9. Dezember 2019

FRAGE




Verehrung

Wir verseuchen das Wasser
Wir verpesten die Luft
Wir verräuchern die Lungen
Wir verbrauchen das Herz

Wir verjubeln die Stille
Wir vertreiben die Zeit
Wir verscherzen die Liebe
Wir verraten den Traum

Wir verwerten die Werte
Wir verwalten das Heil
Wir verplanen das Morgen

Wir verehren - Gott?



8. Dezember 2019

Das Dorf im Schnee



















Ein wunderschönes Gedicht von
Klaus Groth *1819 ⍏1899
das ich beim Stöbern fand und Euch nicht
vorenthalten möchte, weil es die Realität der
Romantik wiederspiegelt:


Das Dorf im Schnee

Still wie unterm warmen Dach,
liegt das Dorf im Schnee.
Unter Erlen schläft der Bach,
unterm Eis der blanke Schnee.

Weiden stehn in weißem Haar
spiegeln sich in starrer Flut,
alles ruhig, kalt und klar,
wie der Tod, der ewig ruht.

Weit, so weit das Auge sieht,
keinen Ton vernimmt das Ohr.
Blau zum blauen Himmel zieht
sacht der Rauch vom Schnee empor.

Möchte schlafen wie der Baum,
ohne Lust und ohne Schmerz.
Doch der Rauch zieht wie im Traum
still nach Haus mein Herz.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


und nun in ostfriesischem Plattdeutsch:



Dat Dörp in Snee
Still as ünnern de warme Deck
Liggt dat Dörp in witten Sneei,
Mank de Ellern slöppt de Beek,
drunner is de blanke See.
Wilgen stahnt in witte Haar,
Speegelt slaperg all de Kopp,
All is sinnig kold un klaar,
As de Dood, de alltied slöppt.
Witt, so wied de Ogen riekt,
Nich een Leven, nich en Luud;
Blau na'n blauen Hemel treckt
Sacht de Rook van't Sneei herut.
Ik much slapen, as de Boom,
Sünner Weh un sünner Lust,
Doch daar treckt mi as in Drööm
Still mien Hart na Huus.








25. November 2019

Zinsen u.ä.



Buchhandlungen haben es mir angetan, ich stöbere gern durch die Regale. Letzten Samstag hatte ich mal wieder das Bedürfnis. Ich nahm mir ein Sachbuch zur Hand, vielleicht gab es da etwas Neues.

Da - sieh mal an:
Mathewissen in geballter Form für die Schuljahre 6-9.
Interessant, wollte nun doch mal schauen, ob ich da noch etwas wüsste? War ja schließlich schon etliche Jahrzehnte her! Ich schlug mal einfach eine Seite auf: 
Seite 86.
»Du zahlst auf Dein Sparbuch 500 € ein,
du erhältst dafür 5% Zinsen. Wie hoch ist
Dein Sparguthaben nach 3 Jahren?«
Ich überlegte kurz. Nach drei Jahren? Hm, mal rechnen.
Und dann geht mir plötzlich ein Leuchtfeuer auf. Das ist doch eine Fangfrage?
Fünf Prozent auf Guthaben!
~~~



Ich habe das Buch bei den Comics und Märchenbüchern abgelegt. Die Buchhändlerin muss sich da ganz gewiss vertan haben! GUTHABENZINSEN. 
Wo gibts das denn, in Fantasialand? Aber der Witz ist gut, den muss ich mir merken. 
5%! Ist das nicht super?

©by H.C.G.Lux


22. November 2019

Wo auch immer ...


Wo immer es auch sei: Irgendein Ortsname auf unserer (noch) schönen Erde. Es muss nicht Bethlehem sein, dem »Weihnachtsort« schlechthin. Nenne es Fukushima oder Homs in Syrien, gib ihm den Namen Buchenwald, New York oder Dresden, auch Guernica oder Oradour kämen dafür in Frage.


        Überall, wo Menschen wohnen, sind deren Wohnorte sehr oft mit Ereignissen belastet, auf die man nicht stolz sein kann. Das müssen nicht unbedingt Gräueltaten sein, die dann nach oben gespült werden. Wenn du jemanden erzählst, dass du eine Tante in Dachau hast, klicken aber gleich die Signale auf »KZ-Vergangenheit«. Gemeint ist natürlich der heutige Ort, sei er nun wunderschön oder gerade noch zu ertragen. Wenn der Name Hiroshima bei einem Erdbeben fällt, denkt jeder sofort und automatisch an die Atombombe, klar.
        Dann gibt es noch Orte, bei denen man gleich an zweifelhafte Aussagen denkt. Flensburg! Da stoße ich mich sofort an der Verkehrssünderkartei. Gut, mittlerweile hat sich das abgeschwächt, man denkt nun vielleicht mehr an das leckere Pils oder an den Handballverein.
      Jedes Dorf, jede Stadt bemüht sich, ihren Namen von misslichen Bedeutungen freizuhalten. Allerdings gibt es auch Städte, die Ereignisse oder Namen mit Gewalt in ihre Annalen einzupressen versuchen. Irgendein großer Sohn, irgend eine außergewöhnliche Dame wird doch wohl zu finden sein?
        Ich wüsste gern, wie viele Einwohner Weimars Werke von Goethe überhaupt gelesen haben? Ist es vermessen zu sagen, dass die meisten Menschen in Mainz mit dem Gutenberg nix am Hut haben? Unsere Gedanken transportieren Erinnerungen an »Traumorte«, die irgendwann mal in unserem Leben eine Rolle gespielt haben.
        Das war schon in der Bibel so. Auch da wurden und werden »Traumorte« als überragend angepriesen. Zum Beispiel Jerusalem! Dieser Ort wird so anormal überhöht, bis hin zum »himmlischen Königreich Jerusalem«, kein einziger Ort der Welt aus Beton und Glas kommt dann dagegen an. Welch ein Quatsch!
      Aber gleich danach kommt Bethlehem! Es ist heute eine Stadt etwa so groß wie Rottweil oder Salzwedel und liegt in den sogenannten palästinensischen Autonomiegebieten, in denen die Hamas regiert. Ein mehrere Meter hoher Zaun grenzt den Ort von Israel ab.
          Du kommst dort an einen Ort, an dem du nicht viel vom Frieden auf Erden antreffen wirst. Wenn der Name dieses Ortes nicht unter die negativen unserer Welt eingereiht wird wie Hiroshima oder Stalingrad (Wolgograd), dann hat das nur religiöse Gründe!
          Wie ist es möglich, dass wir besondere Orte mit einem solchen Glanz umgeben, der mit der Realität überhaupt nichts zu tun hat? Eine Möglichkeit ist, dass dieser Glanz den inneren Reichtum ausdrücken soll. Wie zum Beispiel bei den Ikonen der Ostkirche. Alles ist vergoldet, wie praktisch, da fragt dann niemand mehr nach dem wahren Wert.
        Geht es uns mit den eigenen Erinnerungen nicht ähnlich? Sie werden eingefärbt und manchmal vergoldet! Unser Kopf bastelt sich seine eigene Vergangenheit zurecht, so wie er sie haben will. Lässt dabei alles Unangenehme nach Möglichkeit weg.
        Deshalb wird die Vergangenheit meist besser angesehen als die Gegenwart es ist, obwohl sie es niemals war! Vielleicht aber stärkt das auch unsere Hoffnung? Diese Überhöhungen von Ort und Zeit wollen uns helfen, Hoffnung zu haben, wenn alles grau in grau aussieht.
      Auch wenn unsere großen Orte, die Plätze, die für uns bedeutsam sind, sicher nicht Jerusalem oder Bethlehem heißen, so sind sie doch Punkte, an denen wir unsere Richtung festlegen könnten!
          Jesus Christus benötigt keine goldene Erhöhungspunkte. Er kam damals zu denen, die ganz weit unten, im Niemandsland waren.
Ein Theaterstück von Rudolf Otto Wiemer trägt einen bezeichnenden Titel: Jesus wohnt in unserer Straße!
Weißt du vielleicht, in welchem Haus?



©2019 by H.C.G.Lux

16. November 2019

Einkaufstour



Bei uns auf dem Land ist das Leben angeblich einfacher als in der Stadt. Meint man. Doch wer das denkt, kennt unser Landleben nicht. Ein Leben zwischen Laptop, Güllegeruch und Stau auf der Bundesstraße. Es ist schrecklich schön. auch davon einmal zu erzählen.
        Vieles wird ja einfacher, dachte man, als die Gören noch klein waren. Als sie dann langsam größer wurden, relativierte sich so manches. Einiges wurde viel komplizierter. Dazu gehört auch das Einkaufen, beispielsweise von Kleidung. Für Eltern ist das oft frustrierend, jeder kennt das wahrscheinlich auch. Besonders dann, wenn wie nebenan bei Familie Haaken zwei heranwachsende Gestalten eingekleidet werden sollen. Magdalena, meine Nachbarin, bat mich, sie doch mit ihren beiden Lieblingen zum Kaufhaus zu fahren, der Papa hatte leider keine Zeit. Da ich ein guter Nachbar bin, tue ich ihr auch gern den Gefallen.
        Der Sohnemann, knapp 13, verhält sich im Laden so, wie es vielleicht war, als seine Mutter ihn morgens noch anziehen musste, willenlos wie sich ein Wurstbrot schmieren lässt, lässt er sich Pullover und und Hemd überstreifen. Teilnahmslos steht er dann in der Abteilung »Größe 176«, während die Mama sich nach passenden Hosen umsieht, ihn schließlich mit einigen Beinkleidern ihn die Kabine schickt. Er kommt wieder hervor - die Hose, die er probiert, passt wie ein Handschuh als Unterhose. Am Oberschenkel sitzt das Ding viel zu stramm, während der Hintern irgendwo in den Kniekehlen hängt. »Passt doch«, meint der Erbprinz leidenschaftslos wie ein Kater, der soeben seine edelsten Teile verloren hat. Mit Mühe überreden wir zwei Erwachsenen ihn zu einer Alternative!
»Sind wir jetzt fertig?« Na ja, ich beglückwünsche Magdalena, dass sie es geschafft hatte, dieses Kapitel doch noch zu beenden.
        Bei dem Töchterchen jedoch liegt die Problematik dann etwas anders! Da hakt es dann eher an zu viel Modebewusstsein als an zu wenig! Heute geht es konkret um ein Paar Schuhe, für den Winter. Bis wir gemeinsam zu der Schuhabteilung vordringen, werden erst einmal ausgiebig Handtaschen und Gürtel nach allen Richtungen betrachtet. Die sind sicher hübsch, aber eben nicht so notwendig wie Schuhe, meint Magdalena. Und außerdem würde die Parkuhr bald ablaufen, - auch ein Argument!

        »Was suchst du denn nun spezielles?« frage ich Magdas Tochter. »Na Schuhe!« Kurze knappe Antworten sind immer angebracht, denke ich bei mir. Aber nicht mit solch einem gelangweilten Blick wie Kerzenlicht hinter heruntergelassenen Jalousien. So viel Ignoranz halte ich nicht mehr aus, mein Nachwuchs ist Gottlob aus dieser Phase heraus. Ich muss erst mal draußen eine Zigarette rauchen. Als ich wieder in den Laden zurückkomme, hat Mama der kleinen Großen ein paar Schuhe ausgesucht, die ihr geeignet erscheinen.
        Die aber kommen auf keinen Fall in Frage! Sie hat sich für weiße Markenturnschuhe entschieden, mit aufgeschäumter Sohle. Nun, weiße Schuhe in der matschigen Winterzeit sind nicht unbedingt die große Nummer, denke ich. Aber die Fünfzehnjährige hat sich entschieden - da hat eine Widerrede so wenig Sinn wie ein Maikäfer im Weihnachtsbaum.
        Aber Weiß ist jedenfalls nicht auf der Tagesordnung! Letztlich hat die Mama dann doch entschieden! So verlassen wir also gemeinsam den Laden ohne neue Schuhe aber mit einem trotzigen Teenager. Und gleichzeitig haben wir eine neue Erkenntnis gewonnen, dass Mode und Erziehung nicht unbedingt ein Paar sind!
        Aber ich versichere Euch, die ihr dies gelesen habt, dass ein Update dieser Einkaufstour gewiss folgen wird. Diese Neuauflage droht der renitenten jungen Dame schon am nächsten Tag: Barfuß wird das Mädchen sicher nicht durch den Winter marschieren! Dafür wird Magdalena schon sorgen …

 ©by H.C.G.Lux

26. Oktober 2019

Viel zu viel!

Zu viel!
Unser Leben wird immer rasanter. Alles spielt sich heute in einem Tempo ab, das kaum Zeit zum Nachdenken lässt. Selbst Gespräche verlaufen oft in einer Geschwindigkeit, dass man kaum noch das Wesentliche der Mitteilungen erfassen kann. Ich möchte hierzu eine kleine Geschichte erzählen, die sich vor etwa 120 Jahren abgepielt haben kann:
Zwei Bauern, Hinnerk und Harm aus einem Dorf im ostfriesischen Rheiderland, auf der westlichen Seite der Ems gelegen, machten sich an einem schönen Sommertag mit ihrem Ackerwagen auf den Weg zum Viehmarkt. Sie hatten sich verabredet, einige Kälber nach Leer zum Markt zu bringen. Sie trafen sich früh am Morgen, grüßten sich wortlos mit einem Handschlag, spannten Hinnerks Füchse vor den Wagen und ab ging die Fahrt zur fünf Kilometer entfernten Kreisstadt.
An der Fährpünte an der Ems bei Leerort hatten sie Aufenthalt, da die Fähre nur zwei, drei Fahrzeuge transportieren konnte. Harm betrachtete die Ems, die gemächlich der Nordsee entgegenzog. Dann meinte er mit einem Blick auf das blaugraue Wasser:
»Wi hebb’n Hoogwater!«
Hinnerk sah ihn an, nickte kurz mit dem Kopf. »Jo!«
Einige Zeit später kamen sie in Leer auf dem Markt an, tätigten ihre Geschäfte mit Erfolg, tranken in der ›Waage‹ ein Bier und einen Genever, machten sich dann wieder auf den Heimweg. Bei Leerort an der Fährpünte wieder angekommen, meinte Harm: »Dat Water geiht all weer hendaal!«
Hinnerk sah seinen Mitfahrer etwas länger an, lenkte dann das Gespann auf die Fähre und meinte dann mit einem Blick auf die Ems: »Hm!«
Wieder zu Haus angekommen,verabschiedeten sich beide mit einem Händedruck. Hinnerks Frau Gesa kam aus der Tür und als Hinnerk die Pferde ausspannte, fragte sie ihren Mann: »Na? Wo weer’t? All up Stee?«
Hinnerk nickte. »Jo, man mit Harm gah ik dor nich mehr hen!« Gesa fragte erstaunt: »Woso dat denn?«
»Woso? De proot mi allto vööl!«

 
Für Nicht-Ostfriesen:
Hoogwater        Hochwasser
hendaal              herunter,zurück
wo weer’t?          wie war es?              
up Stee               in Ordnung
woso?                 wieso?
proot                  redet, spricht
allto vööl            viel zu viel



©by H.C.G.Lux

26. September 2019

Mord in Deutschland!



Ein Bericht.

In Deutschland wird wieder mehr gemordet! Die Anzahl der blutrünstigen Tötungen steigt täglich mehr und mehr und niemand gebietet da Einhalt. Zwar gibt es Gegenden in unserem Land, wo der statistische Anstieg besorgniserregend hoch ist, andererseits sind aber auch in bestimmten Regionen relativ seltene Mordfälle zu beklagen. Und das lässt doch hoffen!
         Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, die Gegenden mit den häufigsten Mordfällen herauszusuchen:
Eifel und Taunus, Spreewald und Bodensee, München und Berlin, Hamburg und Leipzig gehören zu den bevorzugten Gebieten, in denen Mörder ihr Unwesen treiben. Und seit Neuestem scheint auch Ostfriesland zu diesen auserwählten Regionen zu zählen!
        
 Es ist wirklich erschreckend, in welchem Ausmaß diese kriminellen Schandtaten zu immer neuen Höhepunkten gelangen. Es ist für die Zukunft zu befürchten, das auch weniger frequentierte Bereiche, wie zum Beispiel der Bayrische Wald oder das Münsterland zu Mordgebieten erklärt werden müssen. (Münster selber ist ja auch schon in den Einflussbereich dieser Kriminalität geraten, ebenso wie auch die schleswig-holsteinische Seenplatte.)
         Sicher, ich bin mir bewusst, dass meine Erhebung nur die Spitze des Eisbergs sein kann, aber irgendwo muss doch ein Anfang gemacht werden! Kritiker meinen nun, ich hätte das alles nur erfunden, um ihre Region zu schädigen. Das aber ist unwahr, denn im Gegenteil, je mehr Morde geschehen, desto mehr wird eine Region bekannt!
         Vielleicht bin ich nun in meinem kleinen Heimatdorf auch nicht mehr sicher? Ganz gleich, ich bin ein risikobereiter Mensch.
Ach so, Du meinst nun, ich hätte das alles nur erfunden? Du irrst! Schau nur mal in das Programm unserer TV-Sender hinein!
Es beginnt im Süden mit den Toten vom Bodensee und endet noch lange nicht bei Nord-Nord-Mord! Und dazwischen liegen serienweise die übrigen Bluttaten.
          Und dann erst die Literaturlandschaft! Unsere Autoren geben sich alle Mühe, diese Art von Unterhaltung am Leben zu halten - im Gegensatz zu ihren eigenen Favoriten, die möglichst rätselhaft unsere Erde verlassen müssen. In diesem Genre tut sich ständig etwas Abgründig-mystisches, das jeden Leser begeistert! Wo anders als in der Feld-, Wald und Wiesen - Literaturlandschaft wird so viel gefoltert, gelitten und gestorben?
         Ja, Deutschland ist da neben den USA führend in den Mordthemen! Es gibt halt nichts, was dieser tollen Thematik entgegengesetzt werden könnte. Es ist eine Sphäre der Rätselhaftigkeit, die uns da aufgebürdet wurde und die schwer zu verlassen ist.
         Ein einziger Punkt bleibt dann schließlich noch, der zur Hoffnung Anlass gibt: Alle Taten werden zu 99,9% am Ende aufgeklärt!
Und das ist doch ein Grund zur Freude - oder etwa nicht?

©by H.C.G.Lux

25. September 2019

Wasserschaden


Dr.Sauerbier hatte einen wirklich schweren Tag hinter sich. Die Praxis war heute wieder einmal überfüllt - und dann die vielen Notfälle dazwischen - es war höchste Zeit, für heute Schluss zu machen. Elvira, seine Frau, hatte schon mehrfach angerufen, der Doktor hatte jedes Mal abgewinkt, wenn die Assistentin darauf ansprach. Inzwischen war es schon 22 Uhr geworden, erschöpft saß der Doktor in einem Behandlungsraum und versuchte sich zu entspannen. Seine Mitarbeiterinnen waren bereits auf dem Wege nach Hause.
      Da kam wieder ein Anruf von Elvira, dieses Mal über Smartphon: »Wo bleibst du denn? Es ist wirklich eilig, ich habe doch schon dreimal versucht, dich zu erreichen. Wir haben einen Rohrbruch im Keller, es steht alles unter Wasser, der Partykeller, die Vorratsräume - und ich kann keinen Klempner erreichen! Bitte komm sofort!«
         Dr.Sauerbier war entsetzt. Rohrbruch? Unter Wasser? Der Partykeller mit den wertvollen Geräten und Instrumenten?
Noch nie in seinem Leben war er so schnell aus seiner Praxis entflohen, vergaß dabei, die Tür zu schließen, schon im Wagen sitzend, musste er wieder aussteigen und das Versäumte nachholen.Und dann in einem Blitztempo mit 130 km/h durch die Innenstadt - im Moment war ihm alles egal.
         Als er daheim ankam, stand seine Frau völlig aufgelöst mit dem Telefonhörer in der Hand vor der Haustür und winkte verzweifelt. Aus einem offenen Kellerfenster sprang ihm eine gewaltige Wasserfontäne entgegen. Dr. Sauerbier entriss seiner Frau den Telefonhörer, wählte aufgeregt die Nummer eines bekannten Klempners und bat um dringende Hilfe zu diesem Notfall. Der Installateur jedoch meinte, dass er jetzt Feierabend hätte und er sich schon bis morgen früh gedulden müsse.

      »Was heißt hier Feierabend«, der Doktor schrie regelrecht ins  Telefon hinein, »wenn ich zu einem Notfall gerufen werde, komme ich ich auch umgehend und so schnell ich kann, auch wenn es mitten in der Nacht ist!«
»Ja, ja«, der Klempner beruhigte den Arzt, »ich bemühe mich ja, bin ja gleich bei Ihnen!«
      Nach 45 Minuten traf er dann auch ein, beruhigte den aufgeregten Doktor, ging sodann mit ihm in den Keller, um die Sachlage zu prüfen. Hier sah es böse aus! Bis zur Oberkante der Treppe stand der Keller vollkommen unter Wasser.
»Ja, soso, aha«, der Handwerker kratzte sich nachdenklich am Kopf, dann entnahm er seiner Werkzeugtasche zwei große dicke Dichtungsringe und warf sie ins sprudelnde Wasser.
Dann meinte er zufrieden: »So, das müsste erst mal helfen. Wenn es bis morgen nicht besser wird, rufen Sie nochmal an! Ich wünsche eine gute Nacht!«

©by H.C.G.Lux

16. August 2019

Fakes in News


 

Die allseits bekannten gefälschten Nachrichten unserer Tage sind wie Viren, die uns infizieren und folglich die sozialen Beziehungen belasten. Sie stellen die öffentlichen Nachrichten vollständig ins Abseits, machen sie unglaubwürdig und zum Teil fast unkenntlich.
         Diese Krankheit verbreitet sich plötzlich und überraschend; sie dringt in alle sozialen Netzwerke ein, die Ansteckungsgefahr ist immens, ein Click und schon verbreitet sie sich wie ein Waldbrand in der Steppe. 
          Die gefälschten Nachrichten wären in den meisten Situationen leicht zu erkennen. Eine Suche, die ein bisschen kürzer oder etwas tiefer ist, würde oft ausreichen, um die Wahrheit in den Vordergrund rücken. Aber hierfür ist etwas Arbeit notwendig, suchen ist nun mal nicht ganz frei von Mühe. Viel einfacher ist es doch, sich dumm zu stellen und alles zu glauben, was da ins Netz gestellt wird!
      Auf diese Weise beteiligen wir uns mit einer Mischung aus Freude und auch Empörung an der Korruption der sozialen Netzwerke, zu denen auch wir gehören: Wir werden angesteckt und - wenn wir alles lang genug geschluckt haben - gehen wir zu aggressivem Handeln über, üben Verleumdungen aus, explodieren manchmal voller Empörung.. 
         Unsere sogenannten »sozialen Netzwerke« tragen zu einem großen Teil zu dieser Desorganisation des menschlichen Denkens bei. Computer allein können uns leider nicht zu klügeren Lebewesen machen!
         DAS ist unsere schöne neue Welt. Eine Welt, in der Maschinen und die KI uns kräftig helfen, viel dümmer zu sein, als wir es ohne ihre Kooperation sein würden.
Ob Aldous Huxley das 1932 schon in der »Schönen Neuen Welt« gesehen hat?

28. Juli 2019

Sorgen oder was sonst



Ich denke, es gibt niemand auf der Welt, der dieses Wort nicht kennt, der sich noch nie mit den Tatsachen befassen musste, die dieser Begriff nun mal mit sich bringt. Sorgen, das sind in allen Sprachen der Welt Dinge, Angelegenheiten und kummervolle Anlässe, die so manchen Menschen das Leben schwer machen.
         Was sind Sorgen? Ist das die Quintessenz aller unangenehmen Dinge, die wir unterlassen haben? Oder das Fazit aller Fehler, die übrig bleiben, wenn wir mehr wollen, als uns angemessen erschien? Ganz gleich, was immer wir als Einzelner darunter verstehen; Sorgen beinhalten immer und ausschließlich das, was uns selbst oder unseren Nächsten Kummer bereitet oder bereiten kann!
         Seit ein paar Jahrzehnten hat sich in unserem Sprachschatz ein Wort eingenistet, das unsere Eltern noch nicht auf ihrer Sprachpalette hatten: Entsorgen!
Sprachlich gesehen hat es die Bedeutung von »uns von den Sorgen befreien!«Inhaltlich jedoch geht es genau diesen Möglichkeiten aus dem Wege, indem es auf Umwegen zu einem völlig neuen sächlichen Begriff wird - entsorgen!
         Wenn wir Gegenstände entfernen, die wir nicht mehr brauchen, wenn wir etwas loswerden möchten, dann sprechen wir von »entsorgen« Beispielsweise »entsorge« ich meine uralten Computerteile, die ich schon längst loswerden wollte. Ich entsorge Videokassetten, die seit Jahren schon ihre Eigenschaft aufgegeben haben, ich entsorge meinen Hausmüll, ich entsorge dieses und jenes!
         
           Haben mir diese Gegenstände, all diese Dinge, von denen ich mich endlich trennen will, hat mir dieser ganze Müll »Sorgen« bereitet? Ich denke, das hat überhaupt nichts mit Sorgen zu tun, es ist lediglich eine Floskel in unserer Sprache, die uns in Ermangelung eines anderen Begriffes einfach »zugeflogen« ist.
         Entsorgen? Es ist doch gemeinhin so, dass wir Menschen immer und zu jeder Zeit etwas zu entsorgen haben. Oder glaubt vielleicht jemand, bei ihm wäre stets alles im Lot? Das wäre dann aber doch eine Fehleinschätzung, die schleunigst zu korrigieren ist!
         
           In unseren Gedanken läuft oft alles wie Kraut und Rüben durcheinander, wir denken dies und jenes, behaupten manches, müssen oft auch zurückrudern. Wir ärgern uns in dieser Minute über eine Aussage, kurze Zeit später haben wir erkannt, dass der Gegenpart doch Recht hatte. Wir sind mit unseren Einschätzungen schnell bei der Hand - wie leicht ist es doch, an Vorurteilen festzuhalten. Etwas später stellen wir fest: Mensch, das stimmt ja so gar nicht!
         Es sind unendlich viele Einzelheiten, mit dem unser Gehirn sich täglich auseinandersetzen muss. Wie kann es sein, dass alles - wirklich alles - richtig und fehlerlos bei uns ankommt - oder auch weitergeleitet wird?
Halten wir nun für immer an diesen Fehleinschätzungen fest? Oder haben wir den Mut zuzugeben: Ja, du hast Recht, ich bin einem Fehler aufgesessen!
         Wenn wir nun genügend von diesen Trugschlüssen gesammelt haben, müssen wir sie doch auch einmal loswerden, nicht wahr? Oder aber mitschleppen bis zum St.Nimmerleinstag. Einfacher wäre es, sie zu »entsorgen«! Für alle Zeiten abwerfen.
          
Eine Frage dazu: Wo lässt DU entsorgen? Wenn du die Antwort kennst, dann bist du gut dran! Denn dann kannst du beruhigt sein - es wird alles einmal gut werden!


©2019 by H.C.G.Lux