2. Juli 2020

Wissen ist Macht - oder?



Es ist sicher ein Klischee, dass jedes Ende immer einen neuen Anfang im Gefolge hat. Ein väterlicher Freund aus meiner Jugendzeit, sagte mir einst: »Leben bedeutet, alte Wege hinter sich lassen, Leben bedeutet Fortschreiten in die eigene Zukunft!«
Solche Binsenweisheiten musste man mir nicht aufoktroyieren, ich kannte sie aus Erfahrung. Und doch saugte ich seinerzeit alle Weisheiten, die mir die erfahrenen Männer, gerade aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, zu vermitteln suchten, wie ein Schwamm auf!
        Diese Zeit - vor etwa 70 Jahren - erscheint mir heute wie ein Kaleidoskop mit vielen Farben und Formen, bunt und strahlend, im nächsten Moment wieder im geisterhaften Dunkel verwischt. Dann steigen ständig neue Bilder aus meinem Gedächtnis an die Oberfläche, von der Zeit nicht ausgelöscht, nur durch den Nebel der Jahre verdeckt.
        Zu viel Neues stürmte auf einen jungen Menschen ein, der bisher nur sein Dasein in einem engen Bereich leben konnte. Jeder weiß, dass solch eine Existenz stets und ohne Ausnahme von Vorkommnissen begrenzt sein wird, auf die man keinen Einfluss hat. Was aber habe ich davon, wenn ich alles weiß? So frage ich mich heute - im Gegensatz zu meiner Jugendzeit: Muss ich so bewandert in allen Dingen sein, dass ich überall mitreden kann - oder sollte? Bin ich nicht viel glücklicher, wenn ich unbedarfter an eine Sache herangehe?
Was zwingt mich denn zu solch einem »All-Wissen«?
        Wir von der Elektronik überzeugten Menschen leben in einer Welt, in der alle glauben, dass die Wichtigkeit der Information das »Non-plus-Ultra« der Welt ist.
        Ist es das wirklich? Bedeutet Wissen wirklich Macht? Sind die ›News‹, die ich täglich konsumiere, es wert, dass ich mir ständig den Kopf darüber zerbreche? Jedem von uns ist doch klar, dass der Wahrheitsgehalt aller Nachrichten im Moment der Verbreitung schon nicht mehr richtig ist!
        Ich glaube, dass Ahnungslosigkeit auch ein Segen sein kann! Nein - nicht völlige Ahnungslosigkeit; aber die Kraft, darüber entscheiden zu können, was man erfahren will und was man auf sich beruhen lassen kann!
      Ein Beispiel: Wenn mir jemand die genauen Umstände mitteilen könnte, wann und wie ich einst diese Welt verlassen werde, ohne dass ich die Möglichkeit habe, diesen Ablauf zu ändern, würde ich das wissen wollen?
Ehrlich gesagt: Nichtwissen ist mir doch sehr oft angenehmer!

©2020 by H.C.G.Lux

1. Juli 2020

Fast unglaublich ! Die Ergänzung zu: "Annere Tied"!


Jede Zeit hat ihr eigenes Leben, das ist allezeit so. Als ich noch ein Kind war, das war 1947, war die Hauptsache im Leben das Essen. Wo kriegen wir etwas her, mein kleiner Bruder und ich, wir hatten ständig Appetit. Es war gar nicht so viel heranzuschaffen, wie gebraucht wurde! Ich weiß bis heute nicht mehr, wie viel Kilometer ich in dieser Zeit zurückgelegt habe, um unsere Familie satt zu kriegen.

        An so manchen Tagen ging es mit der Bahn auf »Hamsterreise«. Die Planung war immer die Gleiche: Um Fünf Uhr aufstehen, dann mich frisch machen, danach fünf Kilometer zum Bahnhof der Stadt Leer laufen. Dazwischen lag aber noch die Ems und wollte auch ihre Meinung dazu sagen! Und da war noch keine Brücke, nur eine ab-und zu funktionierende Fährverbindung mit einer »Fährpünte« nach Leerort, einem Vorort von Leer. Gut, wenn das dann so weit geschafft war, ging es die letzten drei Kilometer zum Bahnhof. Und das war immer ein Glücksspiel: Der Zug in Richtung Oldenburg fuhr stets pünktlich ab! (Ein bißchen anders, als es heute ist ...)
        Und dann - so richtig gemütlich auf den Holzbänken der Dritten Klasse war es ja auch nicht, ›ein wenig halb-gemütlich‹, es war so, als wenn man heuzutage auf einer Parkbank mit einem Mädchen sitzt, mit dem Unterschied, dass zu der Zeit kein Mädel in meiner Nähe war und außerdem ruckelt solch eine Parkbank auch nicht so vergnüglich vor sich hin.
        Eine gute halbe Stunde später war der Zug dann im Ammerland angekommen, einer wunderschönen Gegend im Oldenburgischen. 'Ocholt' hieß der Ort mit einem kleinen Bahnhof, an dem ich meine Betteltour begann. Ich machte mich also auf die Socken, ein Bauernhof nach dem anderen, überall ließ ich mein Sprüchlein los. Am Anfang war es mir echt peinlich gewesen, mit der Zeit jedoch legte sich dies, denn wenn ich Erfolg haben wollte, musste ich halt reden! Mein Spruch war fast immer derselbe:
»Entschuldigen Sie bitte, haben Sie vielleicht eine Handvoll Kartoffeln für mich?«
        Das klang dann aber nicht etwa einstudiert - nein, ich hatte schon etwas schauspielerisches Talent dazu einzusetzen. Oft kriegte ich dann auch ein paar Kartoffeln in meinen kleinen Rucksack. Es kam auch vor, dass eine Magd mich zur Seite nahm und mir, immer mit einem Blick nach hinten, den Beutel füllte. Dann hatte ich das Glück bei so viel Menschlichkeit, mittags schon wieder die Rückfahrt anzutreten.
Doch auch das war nicht ungefährlich! Oft waren kurz vor dem Bahnhof Leer Polizei-Kontrollen, (es war ja verboten, dieses »Hamstern«) - dann hieß es, abpringen und zu Fuß weiter.
        
      Doch lief es nicht immer so, es waren auch Tage, an denen ich nichts bekam, dann saß ich bekümmert am Straßenrand, heulte ein paar Tränchen ins Taschentuch und fuhr mit leerer Tasche wieder heim.
        Solch ein Tag schien dieser Donnerstag zu sein, von dem ich hier berichte. Ich war nun schon vier Stunden unterwegs und hatte noch nicht eine einzige Kartoffel gesehen. Meine Füße fühlten sich wie Fremdkörper an, ich wollte nichts anderes mehr als nach Haus! Aber wie sollte das gehen? Wenn ich nichts mitbringen würde, hätten wir in der nächsten Woche wenig zu essen. Ich beschloss bei mir, es noch ein einziges Mal zu versuchen, dann musste ich zur Bahn, es war inzwischen schon vier Uhr nachmittags und um halb Sechs fuhr der letzte Personenzug!
        Als ich nun beim letzten Bauernhof ankam, den ich besuchen wollte, standen dort am Hoftor zwei große Hunde! Einer von ihnen, ein großer Schwarzer, bellte wie verrückt. Er war an ein Laufband gekettet, dass über den ganzen Hof lief. »Boah« - dachte ich bei mir, »wenn der mich zu fassen kriegt, bin ich Hackfleisch«!

       Aber dann war da noch der andere Hund, ebenso groß, ein fast weißer Retriever; der gab überhaupt keinen Laut von sich. Er stellte sich vor mich hin und sah mich nur mit seinen goldbraunen Augen an. Und als er dann begann mit seinem Schwanz zu wedeln, wusste ich, dass er mir nichts tun würde.
        Ich begann mit ihm zu sprechen; es war, als hörte er mir aufmerksam zu, gleichzeitig ging ich weiter auf das große Haustor zu, den Hund immer als Begleiter hinter mir. Plötzlich kam eine ältere Frau um die Ecke, blieb erstaunt stehen und sah mich und den Hund verblüfft an. Der Retriever legte sich neben mich und sah aufmerksam zu der Frau hinüber, als ich mein Sprüchlein aufsagte. Du magst es nun glauben oder nicht: Ich bekam von der Bäuerin meinen ganzen Rucksack mit etwa fünfzehn Kilo Kartoffeln gefüllt! Dazu gab sie mir noch ein gewaltiges Butterbrot mit Speck.
Als ich später »Tschüss« sagte, standen mir die Tränen in den Augen; der weiße Hund brachte mich dann wirklich noch bis zur Landstraße!
Kannst du dir vorstellen, dass ich dieses Erlebnis nie wieder vergessen habe? Niemals!

©by H.C.G.Lux

26. Juni 2020

Dat was een anner Tied


Torüggdenken (up Plattdüütsch)


Jede Tied hett ehr eegen Leven, dat is nu eevkes so. As ik een lüttje Jung van twalv Jahren was, - dat was 1946 - weer de Hauptsaak dat Eeten! Wo krieg wi wat her? Mien Bröör un ik, wi harrn nu mol alltied Schmacht, daar kunn een gor nich so vööl anschaffen, as dor bruukt wurr. Ik weet vandage nich mehr, wovööl Kilometers ik unner de Been kreegen harr, um uns lütt Familie satt to kreegen.

Un so mennigeen Dag gung dat mit de Bahn up de Reis. Mörgens, tegen fiev Ühr, muss ik upstahn, denn mi klarmaken und achteran fief Kliometer nah de Bahn lopen. Daar lagg aver noch de Eems dortüsken, un door was keen Brügg, war eens overlopen kunn. Dat gung noch alln’s mit een Fährpünte. Goed. denn was ik nu in’ne Stadt, nu gau nah Bahnhof loopen. De Zug nah Oldenbörg fohr up tied av - anners as dat vandage is! Un alln’s so mooi in de darde Klass up ganz half-kommodig holten Banken. Dat leet denn so, as een vandage up so’n Parkbank sitten deiht, man düsse Bank, de ruckelt nich so, as dat doormals de ›Personenzug‹ kunn.

N’halv Stünn later weer ik denn in’t Ammerland; un nu kunn dat Wark losgahn. Ocholt heetde dat Döörp mit so’n lüttje Bahnhof. Ik maak mi nu up de Socken, een Patt nar de annere, van een Buur nah de nahste.
Mien Spröökje weer alltied de sülvige:
»Nix för ungood, ik wull eevkes fragen, ov Se ’n Handvull Tuffels för mi harrn?«
Faaktieds kreeg ik denn ok ’n paar, kunn ok maal wesen, dat een van de Fraunslüü mi mien lüttje Rucksack vull mook, denn was dat so, dat ik middags all weer torügg fohrn kunn. Meest avers weer dat nich so, denn leep ik van een nah de annere Hoff un kunn van Glück seggen , wenn ik am Enn mien Tuffelbüdel vull kreeg.

So een Dag was dat nu an de Dönnerdag, van de ik nu vertelln wull. Ik was nu all veer Stünnen unnerwegens un harr noch nich een eenzige Tuffel seihn.
Mien Footen föhlt ik all nich mehr, ik wull nix anners as nah Huus! Man wo kunn dat gahn? Wenn ik nix mit nah Huus breng, harrn wi nix to eeten in de tokamende Week.
Ik besluut bi mi, dat ik dat noch een maal versööken wull, denn muss ik nah de Bahn, veer Ühr weer dat all in Tüskentied worr’n. Wo sull ik anners nah Huus kamen? As ik nu up de Hoff keem, stunnen dor twee groote Hunnen an dat achtern Schütt van dat groote Huus! Een darvan was an’t Blaffen as verrückt, he leep ann son lang Loopkedd, de van een to de anner Sied van de Hoff leep. 

Boah - docht ik mi, wenn de di to faaten kriggt, denn büst du Hackfleesk! Man daar wass ja ook noch de annere, witte Hund, een "Golden Retriever", denk ik maal.
De stunn vöör mi, heel bedaart un keek mi blots mit sien bruune Oogen an. As he ann Enn denn bigunn, mit sien Steert to slackern, wüss ik, dat he mi nix doon wull. 
Ik fung nu an, mit düsse Hund to proten, - de anner Hund blaffte alltied wieder - un gung denn up de Huusdöör to. 

De Retriever leep mi alltieds achteran, leet mi nich ut deOogen. Up eens keem deen ok een öllere Frau up mi to, keek mi so recht baff an, as se hör groode Hund an mien Sied sach. De harr sük nu tegen mi henleggt und passde akkraat up, wo dat nu wiedergung!
Tja, ik see nu mien Spröökje heel verbaast up - un du kanns dat nu glööven of nich - ik kreeg up eens mien Rucksack vull mit Tuffels!

As ik denn later »Tschüss« see, stunn mi de Tranen in’ne Oogen, daar kann up an! Und de witte Hund brocht mi denn up'n Weg nah der Landstraat! Meenst, dat kunn eens eenmaal vergeeten?
Nooit, all mien Dagen nich!


©2020 by h.C.G.Lux

20. Juni 2020

Heimliche Worte am Abend


Ein langer Tag im Garten. Ich bin ganz schön abgeschlafft, bin doch scheinbar nichts Gutes mehr gewohnt. Aber »wat mutt, dat mutt«, sagt man bei uns ja so treffend. Ich krabbele unter die Dusche, lasse den ganzen Arbeitsstress von mir herunterspülen und setze mich dann wohlig ermüdet auf die Terrasse, um den wunderschönen Abend zu genießen. Meine Herzallerliebste hat sich in das Innere des Hauses verzogen, um noch einige Mails zu schreiben.

 So versuche ich den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Am Nachmittag haben wir im Gartenmarkt noch einige Pflanzen besorgt, die morgen dann eingesetzt werden sollen. Okay, ich versuche mir díe Standorte vorzustellen, die dafür geplant sind. Nicke mir dann bestätigend selber zu, ich denke, alles wird schon wunderbar aussehen, wie geplant.
 Plötzlich höre ich ein kaum vernehmbares Flüstern! Nanu? Wer treibt sich denn da am Abend in unserem Garten herum? Mein scharfer Rundblick kann keinen Fremden erkennen. Dann, wie aus dem Nichts heraus ist das Flüstern wieder da!
»Was glaubt ihr, wie wird es weitergehen? Kriegen wir alle einen schönen Platz?«
»Mach dir bloß keine Gedanken, die werden uns sicher nicht zum Spaß geholt haben!«
Jetzt erkenne ich, wer da ganz leise in der Dunkelheit spricht! Ich bin vor Überraschung geschockt. Es sind die sechs großen ›Lavendelbüsche‹, die in der großen, mit Wasser gefüllten Wanne neben mir stehen, um gut gewässert morgen gepflanzt zu werden. Ich bin bass erstaunt, ich weiß nicht, ob ich so etwas schon einmal gehört habe - ich glaube es einfach nicht!
florea_231a Bevor ich selbst nun etwas sagen könnte, höre ich schon die dunkle Stimme des ›Sommerfliederstrauchs‹, der ebenfalls neben dem Lavendel auf sein Einpflanzen wartet.
»Nun hört endlich auf mit eurem Gefasel! Wir alle haben in unserer Schule nichts Nachteiliges über die Menschen gehört, die uns mitnahmen. Das sind alles vernünftige Leute, die die Natur zu schätzen wissen, sie sind ja selbst ein Teil davon!«
 »Ja, hört euch nun mal den an!« Das große ›rote Pampasgras« klingt recht zornig.
»Du glaubst aber auch alles, was man dir erzählt, ja? Hast du schon einen gesprochen, der zurückgekommen ist? Nicht einer, sage ich euch, nicht ein einziger! «
»Ich vertraue den Menschen, sie werden es schon richtig machen. Der Flieder hat Recht, sie wissen, dass wir Pflanzen wichtig sind und deshalb kann da nichts schiefgehen!«
Ein Lavendelstrauch nickt bestätigend mit seinen Köpfchen.
 Das Pampasgras winkt ab. »Ihr habt euch ganz schön einwickeln lassen, stelle ich fest. Habt ihr denn keinen Verstand? Diese Menschen tun nichts für uns, alles soll nur immer ihnen selbst zugutekommen. Und wenn sie uns nicht mehr brauchen – dann ab auf den Müll. So sieht es doch aus: Das Nirwana wartet immer auf uns!«
»Ich habe Angst!« Die kleine schwarz-gelbe Kokardenblume flüstert still vor sich hin. »Ich möchte noch so richtig aufblühen, darauf freue ich mich schon so lange!«»Das wirst du auch. Lass dich nicht unterkriegen; du wirst sehen, es wird alles gut werden!«
florea_231  Das Pampasgras grinst den Sommerflieder, der das Blümchen getröstet hat, höhnisch an:
»Ich weiß, was ich weiß. Und das ist bestimmt nicht schön. Ganze Wälder werden einfach getötet, vernichtet, um Kulturland zu schaffen, wie sie sagen. Und was schaffen sie? Endlose eintönige Weiten fast ohne Leben! Kultur! Das ich nicht lache - Kultur.«
 »Ja«, sagte der Lavendel, »davon erzählte man sich auch in unserer Schule. Aber hier bei uns ist das doch anders. So etwas gibt es hier nicht.«
»Ach nein?« Die Hortensie, die sich bisher aus der Unterhaltung herausgehalten hatte, konnte nicht mehr ruhig sein. »Ich hörte von einem Arbeiter an unserer Schule, dass es in unserem Land kilometerlange Maisfelder gibt, die nur zur »Energiegewinnung« dienen. Kann man sich das vorstellen?«
 »Jawohl, so ist es. Sicher - wir werden in einem Garten stehen und vielleicht auch geschützt leben können. Aber was ist mit den anderen da draussen? Nee, nee, ich sage es euch: Der Mensch ist es nicht wert, dass man ihm vertrauen kann!«Das Pampasgras machte sich nun lang und ging zur Ruhe, alle anderen Pflanzen schwiegen nun ebenfalls.
 
Ich erschrecke plötzlich. Meine Partnerin steht vor mir und fragt:
Hast du etwa geschlafen? Komm, das Abendessen ist fertig ...

 ©by H.C.G.Lux

15. Juni 2020

Our police protect our people!


The policemen are the guardians of the state
Rassismus ist in den USA ja beileibe keine Seltenheit. Das ist genau so ein Phänomen und fast täglich immer wieder neu, wie auch die Polizeigewalt gegen Schwarze. Seit vielen, vielen Jahren sind solche Vorfälle wie jetzt wieder gegen den Afro-Amerikaner Georges Floyd an der Tagesordnung.- Und sie zeigen immer wieder auf, dass der Zusammenhang von Rassismus und überschäumender Polizeigewalt nie aufgehört hat.
In der Gesellschaft ist dann ein extrem lauter Aufschrei hörbar - und sehr schnell wieder vergessen. Zurück bleiben die Volksgruppen der USA, die von jeher in ihrer Mehrheit chancenlos waren und selbst in Kriegszeiten noch ständig unter Anfeindungen zu leiden hatten: die Afro-Amerikaner und die »Rics« (Puerto Ricaner) dazu kommen dann noch die Mexikaner.

Selbst zwei Amtszeiten unter dem farbigen Barack Obama konnten dieses Übel nicht beseitigen. Genau das Gegenteil geschah - es gärte unter der Plane, die alles zudecken sollte stets weiter! Und unter der Präsidentschaft von Trump kam es zur rassistischen Neuauflage.
Die USA waren schon immer ein Land der krassen Gegensätze, ein Land, in dem die sozialen Spannungen ständig weiter zunehmen. Und die Benachteiligungen haben System! Davon zeugt auch die Lage in dieser Corona-Krise. Es sind die niedrigeren Einkommen dieser Bevölkerungsschichten, schlechtere Bildungsabschlüsse, schlechterer Zugang zu medizinischer Versorgung und das Wohnen in überbevölkerten Ghettos. All das trägt zu dieser Situation bei. 
Und was sagte der Präsident in jenen Tagen?
»Wenn die Plünderungen beginnen, beginnt das Schießen!«
Es hört sich fast so an, als würde Donald Trump so richtig aufräumen wollen mit den Menschen, die am meisten unter allem zu leiden haben, - die weißen Fanatiker und die berüchtigten Kapuzenträger des KKK reiben sich die Hände.

Für das farbenfrohe Amerika, diesem »Hort der Demokratie und der Freiheit« ist die Regentschaft Trumps ein dunkles Kapitel in der amerikanischen Aera, die weit in die Welt hinein streut!
©by H.C.G.Lux

27. Mai 2020

Es gibt auch andere Sterne ...


     

Wenn man so uralt ist, wie ich es bin, erscheinen die Jahre letztlich wie Wochen. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, kann sein, dass man zu viel sieht, hört und erlebt. Wen und was habe ich nicht alles in meinem Leben kennengelernt! Es ist unwahrscheinlich, dass man das alles im Gedächtnis behalten kann. Im Auf und Ab der Zeiten gibt es immer wieder Höhepunkte und auch Niederlagen, davon kann sich niemand freisprechen.

        Gut, ich stehe jetzt seit 1809 hier an diesem Platz in der halbsteilen schmalen Gasse, die Unterstadt und Oberstadt miteinander verbindet. Hier kamen in den früheren Jahrhunderten die Transporte auf der Alten Salzstraße vorbei, die von Lüneburg zur Hansestadt Lübeck führte. Es herrschte hier seinerzeit ein reger Verkehr, Salz war eben die beliebteste Ware im ganzen Reich.
        So lief das Leben jahrein, jahraus. Dann kam das große »völkische tausendjährige Reich«, alles bekam nun eine andere Bedeutung. Die Nachkommen der Familie Avram und Rebecca Rosenbaum, seit rund 150 Jahren schon hier in der Stadt daheim, bekamen die Veränderung als erste zu spüren. Sie hatten in diesem kleinen »Stedel« gelebt, und gearbeitet, waren als Mitbürger geachtet, dann für ihr Vaterland im Jahre 1914 in den Krieg gezogen. Sie lebten ihr Leben nach ihrem Glauben; liebten und erzogen ihre Kinder zu guten Menschen und sie starben danach im Glauben an den G’tt ihrer Väter - so wie jeder andere Mensch in meiner kleinen Stadt.
        Dann eines Nachts wurden sie einfach aus ihrem Heim vertrieben, sie mussten es verlassen ohne jede Habe, wie einst Adam und Eva das Paradies. Und niemand in der kleinen Stadt wusste später, wohin die Familie Rosenbaum gezogen war. Und um bei der Wahrheit zu bleiben: Es interessierte auch keinen Menschen, weil sie alle nur mit sich selbst zu tun hatten!
        Ich stehe nun seit 1809 in dieser Stadt. Die Familie blieb verschollen, bis heute. Auch an das »Stammhaus der Familie Rosenbaum« erinnert nichts mehr, da die späteren Besitzer mich mehrfach renovierten.
        

          Halt, so ganz stimmt das nicht! Ganz oben nämlich, an meinem Giebel findest du noch ein Zeichen meiner jüdischen Herkunft: Ein Giebelfenster mit einem Rahmen, der dem Davidsstern nachgeahmt wurde ...



24. Mai 2020

Schuldige gesucht



















So mancher sucht in unserem Land,
zu dem, das hier geschieht,
den Puppenspieler unerkannt,
der irgendwo die Fäden zieht.


Er schaut in alle dunklen Ecken,
wo sich mit Maske dort vielleicht
könnt sich der Bösewicht verstecken.
Und siehe da, es ist ganz leicht!


Regierung in Berlin, schwarz und rot -
könnt es nicht sein, eventuell ...?
dann wär die Freiheit ja bedroht!
Das sollt man ändern, aber schnell!


Schaun wir auch mal nach Übersee:
Da gibt es manche Potentaten!
Die twittern manches Plädoyer,
lassen sich dabei oft falsch beraten.


Wer glaubt, dass nun in dem Infekt,
der unser Leben gefangen hält,
ein ihm bekannter Sinn drin steckt -
der nenn ihn uns, ihm dankt die Welt!


Doch komme niemand mit den »Plagen«
die Gott schickt, zu uns Sündern!
Die sind es nicht, gar keine Fragen!
Den Quatsch erzählt man nicht mal Kindern!


©2020 by H.C.G.Lux

4. Mai 2020

Home Office


Also - Frau Hannelore, ihres Zeichens Lohnbuchhalterin in einer Baufirma, wurde nun doch so langsam sauer. Seit sechs Wochen war sie jetzt schon im »Home Office« tätig. Anfangs war es ja ganz toll, dass der Chef ihr diese Möglichkeit geboten hatte, andere Mitarbeiterinnen hatten Kurzarbeit oder wurden »freigestellt«. Aber mit der Länge der Zeit ging ihr diese ganze Chose doch gewaltig über die Hutschnur. 

      »Ich bin es leid!« schrie sie laut in die Wohnung hinein. Der Computer auf dem Schreibtisch erschrak so, dass er fluchtartig das Netz verließ und in Tiefschlaf versank. Und Mariele, die Jüngste ihrer drei Töchter rief erschrocken: »Hattu du Schmerzen, Mama?« Die beiden Älteren verschwanden blitzartig in ihren Kinderzimmern. Langsam kannten sie diese Ausbrüche ihrer Mutter schon, aber in früheren Zeiten hatte es so etwas nie gegeben. »Nein, meine Süße«, sagte die Mama und strich der Kleinen beruhigend übers Haar, »Mama hat sich nur geärgert. Aber nicht über euch«, fügte sie dann sofort hinzu, um ja keine böse Stimmung aufkommen zu lassen.

        Es war auch wirklich zum Abschalten! Keine Kontakte mehr mit Kolleginnen, Schulen und KiTas nicht mehr vorhanden, selbst das Au-Pair-Mädchen durfte nicht mehr antreten, Oma sowieso nicht, weil sie ja zu den Risiko-Gruppen gehörte. Papa arbeitete auf einer Ölplattform, eine Heimreise war untersagt. So blieb also alles wieder einmal an der lieben Mama hängen. Zwischen Schreibtisch, Herd, Waschmaschine und Kinderzimmern hin- und herpendelnd, ließ sie sich schließlich kraftlos in einen Sessel fallen, um kurz ihre beste Freundin anzurufen, die sie schon fünf Wochen nicht mehr treffen konnte.
»Ich halte es einfach nicht mehr aus«, rief sie ins Smartphone hinein, Lisa würde sie vielleicht verstehen, dachte sie, auch wenn die keinen Nachwuchs hatte.
»Was soll ich noch machen? Ich kann einfach nicht mehr weiter!«
Die Freundin dachte kurz nach, dann sagte hatte sie eine Idee: »Weißt du, ich weiß da etwas, das dir hilft. - Geh morgen zum Doc, lass dich krankschreiben und bleib - doch einfach mal - zu Hause ...«

©2020 by H.C.G.Lux

3. Mai 2020

Hoffnung auf Besserung ...



Hoffnung auf Besserung ...

Was wären wir ohne die Aussicht auf Änderungen? Was ohne die Hoffnung, das es einmal besser würde? Am 8. Mai, vor 75 Jahren hofften wir, dass die Zeit der Kriege endlich vorbei wäre. Frieden war die Sehnsucht aller Menschen nach dem unseligen Weltkrieg II.

Es war ein Trugschluss.

Seit 1945 ist eine fast stetige Zunahme der weltweiten Kriegsbelastung von etwa einem laufenden Krieg pro Jahr auf unserer Erde zu beobachten.
Frieden?
Märchenstunde für Erwachsene.
Und mit jedem weiteren Krieg steigt auch das Potenzial »der Folgen solcher Geschehnisse«. Die Natur lieben wir alle, aber genau sie leidet mit, mehr als wir es uns vorstellen können! Jede Zerstörung bringt eine Veränderung der Flora und Fauna mit sich, vieles davon wird mit voller Absicht verursacht. Börsen und Bankgeschäfte bestimmen heute den Ablauf unseres Daseins.


Frage: Wer bleibt auf der Strecke? Na?
Antworten erübrigen sich, sie sind so offensichtlich, dass es fast ein Sakrileg ist, sie zu beantworten.


Deutschland hat eines der dichtesten Straßennetze der Welt! Die Gesamtlänge unserer Straßen beträgt incl. Autobahnen rund 650.000 km. Und es werden immer mehr, da die Menge der zugelassenen Kraftfahrzeuge ständig zunimmt.
(z.Zt.: 58.158.344 Mio. Fahrzeuge. Stand 1.Jan.2020
Quelle: Kraftfahrzeug-Bundesamt)


Dieses Verkehrsaufkommen soll sich ja auch bewegen, nicht wahr? Und deshalb werden immer mehr Straßen benötigt ...
       
     Unsere Ur-Enkel werden »ihren« Enkeln einmal erzählen, wie schön die Natur war, als es auch noch andere Blümchen und Bäume gab als Löwenzahn und Krüppelkiefern. Als der Himmel noch himmelblau war und die Meere noch unendlich sauber! Als ›Feinstaub‹ noch nicht im Duden erschien und Microplastik ein Fremdwort war, das niemand kannte.

Leider wird dann niemand mehr etwas ändern können, da Geld und Machthunger alles andere gefressen haben. Ich weiß, das ist Schwarzmalerei - aber sind wir so weit davon entfernt?

       Der 1.Mai war einmal ein Tag der Arbeit, irgendwann veränderte auch er sich zu einem der Feiertage, den man genießt wie die Ostertage und Weihnachten.
Endlich darf man sich einmal ausruhen - um sich gleichzeitig bei einer animierten und meist kostenträchtigen Beschäftigung wieder auf den nächsten Arbeitstag vorzubereiten.


Doch wir dürfen hoffen. Das ist das Einzige, das uns, die wir die Natur lieben, noch bleibt. Wir brauchen SIE, aber sie braucht uns nicht!

Und: bitte nicht vergessen, das 
bekommen wir immer öfter zu spüren ...

©by H.C.G.Lux

27. März 2020

Wer denkt an sie?



Nun wird es Ernst. Uns fehlen die ausländischen Hilfskräfte, die bisher dafür sorgten, dass die anstehenden Erntearbeiten bei Spargel und Erdbeeren ohne Schwierigkeiten vonstatten gehen konnten. Jetzt ist der deutsche Bundesbürger wieder auf dem Zustand angelangt, der in früheren Jahrzehnten normal war! Es ist faktisch eine Krise in einer Krise. Die Abschaffung der Reise-und Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union ist de Facto vollzogen.
Die deutsche Wirtschaft trifft das natürlich hart, und nun auch noch die kleinen Firmen, die eigentlich wenig beschädigt durch den Corona-Sturm hätten kommen können. Es ist ja nicht nur der Spargelstecher, der nun nicht mehr da ist, die ganze Entwicklung kann dazu führen, dass LKW nicht mehr fahren können, Baustellen still daliegen und vielleicht sogar Schlachthöfe nicht mehr betriebsbereit sind - weil eben die Schlachter fehlen, die immer aus dem Ausland kamen!

Das alles scheint bisher noch nicht bis in das Bewusstsein unserer Bevölkerung einzudringen. Ist das ein Wunder? Diese genannten Arbeitskräfte bildeten doch jahrzehntelang eine Schattenwelt am Rande der Gesellschaft!
Sie arbeiteten doch allzu oft unter fragwürdigen Bedingungen, lebten in zum Teil menschenunwürdigen Unterkünften.
Es war immer eine Parallelgesellschaft, die für unser aller Wohlergehen arbeitete, für unseren Wohlstand! Wir werden es sehr schmerzlich erfahren, wie sehr sie uns fehlen werden. Hat sie vorher jemand beachtet? All diejenigen, welche diese Arbeiten machten, die uns nicht mehr gut genug waren?
Nur wenige Menschen kannten sie, die unterbezahlten Helfer in der Landwirtschaft und in anderen Berufen. Nun, in dieser Zeit, wenn sie nicht mehr kommen, da vermissen wir sie ganz gewiss. Oder nur ihre Arbeit?
        
Ich denke dabei auch an die minimal bezahlten Kräfte in der Paket-Zustellbranche, ausgenutzt bis zum »geht-nicht-mehr«! Sie sind noch bei uns, bringen uns die Sendungen, die ständig Höchstzahlen an Zustellungen erreichen. Sagen wir auch einmal ein »Dankeschön«, verbunden mit einer kleinen Spende?
Wie wird es sein, wenn diese Krise einmal vorbei ist? Können wir dann noch so weiterleben wie vorher? Ändert sich vielleicht danach unser Leben? Oder heißt es dann wieder: »Jeder ist sich selbst der Nächste ...«

©by H.C.G.Lux