe des Tages.
Hinter den Bäumen am anderen Ufer versuchen erste Sonnenstrahlen, das Nebelgespinst zu durchdringen. Noch ist es vergeblich, doch schon zu erahnen, dass dieser Dunst dem Sonnenlicht weichen muss.

Alles hat seine Zeit, nicht wahr?
Im morgenblauen Dickicht des Ufers irgendwo die Stimme einer ersten Amsel. Es klingt fast wie eine Begrüßung:
«Hör gut zu, du Mensch! Lausche auf die Stimme der Natur! Lass alles hinter dir, den Stress, den Ärger, die Sorgen. Werde eins mit uns, gib dir selber diese Chance.»
Langsam lichtet sich der Nebel über dem Fluss, weit in der Ferne den hellen Klang einer Turmuhr, sie ruft dich zurück in die Wirklichkeit, in eine Realität, in der solch ein blauer Morgen völlig deplatziert wirkt.

Nimm dir diese Zeit zum Träumen; du wirst solch eine wunderschöne Stunde nicht vergessen, wirst immer an ihn denken, an diesen Morgen am Fluss.
Und wenn es kein Fluss ist: Es gibt Alternativen, ein kühler dunkler Wald am frühen Morgen hilft deiner Seele, sich selbst zu heilen! Oder eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang im Garten, oder auf dem Balkon wirken wie Balsam auf das Gemüt.

Weißt du, dass Gott dir dann besonders nahe ist? Probier es doch mal aus...

Wie heißt es in der Waldandacht :
(von Leberecht Blücher Drewes, 1816-1870 )

 
Frühmorgens wenn die Hähne kräh'n,
Eh' noch der Wachtel Ruf erschallt,
Eh' wärmer all die Lüfte weh'n,
Vom Jagdhornruf  das Echo hallt
|:Dann gehet leise, nach seiner Weise,
Der liebe Herrgott durch den Wald.

2. Die Quelle, die ihn kommen hört,
Hält ihr Gemurmel auf sogleich,
Auf daß sie nicht die Andacht stört
So Groß als Klein  im Waldbereich
|:Die Bäume denken, nun laßt uns senken,
Vorm lieben Herrgott das Gesträuch.

3. Die Blümlein, wenn sie aufgewacht,
Sie ahnen auch den Herrn alsbald.
Und schütteln bald den Schlaf der Nacht
Sich aus den Augen mit Gewalt.
|:Sie flüstern leise, ringsum im Kreise,
Der liebe Gott geht durch den Wald.
©by Wildgooseman

11. November 2018

Sonntagmorgen in der Großstadt


In der Stadt am Sonntagmorgen,
Der Balkon umrahmt von gelbem Grün.
Mitten zwischen grauen Sorgen,
Geranien dort noch oben blühn.

Ein paar Reisetauben bringen
Traumwelten von ferne her;
Die ersten Glockenklänge schwingen
Hellweit übers Häusermeer.

Unten im Haus erwacht das Leben;
Ein Säugling schreit, ein Dackel bellt.
In der Sonntagszeitung steht soeben,
Das grausige Geschehen in der Welt.

Durch Flure schleichen Kaffeedüfte,
Nur noch die frischen Brötchen fehlen.
Diverse Töne klingen durch die Lüfte,
Für Klassik-, Rock- und Country-Seelen.

In der Stadt am Sonntagmorgen,
Bevor die Sonne strahlend lacht, -
Mancher Traum, jetzt noch verborgen,
Wartet auf die nächste Nacht.

©by wildgooseman

9. November 2018

Eine kristalline Nacht



Kannst Du Dich noch erinnern, was in Deinem Leben geschah, als Du fast 5 Jahre alt warst? Sicher nicht in allen Einzelheiten, sicher nicht in Details. Ich kann mich seltsamerweise gut daran erinnern, vielleicht weil diese Erinnerung in meinem jungen Geist eine bleibende Erinnerung hervorrief.


        Es war 1938. An der Hand meiner Großmutter ging ich am Morgen - (ich weiß nicht mehr wie es spät war, sicher sehr früh) - des 10. November durch die Straßen meiner Heimatstadt Stolp. Meine Oma holte mich von meiner Mutter ab, die tagsüber berufstätig war; Großmutter hatte sich bereit erklärt, mich in dieser Zeit unter ihre Fittiche zu nehmen. Es war ein feuchtkühler Tag, so ein richtiges Novemberwetter beherrschte die Straßen unserer Stadt. An diesem grauen Morgen waren nur wenige Menschen unterwegs, es war unwirklich ruhig auf den Straßen.
        Oma schaute sich auffallend oft um, die schmale Falte zwischen ihren Augenbrauen zeigte mir, dass ich sie in diesem Moment nicht mit meinen neugierigen Fragen belästigen durfte.
Am Marktplatz dann doch ein große Menge Menschen, vor dem jüdischen Kaufhaus. Alle Schaufenster waren zerschlagen, ein riesiger Berg von Scherben lag auf Straße und Gehsteig. Dazu überall Schilder aller Art mit Aufschriften wie »Deutsche, kauft nicht bei Juden!«
        Meine Neugier ließ ich nicht unterdrücken. Ich fragte Oma natürlich nach dem »Warum«, eine Antwort erhielt ich nicht. Bis auf ein kurzes »Komm schnell weiter« kam von ihr kein Kommentar. Dann in der nächsten Straße, es war die Hospitalstraße, erneut solch ein Bild. Zerschlagene Fensterscheiben, eine demolierte Haustür neben diversen Tuchballen und halbfertigen Mänteln und Kleidern aus einer Schneiderei Unmengen von Haushaltsgegenständen auf der Straße. Oma zog mich auf die andere Straßenseite um in aller Eile diesem Tohuwabohu zu entkommen.
        Irgendwann kamen wir dann atemlos bei Omas Haus an. Bevor ich nun noch die Fragen stellen konnte, die mir auf der Zunge lagen, nahm sie meinen Kopf in beide Hände und erklärte mir dann eindringlich, dass ich diese Bilder schnell vergessen sollte!
Ich habe sie aber nicht vergessen. Sie sind eingebrannt in meine Seele, auch wenn ich damals nicht wusste, was da vorging!

        Am nächsten Tag stand in der »Ostpommerschen Zeitung« ein Artikel, dass »der Volkszorn des Deutschen Volkes sich Bahn gebrochen hätte«! (Natürlich konnte ich das noch nicht selbst lesen, aber die Ohren eines kleinen Jungen waren ausreichend groß, um die Kommentare der Erwachsenen zu verstehen!)
Die Synagoge in Stolp sollte ebenfalls ein Raub der Flammen werden. Irgendwie hatte es jedoch nicht ganz geklappt, Das Gebäude wurde später gesprengt. Das jüdische Leben fand noch für kurze Zeit im Gemeindesaal der jüdischen Gemeinde im hinteren Anbau der Synagoge statt.
Synagoge in Stolp/Pommern

        Natürlich weiß ich heute, dass der Antisemitismus in Deutschland nur einen Aufhänger gebraucht hatte, um solch ein Pogrom zu starten. Die Tötung des damaligen Legationssekretärs vom Rath in Paris durch den 17jährigen Herschel Grynszpan, kam dem Nazi-Regime genau entgegen.
Ob das Opfer überhaupt hätte sterben müssen, erscheint heute sehr zweifelhaft. Denn Adolf Hitler ließ nach der Tat zwei Ärzte nach Paris fliegen, die die Behandlung übernahmen und nicht nur die französischen Ärzte von der Behandlung ausschlossen, sondern auch die eigens aus Düsseldorf angereiste Familie vom Raths an jeder Kontaktaufnahme mit ihrem Sohn hinderten. Die Tat und der Tod des Opfers passten sehr gut in die Strategie von Goebbels, der gerade nach einer Möglichkeit sann, gegen die Juden in Deutschland losschlagen zu können. Und zwar nicht „nur“, wie bisher, mit Gesetzen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Quelle:Focus,7.11.18
        
Was ich dabei dann einige Jahre später nicht verstanden habe ist die Tatsache, dass der sogenannte »Volkszorn« in allen Städten des damaligen »Reiches« gleichzeitig losschlug! Jeder normal denkende Mensch hätte doch diese unglaubwürdige Fälschung erkennen können! Es sei denn, man hätte alle Bedenken bewusst negiert!
Dies, liebe Freunde, ist leider eine Tatsache, die heute nicht mehr verschwiegen werden darf! So nämlich fängt der Antisemitismus bei den Menschen an - mit dem »Wegsehen« ist der erste Schritt getan.
        Das aber, und niemand wird mir das Gegenteil beweisen können, das beginnt in diesen Tagen wieder. Noch ist es eine Minderheit.
Schaut nicht weg! Mischt Euch ein, wenn Minderheiten angegriffen werden, helft allen, die verfolgt werden.
Wir brauchen keine neuen Pogromnächte, niemals mehr ...



©2018 by wildgooseman

7. November 2018

Goodbye means forever?

Dieses Goodbye dauert sicher keine Ewigkeit, die Endlosigkeit eines solchen Abschieds ist nicht messbar. Die niederdrückenden Glockentöne sind längst verklungen, kein Vogel singt ein Liedchen. Die Vögel wissen nichts von Abschiedsmelodien, sie leben nur. Ganz einfach. Sie feiern Tag für Tag die Reinkarnation ihres Lebens ohne zu wissen, warum.
Hier und da am Rande des Weges noch wenige Blumen auf den letzten Ruhestätten. Ein wenig verwaschene Farbe dringt durch sie in das trostlose Regengrau des morgendlichen Novembertages. Die Birken am Wegesrand erweisen mit den letzten gelben Blättchen dem kommenden Winter Reverenz. Mag ja sein, er lässt sich erweichen, später zu kommen als geplant?
Unter trostlosen Regenschirmen eilt eine Anzahl schwarz gekleideter Gestalten den Weg entlang. Es scheint, dass man diesen Ort so schnell als möglich verlassen möchte. Hier und da blitzt noch ein verschämtes Taschentuch auf, halblaute Gespräche, von der nebligen Luft fast verschluckt, ein dezentes Hüsteln. Der letzte Mann schließt die gusseiserne Pforte dieses stillen Ortes hinter sich. Zurück bleibt das Erdenkind, das man zur letzten Ruhe trug. Die Vergänglichkeit nimmt Gestalt an, Asche wird zu Erde, wenn auch unsichtbar.
Alles nimmt seinen Gang wieder auf. Das Leben geht weiter. Welch ein allgemeines, radikales Wort. Das Leben geht weiter! Natürlich geht es weiter, die Zeit bleibt ja nicht stehen. Aber für die engsten Betroffenen scheint die Sonne still zu stehen. Bei ihnen ist eine Lücke entstanden, ein Zwischenraum, der einstmals gefüllt war mit Liebe und Vertrauen, mit Aufmerksamkeit und Freuden. Natürlich auch mit Verdruss und Ärger, die auch zum Leben gehören! Nun ist diese Kette durchbrochen, ein Glied daraus ist entfernt. Dieser Mangel wird sich noch lange bemerkbar machen.Friedhf_024
Wir stellen Fragen dazu, ständig stellen wir Fragen. Nach dem Sinn. Warum stellen wir diese Fragen? Es ist doch alles klar, niemand müsste fragen, die Antworten liegen seit der Geburt auf dem Tisch. Und dennoch, seit Äonen von Jahren werden immer die gleichen  Fragen gestellt und auch immer die gleichen Antworten gegeben. Wozu also? Um das Leid besser zu ertragen?
Im Laufe des Lebens haben wir alle gelernt, dass unsere Schritte mit zunehmendem Alter bedächtiger werden, leiser und leiser. Wir sind unschlüssig in den Gedanken an unser eigenes Dasein. Ist das Feuer der Jugend erloschen? Nein, beileibe nicht, doch es hat sich zu Glut verändert. Träumten wir früher von der Zukunft, so ist es heute die ferne Vergangenheit, die uns so manches Mal übermannt.
Durch diese Reminiszenz entsteht die Unsicherheit in unserer Gegenwart. Wir können sie nicht einfach weglegen wie ein Buch, in dem wir gelesen haben. Stets fügen sich immer wieder Gedanken und Worte in unser Gedächtnis ein, die wir längst verschwunden geglaubt hatten.
Es ist genau wie mit alten Liedern, die auftauchen und unser Gedächtnis ständig mit ihrer  Klangfolge wieder und wieder erobern und manchmal stundenlang belagern.
Wir sangen doch früher immer gern. Wir singen auch heute noch. Aber unser Gesang, mit dem wir das Leben umrahmen, wird immer leiser, weicher, melodiöser. Aus dem Lied, das einst unsere Freude am Dasein transportierte, treibt nun die Melancholie neue Triebe, die das Herz berühren. Diese Melodie des Lebens, immer wieder neu interpretiert, versucht aus dem Schatten der Vergangenheit Knospen hervorzubringen, Sprösslinge, die niemals zu Blüten werden, weil ihnen die Zeit fehlt.
Wie sinnlos erscheint doch der Lebensbaum an der Pforte zum Friedhof. Wozu steht er dort? Mit Liebe wurde er einst gepflanzt, zum Zeichen der Erinnerung an Menschen, die auf ihrem letzten Weg vorbeikamen. Sinnlosigkeit hat also ihren Sinn? Hier, in dieser "Allee des Vorübergehen" auf jeden Fall. Sie gehört dazu, zum Leben, zum Abschied nehmen.
Hinter den stillen Kulissen des vergangenen Lebens aber beginnt die nächste Strophe des Liedes, das täglich neu gesungen wird. Der Himmel wird nicht immer so grau bleiben, wie er heute den Menschen erscheint, die am Ort der Ruhe nun entfliehen. Am strahlend blauen Himmel werden dann wieder weiße Federwolken übermütig durch die Lüfte jagen. Bunte Falter gaukeln über geschmückten Gräbern von Blume zu Blume, freuen sich des Daseins, weil sie ihre Endlichkeit nicht ahnen können.
Goodbye heißt auf Wiedersehen, und niemand der gegangen ist, wird vergessen. Wichtig aber ist, dass nun keiner bei dem Gedächtnis stehen bleibt! Wie hieß doch die Allerweltsformel? Das Leben geht weiter!
Es ist tatsächlich so. Und alle, die hinter dem dunklen Vorhang entschwunden sind, haben uns doch etwas voraus: Sie sind bereits dort, wohin wir alle noch gehen. Aber wir holen sie ein! Ganz gewiss.
Goodbye means forever? Wer weiß das schon. Es sind nun mal Momente der nicht einsehbaren Ewigkeit, die jeden bedrücken. Wir Menschen wollen immer wissen, was hinter dem Vorhang ist! Deshalb diese ganzen esoterischen Versuche, ihn ein wenig zu heben. Unnötig weil unsinnig. Wer das erfasst hat, ist schon ein gutes Stück weiter auf seinem Weg der inneren Freiheit!

Goodbye heißt Auf Wiedersehen, irgendwann und irgendwo ...

©2018 by Wildgooseman

1. November 2018

WILDGÄNSE (Tanka)




Wildgänse rufen
im bleigrauen Morgenlicht,
aber ihr Locken
bleibt doch wieder vergebens,
denn ich kann ja nicht fliegen.


©2018 by Wildgooseman