27. März 2020

Wer denkt an sie?



Nun wird es Ernst. Uns fehlen die ausländischen Hilfskräfte, die bisher dafür sorgten, dass die anstehenden Erntearbeiten bei Spargel und Erdbeeren ohne Schwierigkeiten vonstatten gehen konnten. Jetzt ist der deutsche Bundesbürger wieder auf dem Zustand angelangt, der in früheren Jahrzehnten normal war! Es ist faktisch eine Krise in einer Krise. Die Abschaffung der Reise-und Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union ist de Facto vollzogen.
Die deutsche Wirtschaft trifft das natürlich hart, und nun auch noch die kleinen Firmen, die eigentlich wenig beschädigt durch den Corona-Sturm hätten kommen können. Es ist ja nicht nur der Spargelstecher, der nun nicht mehr da ist, die ganze Entwicklung kann dazu führen, dass LKW nicht mehr fahren können, Baustellen still daliegen und vielleicht sogar Schlachthöfe nicht mehr betriebsbereit sind - weil eben die Schlachter fehlen, die immer aus dem Ausland kamen!

Das alles scheint bisher noch nicht bis in das Bewusstsein unserer Bevölkerung einzudringen. Ist das ein Wunder? Diese genannten Arbeitskräfte bildeten doch jahrzehntelang eine Schattenwelt am Rande der Gesellschaft!
Sie arbeiteten doch allzu oft unter fragwürdigen Bedingungen, lebten in zum Teil menschenunwürdigen Unterkünften.
Es war immer eine Parallelgesellschaft, die für unser aller Wohlergehen arbeitete, für unseren Wohlstand! Wir werden es sehr schmerzlich erfahren, wie sehr sie uns fehlen werden. Hat sie vorher jemand beachtet? All diejenigen, welche diese Arbeiten machten, die uns nicht mehr gut genug waren?
Nur wenige Menschen kannten sie, die unterbezahlten Helfer in der Landwirtschaft und in anderen Berufen. Nun, in dieser Zeit, wenn sie nicht mehr kommen, da vermissen wir sie ganz gewiss. Oder nur ihre Arbeit?
        
Ich denke dabei auch an die minimal bezahlten Kräfte in der Paket-Zustellbranche, ausgenutzt bis zum »geht-nicht-mehr«! Sie sind noch bei uns, bringen uns die Sendungen, die ständig Höchstzahlen an Zustellungen erreichen. Sagen wir auch einmal ein »Dankeschön«, verbunden mit einer kleinen Spende?
Wie wird es sein, wenn diese Krise einmal vorbei ist? Können wir dann noch so weiterleben wie vorher? Ändert sich vielleicht danach unser Leben? Oder heißt es dann wieder: »Jeder ist sich selbst der Nächste ...«

©by H.C.G.Lux

15. März 2020

Es war einmal - das stimmt nicht wirklich, oder?



Es war einmal eine Ratsversammlung einer mittelgroßen Stadt. Sie hatte wieder einmal getagt, fünfeinhalb Stunden lang. Zwar bestand die Bürgerschaft der Stadt nur aus vier Parteien - dennoch waren es vierundzwnazig Meinungen, die hier aufeinandertrafen.

        Klar, es war ja auch ein heißes Eisen. Sie hatten sich lange davor gedrückt, dieses relevante Thema anzufassen, aber die Einwohner der Stadt hatten letztlich darauf gedrungen, hier endlich »Nägel mit Köpfen« zu machen. Der Bürgermeister, vor einigen Wochen wiedergewählt, war dann zur Tat geschritten und nun lag der Dreiviertel-Mehrheits-Beschluss auf dem Tisch!

        AUSLÄNDER UNERWÜNSCHT.
Die Plakate in auffälliger neongrüner Farbe wurden in Auftrag gegeben. Die Druckerei hatte sich zunächst geweigert, auf intensives Anstoßen der Stadtverwaltung aber, das man, gelinde gesagt, als Nötigung auffassen könnte, musste der Druckerei-Inhaber zähneknirschend nachgeben. Drei Tage später verzierten an vielen markanten Stellen der Stadt diese Überbleibsel einer vor-medialen Informationsgestaltung wie Schmuckblätter das Stadtbild.
        Und so war es denn auch unausbleiblich, dass der größte Teil der Bevölkerung vor diesen Plakaten stand und mehr oder minder begeistert von dieser Entscheidung der Stadtväter war. Der Teil der städtischen Einwohner, der ausländische Wurzeln hatte, sah sich nicht mehr angenommen und verließ nach dieser verbreiteten Aufforderung innerhalb zwei Wochen die Stadt!

      
 Und nun geschah, was niemand erwartet hatte: Alle Ausländer waren plötzlich fort. Als die Arbeitnehmer der Stadt zwei Wochen darauf morgens zu ihrer Tätigkeit aufbrechen wollten, waren sie plötzlich vor eine Situation gestellt, die sie nicht erwartet hatten!
Alle Autos der Marken, die ihre Produktion im Ausland hatten, waren nun auf einmal fort! Die Japaner, Koreaner und Franzosen waren nicht mehr vorhanden, Italiener ließen grüßen mit dem Hinweis, dass bei ihnen ja noch Urlaubsplätze vorhanden seien. Den Deutschen blieb nichts anderes übrig, als zu Fuß zur Arbeit zu gehen, die Lehrer standen vor leeren Schulbänken, weil die Eltern ihre Kinder nicht mehr mit dem Elterntaxi zur Schule bringen konnten.
        In den Supermärkten herrschte kein Überangebot mehr, Tomaten aus Holland und Spanien, Käse aus der Schweiz und Dänemark, Orangen und Penne aus Italien - alles war nicht mehr vorhanden! Die Gänse aus Polen und Ungarn waren weg geflogen. Pizza, Döner und Burger völlig verschwunden, selbst die vielgeliebten/geschmähten Fritten hatten die Flucht ergriffen.
Die Verkäuferin am Blumenstand zuckte bedauernd mit den Schultern, »Tut mir leid, die ganze Blumenpracht hat sich geweigert, nach Old Germany einzufliegen!«
        Die Restaurants der Stadt waren von einem auf den anderen Tag eintönig geworden; so weit es noch deutsche Küche gab, bildeten sich ellenlange Schlangen, da thailändische, chinesische, italienische, kroatische u.a. Lokale nicht mehr vorhanden waren.
        Selbst der Bürgermeister war davon betroffen, als der auf seine Rolex schauen wollte, war die schon längst auf dem Weg in die Schweiz!
Es wurde also schleunigst eine neue Ratsversammlung einberufen, auf der alle Anwesenden sich dafür aussprachen, den Ausländer-Beschluss schnellstens aufzuheben. Und so geschah es dann auch.
        Gleichzeitig wandte man sich an all die anderen Städte, dass sie sich von ihren eigenen Dummköpfen nicht beirren lassen sollten und niemals diese unsinnige Parole
»Ausländer unerwünscht« veröffentlichen dürften.
Doch wenn es nicht geändert wurde, sind diese Parolen auch heute noch in unserer Stadt vorhanden …

©by wildgooseman


7. März 2020

Corona - Gedanken zum Tage



Der Wirbel um das Corona-Virus nimmt groteske Gestalt an. Es gibt Menschen, denen die eventuelle Ansteckungsgefahr so viel Furcht bereitet, dass sie mit Hamsterkäufen unserer Wohlstandsgesellschaft aufzeigen, wie zerbrechlich unser Dasein ist.
        Dabei wird gekauft, was das Zeug hält; Toilettenpapier und Konserven, Nudeln aller Art und Kosmetikartikel, Zucker, Mehl, Zwieback und Knäckebrot, H-Milch und Zahnpasta. Bitte - sag mir jetzt niemand, das wäre nicht so, ich sah es mit eigenen Augen!
 Ist es möglich, das die zivilisierte Bevölkerung solch eine Angst vor dem Virus hat, dass die Vernunft dabei den Bach hinuntergeht? Es gibt immer noch Millionen, nein - Milliarden Menschen, die diese oben genannten Artikel überhaupt nicht kennen! Beispiel: Die unabsehbaren Flüchtlingslager, in denen kein Ende der Tragödien absehbar ist.

        Ich denke dabei auch an das Jahr 1945. Wie haben wir Alten damals als Kinder nur überlebt? Es gab noch nicht diese gut ausgebaute Infrastruktur mit ihrem medizinischen Fortschritt, keine Kliniken mit vorgehaltenen Quarantäne-Stationen, die für alle Notfälle gerüstet sind.
Wir brauchten uns seinerzeit um Vorräte keine Sorgen machen, es war sowieso nichts da! Es gab weder Internet noch Smartphone - und doch haben wir dank Willen und Kraft alle Nöte und Elend überwunden.
          Etwas mehr Vertrauen in unseren Staat wäre auch heute angebracht. Stattdessen hört man immer nur Gemecker, Geschimpfe und Verleumdungen; Lügen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung.
        Der Staat sind wir; wir alle ohne Ausnahme! Und das wir es sind, verdanken wir unsere demokratischen Grundordnung. Sie hat viele Fehler - gewiss. Aber es gibt keine bessere, mag man das auch noch so oft beteuern!
        
         Und ob eine Gefahr nun »Corona SARS-CoV-2« heisst oder »Ebola« oder »Lassa« oder »HIV«, das ist dabei unerheblich. Die Natur scheint sich gegen ihre Vergewaltigung durch den Menschen zu wehren, seit Jahrhunderten hat sie immer wieder zurückgeschlagen. Bisher konnte der Mensch sie zweifellos stets besiegen.
      Hoffen wir alle, dass es mit den Errungenschaften unserer Zivilisation auch weiterhin so sein wird.
»Ein Mensch, der nicht hofft, verzichtet auf seine Freiheit.«
(Bioethiker Giovanni Maio)


©2020 by H.C.G.Lux




25. Februar 2020

Ist es schon hundert Jahre her?


Am 24.Februar 1920 stellte Adolf Hitler im Münchener Hofbräuhaus das Parteiprogramm der NSDAP vor.
Einhundert Jahre ist es nun her, seit aus dieser völkischen Stammtischrunde eine Staatspartei wurde, die ohne große Schwierigkeiten später unsere Welt in Schutt und Asche legen konnte. Acht Jahre danach veröffentlichte Josef Goebbels, der spätere Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, folgende Erklärung:
              »Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahmzulegen! Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre Sache.
Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren!
«
 Solch ein Aushebeln des parlamentarischen Systems und dessen anschließende Verhöhnung konnte man nun leibhaftig in den Vorgängen des Thüringer Landtags beobachten.
Es ist eine ähnliche Obstruktion, wie sie einst der Nazi-Demagoge beschrieb.
Geschichte wiederholt sich nicht! Das ist sicher wahr, dennoch verändert sich die neue rechte Partei, die einst als Euro-kritisch gegründet wurde, immer weiter in Richtung einer »völkischen Ideologie«. Von einigen ihrer »An«führer, wie Herr Höcke in Thüringen, scheint dies gewollt zu sein.
Geschichte wiederholt sich nicht, Okay - aber die Auswirkungen?

©2020by wildgooseman

21. Februar 2020

Digitale Wunderwelt?



Also, mein Neffe ist ein Mensch, der mitten im wunderbaren modernen Leben steht. All das, was seine Eltern sich in früheren Zeiten anschafften - es sich sozusagen vom Munde absparten, entlockt ihm - wenn überhaupt - nur ein mildes Lächeln. »ist doch alles unmodern, wer hat denn heute noch so etwas, - oh was seid ihr doch rückständig ...«!
         Solches ›Blabla‹ ist immer häufiger zu hören, wenn er mal seine Eltern mit seinen seltenen Besuchen beehrt. Das kommt daher, dass bei ihm in seinem modernen Haushalt alles nur noch digital abläuft.
Er klatscht in die Hände, und die Fensterläden schließen sich. Er ruft »Musik« und die Anlage gibt Beethovens ›Eroica‹ wieder; Waschmaschine und Trockner werden vom Supermarkt aus angestellt, das Garagentor öffnet sich durch Blickkontakt mit seinen stahlblauen Augen und die Badewanne füllt sich durch zweimaligen Pfeifton. Natürlich fehlt auch ein Super-Saugroboter nicht in seinem Digital-Technik-Wohnkomplex. Der wird einfach programmiert und macht dann zur festgelegten Zeit seine Arbeit ohne Murren.
        Ja, so ist es eben bei Detlef daheim. Schlimm wird es nur, wenn mal ein neuer Hausbewohner dazukommt! 

Mimi, das junge Kätzchen vom Töchterchen, war leider noch nicht ganz stubenrein! Und bei so einer dringenden Gelegenheit hat sie dann doch mal ihr Katzenklo nicht mehr erreichen können - oder wollen - und da der kleine Reinigungsroboter nichts übersieht, wurde diese Hinterlassenschaft nun in der ganzen Wohnung von ihm planmässig ausgebreitet! Der ›Robby‹ hat nun zwar diesen Fehltritt sofort mit seiner Wischautomatik zu reinigen versucht; dadurch jedoch wurde der ganze Salmiak noch weiter in der Wohnung verteilt.
        Und so traten am Ende dieser Vorstellung doch noch Wischmop und Wasser in Aktion, dazu war ein Teppich reinigungsreif und der fleißige »Roboter« musste zur Selbstreinigung in die Werkstatt!

Digital ist ja wunderbar - doch ohne die geschmähte »menschliche Rückständigkeit« klappt es dann doch nicht ganz ...

©by H.C.G.Lux


13. Februar 2020

Das Internet und ich



Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie es vor - sagen wir mal - 35 Jahren war. Wie habe ich mich über die ganz realen Dinge informiert - so ganz ohne Internet? Ohne Google, ohne Wikipedia - überhaupt ohne die ganzen ~wiki-Seiten zu benutzen?
Was habe ich gemacht, wenn ich ganz dringend - aus welchem Grund auch immer - wissen wollte, wer in Venezuela zur Zeit Präsident war? Wo habe ich nachgeschaut, wann »Ringo Starr« geboren wurde? Mit wem und wie oft Farah Fawcett-Majors verheiratet war? (Ob es dann wichtig war, steht auf einem anderen Blatt. Heute ist es meist auch nicht wichtig, was man wissen möchte!)
Ob es nun für den Beruf oder für das ganz private Vergnügen: Ich hatte doch damals auch ständig Fragen, oder doch nicht? 
Wenn ich mich recht erinnere: Wollte ich früher vielleicht gar nicht so viel wissen? Habe ich etwa im 24-teiligen Brockhaus meine Fragen gar nicht nachgeschlagen - und nach etlicher Zeit auch Antworten bekommen? Ich weiß es einfach nicht mehr!
ATARI 1040 ST
     

   
H
eute tippe ich kurz mal ein paar Tasten an und schon spuckt mir der Kasten die Antworten aus. Wie konnte ich nur ohne das Internet leben?
Ich legte 1986 bei meinem Cyber-Beginn noch den Telefonhörer auf die Muschel des Moduls und schaute dabei ständig nach der Uhr, da jede Minute noch abgerechnet wurde! Wie habe ich das alles nur ohne die »Helferchen« gemacht? 

Das aber ist eine der wenigen Fragen, die mir Google nicht beantworten kann ...

©by H.C.G.Lux

6. Februar 2020

Nur mal gucken ...


Antje und Wiebke treffen sich mal wieder zum »Shopping-Bummel«. 
Ischa doch nix gegen zu sagen, nich?
Hier mal rein un da mal rein, »ach wie schööön« un: »Kiek mol, is dat nich mooi?«
Hinnerk, was Wiebkes Mann is, war schon skeptisch, als die beiden Frauen ihren Plan kundtaten. »Na, wenn dat man gut geht, Nachher kommt ihr wieder mit sechs Paar Schuhen zurück, is dat nich so? Ich kenn euch doch!«
Abwehrend und voller Elan waren sich die beiden einig: 
Antje voller Elan: »Nee, wat du woll denkst? Sind wir mall in’n Kopp, was? Wir passen da schon aufeinander auf!«
Beschwörend nickte Wiebke mehrfach mit dem Kopf!
Ein Schuhladen, großes Schaufenster, herrliche Auslagen.
»Wolln wir mal rein?« Wiebke schaute ihre Freundin beschwörend an, »nur kucken, ja?«

Die war sofort Feuer und Flamme: »Klar, bloß keine Hemmungen, wolln nur mal sehen, was es da Neues gibt, nich?«

»Sind die nich toll?« fragt Wiebke ihre Freundin, als sie gleich die roten Stiefeletten anprobiert,
»wie für mich gemacht!«

Antje hat gerade ein Paar hellbraune Stiefel in der Hand: »Boah, sind die schick!«
Wiebke dann: »Die passen dir wie angegossen!«
»Meinst du?«, fragt Antje. »Aber Super! Und was meinst du zu diesen Roten?«
»Ein Traum!«
Wiebke verdreht die Augen. »Und?«
»Da fragst du noch? Was kosten die? Is nich wahr, die Hälfte runtergesetzt. Is gebongt!«
»Bei mir auch, müssen wir fragen? Solche Gelegenheit kommt nie wieder! Also!«

Sie verlassen beschwingt und freudestrahlend das Schuhgeschäft.
»Ich hab auch nur die Hälfte gezahlt!«
Sie sind überglücklich und wie häufig, wieder der gleichen Meinung: 
»So kann man auch Geld sparen, nich?«

©by H.C.G.Lux

4. Februar 2020

Wer kennt die Namen, nennt die Zahlen?



Wem sagen die Namen: Geitling, Mausegatt, Finefrau, Wasserfall, Sonnenschein etwas? Wahrscheinlich sind es wenige Menschen, die damit etwas anfangen können. Es sind Namen von kohleführenden Flözen in der Gegend des Ruhrgebiets!
Dann gibt es noch die Namen: Kronprinz, Gottessegen, Blumenthal, Prinzregent, Rosenblumendelle, Vollmond, Dannenbaum, Helene - Ich denke, die Zahl derer, die diese alten Zechen heute noch kennen, werden sicher immer geringer werden. Es sind die Namen von alten Kohlebergwerken im Ruhrgebiet, die nur noch in der Geschichte oder dem Gedächtnis von alten Bergleuten existieren. 

Alte, zum Teil uralte Namen, die einst in vielen Gegenden das Gesicht der Städte prägten. Es sind diese Städte, die nach und nach durch den Steinkohlebergbau Ansehen erhielten, die Reichtum erwarben und nach dem Niedergang im 20./21. Jahrhundert zum Teil in Bedeutungslosigkeit versanken.
      
        Das Ruhrgebiet - früher volkstümlich einfach »Kohlenpott« genannt, war die Seele des Wiederaufbaus nach dem 2.Weltkrieg. Hier wurde der Grundstein gelegt zu einem Aufstieg, um den die Bundesrepublik Deutschland von vielen Ländern beneidet wurde.
        Seit dem 13.Jahrhundert wurde im Süden des heutigen Ruhrgebiets Kohleabbau betrieben, meist anfangs noch im Stollenabbau, bei dem waagerechte Stollen in den Berg hineingetrieben wurden.
Später zog sich der Abbau dann weiter nach Norden, da war der Abbau über Stollen nicht mehr möglich, weil die kohleführenden Schichten des Gesteins - die Flöze - immer tiefer im Berg verliefen. Es wurden Schächte senkrecht in den Berg »abgeteuft«, um auch hier an das begehrte »Schwarze Gold« zu gelangen! Bis zum Ende des Kohlebergbaus in Deutschland im Jahre 2018 wanderte dann das Abbaugebiet nach Norden bis nach Ibbenbüren am Teutoburgerwald.
      
          Wer im Steinkohlebergbau beschäftigt war, hatte damals einen sicheren Arbeitsplatz. Im Jahre 1957 waren über 600.000 Beschäftigte im Steinkohlebergbau tätig, 1990 waren es noch 130.000. Im Dezember 2018 wurde das letzte Bergwerk »Ibbenbüren« offiziell geschlossen, die Abbauteufe lag zuletzt
bei 1.335 m.

Bei Schließung dieser letzten Zeche waren noch etwa 600 Bergleute beschäftigt - zum Abschluss waren es noch 50! Damit war der deutsche Kohlebergbau endgültig gestorben.
        
     Wer im Kohlebergbau arbeitete, hatte stets mit mehr Risiken als an jedem Arbeitsplatz über Tage zu leben. Viele Unglücke zeugen von den Gefahren unter Tage. Kohlenstaub-Explosionen, Strebeinbrüche, Schachteinstürze Schlagwetterexplosionen, die Reihe könnte endlos fortgeführt werden. Es waren seit dem Jahr 1800, dem Beginn der Zählung, rund 4.500 Menschen, die allein durch Unfälle im Steinkohle-Bergbau des Ruhrgebiets ihr Leben ließen!
Vorüber. Vergangen. Vergessen? Hoffentlich nicht ...


©by H.C.G.Lux

1. Februar 2020

Die eisigen Gräber in der Ostsee


Beim Untergang der Passagierdampfers Titanic
am 14. April 1912 starben insgesamt 1.495 Menschen, nur 712 überlebten. Das Schiff war auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York, kollidierte mit einem Eisberg und sank im Nordatlantik.
Es war wirklich ein grauenhaftes Unglück, hundertfach in Szene gesetzt, verfilmt und global kolportiert!

Am 30.Januar 1945 wurde die »Wilhelm Gustloff« durch Torpedotreffer eines sowjetischen U.Boots versenkt, die Zahl der Opfer betrug 9.000 Flüchtlinge und verwundete Soldaten
Einige Tage später, am 9.Februar 1945 wurde die
»General v. Steuben« ebenfalls durch ein U-Boot versenkt, hier waren etwa 3500 Opfer zu beklagen
Das dritte große Schiff, das in den Fluten der Ostsee unterging, war am 16.April 1945 die »Goya«. Bei diesem Untergang waren es rd. 7000 Tote, im Wesentlichen verwundete Soldaten und Flüchtlinge, fanden dort ihr Grab in der Ostsee!
Besonders perfide und skrupellos finde ich es, dass die russischen U-Boot-Kommandanten später als Helden gefeiert und verherrlicht wurden! Welch eine Heldentat!
Dies waren jedoch längst nicht alle Opfer der Schiffsuntergänge zu den Zeiten der Flüchtlingstransporte über die Ostsee! Schätzungsweise verloren insgesamt 28.000 Menschen in diesen letzten Kriegstagen allein durch die Schiffsuntergänge ihr Leben!

Kaum eine Replik der späteren Jahre - bis auf einen schmalzigen deutschen Film - bezog sich auf diese Opfer, die dort ihr Leben ließen, während andererseits die Ertrunkenen der »Titanic« unablässig vor Augen geführt wurden! Alle Menschen sind eben gleich.
Manche allerdings ein wenig »gleicher«!

©by H.C.G.Lux

28. Januar 2020

Romantik gestern und heute ...


Wenn man heute den Begriff »Romantik« hört, denkt man mit Sicherheit an »Kerzenlicht, trautes Beisammensein, oder Sonnenuntergänge. Und doch sind die Liebesschwüre in Gedichtchen und die »Schmetterlinge im Bauch« etwas völlig anderes, als das, was Romantik eigentlich bedeutet! 
Ja - im Grunde genommen müsste man für das, was heute unter "Romantik" genannt wird, einen völlig neuen Begriff prägen!
Glückseligkeit, Leidenschaft, Euphorie kämen in Frage - treffen aber auch nicht das Ziel.

Romantik ist im Sinne des Begriffs etwas unbestreitbar anderes! Der Begriff hat sich seit 300 Jahren in vielfacher Form gewandelt. Romantik war eine literarische Epoche, die etwa von 1795 bis 1848 ihre hohe Zeit hatte. Der Begriff entstammt den französischen Wörtern roman, romance und bezeichnete Werke, die in der Volkssprache des jeweiligen Landes statt in Latein geschaffen wurden!
        Die Romantiker wandten sich von den Vorbildern der Antike ab und mehr der alltäglichen Sprache des einfachen Volkes zu. Ihnen fiel sozusagen die Aufgabe zu, die Welt zu romantisieren, d.h. geheimnisvoll zu gestalten. Sie lehnten damit die Lebensrealität der aufklärenden Zeit als auch die erzieherischen Anliegen der Klassik entschieden ab.

        Zwischen dem Ende des 18. und der Mitte des 19. Jh.  war für die Menschen in Europa das Leben von vielen sozialen Umbrüchen geprägt. 1789 brachte die Französische Revolution weitreichende Umgestaltungen innerhalb Europas nach sich. Auch der Fortschritt in Wissenschaft und Technik, der schon den Anfang des industriellen Zeitalters anzeigte, brachte große Verunsicherung für  die Menschen. Die Welt veränderte sich mehr und mehr. Die Verstädterung und die einsetzende Industrialisierung wurde nun von den Romantikern als 
herzlos, grau, und menschenfeindlich empfunden.
         Die Kritik an dieser Gesellschaft, die sie zunehmend nur als bloßes Streben nach Besitztum und Gewinn ansahen, wuchs in zunehmendem Maße. Nach dem Verständnis der Romantiker war die Welt zerrissen: auf der einen Seite die Welt der Vernunft, auf der anderen die des Gefühls. Um der gefühlskalten Welt zu entkommen, flüchteten sie in Fantasie und Mystizismus. Vor dem Hintergrund dieser Weltflucht wandten sich die Autoren der Romantik in verstärktem Maße den Märchen, Sagen und Volksliedern zu. Außerdem verehrten sie das Mittelalter und die Schönheit der Natur!
      Das Ideal, das sie anstrebten war eine Dichtkunst, in der Wissenschaft, Religion, Poesie und Prosa gleich verteilt sind; wo Epik, Lyrik, Dramatik über alle Grenzen hinaus miteinander verbunden werden.
      An Stelle von starren Grenzen sollte damals die romantische Literatur weltoffen sein und niemals vollendet werden können. Das bekannteste Motiv für die Romantik war die »Blaue Blume«.
Die Sehnsucht an sich wurde in dieser Epoche durch die »Blaue Blume« stilisiert, der Dichter NOVALIS griff dieses Thema erstmalig auf.
      Andere Motive dieser Zeit waren dann noch das Fernweh, die Todessehnsucht oder das Nachtmotiv. Gerade Letzteres war für viele Dichter besonders wichtig! Die Nacht symbolisierte nicht nur die Dunkelheit sondern auch das »Geheimnisvolle«, das Mysteriöse, sie galt auch als Quelle der Liebe. Und damit schloss sich dann der Kreis der Romantik!
        Wir sehen heute dieses Wort ein wenig anders. »Er/sie ist so romantisch!« Oder: »Es sind so romantische Verse!« Man spürt, dass die Bedeutung eine andere Gewichtung erhalten hat. Das ist bestimmt kein Manko, im Gegenteil; ich glaube aber, dass ich schon mal darüber nachdenken müsste, wenn ich dieses Wort sinngemäß benutzen möchte.


©by H.C.G.Lux