27. Mai 2020

Es gibt auch andere Sterne ...


     

Wenn man so uralt ist, wie ich es bin, erscheinen die Jahre letztlich wie Wochen. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, kann sein, dass man zu viel sieht, hört und erlebt. Wen und was habe ich nicht alles in meinem Leben kennengelernt! Es ist unwahrscheinlich, dass man das alles im Gedächtnis behalten kann. Im Auf und Ab der Zeiten gibt es immer wieder Höhepunkte und auch Niederlagen, davon kann sich niemand freisprechen.

        Gut, ich stehe jetzt seit 1809 hier an diesem Platz in der halbsteilen schmalen Gasse, die Unterstadt und Oberstadt miteinander verbindet. Hier kamen in den früheren Jahrhunderten die Transporte auf der Alten Salzstraße vorbei, die von Lüneburg zur Hansestadt Lübeck führte. Es herrschte hier seinerzeit ein reger Verkehr, Salz war eben die beliebteste Ware im ganzen Reich.
        So lief das Leben jahrein, jahraus. Dann kam das große »völkische tausendjährige Reich«, alles bekam nun eine andere Bedeutung. Die Nachkommen der Familie Avram und Rebecca Rosenbaum, seit rund 150 Jahren schon hier in der Stadt daheim, bekamen die Veränderung als erste zu spüren. Sie hatten in diesem kleinen »Stedel« gelebt, und gearbeitet, waren als Mitbürger geachtet, dann für ihr Vaterland im Jahre 1914 in den Krieg gezogen. Sie lebten ihr Leben nach ihrem Glauben; liebten und erzogen ihre Kinder zu guten Menschen und sie starben danach im Glauben an den G’tt ihrer Väter - so wie jeder andere Mensch in meiner kleinen Stadt.
        Dann eines Nachts wurden sie einfach aus ihrem Heim vertrieben, sie mussten es verlassen ohne jede Habe, wie einst Adam und Eva das Paradies. Und niemand in der kleinen Stadt wusste später, wohin die Familie Rosenbaum gezogen war. Und um bei der Wahrheit zu bleiben: Es interessierte auch keinen Menschen, weil sie alle nur mit sich selbst zu tun hatten!
        Ich stehe nun seit 1809 in dieser Stadt. Die Familie blieb verschollen, bis heute. Auch an das »Stammhaus der Familie Rosenbaum« erinnert nichts mehr, da die späteren Besitzer mich mehrfach renovierten.
        

          Halt, so ganz stimmt das nicht! Ganz oben nämlich, an meinem Giebel findest du noch ein Zeichen meiner jüdischen Herkunft: Ein Giebelfenster mit einem Rahmen, der dem Davidsstern nachgeahmt wurde ...



24. Mai 2020

Schuldige gesucht



















So mancher sucht in unserem Land,
zu dem, das hier geschieht,
den Puppenspieler unerkannt,
der irgendwo die Fäden zieht.


Er schaut in alle dunklen Ecken,
wo sich mit Maske dort vielleicht
könnt sich der Bösewicht verstecken.
Und siehe da, es ist ganz leicht!


Regierung in Berlin, schwarz und rot -
könnt es nicht sein, eventuell ...?
dann wär die Freiheit ja bedroht!
Das sollt man ändern, aber schnell!


Schaun wir auch mal nach Übersee:
Da gibt es manche Potentaten!
Die twittern manches Plädoyer,
lassen sich dabei oft falsch beraten.


Wer glaubt, dass nun in dem Infekt,
der unser Leben gefangen hält,
ein ihm bekannter Sinn drin steckt -
der nenn ihn uns, ihm dankt die Welt!


Doch komme niemand mit den »Plagen«
die Gott schickt, zu uns Sündern!
Die sind es nicht, gar keine Fragen!
Den Quatsch erzählt man nicht mal Kindern!


©2020 by H.C.G.Lux

4. Mai 2020

Home Office


Also - Frau Hannelore, ihres Zeichens Lohnbuchhalterin in einer Baufirma, wurde nun doch so langsam sauer. Seit sechs Wochen war sie jetzt schon im »Home Office« tätig. Anfangs war es ja ganz toll, dass der Chef ihr diese Möglichkeit geboten hatte, andere Mitarbeiterinnen hatten Kurzarbeit oder wurden »freigestellt«. Aber mit der Länge der Zeit ging ihr diese ganze Chose doch gewaltig über die Hutschnur. 

      »Ich bin es leid!« schrie sie laut in die Wohnung hinein. Der Computer auf dem Schreibtisch erschrak so, dass er fluchtartig das Netz verließ und in Tiefschlaf versank. Und Mariele, die Jüngste ihrer drei Töchter rief erschrocken: »Hattu du Schmerzen, Mama?« Die beiden Älteren verschwanden blitzartig in ihren Kinderzimmern. Langsam kannten sie diese Ausbrüche ihrer Mutter schon, aber in früheren Zeiten hatte es so etwas nie gegeben. »Nein, meine Süße«, sagte die Mama und strich der Kleinen beruhigend übers Haar, »Mama hat sich nur geärgert. Aber nicht über euch«, fügte sie dann sofort hinzu, um ja keine böse Stimmung aufkommen zu lassen.

        Es war auch wirklich zum Abschalten! Keine Kontakte mehr mit Kolleginnen, Schulen und KiTas nicht mehr vorhanden, selbst das Au-Pair-Mädchen durfte nicht mehr antreten, Oma sowieso nicht, weil sie ja zu den Risiko-Gruppen gehörte. Papa arbeitete auf einer Ölplattform, eine Heimreise war untersagt. So blieb also alles wieder einmal an der lieben Mama hängen. Zwischen Schreibtisch, Herd, Waschmaschine und Kinderzimmern hin- und herpendelnd, ließ sie sich schließlich kraftlos in einen Sessel fallen, um kurz ihre beste Freundin anzurufen, die sie schon fünf Wochen nicht mehr treffen konnte.
»Ich halte es einfach nicht mehr aus«, rief sie ins Smartphone hinein, Lisa würde sie vielleicht verstehen, dachte sie, auch wenn die keinen Nachwuchs hatte.
»Was soll ich noch machen? Ich kann einfach nicht mehr weiter!«
Die Freundin dachte kurz nach, dann sagte hatte sie eine Idee: »Weißt du, ich weiß da etwas, das dir hilft. - Geh morgen zum Doc, lass dich krankschreiben und bleib - doch einfach mal - zu Hause ...«

©2020 by H.C.G.Lux

3. Mai 2020

Hoffnung auf Besserung ...



Hoffnung auf Besserung ...

Was wären wir ohne die Aussicht auf Änderungen? Was ohne die Hoffnung, das es einmal besser würde? Am 8. Mai, vor 75 Jahren hofften wir, dass die Zeit der Kriege endlich vorbei wäre. Frieden war die Sehnsucht aller Menschen nach dem unseligen Weltkrieg II.

Es war ein Trugschluss.

Seit 1945 ist eine fast stetige Zunahme der weltweiten Kriegsbelastung von etwa einem laufenden Krieg pro Jahr auf unserer Erde zu beobachten.
Frieden?
Märchenstunde für Erwachsene.
Und mit jedem weiteren Krieg steigt auch das Potenzial »der Folgen solcher Geschehnisse«. Die Natur lieben wir alle, aber genau sie leidet mit, mehr als wir es uns vorstellen können! Jede Zerstörung bringt eine Veränderung der Flora und Fauna mit sich, vieles davon wird mit voller Absicht verursacht. Börsen und Bankgeschäfte bestimmen heute den Ablauf unseres Daseins.


Frage: Wer bleibt auf der Strecke? Na?
Antworten erübrigen sich, sie sind so offensichtlich, dass es fast ein Sakrileg ist, sie zu beantworten.


Deutschland hat eines der dichtesten Straßennetze der Welt! Die Gesamtlänge unserer Straßen beträgt incl. Autobahnen rund 650.000 km. Und es werden immer mehr, da die Menge der zugelassenen Kraftfahrzeuge ständig zunimmt.
(z.Zt.: 58.158.344 Mio. Fahrzeuge. Stand 1.Jan.2020
Quelle: Kraftfahrzeug-Bundesamt)


Dieses Verkehrsaufkommen soll sich ja auch bewegen, nicht wahr? Und deshalb werden immer mehr Straßen benötigt ...
       
     Unsere Ur-Enkel werden »ihren« Enkeln einmal erzählen, wie schön die Natur war, als es auch noch andere Blümchen und Bäume gab als Löwenzahn und Krüppelkiefern. Als der Himmel noch himmelblau war und die Meere noch unendlich sauber! Als ›Feinstaub‹ noch nicht im Duden erschien und Microplastik ein Fremdwort war, das niemand kannte.

Leider wird dann niemand mehr etwas ändern können, da Geld und Machthunger alles andere gefressen haben. Ich weiß, das ist Schwarzmalerei - aber sind wir so weit davon entfernt?

       Der 1.Mai war einmal ein Tag der Arbeit, irgendwann veränderte auch er sich zu einem der Feiertage, den man genießt wie die Ostertage und Weihnachten.
Endlich darf man sich einmal ausruhen - um sich gleichzeitig bei einer animierten und meist kostenträchtigen Beschäftigung wieder auf den nächsten Arbeitstag vorzubereiten.


Doch wir dürfen hoffen. Das ist das Einzige, das uns, die wir die Natur lieben, noch bleibt. Wir brauchen SIE, aber sie braucht uns nicht!

Und: bitte nicht vergessen, das 
bekommen wir immer öfter zu spüren ...

©by H.C.G.Lux

27. März 2020

Wer denkt an sie?



Nun wird es Ernst. Uns fehlen die ausländischen Hilfskräfte, die bisher dafür sorgten, dass die anstehenden Erntearbeiten bei Spargel und Erdbeeren ohne Schwierigkeiten vonstatten gehen konnten. Jetzt ist der deutsche Bundesbürger wieder auf dem Zustand angelangt, der in früheren Jahrzehnten normal war! Es ist faktisch eine Krise in einer Krise. Die Abschaffung der Reise-und Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union ist de Facto vollzogen.
Die deutsche Wirtschaft trifft das natürlich hart, und nun auch noch die kleinen Firmen, die eigentlich wenig beschädigt durch den Corona-Sturm hätten kommen können. Es ist ja nicht nur der Spargelstecher, der nun nicht mehr da ist, die ganze Entwicklung kann dazu führen, dass LKW nicht mehr fahren können, Baustellen still daliegen und vielleicht sogar Schlachthöfe nicht mehr betriebsbereit sind - weil eben die Schlachter fehlen, die immer aus dem Ausland kamen!

Das alles scheint bisher noch nicht bis in das Bewusstsein unserer Bevölkerung einzudringen. Ist das ein Wunder? Diese genannten Arbeitskräfte bildeten doch jahrzehntelang eine Schattenwelt am Rande der Gesellschaft!
Sie arbeiteten doch allzu oft unter fragwürdigen Bedingungen, lebten in zum Teil menschenunwürdigen Unterkünften.
Es war immer eine Parallelgesellschaft, die für unser aller Wohlergehen arbeitete, für unseren Wohlstand! Wir werden es sehr schmerzlich erfahren, wie sehr sie uns fehlen werden. Hat sie vorher jemand beachtet? All diejenigen, welche diese Arbeiten machten, die uns nicht mehr gut genug waren?
Nur wenige Menschen kannten sie, die unterbezahlten Helfer in der Landwirtschaft und in anderen Berufen. Nun, in dieser Zeit, wenn sie nicht mehr kommen, da vermissen wir sie ganz gewiss. Oder nur ihre Arbeit?
        
Ich denke dabei auch an die minimal bezahlten Kräfte in der Paket-Zustellbranche, ausgenutzt bis zum »geht-nicht-mehr«! Sie sind noch bei uns, bringen uns die Sendungen, die ständig Höchstzahlen an Zustellungen erreichen. Sagen wir auch einmal ein »Dankeschön«, verbunden mit einer kleinen Spende?
Wie wird es sein, wenn diese Krise einmal vorbei ist? Können wir dann noch so weiterleben wie vorher? Ändert sich vielleicht danach unser Leben? Oder heißt es dann wieder: »Jeder ist sich selbst der Nächste ...«

©by H.C.G.Lux

15. März 2020

Es war einmal - das stimmt nicht wirklich, oder?



Es war einmal eine Ratsversammlung einer mittelgroßen Stadt. Sie hatte wieder einmal getagt, fünfeinhalb Stunden lang. Zwar bestand die Bürgerschaft der Stadt nur aus vier Parteien - dennoch waren es vierundzwnazig Meinungen, die hier aufeinandertrafen.

        Klar, es war ja auch ein heißes Eisen. Sie hatten sich lange davor gedrückt, dieses relevante Thema anzufassen, aber die Einwohner der Stadt hatten letztlich darauf gedrungen, hier endlich »Nägel mit Köpfen« zu machen. Der Bürgermeister, vor einigen Wochen wiedergewählt, war dann zur Tat geschritten und nun lag der Dreiviertel-Mehrheits-Beschluss auf dem Tisch!

        AUSLÄNDER UNERWÜNSCHT.
Die Plakate in auffälliger neongrüner Farbe wurden in Auftrag gegeben. Die Druckerei hatte sich zunächst geweigert, auf intensives Anstoßen der Stadtverwaltung aber, das man, gelinde gesagt, als Nötigung auffassen könnte, musste der Druckerei-Inhaber zähneknirschend nachgeben. Drei Tage später verzierten an vielen markanten Stellen der Stadt diese Überbleibsel einer vor-medialen Informationsgestaltung wie Schmuckblätter das Stadtbild.
        Und so war es denn auch unausbleiblich, dass der größte Teil der Bevölkerung vor diesen Plakaten stand und mehr oder minder begeistert von dieser Entscheidung der Stadtväter war. Der Teil der städtischen Einwohner, der ausländische Wurzeln hatte, sah sich nicht mehr angenommen und verließ nach dieser verbreiteten Aufforderung innerhalb zwei Wochen die Stadt!

      
 Und nun geschah, was niemand erwartet hatte: Alle Ausländer waren plötzlich fort. Als die Arbeitnehmer der Stadt zwei Wochen darauf morgens zu ihrer Tätigkeit aufbrechen wollten, waren sie plötzlich vor eine Situation gestellt, die sie nicht erwartet hatten!
Alle Autos der Marken, die ihre Produktion im Ausland hatten, waren nun auf einmal fort! Die Japaner, Koreaner und Franzosen waren nicht mehr vorhanden, Italiener ließen grüßen mit dem Hinweis, dass bei ihnen ja noch Urlaubsplätze vorhanden seien. Den Deutschen blieb nichts anderes übrig, als zu Fuß zur Arbeit zu gehen, die Lehrer standen vor leeren Schulbänken, weil die Eltern ihre Kinder nicht mehr mit dem Elterntaxi zur Schule bringen konnten.
        In den Supermärkten herrschte kein Überangebot mehr, Tomaten aus Holland und Spanien, Käse aus der Schweiz und Dänemark, Orangen und Penne aus Italien - alles war nicht mehr vorhanden! Die Gänse aus Polen und Ungarn waren weg geflogen. Pizza, Döner und Burger völlig verschwunden, selbst die vielgeliebten/geschmähten Fritten hatten die Flucht ergriffen.
Die Verkäuferin am Blumenstand zuckte bedauernd mit den Schultern, »Tut mir leid, die ganze Blumenpracht hat sich geweigert, nach Old Germany einzufliegen!«
        Die Restaurants der Stadt waren von einem auf den anderen Tag eintönig geworden; so weit es noch deutsche Küche gab, bildeten sich ellenlange Schlangen, da thailändische, chinesische, italienische, kroatische u.a. Lokale nicht mehr vorhanden waren.
        Selbst der Bürgermeister war davon betroffen, als der auf seine Rolex schauen wollte, war die schon längst auf dem Weg in die Schweiz!
Es wurde also schleunigst eine neue Ratsversammlung einberufen, auf der alle Anwesenden sich dafür aussprachen, den Ausländer-Beschluss schnellstens aufzuheben. Und so geschah es dann auch.
        Gleichzeitig wandte man sich an all die anderen Städte, dass sie sich von ihren eigenen Dummköpfen nicht beirren lassen sollten und niemals diese unsinnige Parole
»Ausländer unerwünscht« veröffentlichen dürften.
Doch wenn es nicht geändert wurde, sind diese Parolen auch heute noch in unserer Stadt vorhanden …

©by wildgooseman


7. März 2020

Corona - Gedanken zum Tage



Der Wirbel um das Corona-Virus nimmt groteske Gestalt an. Es gibt Menschen, denen die eventuelle Ansteckungsgefahr so viel Furcht bereitet, dass sie mit Hamsterkäufen unserer Wohlstandsgesellschaft aufzeigen, wie zerbrechlich unser Dasein ist.
        Dabei wird gekauft, was das Zeug hält; Toilettenpapier und Konserven, Nudeln aller Art und Kosmetikartikel, Zucker, Mehl, Zwieback und Knäckebrot, H-Milch und Zahnpasta. Bitte - sag mir jetzt niemand, das wäre nicht so, ich sah es mit eigenen Augen!
 Ist es möglich, das die zivilisierte Bevölkerung solch eine Angst vor dem Virus hat, dass die Vernunft dabei den Bach hinuntergeht? Es gibt immer noch Millionen, nein - Milliarden Menschen, die diese oben genannten Artikel überhaupt nicht kennen! Beispiel: Die unabsehbaren Flüchtlingslager, in denen kein Ende der Tragödien absehbar ist.

        Ich denke dabei auch an das Jahr 1945. Wie haben wir Alten damals als Kinder nur überlebt? Es gab noch nicht diese gut ausgebaute Infrastruktur mit ihrem medizinischen Fortschritt, keine Kliniken mit vorgehaltenen Quarantäne-Stationen, die für alle Notfälle gerüstet sind.
Wir brauchten uns seinerzeit um Vorräte keine Sorgen machen, es war sowieso nichts da! Es gab weder Internet noch Smartphone - und doch haben wir dank Willen und Kraft alle Nöte und Elend überwunden.
          Etwas mehr Vertrauen in unseren Staat wäre auch heute angebracht. Stattdessen hört man immer nur Gemecker, Geschimpfe und Verleumdungen; Lügen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung.
        Der Staat sind wir; wir alle ohne Ausnahme! Und das wir es sind, verdanken wir unsere demokratischen Grundordnung. Sie hat viele Fehler - gewiss. Aber es gibt keine bessere, mag man das auch noch so oft beteuern!
        
         Und ob eine Gefahr nun »Corona SARS-CoV-2« heisst oder »Ebola« oder »Lassa« oder »HIV«, das ist dabei unerheblich. Die Natur scheint sich gegen ihre Vergewaltigung durch den Menschen zu wehren, seit Jahrhunderten hat sie immer wieder zurückgeschlagen. Bisher konnte der Mensch sie zweifellos stets besiegen.
      Hoffen wir alle, dass es mit den Errungenschaften unserer Zivilisation auch weiterhin so sein wird.
»Ein Mensch, der nicht hofft, verzichtet auf seine Freiheit.«
(Bioethiker Giovanni Maio)


©2020 by H.C.G.Lux




25. Februar 2020

Ist es schon hundert Jahre her?


Am 24.Februar 1920 stellte Adolf Hitler im Münchener Hofbräuhaus das Parteiprogramm der NSDAP vor.
Einhundert Jahre ist es nun her, seit aus dieser völkischen Stammtischrunde eine Staatspartei wurde, die ohne große Schwierigkeiten später unsere Welt in Schutt und Asche legen konnte. Acht Jahre danach veröffentlichte Josef Goebbels, der spätere Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, folgende Erklärung:
              »Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahmzulegen! Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre Sache.
Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren!
«
 Solch ein Aushebeln des parlamentarischen Systems und dessen anschließende Verhöhnung konnte man nun leibhaftig in den Vorgängen des Thüringer Landtags beobachten.
Es ist eine ähnliche Obstruktion, wie sie einst der Nazi-Demagoge beschrieb.
Geschichte wiederholt sich nicht! Das ist sicher wahr, dennoch verändert sich die neue rechte Partei, die einst als Euro-kritisch gegründet wurde, immer weiter in Richtung einer »völkischen Ideologie«. Von einigen ihrer »An«führer, wie Herr Höcke in Thüringen, scheint dies gewollt zu sein.
Geschichte wiederholt sich nicht, Okay - aber die Auswirkungen?

©2020by wildgooseman

21. Februar 2020

Digitale Wunderwelt?



Also, mein Neffe ist ein Mensch, der mitten im wunderbaren modernen Leben steht. All das, was seine Eltern sich in früheren Zeiten anschafften - es sich sozusagen vom Munde absparten, entlockt ihm - wenn überhaupt - nur ein mildes Lächeln. »ist doch alles unmodern, wer hat denn heute noch so etwas, - oh was seid ihr doch rückständig ...«!
         Solches ›Blabla‹ ist immer häufiger zu hören, wenn er mal seine Eltern mit seinen seltenen Besuchen beehrt. Das kommt daher, dass bei ihm in seinem modernen Haushalt alles nur noch digital abläuft.
Er klatscht in die Hände, und die Fensterläden schließen sich. Er ruft »Musik« und die Anlage gibt Beethovens ›Eroica‹ wieder; Waschmaschine und Trockner werden vom Supermarkt aus angestellt, das Garagentor öffnet sich durch Blickkontakt mit seinen stahlblauen Augen und die Badewanne füllt sich durch zweimaligen Pfeifton. Natürlich fehlt auch ein Super-Saugroboter nicht in seinem Digital-Technik-Wohnkomplex. Der wird einfach programmiert und macht dann zur festgelegten Zeit seine Arbeit ohne Murren.
        Ja, so ist es eben bei Detlef daheim. Schlimm wird es nur, wenn mal ein neuer Hausbewohner dazukommt! 

Mimi, das junge Kätzchen vom Töchterchen, war leider noch nicht ganz stubenrein! Und bei so einer dringenden Gelegenheit hat sie dann doch mal ihr Katzenklo nicht mehr erreichen können - oder wollen - und da der kleine Reinigungsroboter nichts übersieht, wurde diese Hinterlassenschaft nun in der ganzen Wohnung von ihm planmässig ausgebreitet! Der ›Robby‹ hat nun zwar diesen Fehltritt sofort mit seiner Wischautomatik zu reinigen versucht; dadurch jedoch wurde der ganze Salmiak noch weiter in der Wohnung verteilt.
        Und so traten am Ende dieser Vorstellung doch noch Wischmop und Wasser in Aktion, dazu war ein Teppich reinigungsreif und der fleißige »Roboter« musste zur Selbstreinigung in die Werkstatt!

Digital ist ja wunderbar - doch ohne die geschmähte »menschliche Rückständigkeit« klappt es dann doch nicht ganz ...

©by H.C.G.Lux


13. Februar 2020

Das Internet und ich



Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie es vor - sagen wir mal - 35 Jahren war. Wie habe ich mich über die ganz realen Dinge informiert - so ganz ohne Internet? Ohne Google, ohne Wikipedia - überhaupt ohne die ganzen ~wiki-Seiten zu benutzen?
Was habe ich gemacht, wenn ich ganz dringend - aus welchem Grund auch immer - wissen wollte, wer in Venezuela zur Zeit Präsident war? Wo habe ich nachgeschaut, wann »Ringo Starr« geboren wurde? Mit wem und wie oft Farah Fawcett-Majors verheiratet war? (Ob es dann wichtig war, steht auf einem anderen Blatt. Heute ist es meist auch nicht wichtig, was man wissen möchte!)
Ob es nun für den Beruf oder für das ganz private Vergnügen: Ich hatte doch damals auch ständig Fragen, oder doch nicht? 
Wenn ich mich recht erinnere: Wollte ich früher vielleicht gar nicht so viel wissen? Habe ich etwa im 24-teiligen Brockhaus meine Fragen gar nicht nachgeschlagen - und nach etlicher Zeit auch Antworten bekommen? Ich weiß es einfach nicht mehr!
ATARI 1040 ST
     

   
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eute tippe ich kurz mal ein paar Tasten an und schon spuckt mir der Kasten die Antworten aus. Wie konnte ich nur ohne das Internet leben?
Ich legte 1986 bei meinem Cyber-Beginn noch den Telefonhörer auf die Muschel des Moduls und schaute dabei ständig nach der Uhr, da jede Minute noch abgerechnet wurde! Wie habe ich das alles nur ohne die »Helferchen« gemacht? 

Das aber ist eine der wenigen Fragen, die mir Google nicht beantworten kann ...

©by H.C.G.Lux