23. November 2020

Haas un Voss, Eine plattdeutsche Geschichte


 

Eentlich weer dat een tofällig Tosamenkomen. He harr de Voss all lang an de Waldrand sehn, in’t Schaden van de groode Kiefern was he woll swaar to sehn, man he harr twee scharp Ogen, de sükse Spöl wennt weern.

 »Mol kieken, wat he nu deiht«, docht sük de Haas, »glövt de, he kunn sük anslieken?« He trugg sien Overlipp n’bietje nah boven, daardör keek he nu ut, as wenn he lachen de. Kunn ja wehn, he lacht warachtig, keeneen kunn dat akkeraat seggn.

 De Voss, de dee nu so, as wenn he gornich interesseert wör, keem so slörig dichterbi, snüffelt hier in een Muusgatt un denn weer an ’n poor Grasspieren. Daarbi keek he alltied ut de Oogwinkel na de Haas. Daarbi versök he, sien Interess an sien Tegenover nich anmarken to laten. As de Voss nu so up twintig Stappen ankomen weer, sett sük de Haas up, stellt sien Lepeln hoch un see denn heel bedaart un sinnig: »weetst, ik an dien Stäh wör nich so dicht bi mi bikomen!«

 De Voss bleev verbiestert stahn un schüddelte sien Kopp. Dat rostroode Kopphaar sach so ut, as wenn dat son Strahlenkranz weer, so as de Madonnas dat üm de Kopp harrn. Dat Haar van sien sneeiwitte Bost gev daarbi een mooie Kontrast av to dat roode Fell van de Liev. 
De Voss harr so bernsteingeele Ogen, de keeken de Haas upmarksoom an, he versöökt daarbi, ruttokreegen, wat de Haas woll vörharr.

 »Wullt du mi Vöörschriften maken?« frog he denn, sien Stimmtje sull woll kommood klingen, man kunn abers marken, dat he gor nich so kommood weer.
»Ick hebb dat Geföhl, du glövst, dat du mi beindrücken kunnst, wat?«
De Voss mok de Versöök, hönsk uptolachen, man dat wull nich so ganz henhaun, am end keem daar blots son Gehoost daarbi rut.
 De Haas, de bit dorhen in de Höchte stunn, sett sük nu up sien achterste Been. Dat leet so, as wenn he gornich mehr an de Voss denken dee, de jümmer noch verdattert röverluurte. De Haas dee so, as wenn he alleen weer, plückt hier an een Kleeblattje, weer aber doch vöörsichtig un passt genau up, wat de Voss woll dee.

 »Un nu?« De Haas reep dat röver to ’n Voss. »Wat wullt du nu doon?«
De Jager in de roode Pelz keek de Haas nahdenkelg an. Sien Erfohrung wies em, dat een gauer Erfolg neet so licht wesen de. De Haas weer woll to wiet weg. »Ick«, see he denn, »ick kunn di freeten, to’n Bispeel.«
»Tz, tz,« mook de Haas: »Seker kunnst du dat, wiss. Man daar givt dat denn doch noch völ to bedenken.«

»Hahaha,« see dröög de Voss, dat weer woll een Versöök, höhnsk to klingen, »daar bün ik nu maal neeisgierig. Wullt du dien Kloogheit unner Bewies stell’n? Glieks fang ik an to lachen!«
»Hm«, mok de Haas bedaart, nickkoppte ’n poormal, dat sien lange Lepels hen un her klappten, »Lach du man!« He mok nun’poor Stappjes na de Sied.
»Weest«, see he denn, »daar givt dat twee Punkten, up de du achten muttst. Eenmol: Du mußt mi eerstmaal kriegen. Dat is di doch woll klar, nich?«

»Proot man wieder«, see de Voss, »wat kummt nu noch?« Sien roode Ohren spölten na alle Sieden, dat bewies egentlik, dat he recht kribbelik weer.
De Haas wies nu mit een Pootje up sük sülm un see denn:
»Dat tweede is: I bün denn achteran nich mehr daar, du büst daarna heel alleen!«
De Voss kneep sien Ogen to un keek de Haas denn verdattert an. »Alleen, achteran alleen? Wat protst du denn nu för n Schiet? Wullt du mi Ratsels upgeven?«
He schüddelkoppte, sien roode Haar floog van een Sied up de annere. »Up jeden Fall worr ik maal weer satt!«

 »Ja«, see de Haas na een lange Paus, keek denn de Voss bedrövt an. »Du weerst satt. Vöör een körte Tied weerst du satt! Un denn? Wat is Mörgen?«
»Och Keerlke, wat is Mörgen! De Frag laat di man patenteer’n.« De Voss lachte dröög up. »Wat sall ik denn na Mörgen frogen? Mörgen is wiet, is nich aktuell. Vandage is vandage!« De Voss weer inne Tüskentied ’n bietje dichterbi komen. De Ofstand to de Haas weer all gefarelk minn worrn. Doch de Haas weer nich bang, he wüsst, wo gau he reageern kunn. Sien Groovader harr em dat bebröcht, bit up de lesste Sekund in sien Satte liggentoblieven un eerst denn, wenn dat gor nich mehr ging, in drafft wegtolopen. Bi de Jaggten van de Tweebeeners in Winter harr dat alltied klappt. Man bi de Voss? He wüss dat nich so recht.

 »Mien leeve Fründ«, see de Haas nu frünnelk to de Voss, »bliev doch daar bi de Machandelbusk liggen, ja? Ik mag dat nich so geern, wenn ik as Familienbraden up dien Avendbrotdisch landen do!«
De Voss griente.Würrelk, he sett sük up sien Achterbeen un griente vöör sük hen. »Haas!« see he denn, »du imponeerst mi! Ik weet nicht worüm, man ik hebb Respekt vöör di.«
Nadenkelk leeggt he denn sien Kopp in’n Nacken un keek bovenhen in dat Blau von den Hemel. »Wo weern wi stahnbleven?« frog de Voss denn. »Bi de tokomen Tied? Wat wöör, wenn - hesst du frogt.«

»Ja«, see de Haas, »ik meen, du hesst nich wieder docht. Wenn du mi nu freeten hesst, denn büst du alleen. Du muttst dien heel Levenswies verannern, muttst alln’s ümkehrn, wat to di höör’n deiht. Du büst denn keen Jager mehr, nee, wat wullst du denn jagen? Mi gifft dat denn nich mehr.«
De Voss överleggt nu. He versöök, dorup een Antwoord to finnen. He kunn sük dat nich verkloren, disse 

Unnerscheed tüsken de beid Kreatür’n up de Eer. Jagen, dootmaken, jaggt worrn, dootmakt worrn. Kunn dat de Loop van de heele Welt wesen? Is dat nu de Sinn van dat Leven?
»Ik weer geern dien Fründ, leeve Haas«, see de Voss denn’n bietje later. He was tüskendör bi de Haas ranrückt un seet nu tegenover van em.
»Man dat kann nich wesen, dat Paradies gifft dat nich mehr, wo alltohop in Freeden tosamenleven kunnen.«

 De Haas harr dat tolaten, dat de Voss nahder keem, ohn dat he weglopen wull. »Ja«, see he denn, »ik verstah dat ja woll. Du muttst mi also freeten? Dood maken üm dat Leven willen. Umdat du leven wullt, mutt ik starven. Dat is een heel truurigs Resultat, meenst nich ok? Kansst du dormit so eenfach leven?«
De Voss harr daar nix mehr tegen to proten. He keek de Haas bedaart an, sien Ogen leeten so, as wenn he se bedrövt weer’n.

»Kann ja ok wesen, wenn du mi nich fangen deihst, muttst du versmachten!« De Haas schüttelt sien lange Lepels un kunn nu gor nix mehr segg’n.
»Oh Mann«, see denn de Voss na een lang Tied, »meenst du, ik do dat geern? Dat deiht mi doch ok leid üm di. Ik mag di doch, ik wull heel geern dien Fründ wesen. Kann dat denn gornich angahn?

 De Haas un de Voss seeten noch lang binanner un keeken in de lila Sünnünnergang. Een laate Amsel sung noch boven in een Boom ehr Avendmelodie.
»Ik mutt nu gahn«, see de Voss, »dat warrt Tied, ik wünsk di noch n’heel Bült Glück vöör dien Tokunft!«

 As he nu gung, dreihte he noch mennigmaal sien Kopp torügg und keek de Haas lang an. Mit een Pootje wunk he denn nochmaal so’n Tschüss na de Haas.
»Dat is jammerschad«, lüstert de Haas noch, sien groode Ogen keeken truurig achter de Voss her, »Ik kann di vöör de Tokunft keen Glück wünsken. Dien Glück is denn mien Dood!« 

 © by H.C.G.Lux

Hase und Fuchs, --- in Normal-Deutsch

 

      Eigentlich war es mehr ein zufälliges Zusammentreffen. Er hatte den Fuchs schon längst am Waldrand entdeckt, im Schatten der großen Kiefern war der zwar kaum auszumachen, aber er hatte scharfe Augen, die solche Schattenspiele gewohnt waren und kaum eine Täuschung zuließen.

»Mal sehen, was er jetzt macht«, dachte der Hase, »glaubt der vielleicht, er könne sich heranschleichen?« 
              Der Hase zog seine gespaltene Oberlippe etwas nach oben, es sah dadurch aus, als lächelte er. Nun, vielleicht lächelte er ja auch wirklich. Wer will das schon so genau sagen können?

      Der Fuchs tat völlig uninteressiert, schlenderte langsam näher und näher, schnüffelte hier an einem Mauseloch und dort an einem Stängel der Schafgarbe. Dabei beäugte er den Hasen aus seinen Augenwinkeln und versuchte dabei, sich sein Interesse an dem Gegenüber nicht anmerken zu lassen. Als er dem Hasen nun bis auf zwanzig Schritte nähergekommen war, setzte der sich auf, richtete seine Löffel dem Fuchs entgegen und sagte dann ganz gelassen, aber dennoch laut und deutlich:

      »Ich an deiner Stelle würde nicht näher herankommen!« Der Fuchs blieb verblüfft stehen, schüttelte verwirrt seinen rostroten Kopf, sein Kopfhaar zerzauste sich dabei so sehr, dass es schien, als trüge er einen Strahlenkranz zwischen seinen Ohren. Die Haare seiner schneeweißen Brust bildeten dabei einen wunderschönen Kontrast zum übrigen rotbraunen Fell. Bernsteinfarbene Augen musterten dann aufmerksam den Hasen, versuchten zu ergründen, warum der ihn angesprochen hatte und vor allem, was der vorhatte.

     »Möchtest du mir Vorschriften machen?« meinte er dann mit einer Stimme, die ruhig klingen sollte, der aber doch eine gewaltige Anspannung anzumerken war. 
»Glaubst du wirklich, du würdest es schaffen, mich zu beeindrucken?«
Der Fuchs versuchte höhnisch aufzulachen, es gelang ihm aber nur ein heiseres Gekrächze, das schließlich mit einem kurzen Reizhusten endete.

      Der Hase, der bis dahin hoch aufgerichtet dastand, die langen Löffel nach vorn gerichtet, setzte sich nun auf seine Hinterläufe. Es schien, als nähme er überhaupt keine Notiz mehr von seinem Gegenüber, der immer noch verwirrt herüberblickte. Zupfte genüsslich an einem Kleeblättchen, beobachtete aber trotzdem den Fuchs mit vorsichtigen Blicken.

      »Und nun?« Der Hase rief es zum Fuchs hinüber: »Was willst du nun tun?«
Der Jäger im roten Fell sah den Hasen aufmerksam und nachdenklich an, seine Erfahrung mahnte ihn, dass ein schneller Jagderfolg auf diese Entfernung wohl nicht zu erwarten war.
»Ich«, sagte er dann, - er stockte, »ich könnte dich fressen, zum Beispiel!«
»Tz, tz«, machte der Hase, »könntest du. Natürlich könntest du das.«
Er hob die rechte Vorderpfote. 
»Da gibt es nur zwei Schwierigkeiten!«
»Haha«, meinte der Fuchs und versuchte, höhnisch zu klingen, »da bin ich aber gespannt. Willst du klüger sein als ich, der ich der Schlaue genannt werde? Schwierigkeiten? Gleich lache ich!«

»Hm«, sagte der Hase gleichmütig, nickte darauf mehrfach mit dem Kopf, dass seine langen Löffel nur so klapperten. »Lach du nur. Ad eins: Du musst mich erst einmal haben! Das ist dir doch wohl klar, oder?«
»Red nur weiter«, sagte der Fuchs, »ich bin gespannt, was das andere Gegenargument sein soll!«
»Ganz einfach, lieber Fuchs!« Der Hase machte mit der Pfote eine kreisende Bewegung, erhob dann seine Stimme: »Ad zwei: Du wärst dann später ganz allein!« 
»Allein! Später! Was soll das?« Der Fuchs fragte es verwundert. »Sprichst du jetzt in Rätseln? Allein! Jedenfalls werde ich mal wieder satt!«

»Sicher«, sagte der Hase, »du wärst satt. Für kurze Zeit wär dein Verlangen gestillt. Und dann? Was wäre dann?«
»Was wäre dann? Diese Frage lass dir patentieren«, sagte der Fuchs, »warum soll ich nach Morgen fragen? Morgen ist gar nicht aktuell!«

      Der Fuchs war inzwischen näher gerückt, der Sicherheitsabstand zum Hasen war schon gefährlich zusammengeschrumpft. Trotzdem hielt sich die Ängstlichkeit des Hasen in Grenzen. Er wusste, wie schnell er reagieren konnte, er verließ sich auf seine Schnelligkeit. Sein Großvater hatte ihm eingebläut, bis fast zur letzten Sekunde in seiner Sasse liegenzubleiben und erst dann, wenn es gar nicht anders mehr ging, in rasendem Zickzacklauf das Weite zu suchen. 

      Bei den Treibjagden der Zweibeiner im letzten Herbst hatte er immer bewiesen, dass diese Haken-Schlag-Methode stets die effektivste war. Ob sie aber auch beim Fuchs wirkte? Verdrängte da der Optimismus nicht doch ein wenig die Realität? 
              
»Mein Freund«, sagte der Hase dann freundlich, »bleib bitte dort bei dem Holunderbusch liegen, ja? Ich hab nämlich noch keine Lust, als Familienbraten zu enden!«
Der Fuchs lächelte. Tatsächlich, er setzte sich auf seine Hinterläufe und lächelte. 

»Du imponierst mir«, sagte er, und seine weißen Barthaare zitterten nervös, »ich weiß nicht warum, aber ich habe Respekt vor dir.«

      Nachdenklich legte er den Kopf in den Nacken und schaute in das Cölinblau des unendlichen Himmels. »Wo waren wir stehengeblieben?« fragte er dann, »bei der Zukunft, nicht wahr? Was würde dann sein, fragtest du!«

»Richtig«, entgegnete der Hase, »denn du hast nicht weiter gedacht. Wenn du mich gefressen hast, dann bist du allein, du musst deinen Lebensstil verleugnen. Du bist dann kein Fuchs mehr, kein Jäger, denn was wolltest du jagen?«

      Der Fuchs überlegte. Er versuchte, eine Antwort zu finden, eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen den Auffassungen der beiden Geschöpfe. Jäger, Gejagte, töten und getötet werden, konnte das der Lauf der Welt, der Sinn des Lebens sein?

»Ich wäre gern dein Freund, Hase«, sagte der Fuchs leise. Er war inzwischen auf zwei Körperlängen herangekommen und saß nun dem Hasen gegenüber. 
»Aber es kann nicht sein. Das Paradies gibt es nicht mehr, in dem alles friedlich beieinander leben konnte.«

      Der Hase hatte die Annäherung zugelassen, ohne eine Flucht zu versuchen. »Also musst du mich fressen? Töten um des Lebens willen? Ich sterbe dann also, damit du leben kannst. Das ist ein trauriges Endergebnis. Kannst du damit so ohne weiteres leben?«
Der Fuchs schwieg und schaute den Hasen nachdenklich an. »Oder«, fuhr der Hase fort, »wenn du mich nicht fängst, stirbst du vor Hunger!«
»Es tut mir doch auch leid um dich«, sagte der Fuchs, »es tut mir wirklich leid, ich mag dich, ich wäre gern dein Freund! Kann es denn gar nicht sein?«

      Der Hase zuckte zweifelnd mit seinen langen Ohren. Die Beiden saßen noch lange beieinander und blickten in den violetten Sonnenuntergang. Eine späte Amsel sang irgendwo ihr melodiöses Abendlied.
»Ich werde jetzt gehen«, meinte der Fuchs dann nach langem Schweigen, »man wartet auf mich. Ich wünsche dir für die Zukunft noch viel Glück!« 
Im Fortgehen drehte er den Kopf noch einmal zurück und sah dabei den Hasen lange an, während er eine Pfote wie grüßend hob.
»Es ist wirklich schade.« 

      Die großen Augen des Hasen blickten traurig dem Fuchs hinterher. 

»Ich bedaure es auch, wirklich, aber ich kann dir kein Glück wünschen! Denn wenn DU nächstes Mal Glück hast, habe ICH Pech!«

©by H.C.G.Lux



6. November 2020

Friede und andere Kleinigkeiten.

 


»Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!«

So kann man es bei Friedrich Schiller (1759-1805) in seiner Tragödie Wilhelm Tell nachlesen.
Ist es denn nur der »böse Nachbar«? Manchmal kann man dieses Gerede vom fried- und liebevollen Miteinander wirklich nicht mehr hören. Wird da nicht etwas künstlich erzeugt, das seit Menschengedenken nur in Fragmenten bestand? Gewiss, in näherer Verwandtschaft gibt und gab es so etwas noch häufiger.

Zweifelsfrei ist jedoch auch, dass es nirgendwo mehr Streit und Hass gibt, als im Umkreis von Familien! Und je größer diese familiären Kreise sind, desto weitreichender sind auch die Streitfälle, die oftmals bis aufs Blut ausgetragen werden.
Es müssen nicht unbedingt Dynastien sein, die schon in früheren Zeiten Kriege zu oftmals geringen Anlässen führten; auch der Nachbar von »gegenüber« führt seine Kriege, nur eben auf geringerem Level. 
Jeder auf dieser Welt will - und könnte auch in Frieden leben, das ist unbestritten. Was also steht dem entgegen?


Dort, genau dort liegt der wunde Punkt, der uns wieder an den Anfang zurückführt: Jeder will Frieden - aber bitte nur nach seinem eigenen Konzept! Der »Andere« ist immer willkommen, sofern er sich den eigenen Regeln anpasst und sich auch danach verhält! Wenn es nun aber differierende Meinungen gibt, wird die Sache schon unangenehmer. Oftmals gibt es kein Halten mehr, die Fronten verhärten sich und es kommt teilweise zu Zerwürfnissen, die lebenslang anhalten.

Als unchristliches Beispiel schaue ich mir die kirchlichen Institutionen an. In der Frage der Zusammenführung der beiden großen Kirchen (katholisch/evangelisch) gab es schon seit über 100 Jahren Versuche, dies irgendwie zu bewerkstelligen. Es scheiterte hauptsächlich immer daran, dass es kein »Zusammenschluss« sein sollte, sondern ein »Anschluss« angeboten wurde! Im Islam sind ja die gleichen Paradigmen vorhanden - Sunniten vs. Schiiten.

(Wie kommen meine Gedanken da auf die »Wiedervereinigung Deutschlands«? Ist doch seltsam, dass ich da ins Grübeln gerate, nicht wahr?«)

Der böse, böse Nachbar! Er ist immer derjenige, der schuld ist an der ganzen Misere. Vielleicht sind WIR ja manchmal auch »der Böse«?

Ich versuche (!), möglichst über den Tellerrand zu schauen. Oft bleibt es beim Versuch, gebe ich zu. Aber es ist schon mal ein Anfang …

 ©by H.C.G.Lux

3. November 2020

Ich kann doch nichts dafür!

 

Wer sich über mich ärgert, sollte immer bedenken, welch schlimme Kindheit ich hatte:

Ich hatte kein Handy und kein Internet. Zur Schule und zurück musste ich zu Fuß. Ich wurde nicht tagtäglich mit dem Auto zur Schule gefahren und dort wieder abgeholt. Doch mit viel Glück habe ich das überlebt.

Zum Spielen stand mir kein zehnfach TÜV-geprüfter Spielplatz zur Verfügung, wo unter der Schaukel eine Gummidämmmatte war, damit ich mich auch ja nicht zu Tode stürzte, wenn ich zu blöd zum Schaukeln war.

Ich musste im Feld und auf der Straße spielen, zwischen Kühen, Stacheldrähten und Pferdeäpfeln, kletterte auf ungesicherte Bäume und ich lief durch Morast und den Bach. Und wenn ich dabei auf die Schnauze flog, dann heilte das von selbst, ohne dass man mich in Sagrotan oder sonst was badete und sofort zum Arzt schleppte oder sogar die Lehrer vor Gericht verklagte.



Stellt Euch vor: Meine Familie war so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit leisten. Und so moderne Namen wie Pascal, Kevin oder Falco kamen doch überhaupt nicht infrage. Die wurden nur für Auto- oder für Zigarettenmarken benutzt!

Es ist wirklich wahr: Meine Eltern mussten mich mit einem normalen Namen ansprechen. Doch, das ging tatsächlich, sie sahen mich ja auch häufig genug, weil es bei uns keine Ganztagsbetreuung in der Schule gab und ich nicht nur zum Abendessen und Schlafen zu Hause war.

Und dann, stellt Euch das mal vor, meine Ernährung übernahmen meine Eltern noch selbst. Ja! Damals gab es tatsächlich Mütter - ich versichere, dass es stimmt - die das historische Ritual des Kochens noch beherrschten - und auch durchführten!

Ich glaube, dass ich dies alles einigermaßen überstanden habe, grenzt schon an ein Wunder. Heute ist das alles glücklicherweise gar nicht mehr vorstellbar! Die Kinder haben es sehr viel besser, nicht wahr?

Deshalb bitte ich um Nachsicht - wer so aufgewachsen ist wie ich, der muss ja zwangsläufig einen  Dachschaden davongetragen haben, es kann gar nicht anders sein.

Also bitte ich Euch um Euer Wohlwollen für einen so Zurückgebliebenen …

Horst

 

18. Oktober 2020

Sebastian Haffner?

                     

                           Wer war das noch gleich? - Haffner, Haffner?




Sebastian Haffner, der Name ist wohl nur noch wenigen unter uns bekannt. Er war seit seiner Rückkehr aus der Emigration in England ein sehr bekannter Journalist, Publizist und Schriftsteller. Gestorben ist er 1999 im Alter von 92 Jahren. Ich lernte seine Veröffentlichungen schon sehr früh kennen und schätzen, sein 1973 erschienenes Buch »Von Bismarck zu Hitler« zog mich damals schon in seinen Bann. Bis heute hat dieses Buch nichts von seiner Bedeutung verloren. Wie keine zweite Darstellung über den Nationalsozialismus leisteten die «Anmerkungen zu Hitler» für mich einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis deutscher Vergangenheit – und damit auch unserer Gegenwart.

 Ich lernte diesen Mann unter seltsamen Bedingungen persönlich kennen, nachdem ich schon einige seiner Veröffentlichungen gelesen hatte, ihn auch schon mehrfach im TV sah, z.B. beim damals beliebten »Frühschoppen mit Werner Höfer« in der ARD.

 Eines Morgens stand ich auf dem Bahnsteig in Hamburg-Bergedorf, als ich in die Innenstadt von Hamburg fahren wollte. Beim Warten auf die nächste S-Bahn fiel er mir auf, sein ausdrucksvolles Gesicht war unverwechselbar. Von seinem Outfit konnte man nicht unbedingt ablesen, welch eine Koryphäe zufällig neben mir stand. Ein unscheinbarer »Staubmantel«, (wie man diese Form damals nannte) zu einem grauen Anzug, eine nachlässig gebundene Krawatte, zeigte mir an, dass Mode nicht unbedingt ein überaus wichtiges Accessoire für ihn zu sein schien.

 Als wir so einige Zeit nebeneinander auf den Zug aus Richtung Aumühle warteten, konnte ich es mir nicht verkneifen, ihn immer wieder anzuschauen. Ich weiß natürlich heute, nach 40 Jahren, dass dies ein völlig ungehöriges Benehmen war; damals jedoch war ich so beeindruckt von ihm, dass es mir anscheinend gleich war. Jedenfalls sah Herr Haffner mich plötzlich an.
»Gefällt Ihnen meine Nase nicht? Oder ist es der Bart, der Sie stört?«

Ich war in dem Augenblick völlig konsterniert und stotterte irgendetwas vor mich hin.

 Dann lachte er herzlich auf, wahrscheinlich, weil er mein verdattertes Gesicht sah. Ich entschuldigte mich für mein unmanierliches Verhalten, doch mit einer kleinen Handbewegung, so als wische er ein paar Krümel vom Tisch, meinte er dann »Papperlapapp, da bin ganz anderes gewöhnt«, ging er darüber hinweg. Wir schauten beide in die Richtung, aus der unser Zug kommen sollte. Eine Lautsprecherdurchsage informierte dann aber die Wartenden, dass der Fahrplan etwas durcheinander gekommen sei und wir noch zehn Minuten Geduld haben müssten.

 Herr Haffner wendete sich mir wieder zu:
»Was soll’s. Die Zeit läuft so und so weiter. Vielleicht muss es so sein? Ist es nicht möglich, dass das Schicksal es so fügt? Oder wissen Sie es genau, warum Sie mich so fragend anschauten?«

      Ich schüttelte den Kopf. Was hätte ich auch sagen können? Allmählich war meine Befangenheit aus meinen Gedanken gewichen. Urplötzlich befanden wir uns in einem interessanten Gespräch, wie ich es bisher selten geführt hatte. Wir teilten unsere Ansichten über unser Dasein und die unendlichen Möglichkeiten, die uns das Leben bietet, die wir jedoch selten nutzen, weil sie nicht rechtzeitig erkannt werden. Es war für mich, den bisher stets auf dem realen Hintergrund des Lebens stehenden Menschen, eine interessante Erfahrung, meine eigenen Ansichten von einer ganz neuen Denkweise aus zu betrachten. All das spielte plötzlich eine völlig andere Rolle in meinem Gedankengang, als ich es zuvor sah.

 Es war eine Art der Prädestination, der ich bisher den Vorrang gab für alles, das meinen eigenen Lebenslauf bestimmte. Unverhofft, völlig ohne Vorwarnung, war bei mir eine Veränderung eingetreten, die ich so schnell nicht begreifen konnte. Ich entwickelte einen Sinn für das »Lesen zwischen den Zeilen«, das für mich etwas Neues war.

 Ich verstand nach unserem Dialog, warum einige Historiker nach Haffners Rückkehr nach Deutschland geradezu manisch versucht hatten, ihn von dem Sockel zu stoßen, auf den er sich ganz bestimmt nie gestellt hatte! Was machte seine »Geschichte eines Deutschen« beispielsweise so unbequem, dass man Angst vor den Aussagen hatte?

 Ich fragte ihn damals genau nach diesem Punkt, weil der mir besonders aufgefallen war. »Ja«, meinte er dazu, »Vielleicht war es der unbequeme Beweis, dass man alles, was geschah, schon früher hätte wissen müssen? Wissen Sie«, sagte er dann, »ich war kein Engländer in der Zeit, als ich dort lebte, ich sprach ein schauderhaftes Englisch, jeder erkannte gleich, dass ich Deutscher war.« Er lächelte verschmitzt.

 Bei unserem lebhaften Gespräch hatten wir beide vollkommen übersehen, dass wir inzwischen an der
S-Bahn-Station Krupunder angekommen waren!
Und Krupunder liegt etwa so weit vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt, wie unser Einsteigbahnhof Bergedorf! Was war geschehen? Wir hatten während unseres äußerst lebhaften Gesprächs vergessen, am Ziel, dem Hauptbahnhof, auszusteigen!

 Das Gute daran: Nachdem wir ausgiebig über dieses Versäumnis gelacht hatten, blieb uns nochmals etwas Zeit, das Gespräch zu verlängern. Der Abschied danach war herzlich, fast freundschaftlich. Ich sah Herrn Haffner nie wieder, aber er wird mir immer in Erinnerung bleiben!

 ©2020 by H.C.G.Lux

3. Oktober 2020

Es ist still geworden

 (Rekonstruktion von 2017)

Als er in der Frühe wieder zu ihr kommt, hat der morgendliche Ablauf schon seinen Anfang genommen. Wie jeden Morgen singt Maria mit ihrer wunderschönen glockenhellen Stimme ihr Lied und die Menschen im Speisesaal hören ihr begeistert zu. 

 Alle Schwestern und Patienten kennen dieses eintönige, unharmonische Lied, es beginnt und endet immer mit dem gleichen Ton. Dieser Ton verklingt zwar schnell, ist jedoch unterschwellig immer hörbar, ohne dass ein Nachhall die Resonanz stört. Irgendwann wird der letzte Ton zum Schweigen gebracht, ist nun nach zahllosen Wiederholungen unhörbar geworden. Dann tritt für lange Zeit eine Stille ein. Es ist eine erbarmungslose Stille, sie eroberte den Raum sehr schnell wieder zurück. Maria verbeugt sich nach allen Seiten, wirft hier und da eine Kusshand in den Saal und setzt sich dann an ihren Frühstückstisch.

Dann schweigt sie. Es ist, als wäre der Stundenschlag der Glocke verhallt und ruhte sich nun aus für den nächsten Auftritt. Die wunderschönen blauen Augen der Frau leuchteten früher stets in leidenschaftlichem Glanz, jetzt sind sie stumpf geworden, blicken rastlos im Raum umher. Ihre ziellosen Blicke verursachen ein Chaos in seinen Gedanken. 
Sie schaut ihn an, aber sie sieht ihn nicht. Sie erzählt etwas und weiß doch nicht, was sie sagt. Sitzt dann vor ihrem Teller und kann allein nichts damit anfangen. »Mutti« nennt sie die Nachtschwester und erzählt ihr, dass ihr Bruder sie geschlagen hätte. Ihre Worte sind keine Sätze mehr, nur halb verständliches Kauderwelsch.
Jeder dieser emotionale Momente bringt seine Gedanken ins Ungleichgewicht, baut sich zeitweilig auf zur Aggression, um kurz darauf in eine tiefe Mitleidsphase zu versinken. Er will mit ihr zusammen sein, ja, aber er kann sie nicht mehr erreichen.
Sie lächelt ihn an, ein leeres Lächeln, das nichts weiter bedeutet. Er versucht daraufhin, ihr etwas Liebes zu sagen, sie versteht es nicht, nickt nur mehrmals heftig mit dem Kopf. Ihr Blick verrät ihm, dass sie nichts verstanden hat.
Trauer macht sich in seinem Gemüt breit, wie stets in solchen Situationen drückt sie sein eigenes Ego völlig an den Rand des Daseins. Maria ist nicht mehr seine Maria und doch ist sie seine Frau, die er so sehr geliebt hat und immer noch liebt. Er wünscht sich nichts mehr, als in ihre Welt eindringen zu können, sie zu verstehen, wie er sie in all den Jahren ihres Zusammenseins immer verstanden hat.
Doch sie ist ihm entglitten, ist nur mehr eine leere Hülle, ihre Seele hat sie schon längst verlassen. Er muss einfach akzeptieren, dass ihrer beider Herzen nicht mehr im gleichen Takt schlagen, sondern getrennt voneinander in verschiedenen Existenzen leben.
Welch eine Wahrheit, welch eine unselige Gewissheit wird hier offenbar. Wie weit reicht Liebe? Kann sie den Tod überdauern? 
Ja, vielleicht. 
Kann sie aber einem Leben so viel Energie schenken, dass sie auch weiterhin, trotz einseitiger Zuwendung, bestehen bleibt? Fragen, die kaum jemand beantworten kann.
Maria ist seine Frau. Gewiss. Aber sie ist ein anderer Mensch. 
Er liebt sie auch weiterhin, aber er liebt einen Menschen, der einmal war und nun nicht mehr der Gleiche ist, nie mehr sein wird. 
Um diese Diskrepanz zu begreifen, wird er noch lange Zeit brauchen. Diese frühere Zeit ist auch nicht mehr rückholbar, damit muss er leben. Dieses Leben, sein eigenes Leben in der Zukunft aber wird bedeutend schwerer sein als das Leben seiner Frau, deren Gedanken im Nirgendwo ihre Heimat gefunden haben! 


©by H.C.G.Lux




Noch einmal: »Es ist still geworden«

 

  

Manch einer behauptet, das ein Text über Demenzkranke den Leser hinabzieht in die Gefilde der Traurigkeit, so als wäre es ein Meilenstein der Depression. Ich denke nicht, dass dem so ist! Jeder Mensch hat doch seine Phasen, in denen er mal himmelhoch jauchzend oder todtraurig sein eigenes Leben »erlebt«. 

        Lädt nicht gerade das letzte Quartal eines Jahres dazu ein, Rückschau zu halten auf das Gewesene? Seit alten Zeiten hat sich der Mensch beim »Fall der Blätter« auch über sein eigenes »endliches« Dasein Gedanken gemacht.
Bereits die Kirchen - beispielsweise - haben gerade diese Zeit als Besinnung auf das Kommende dargestellt, mag man es nun begrüßen oder nicht.

        Alles auf der Welt vergeht, es gibt nichts, das bleibt. Nur der Mensch fühlt sich oft als »elementares Teilchen« unverwundbar, ist jedoch letztlich enttäuscht, wenn auch ihm, dem »Homo nobilissima creatura«, (wie Thomas von Aquin es nannte), auch irgendwann der Verfall droht.
Annehmen, so denke ich, und auch versuchen zu verstehen, das wäre der Weg, der uns herausführt aus diesem bedrückenden Kreislauf! Ich weiß, dass dies ein steiniger Weg ist, ohne Frage.

        Es geht beileibe nicht um ein »Vergessen«! Aber nur wenn ich beim Schreiben eines Artikels etwas personalisiere, kann ich ja etwas ausdrücken, das sonst nur theoretisches Gerede wäre. Der Volksmund sagt dazu ganz profan: »Fleisch bei die Knochen tun«. Hört sich blöd an, gewiss, trifft aber den Nagel auf den Kopf.

        Letztlich kann nur jeder seine eigene Biografie zu Rate ziehen; meist stellen sich dann aber neue Fragen, die ebenso nicht ausreichend beantwortet werden können.
Wir leben halt nicht im statischen Raum, sondern im Wechsel des Geschehens und der Zeit. Gott sei Dank!

        Wahr und unumstößlich ist es, das »Werden und Vergehen« der Inhalt des Weltgeschehens ist. Und selbst die Kontinente sind im ständigen »auf und ab« begriffen; wie könnte der Mensch sich da abseits stellen wollen?

      Kommen und Gehen, fast zur gleichen Zeit: Nur zwei Tage vor meiner Geburt im Jahre 1934, starb meine Urgroßmutter.
Sollte das ein Symbol sein? Natürlich ist so etwas Unsinn! Aber seltsam erscheint es schon, das dieses Vergehen und Werden so beispielhaft erschien. Ich habe in den letzten Jahren oft daran denken müssen, ohne eine befriedigende Erklärung zu bekommen. Muss ich ja auch nicht. Was hätte ich dann davon?


©2020 by H.C.G.Lux



 

 

29. September 2020

Wir und unsere Vorgärten!

 

Es gibt Menschen, die tun alles, um den Kampf gegen das Unkraut auf dem eigenen Grundstück zu gewinnen.

Das gehört nun scheinbar zum Garten-Alltag des deutschen Hausbesitzers dazu. Wenn ich bei uns mal so ganz zufällig durch unsere Dörfer und Kleinstädte wandere, erfasst mich ein unsägliches Grauen. Immer mehr und immer öfter sehe ich dann die neuen, modernen Gärten, die nicht mehr wie solche aussehen, sonder eher wie Gedenkstätten von ehemaligen KZ’s.



        So viel tristes Grau sah ich in den ganzen neun Jahrzehnten meines Lebens noch nicht. Es scheint, dass irgendjemand einen neuen Gartenratgeber veröffentlicht hat unter dem Titel »Der germanische Garten in heutiger Zeit!«
          Dort wird dann genauestens beschrieben, wie jedes »Unkraut« und jedes Insekt restlos und ohne Mühe ausgemerzt werden kann. Und wie es bei uns üblich ist, nimmt dann auch die Zahl der »modern-garden-fans« schnell zu - weil man ja immer up-to-date sein muss!

        Es ist ein Vernichtungsdrang, der den deutschen Hausbesitzer dazu zwingt, in kollektiver Gemeinschaft die Natur auf den Urzustand zurückzuführen, mitten hinein in das absolute Chaos!

        Das aber ist eine total hässliche und naturfeindliche Einstellung, die kein normal denkender Mensch nachvollziehen kann! Diese, ich wage es kaum, das Wort in den Mund zu nehmen, »Natur-Steingärten« verdienen es nicht, überhaupt beachtet zu werden. (wenn man es im Lauf dieses meines Artikel nicht müsste.)

        Kann jemand mit gutem Gewissen sagen, dass solch eine lebensfeindliche Steinwüste den Namen Garten überhaupt verdient? Hier singt kein Vogel, hier summen keine Bienen und Hummeln; denn auch die Alibi-Bonsais werden nicht beachtet. Die fristen ihr armseliges Leben ebenfalls in einer Welt, die im Grunde genommen die Natur überhaupt nicht braucht - und nicht will!

         Sollte sich doch mal ein Vogel dorthin verirren, dann nur, weil es einen Nachbarn gegenüber gibt, der diesen steinernen Irrsinn nicht mitmacht! Jede Katze, die gehalten wird - und weil man ja so tierlieb ist - schaut sehnsüchtig zu den Zweigen der entfernt stehenden Bäume und denkt wahrscheinlich eher an Suizid als an Vogelgezwitscher.

        Wenn ich in der Nachbarschaft solcher hochstehend-kultureller Menschen leben müsste, würde ich noch nicht einmal aus dem Fenster schauen. Wer will denn so etwas sehen? Gibt es da wirklich Anhänger solcher Schottergarten-Wüsten? Ich kann es mir nicht vorstellen - sicher bin ich da nicht, denn immerhin befürworten 80 % aller Deutschen, dass Bienen und andere Insekten geschützt werden müssen ...

        Eines aber muss ich den Menschen aber zugestehen, die solche Wüsteneien lieben, denn die haben eine große Tradition! Sie gehen zurück auf das Frühjahr 1945, als in ganz Deutschland die Vorgärten ein einheitliches Bild boten.

 



©2020 by H.C.G.Lux

27. September 2020

Und noch 'ne Kochsendung!

 

Der Koch und die Maskenpflicht.


Eigentlich koche ich ganz gern. In letzter Zeit wurde ich des Öfteren daran gehindert, die Aneinanderreihung von Worten und Zeilen auf meinem Monitor ließen es nicht zu, dass ich diese angenehme Pflicht des sozialen Miteinanders ausleben konnte.
        Seit einiger Zeit hat sich das geändert, ich habe einen Teil meiner täglichen Aufgaben in die Küche verlegt. Meine Frau allerdings betrachtet das Ganze doch mit argwöhnischen Blicken, fragend schaut sie mich dann an und ich kann das gut verstehen - aber es muss halt sein!
        Die neuen Masken, die ich mir nun als pflichtbewusster Bürger zugelegt habe, sollen ja zwischendurch immer mal wieder abgekocht werden, um sie wieder keimfrei zu machen. Klar, verstehe ich ja auch, Desinfizierung von chirurgischen Instrumenten ist in jeder Klinik das »A und O« der keimfreien Chirurgie.
        Aber liebe Freunde und -innen, ich will doch nicht operieren? Doch ich bin ja gehorsam, »löcke nicht wider den Stachel« und trage jeweils da, wo es sein muss, eine hübsche Maske. Manchmal passt sie sogar zu dem Outfit des jetzigen Sommers! Solch eine modische Gesichtsmaske mit »Gänseblümchen vor dem Schnabel - Verzeihung, vor dem Mund natürlich - kann doch auch mal ein »gewisses Etwas« haben, oder nicht?
        Wenn ich morgens beim Bäcker meine Brötchen hole, lerne ich oft die wunderlichsten Stilrichtungen der Gesichtsmontur kennen. Neben gewöhnlichen blauen Einheitsmasken treffe ich Blümchen, Sternchen, Schottenmuster und dunkelfarbige maskenähnliche Kleidungsstücke, die mehr oder weniger geschmackvoll unterhalb der Nase angeordnet werden. Richtig angepasst scheint da aber keine zu sein, denn der ständige Griff zu diesem Mundkleidungsstück beweist doch, dass diese Sparte der Mode noch relativ jung ist. Oder es liegt daran, dass es mehr Gesichtsgrößen als S, M, L und XL gibt?
        Wie dem auch sei, gestern morgen stand da ein Pärchen im Bäckerladen und wollten einen Kaffee ordern. Es war unerwartet schrecklich, kann ich Euch sagen, die beiden waren völlig nackt! Kaum zu glauben, nicht?
Ja, sie hatten keinerlei Mundschutz vor ihrem Gesicht. Die Dame hinter der Theke machte sie darauf aufmerksam, dass es so nicht möglich sei, sie zu bedienen!
Sie müssten sich dann bitte an eines der kleinen Tischchen setzen, sie würde ihnen dann den Kaffee bringen.
Ich fragte sie, wo da der Unterschied sei zum normalen Einkauf? »Das ist nun mal so angeordnet!« war ihre Antwort.
Da es nun mal meines Wissens noch immer noch kein
Masken-Trage-Verpflichtungs-Gesetz gibt, wundert mich nun die Art, wie dieses Problem auf einfache Weise gelöst werden kann. »Das ist nun mal so!«
Warum nun die mögliche Virenlast eines sitzenden Menschen geringer sein soll als im stehenden Zustand - das muss ich doch mal bei einem Virologen meines Vertrauens erfragen!
        Auch die richtige Pflege mehrfach verwendeter Stoffmasken erfordert viel Geschick, glaubt bloß nicht, das wäre so einfach abgetan! Um ganz sicherzugehen, koche ich meine Masken fünf Minuten lang in einem extra dafür angeschafften Kochtopf ab, lasse sie dann trocknen und bügle sie danach auf Stufe ** ganz langsam und geduldig.
        
Wie ich ja schon erwähnteist es mit meinen Kochkünsten nicht so weit her, wenn Du Dich mal in meinem Bekanntenkreis umhörst, wirst du erfahren, dass außer Rührei und Spinat aus der Tiefkühlpackung nicht viel mehr herausgekommen ist. Ganz kluge Leute werden Dir dann sagen, dass der Horst außer dem Backen von Tiefkühl-Pizza nicht küchenfähig ist.

        Doch seit es diese Masken gibt, stehe ich fast jeden Tag am Herd! Jawohl, ich blicke andächtig in den Kochtopf und sehe den Bakterien und Viren zu, wie sie einfach weg-gekocht werden.
Bisher habe ich mich noch nicht getraut, hier und da mit ein paar Gewürzen zu experimentieren. Aber das kommt bestimmt noch! Basilikum, Rosmarin, Chili und Liebstöckel habe ich mir schon besorgt!
Dank dieser Masken werde ich - verflixt noch mal - doch kochen lernen ...

©2020 by H.C.G.Lux



26. August 2020

Das Neueste von der COVID 19-Front


 

Es liegt so etwas Imaginäres in der Luft um die unzähligen  Verschwörungstheorien. Zu dieser Erkenntnis kann eigentlich jeder kommen, der in den sozialen und weniger sozialen Netzwerken unterwegs ist.

        Manche Menschen halten die Bundesrepublik für eine Aktiengesellschaft, andere für einen Fußballverein ohne Zuschauer. Einige finden, dass Corona frei erfunden ist, um die Menschen zu verunsichern und der Freiheit zu berauben, andere wiederum glauben, dass schon der alte Nostradamus vorhergesagt hat, dass Covid-19 unweigerlich die Welt beherrschen wird.

Sollte das Virus nun aber tatsächlich da sein, dann wurde es durch vermehrte Tests mehrfach manipuliert, weil Virologen allesamt verkappte Politiker der verschiedenen Parteien sind - oder aber Verwandte von Bill Gates!

        Jetzt habe ich auch eine neue Theorie entdeckt:
Es war in den vergangenen Wochen überhaupt nicht so heiß, wie täglich behauptet wurde! Es wurden nur viel mehr Thermometer eingesetzt, das war der eigentliche Grund!

        Bei meinem Außenthermometer habe ich übrigens die Batterien ausgewechselt; seitdem ist es innerhalb von ein paar Tagen rund 10° kälter geworden. Jawohl, und das ist bewiesen!

 

©by H.C.G.Lux