27. Mai 2019

Ein schönes Märchen!°


In einem Land, fern von uns,  lebte einmal eine wunderschöne, Frau. Eines Tages betrachtete sie auf einem Spaziergang einen Frosch in einem Biotop auf einer Wiese, nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt.

Plötzlich sprang der Frosch in ihren Schoss und sagte:
"Herzliebste Frau, 
ich war einstmals ein hübscher Prinz - bis mich eines Tages eine böse Hexe verzaubert und mit
diesem Fluch belegt hat. Ein Kuss von Dir und ich werde wieder der tolle junge Prinz, der ich einmal war.
Dann, meine Süße, können wir heiraten! Du darfst einen Haushalt im herrlichen Schloss meiner Mutter führen, kannst Deine Kochkünste zeigen, meine Wäsche waschen und bügeln und mich liebevoll am Abend empfangen.
Du wirst meine Kinder gebären und groß ziehen und darfst
damit glücklich sein bis an das Ende Deiner Tage.
*************

Am Abend dieses Tages sass die junge Frau leise lächelnd
vor einem Glas Chardonnay und leckeren kross gebratenen
Froschschenkeln in einer leichten Zwiebel-Weisswein-Sauce
und freute sich über die feine Mahlzeit!
Und die Moral von der Geschicht’,
blöde Frauen gibt es nicht!



24. Mai 2019

Kirche? Nein, danke!

Ja, ich weiß, ein heißes Thema, nicht wahr? Kommt darauf an, von welcher Seite man es betrachtet. Der Eine denkt an die »Institution Kirche« mit ihren Formalien, mit alten überkommenden Rattenschwänzen und Schwächen. Der Andere meint die Gemeinschaft der Gläubigen, die sich im Glauben trifft und oft belächelt oder offen verspottet wird.
Der 
Dritte wiederum sieht die alten, oft wunderschönen Gebäude vor sich mit einem Abglanz historischer Zeiten.
Mancher bewundert das Bauwerk als solches. Die nachgelassene Baukunst unserer Ahnen ist ja auch oft bewundernswert.
Und wieder ein 
Anderer schaut auf seine Steuererklärung und sagt ganz eindeutig: "Nein, ohne mich!" dazu.

Außer zu Gottesdiensten gibt es nun unzählige andere Möglichkeiten, eine Kirche zu besuchen. Oft sind es auch ganz profane Umstände, die einen Menschen den Weg in eine Kirche finden lassen. Vielleicht regnet es gerade unvorhergesehen? Oder, an einem heißen Sommertag, wo ist es da kühler als in einer Kirche? Und in der Hektik des täglichen Lebens möchte man vielleicht ganz einfach einmal Ruhe finden! 

Ich denke, gegen solche unvorhergesehenen Besucher ist überhaupt nichts einzuwenden! Ich habe dabei schon oft erlebt, dass da jemand dabei war, der eine Kirche schon seit vielen Jahren nicht mehr von innen gesehen hat. Es kann ja sein, vielleicht, dass dann von seinem Besuch eine Kleinigkeit bei ihm haften bleibt. Wer weiß das so genau? Unser Vater geht oft seltsame Wege mit seinen Kindern.

Eine jugendliche Besucherin sagte mir einmal sinngemäß:
»In einer Kirche fühle ich mich immer so winzig klein,
es ist immer ein leises ehrfurchtsvolles Gefühl dabei. Ich fühle, dass Gott hier zu Hause ist. Und ich weiß dann nicht,
wie ich ihm gegenübertreten soll!« 


Ich war damals sehr betroffen. Weil ich irgendwie fühlte, dass hier doch ein Denkfehler sein musste. Etwas später hätte ich ihr eine gute Antwort geben können; leider war sie da schon fort. Ist da etwas dran an dieser Aussage?
Meiner Meinung nach nur ein winziges Teilchen.Vielleicht aber sind diese Sätze auch nur eine Quintessenz einer Anschauung, die jahrhundertelang das Leben des Menschen bestimmte. Teilweise leider auch noch heute.
Gott wohnt in der Kirche. Dieses Bauwerk ist gewissermaßen sein Wohnsitz, seine Adresse. Und da soll er auch gefälligst bleiben. Und sich ja nicht einmischen in Dinge, die außerhalb dieses Gebäudes vorgehen!
Was ist das doch für eine Vermessenheit von uns. Wir sperren Gott damit ein in die Abgeschiedenheit eines Gefängnisses. Es ist zugegebenermaßen ein schönes, kostbares Gefängnis, aber es bleibt halt ein solches.
Natürlich hatte das Mädchen auch Recht: Gott wohnt in der Kirche. Aber sie hätte das kleine Wort »auch« hinzufügen müssen. Gott wohnt überall da, wo man ihn wohnen lässt! Und da ist die Palette der Möglichkeiten riesenhaft!
Das kann die Halle des Hauptbahnhofs sein wie auch der Arbeitsplatz am Band. Das Büro genau so wie meine Garage in der ich mein Fahrzeug nach einer Fahrt mit einem »Gott-sei-Dank, wieder zu Hause« abstelle.
Ja, und solch ein winzig kleines Gebet- und es ist ein Gebet, wenn es denn nicht sinnlos dahingeplappert wird,- führt dann auch gleich zum zweiten Teil der Aussage des Mädchens: »Ich weiß dann nicht, wie ich ihm gegenübertreten soll!« 
Viele von uns wissen es auch nicht. Und dabei ist es doch ganz einfach: Wir treten ihm gegenüber wie einem guten Freund, wie einem Verwandten. Noch einfacher gesagt: Wie vor einem Vater! Wie tritt man nun seinem Vater gegenüber? Genau! Man spricht mit ihm!
Und da kommt nun der wunde Punkt bei uns allen: Wann sprechen wir denn einmal mit diesem Vater, unserem Vater? Wenn es uns einmal nicht so gut geht? Wenn wir vielleicht nicht mehr ein- und aus wissen? Wenn wir etwas brauchen, wenn wir einen Wunsch haben! 
Es ist doch so. Wenn wir von »Beten« sprechen, meinen wir in erster Linie »Bitten«! Vielleicht liegt das am deutschen 
Wortstamm Gebet? In anderen Sprachen heißt Beten zunächst einmal Danken und Loben! 

Jesus Christus hat einmal gesagt: »Bittet, so wird euch gegeben!« Aber doch nicht so, wie man einen Automaten bedient. Oben `nen Euro rein und unten kommt dann die Ware heraus. Gott als Vollzugsbeamter unserer Wünsche, ein seltsamer Vorgang, nicht?
Ihm richtig gegenübertreten, das heißt mit ihm reden. So wie Christus es getan hat. Zum Beispiel in Gethsemane: Da drängen sich auch menschliche, allzu menschliche Wünsche vor: »Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!«
Aber dann, dann kommt das Wichtigste: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!«

Ja Freunde, alles gar nicht so einfach, nicht wahr? 

Und dann: Zum rechten Beten gehört auch das Danken! Und wenn wir nicht wissen, wofür wir danken sollen - nun, dann wäre es doch einmal ganz gut, darüber nachzudenken, was wir alles zu verlieren haben!
Gott gegenübertreten, das muss nicht in der Kirche sein! Es heißt ganz einfach, ein Gespräch mit ihm führen! Laut oder leise, oder auch lautlos. Zu Hause oder in der Kirche oder im Wagen, oder beim Joggen. Er hört zu. Immer! Und eines ist sicher: Er gibt auch Antwort! Jedem. Wir müssen nur hinhören!
Und wenn wir - du und ich - uns einmal richtig prüfen, dann werden wir zugeben müssen, dass er schon oft zu uns gesprochen hat. Jeder von uns, da bin ich mir ganz sicher, hat das schon einmal erfahren... 


Sören Kierkegaard sagte dazu:

"Beten heißt nicht, sich selbst reden hören,
sondern heißt dahin kommen,
dass man schweigt,
und im Schweigen verharrt,
bis der Betende Gott hört." 


© by H.C.G.Lux

20. Mai 2019

Traum vom Märchenland



Können Regentropfen reden, während sie zur Erde fallen? Kann es sein, dass sie es nur eilig haben hinunterzukommen? Hätte vielleicht jeder seine eigene Sprache um die Geschichte seines Bruders zu empfinden und zu hören? Oder ist es so, dass alle gleich sind ohne Sinn und eigene Bedeutung und sie hätten sich nichts zu sagen?
Kommt, Freunde, lasst uns doch die Welt einfach mit Märchenaugen sehen, lasst die Hoffnung den Schmerz außer Kraft setzen und Freude die Oberhand gewinnen. Seht doch, wie viel Licht hinter dem Schatten ist! Und bitte sprecht leiser, damit die Träume sich nicht fürchten, sie sind doch sehr schreckhaft.
Das Negativum in der Welt versucht immer wieder, lauter zu reden oder sogar zu schreien, damit es sich hinter dem Schleier des »Nicht-verstanden-werden« verstecken kann. Lassen wir es nicht zum Führer durch unser Leben werden und unsere Sinne gefangen nehmen.

Hört ihr den Wind stöhnen und voller Wehmut dahinziehen? Er weht bis zum Gespinst unserer Traumbilder, gleitet weiter in die Unendlichkeit und lässt uns zurück, wenn wir nicht darauf achten. Dann aber ist es zu spät, denn wer nur noch Rückschau hält, verliert den Kontakt zur Gegenwart. Die dann davon hervorgerufene Wirklichkeitsebene wird von unseren Traumschleiern verdeckt, öffnet eine Tür ins Unendliche mit einem Blick auf das Nichts! Wer will das?
 Franz Kafka sagt:
Das Glück begreifen, dass der Boden, auf dem Du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße die ihn bedecken.“
Dieses Glück zu haben, zu vervollkommnen, ist eigentlich das Glück überhaupt. Was wissen wir, was erinnern wir noch von dem, das für uns einst selbstverständlich war? 
Wir wussten doch schon als Kinder, dass Schneeflocken, diese einzigartigen unverwechselbaren Gebilde, weinen können! Wir vergaßen es. Natürlich, die Realität des täglichen Lebens macht es keinem Menschen leicht, in den lichten Höhen der Märchen zu leben.
Aber gerade dieses Nichtwissen und dennoch erinnern macht uns zu einzigartigen Geschöpfen.

 Wir dürfen das Wunderbare des Lebens erkennen, wenn wir es nur zulassen. Wir schauen bis zum Horizont, der so fern scheint, doch ein kleiner Schritt reicht, dass er uns gehört.
Das geht nicht? Hast du es mal versucht? Als Kind konntest du es, dir gehörte die ganze Welt. Dann holte die Realität dich ein, von diesem Moment an sprachen die Regentropfen kein Wort mehr, die Schneeflocken weinten nie wieder.
Still!
Hörst du sie wieder? Die Regentropfen? Nein? Dann bist du noch nicht wieder im Märchenland angekommen. Aber du bist auf dem richtigen Weg. Ganz gewiss, denn du träumst wieder.

 ©by H.C.G.Lux

18. Mai 2019

Schubladendenken ...


Überall, wo wir Menschen treffen, schätzen wir uns gegenseitig ab. Wir etikettieren den anderen, stecken ihn sofort in eine Schublade. Und diese Schubladen sind für uns wichtig. Wir brauchen diese Schubladen! Drei große Fächer sind zunächst wichtig: Freund, Feind, Neutral.
Anschließend teilen wir sie dann ein in wichtig, unwichtig, wertvoll, wertlos, interessant, langweilig.
Ja, und wer erst einmal in einer solchen Lade steckt, für den ist es schwierig, dort wieder hinauszukommen. Manchmal fast unmöglich!
Menschen werden ohne ihr Zutun in Reichtum, Armut oder irgendwo dazwischen geboren. Sie kommen im Norden zur Welt oder tief im Süden, in heißen Gegenden oder in Polarkälte.
Sie können eine Schule besuchen oder auch nicht, -weil keine Möglichkeit besteht. Sie sind krank oder kerngesund, unterernährt oder können sich täglich sattessen, oftmals dann sogar im Übermaß!

Menschen sind braun oder gelb, schwarz oder weiß, oft auch eine Mischung von mehrerem.
Sie glauben an Jahwe, Gott oder Allah, sind Hinduisten oder hängen Buddha an. Oftmals wird auch hier eine quirlige Melange geglaubt, wobei dann Fatalisten und Extremisten oft den Eindruck erwecken, alle dieser diversen Gläubigen wären dann auch so! 
Der Ausspruch Friedrich des II. »Jeder soll nach seiner Façon selig werden.« wird fast nie akzeptiert.

Wie heißt es dann so schön? »Ich toleriere jede Meinung, - aber es muss meine eigene sein!«
Wenn ich auf andere Menschen treffe, würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass auf jeder meiner Schubladen steht:
BESONDERS WERTVOLL
Ob ich das wohl mal schaffe? 

©by H.C.G.Lux

7. Mai 2019

Die letzten Jahre



Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der nicht weiß, dass die letzten Jahre unseres Lebens mit Beschwerden belastet sind, nicht zu vergessen der Tod, der am Ende des Lebens alles abschließt, was wir erreicht - oder auch nicht erreicht haben.
Jahr um Jahr bringen alte Menschen Opfer und leisten auch oft Verzicht auf alles, was man vielleicht noch wollte. 
Seinen eigenen Sinnen und Kräften sollte man schon misstrauen. Nicht alles, was man sich noch zutraut, kann auch ausgeführt werden. Ein Weg, der früher nur ein kleiner Spaziergang war, wird nach und nach zu einem Kraftakt, wird mühsam und lang, immer länger, je älter man wird.
Die körperlichen Freuden, die einstmals die Würze des Lebens waren, werden immer seltener und müssen vielleicht immer teurer bezahlt werden. All die vielen Krankheiten und Wehwehchen, die früher nur ein müdes Lächeln hervorriefen, die langen Nächte, oft schlaflos, werden häufiger. All das ist einfach nicht wegzuleugnen.
Darüber hinaus aber sollte man nicht vergessen, dass dieses Alter auch Vorzüge mit sich bringt. Man kann seinen Tag einfacher und besser strukturieren. Das allein bringt schon seine Vorzüge. Wenn sich zwei alte Menschen treffen, sollten sie nicht nur von ihrem Rheuma, ihrer Atemnot beim Treppensteigen oder den Schmerzen in den Gelenken reden, nicht nur die Leiden und Ärgernisse des Lebens austauschen. Sie sollten sich eher von all den schönen Begebenheiten und tröstlichen Erlebnissen erzählen, die sie erleben, und das sind gar nicht so wenige, wie viele glauben. Wir Weißhaarigen sind nicht die Generation, die nichts mehr kann, wir können auch Quellen der Kraft sein, des Trostes und der Zuversicht. Wir kümmern uns um Themen, die meist bei den jungen Menschen noch keine Rolle spielen.
Eine der schönsten Gaben des Alters ist für mich z.B. der reichhaltige Schatz an Bildern, die man nach einem langen Leben in sich gespeichert trägt. Dieser Schatz ist immer abrufbar und braucht auch keine Festplatte oder eine Cloud im Internet!
Wenn die körperliche Aktivität langsam schwindet, wendet man sich diesen Schätzen mit ganz anderen Voraussetzungen zu als in den früheren jungen Jahren. Menschen, die seit vielen, vielen Jahren nicht mehr unter uns sind, nehmen noch einmal Gestalt an, leben vielleicht auch in uns weiter. 
Landschaften, Häuser, Städte, inzwischen bis zur Unkenntlichkeit verändert oder sogar ganz verschwunden, werden wieder vor unserem inneren Auge sichtbar. Gebirge, Küsten, die wir vor unendlich vielen Jahren einmal bereisten, sehen wir wie in einem Bilderbuch ganz frisch und farbig vor uns.
Wir wurden früher von Wünschen, Leidenschaften und Begierden gejagt, und - wie viele andere Menschen - sind auch wir durch unser Leben gestürmt. Voller Ungeduld, voller Erwartung und Hoffnung erlebten wir unser Dasein.
Heute, im großen Bilderbuch unseres Lebens blätternd, wundern wir uns darüber, wie schön und gut es doch sein kann, dass wir der Hetze des Daseins entronnen sind.
Hier in diesem Park der alten Menschen blühen Pflanzen, an die man früher nie gedacht hat. Da ist beispielsweise die Blume der Geduld! Wir werden nachsichtiger, gelassener. (Meist jedenfalls.)
Wir geben dem Leben der Natur mehr Raum, damit sie sich entfalten kann. (Von aufgezwungenen Ausnahmen abgesehen.)
Das Leben können wir an uns vorüberziehen lassen wie in einem Film, manchmal mit Bedauern, manchmal mit Freude, oftmals auch mit Leid. Wir schauen dem Leben unserer Mitmenschen, unserer Familie oder der Nachbarn zu, wie es weiterfließt, bis auch das eines Tages sein Ende findet.
Wenn dann die ganz jungen Menschen aus der Überlegenheit ihrer Kraft und ihrer Ahnungslosigkeit hinter uns lachen, über unsere schütteren Haare, unseren unsicheren Gang; wenn sie unsere runendurchzogenen Gesichter komisch finden, dann können wir uns daran ergötzen, dass wir vielleicht früher, genauso im Besitz unserer vollen Kräfte, auf die gleiche Art hinter den Alten hergelächelt haben. Heute dürfen wir uns darüber freuen, dass wir dieser Phase entwachsen sind, ein wenig klüger, ein wenig duldsamer geworden sind. Denn das, genau das macht die Weisheit des Alters aus.
Kann es denn sein, dass die letzten Jahre eines alten Menschen damit zugebracht werden sollen, ihren Kindern und Enkeln zu »gehören«? Das jedenfalls wäre mir entschieden zu wenig. 
Ich habe ebenfalls eine Nachkommenschaft, deren Anzahl sich sehen lassen kann, bin ich nun dafür noch so eingeschränkt lebenstüchtig, um nur noch für diese Enkel (und Kinder) da zu sein? Alles zu seiner Zeit, und warum nicht auch mit ihnen spielen, aber das wäre beileibe nicht der Sinn meines Lebens!
Ein wenig hat es aber auch mit der Genealogie zu tun, das ist beileibe nicht nur mit Fitness getan. Ein alter Mensch - ich sage bewusst nicht Senior - hat sich sein Leben lang krumm gearbeitet. Hat damit auch für das Bestehen und Fortkommen seiner Nachkommenschaft gesorgt. 
Wie kann dieser entsprechende Mensch, der vielleicht heute mit etlichen Krankheiten gezeichnet ist, die gleiche Bedingung und Ausgangsposition für seine letzten Jahre haben wie jemand, der seinen Traumjob ausüben konnte und niemals in Sorge und Angst leben musste.

Dass die Gesundheit naturgemäß an erster Stelle steht und auch stehen muss, ist selbstverständlich. Wobei der heutige Fitness- und Wellnesswahn zu wirklich ausufernden Situationen führt. Alle Welt schreit nach Wellnessurlaub, solcher wird angeboten wie saures Bier! Und abgesehen von wirklich gesundheitsfördernden Maßnahmen in Kur und Urlaub, die es ja unbestritten auch gibt, ist jedes sogenannte Fitnesszentrum nichts weiter als ein kommerzielles Angebot des entsprechenden Hauses. Der Begriff »Wellness« ist ja nicht geschützt. Jedes Hotel, das irgendwo ein Trimmrad stehen hat oder ein paar Hanteln im Keller, bietet »Wellness« an. Wobei die Wenigsten überhaupt mit diesem amerikanisierten Wort etwas anfangen können.
Jetzt hat dieser Wahn also auch die alten Menschen erreicht.
Warum eigentlich? Wenn ich vorher einigermaßen gut und vernünftig gelebt habe, muss ich diese Spässe wirklich nicht mitmachen. Die Natur lässt sich auf keinen Fall täuschen. 
Alt bleibt eben alt! 
»Jeder will es werden«, sagt ein Sprichwort, »aber niemand will es sein«! Da hilft weder Botox noch Silikon, weder die Fitnesszentren noch alternative Ernährung, da hilft nur die eigene Einstellung zum Leben, zu seinem eigenen Leben.
Die Chance, heute hundert Jahre alt zu werden, wird bei uns weiterhin zunehmen. Warum nicht auch bei dir und mir? Insgesamt ist dabei die Sorge vor einer überproportionalen Ausweitung von Gebrechlichkeit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit im sehr hohen Alter unbegründet. Das sagt eine Untersuchung des Robert-Bosch-Instituts deutlich aus.
Rund 14 000 Menschen über Hundert Jahren leben zurzeit in Deutschland, ihre Zahl wird in den kommenden Jahren deutlich ansteigen.

Durch gezielte Interventionen für mehr Selbstständigkeit ist es vermutlich in höherem Ausmaß als bisher möglich, die  Pflegebedürftigkeit auch bei Hundertjährigen abzuschwächen oder sogar zu vermeiden. Wenn ich mich 
aber dafür dann bei allen Genüssen des Lebens einschränken soll, auf alles verzichten, was noch möglich ist, - dann, ja dann will ich gern auf den hundertsten Geburtstag verzichten!
Gesund leben, körperlich und geistig voll auf der Höhe sein: ja, unbedingt. Das alles durch einen zweifelhaften »Wellnessrausch« zu erleben - nein, das muss ich nicht unbedingt haben! 
Ich kannte einige »Senioren«, die noch mit 80 jeden Morgen durch den Park joggten. Wie schön, dachte ich damals. Dann erfuhr ich aus berufenem Munde, dass z.B. Arthrose und Rheuma sich auch durch Joggen nicht vermeiden lassen, sondern dass gerade die Schonung der angestrengten Gelenke solche schmerzhaften Begleiterscheinungen vermeiden bzw. vermindern lässt.
Und wenn dann manche Menschen davon schwärmen, wie toll sie mit sechzig Jahren noch am Leben teilnehmen, so ist das für sie OK, für mich aber mit 85 überhaupt nicht der Rede wert! Ob das bei ihnen in zwanzig Jahren auch noch so sein wird - auch mit dem »Fitnessprogramm« - darauf möchte ich nicht wetten.
Die Gesundheit eines Menschen, seine gesamte Konstitution verändert sich im Ablauf seines Lebens. Niemand weiß, was das Schicksal morgen mit ihm vorhat. 

Einen Abschlusstext von Grypius, (1616-1664)
aus seinen Epigrammen halte ich hierzu als Epilog für passend:
Man lacht nicht,
weil du alt, glaub mir,
man lacht allein,
weil du, die du doch alt,
durchaus nicht alt willst sein!


 


28. April 2019

Trost



            Tröste dich, die Stunden eilen,
            Und was all dich drücken mag,
            Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
            Und es kommt ein andrer Tag.

            In dem ew'gen Kommen, Schwinden,
            Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
            Und auch heitre Bilder finden
            Ihren Weg zu dir zurück.

            Harre, hoffe. Nicht vergebens
            Zählest du der Stunden Schlag,
            Wechsel ist das Los des Lebens,
            Und – es kommt ein andrer Tag.



~~~ Theodor Fontane ~~~

Ich, der alte Baum

Als mein Leben begann, war die Zeit eine völlig andere. Es war alles ruhiger, gelassener. Das Leben verlief in berechenbaren Bahnen, die Hektik beherrschte das Leben noch nicht in solch spektakulärer Form, wie es heute der Fall ist. Aber war die Zeit deshalb besser?
Ganz gewiss nicht, auch wenn die Menschen um mich herum immer von der „guten alten Zeit“ reden.
 Mein Leben fing an in einer Zeit, als buntberockte Soldaten durch die Gegend marschierten mit breitrandigen Hüten auf den Köpfen, oftmals mit langen Federbüschen geschmückt. Meilenlange Wagenkolonnen mit unzähligen Männern und Frauen folgten diesen Soldatenhorden. Es war ein recht buntes Volk, das an mir vorbei durch Wald und Feld zog. Nach vielen Tagen kehrte dann wieder die beschauliche Ruhe ein, die ich schon immer liebte. Alles Getier, das vorher eilends in die Wälder geflohen war, kehrte wieder zu mir an den Dorfrand zurück, die Vögel bauten aufs Neue ihre Nester und zogen ihre Jungen auf. Ich hatte wieder Zeit genug, um mich den natürlichen Dingen meines eigenen Lebens hinzugeben.
 Ach so - hab ich mich noch gar nicht vorgestellt? Mein Name ist Buche. Ich lebe hier am Rande des Moores in einem beschaulichen Dorf, das außer einigen Bauernhöfen und einem gewaltigen Dorfteich eigentlich nichts Besonderes aufzuweisen hat.
 An den ostwärtigen Rändern des Ortes beginnt schon das Moor, das im Sommer und Herbst mit herrlichen Gräsern und Kräutern mit den grünen Birken und Weiden das Auge erfreut.
Westlich des Dorfes liegen die weitläufigen Äcker, die von Eichen und Buchenwäldern begrenzt werden. Es ist ein wunderschönes Stückchen Erde, das sich hier von seiner besten Seite zeigt. Selbst im Winter, wenn die Gegend sich im verzauberten Weiß befindet und der Frost ein hartes Regiment führt, ist es bei uns am Rande des Moores schön. 
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Auch heute noch kommen viele Menschen in dieses wunderbare Stückchen Erde, um die Natur zu bewundern.
Ja, wenn nicht einige dieser Menschen immer wieder mit ihren Werken und Taten alles durcheinanderbrächten. Sie können sich einfach nicht mit dem begnügen, was sie haben. Es muss immer mehr und mehr werden. Einige meiner Kameraden, die mit mir hier mit mir im Dorf lebten, wurden einfach umgehauen, gefällt, wie sie es nennen. Es brächte viele Taler, hörte ich damals sagen. Da hätte ich mir ausrechnen können, wann ich an der Reihe sein würde.
 Inzwischen aber wurde ich „unter Naturschutz“ gestellt! Ich weiß nun zwar nicht, was das bedeutet, aber da wurde solch ein kleines Messingschild an meinem Stamm angebracht mit meinem Geburtsdatum. Natürlich kann ich nicht lesen, aber ich hörte von Wanderern, dass ich nun schon 450 Jahre alt sein soll!
 Vielleicht habe ich deshalb nun Ruhe vor den Männern, die jedes Jahr mit der Säge durch die Gegend laufen, um “Material zu sichten“, wie sie es nennen. Natürlich werde ich irgendwann auch den Weg alles Lebens gehen. Das ist sicher und gehört auch zum Leben dazu. Jetzt jedoch bin ich noch kerngesund, der Schwarzspecht jedenfalls, der hoch droben in meinem Stamm herumhackt, hat mir noch nicht mitgeteilt, dass er kranke Stellen gefunden hätte. Und Eduard, das fuchsrote Eichhörnchen liebt es auch noch, in meinen Ästen zu turnen. Es ist wunderschön, dieses Leben.
 Natürlich hatte ich auch traurige Zeiten zu überstehen. Vor acht Jahrzehnten war einige Meilen entfernt ein großes Dorf aus lauter Holzhäusern und hohen Drahtzäunen entstanden. Da konnte ich aus der Ferne viele Menschen in gestreiften Anzügen arbeiten sehen. Manchmal hörte man ab und zu aus der Ferne einige schwarze Männer herumschreien, oft knallte es auch furchterregend von dort, der Wind trug den Schall über das Moor sehr weit.
 Dann an einem warmen Sommertag einige Zeit später hielt unter meinem Baum ein grün-gelb geflecktes Auto, drei Soldaten stiegen aus und holten noch einen anderen Mann aus dem Wagen heraus. Der war noch sehr jung, das konnte ich bemerken. Er zitterte schrecklich, als die Anderen ihn an meinen Stamm stellten, einen langen Strick über einen meiner Äste warfen und damit diesen Jungen hochzogen. Einen kurzen Moment bewegte er sich noch, dann war er still.
Ich spürte, dass dieser Mensch tot war, konnte aber nicht begreifen, warum die Männer das getan hatten. Bis zum Abend hing dieser Körper dort an meinem Ast, abends kamen ein paar Leute aus dem Dorf und nahmen den Jungen herunter.
Ein alter Mann sagte leise zu den anderen: „Der Joachim war doch erst 18, wieso war er ein Feigling? Diese Schweine kennen wirklich kein Erbarmen!“
Das Schild, das dem toten Jungen umgehängt war, zerrissen sie in tausend Stücke, dann brachten sie den Toten fort ins Dorf.
 So etwas habe ich nie wieder erlebt, hoffentlich bleibt mir das auch in Zukunft erspart, sonst wäre es besser, man würde mich auch „fällen“! Das „Lager“, wie man es nannte, wurde später abgerissen. Heute erinnert nur ein Gedenkstein an diesen Ort. Alles andere hat die Zeit unter sich begraben, zusammen mit all den Toten, die dort ihr Leben ließen.
 Ja, ich weiß, auch in meiner früheren Welt war es manches Mal sehr schlimm. Doch diese Art von Leben, wie ich es damals erlebte, blieb einfach in meinem Gedächtnis haften, sodass ich es Euch mitteilen musste. Und das ist nicht erfunden, sondern die reine Wahrheit ...
 ©by H.C.G.Lux

28. März 2019

Gott und das Kamel!

Aus dem Islam wird uns ein wunderschönes Gleichnis überliefert:
 Die Gläubigen kamen in Scharen, um die Worte des Propheten Mohammed zu hören. Ein Mann hörte besonders aufmerksam und andächtig zu, betete mit gläubiger Inbrunst und verabschiedete sich schliesslich vom Propheten, als es Abend wurde. Kaum war er draussen, kam er wieder zurückgerannt und schrie mit sich überschlagender Stimme:
»Oh, Herr! Heute morgen ritt ich auf meinem Kamel zu dir, um dich, den Propheten Allahs, zu hören. Jetzt ist das Kamel nicht mehr da. Weit und breit ist kein Kamel zu sehen. Ich war dir gehorsam, achtete auf jedes Wort deiner Rede und vertraute auf Allahs Allmacht. Jetzt, oh, Herr, ist mein Kamel fort. Ist das die göttliche Gerechtigkeit? Ist das die Belohnung meines Glaubens? Ist das der Dank für meine Gebete?«
Mohammed hörte sich diese verzweifelten Worte an und antwortete mit einem gütigen Lächeln: 
»Glaube an Allah - und binde dein Kamel fest.«

(aus: Der Kaufmann und der Papagei von Nossrat Peseschkin)

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Glaube an Allah, aber bitte, binde zuerst dein Kamel fest!
 Welch eine Aussage des Propheten! Sie weckt Zweifel, obwohl daran nichts Zweifelhaftes ist. Sie weckt Ängste, obwohl diese Worte lediglich darauf hinweisen, dass alles sicher sein wird, wenn wir selbst wach bleiben und damit etwas für diese Sicherheit tun.
Das ist kein Schlagwort der damaligen Zeit. Das ist heute noch genau so gültig, und zwar im Islam genau wie im Christentum!
Vertraue Gott, aber binde erst dein Kamel an, damit es dir nicht verloren geht! Für mich bedeutet das unter anderem, dass man Gott zu jeder Zeit vertrauen kann, dennoch nicht alles, was man selbst tun kann, ihm dann träge zu überlassen!
 Diese kleine Geschichte zeigt uns doch, dass der Glaube uns nicht entbindet vor dem Tun dessen, was uns der gesunde Menschenverstand sagt. An Gott glauben heisst doch nicht einfach, leichtsinnig durchs Leben zu wandern. Es heisst doch nicht, am Schluss Gott für die Folgen unserer Leichtsinnigkeit verantwortlich zu machen.
Gott lässt sich nicht instrumentalisieren. Die Geschichte ermutigt uns, beides zusammen zu bringen: das Vertrauen auf Gottes Hilfe und unser eigenes Dazutun.
Mit Gott im Rücken vermögen wir uns den Herausforderungen des Alltags zu stellen.
 »Glaube an Gott, aber binde dein Kamel fest!«

©by H.C.G.Lux

25. März 2019

Schönheit ist subjektiv!


Wie denkst du darüber, kannst du sagen, was Schönheit wirklich ist? Was macht sie aus, wie empfindet der Einzelne diese Eigenschaft, die nun wirklich kein Allgemeingut ist, sondern nur eine subjektive Einstellung.
Lassen wir uns für einen Moment innehalten und darüber nachdenken. Was ist also wirklich schön? Ist es der Augenblick, wenn ich jemand erkenne, den ich mag und dabei sage: »Der ist schön«?
     Ist es meine eigene Einstellung über Schönheit und Vollkommenheit, die ich von Kindesbeinen an angenommen habe?
Wer bestimmt eigentlich die Maßstäbe von schön oder unschön, von lieblich oder hässlich? Wer will hier so vermessen sein, diese Standards festzusetzen und sie als allgemein gültig ansehen zu lassen? Wer spielt hier mit diesen Begriffen, die im Grunde genommen die Welt beherrschen. Die Komplexität dieser Begriffe ist so umfangreich, dass man dicke Folianten damit füllen könnte.
Schönheit, das ist rein faktisch gesehen, ein relativer Begriff.
Was ich schön finde, kann für einen anderen Menschen genau das Gegenteil bedeuten. Es muss noch lange nicht in die Perspektive des anderen passen, wenn ich etwas »wundervoll« finde. Das ist nur meine eigene Einschätzung.
     Was zum Beispiel gestern schön war, passt möglicherweise überhaupt nicht in die heutige Norm der Ansichten. Dabei denke ich auch an das, was den Frauen beispielsweise seit Jahrtausenden passiert ist, unabhängig von der Kleidung der jeweiligen Zeitabschnitte. 
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Die damaligen skulpturalen Körper waren (auch) ganz anders als die heutigen, von wem auch immer geforderten Schönheitsstandards.
Dazu sage ich ganz einfach: Eine Frau kann schön sein, auch wenn sie nicht dem Standard der von Mode oder Designern deklarierten Geschmacksrichtung entspricht.
Und eine Frau kann auch schön sein, wenn sie nicht das Körpergewichtsideal der Modediktatoren auf ihre Fahnen geschrieben hat!
     Der wichtigste Punkt in der weiblichen Schönheit ist im Grunde ihr Selbstwertgefühl! Wenn eine Frau sich selber mag, wird sie auch der äußeren Umwelt das gleiche Gefühl vermitteln können, ohne dabei überheblich zu wirken. Denn das wiederum würde bei anderen Menschen genau das Gegenteil hervorrufen, nämlich Ablehnung.
     Eine Tatsache darf man dabei nicht unberücksichtigt lassen:
Ein - nach allgemeiner Ansicht - schöner Mensch kann genau so große Nachteile im Leben haben wie ein unattraktiver.
Wobei dann wieder die Frage anfällt: Wer gibt hierbei die Norm vor? 
     Ich hatte vor Jahren eine nähere Bekanntschaft mit einer Schauspielerin (der Name spielt hier keine Rolle) die, obwohl eine Schönheit im landläufigen Sinne, sehr unglücklich und einsam war. Es war einfach für sie nicht möglich, eine feste Bindung einzugehen, da sie stets nur als »die Schauspielerin« und niemals als der Mensch dahinter gesehen wurde und somit zwangsläufig einen Bannkreis um sich zog, den niemand durchbrechen mochte.
     Schönheit ist relativ. Das hatten wir schon festgestellt, es kommt immer auf den Blickwinkel an, aus dem man seine Betrachtung macht. (Manchmal auch auf das Teleobjektiv, das erbarmungslos alles aufzeigt, was vielleicht nicht attraktiv ist.) Man kann Schönheit einfach nicht »messen«, obwohl es dabei an Versuchen nicht mangelt.
     Jeder Mensch hat eben sein eigenes Schönheitsempfinden. Wir können getrost davon ausgehen, dass persönliche Erlebnisse dieses Empfinden ganz individuell prägen.
Vous voulez savoir si vous êtes belle? Je dis: Oui!! “
Dieser Satz Gustave Flauberts (1821-1880) bringt, so glaube ich, alles auf den Punkt:
»Du willst wissen, ob du schön bist? Ich sage: >JA!<

     
     Was bleibt da nun noch zu fragen?
Etwa: Bist DU schön? Eindeutig »JA«. 

Wer etwas anderes behauptet, sagt die Unwahrheit ...

©by H.C.G.Lux

20. März 2019

Fernweh



So manches Mal denk ich zurück
in stiller Stunde an die Zeit
von Kindertagen voller Glück;
sie liegt nun schon unendlich weit.

Es war doch eine schöne Zeit!
Zwar hatten wir oft große Sorgen,
doch macht ich mir, trotz manchem Leid,
keine Gedanken um das Morgen.

Es gab ja Bücher voller Abenteuer,
die ich verschlang wie gutes Essen;
das Fernweh brannte heiß wie Feuer
und alles andere schien vergessen.

Da wollte ich in meinen jungen Jahren
- ich war noch lange keine Zehn -
allein zum Amazonas fahren,
und viele fremde Länder sehn.

Ich wollte den Gran Chaco dort erkunden,
auf Humboldts Spuren durch den Urwald gehn
und wenn ich alles dann herausgefunden,
würde auch meine Mutter mich verstehn!

Als meine Lieben noch im Schlafe lagen,
da packt ich meine Siebensachen.
- Ich konnte es doch keinem sagen,
wollt nicht, dass sie sich Sorgen machen -

und zog dann in die weite Ferne,
mit den Klamotten auf dem Rücken
Über mir da blinzelten die Sterne -
der Rucksack fing schon an zu drücken.

Beim letzten Haus in unsrer Strasse
machte ich mit dem Rucksack Inventur:
Zwei Hemden von der Leine, ziemlich nasse,
von meinem Vater eine alte Taschenuhr.

Ein Buch: »Im Urwald lebt ich lange Jahre«.
Drei Strümpfe und ein Kanten Brot,
ein Kamm mit siebzehn Zinken - für die Haare,
ein Maikäfer, leider war er schon tot.

Hier noch ein Buch: »Ich überlebe!”
von Ferdinand von Emmerich,
wenn in den Urwald ich mich dann begebe,
da brauche ich es, sicherlich!

Jetzt aus der Wundertüte einen Kompass,
den hatte ich noch irgendwo entdeckt,
und zu diesem wunderbaren Anlass
in den Rucksack noch gesteckt.

Nachdem ich alles reiflich inspizierte,
kam ich am Ende doch zu dem Entschluss:
Bevor mein Leben ich beim Abenteuer so riskierte,
ich noch ein paar Jährchen warten muss!

So schlich ich heim zu Mutters Speisekammer
und allen war es sonnenklar:
Am Ende kam zum Katzenjammer die Erkenntnis,
dass ein großer Forscher für die Welt verloren war.

So kam dann oft nach manchem Wagnis
am Ende die Vernunft zum Tragen!
Und manches spätere Ereignis
würde ich heut wohl nicht mehr wagen!


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©by H.C.G.Lux
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