10.3.24

Ich, fünf Verse eines Gedichts

 

von H.C.G.Lux

 




Ich bin ein Staubkorn
im Wüstenwind.
Zwischen bunten Blumen
ein kleines Kind.
Der Tau in der Frühe,
der auf Wiesen fällt.
Das Licht am Abend,
das Gedanken erhellt.


Ich bin ein Lied,
von Millionen gesungen.
Das Klatschen der Hände
in Huldigungen.
Eine Welle im Auf
und Ab der Gezeiten.
Ein Kometenschweif
in unendlichen Weiten.

Ich bin die aidskranke Frau
mit dem hungrigen Blick.
Der alte Mann, der träumt
von vergangenem Glück.
Das Strandgut der Zeit,
von keinem vermisst.
Der einsame Star,
der kein Idol mehr ist.

Ich bin Hoffnung und Angst
am Rande der Zeit.
Der verlorene Glaube
in der Dunkelheit.
Der Baum im Walde,
den jeder liebt.
Der Morgen, den es
vielleicht nicht mehr gibt.


Ich bin auch DU!
Und was ich lasse,
was ich tu,
ich bin auch nichts.
Nur fünf Verse
eines Gedichts.

9.3.24

Lang ist’s her ...

 



 









»Opa, wie alt bist du?« fragte ein kleines Mädchen mit neugierigen Augen ihren Großvater.

»Hmm, lass mich kurz nachdenken. Ja, weisst du, als ich geboren wurde, hatte jede Familie einen Vater und eine Mutter.

Wir trockneten die Wäsche an der frischen Luft, der menschliche Fuß hatte noch keinen Fuß auf den Mond gesetzt und die Leute reisten nicht mit Flugzeugen um die Welt oder mit dem »Traumschiff« in den Urlaub.

Wir hatten kein Fernsehen, zum Telefonieren stand auf der Straße eine Telefonzelle. Als ich geboren wurde, brauchte niemand einen Psychotherapeuten. Wenn man krank war, ging man zum Arzt, wochenlange Terminabsprachen kannte niemand.

Wenn eine Frau in den Bus oder Straßenbahn stieg, standen Kinder und junge Leute natürlich auf, um den Sitz freizumachen. Wenn sie schwanger war, half man ihr, wenn sie es brauchte.

Im Leben haben wir Gottes Gebote und den gesunden Menschenverstand befolgt, unsere alten Menschen respektiert und die Gesetze befolgt.

Wir konnten klar zwischen Gut und Böse unterscheiden und erkannten, dass wir für unser Verhalten gegenüber anderen verantwortlich sind und die Konsequenzen nicht meiden. Die Bindungen in der Familie waren dauerhaft und die Bande stark.

Wir hatten keine Handys und Computer, wir kannten keine DVDs und Netflix oder Instagram, aber wir lasen Bücher und sprachen miteinander von Mund yu Mund.

In unserem Zimmer gab es keine Lichter, wir gerieten nicht in Panik, wenn irgendwo eine Störung auftrat. Es gab keine Geldautomaten und Mikrowellen. Unsere Fotos wurden nur in Schwarz-Weiß für besondere Situationen gemacht. Erlebnisse und Gefühle wurden voll ausgelebt, wir brauchten keine Fotos und Videos machen, um sie auf Facebook zu stellen.

Wir kannten kein Fast Food, keine Instant-Suppen, keine Fertiggerichte. Wir brauchten auch kein »Gras zum Rauchen«, wir hatten genug Freude und Spaß am Leben, unsere Bedürfnisse waren gering. Und es gab eine Natur, die ihren Namen noch verdiente! Ja, wenn ich so darüber nachdenke, bin ich tatsächlich sehr, sehr alt.«

Die Kleine schaute den alten Herrn überrascht an.

»Aber Opa, Du musst dann ja bestimmt 200 Jahre alt sein!" rief die Kleine erstaunt aus.

»Nein mein Kind«, sagte der Großvater, »ich bin erst 90 Jahre alt ...«

7.3.24

Krieg ist kein Spiel

 


 











Ich bin eigentlich in einer Familie groß geworden, die den Krieg gehasst hat. Dazu haben die Jahre 1914-18 und 1939-45 zu viele Opfer bei uns Menschen gekostet, die nichts weiter wollten, als in Ruhe und Frieden leben. Die Staatsführung war jedes Mal dagegen.

        Dennoch haben wir mit den Nachbarskindern »Krieg« gespielt. Wilhelmstrasse gegen Friedrichstraße, Oberstadt gegen Unterstadt. Und es ging manches Mal ganz schön zur Sache, blutige Nasen, blaue Flecken am ganzen Körper waren da an der Tagesordnung. Im »Jungvolk der Hitlerjugend« ging es danach munter mit dem »Kriegspielen« weiter, wir waren ausersehen, stets die Sieger zu sein!

        Meinen Opa habe ich nie wütend gesehen. Das jedoch waren Momente, wo er mich zornig anschaute: »Krieg spielt man nicht!« Er bezahlte diese Aussage mit seinem Leben! Dieses Mal beglich er es an seine, wie er meinte, Freunde aus dem Nachbarland Polen, mit denen er vorher stets ein gutes Verhältnis hatte. Aber auch die Freunde konnten nichts daran ändern ...

    Zehn Jahre später war ich Soldat bei der Bundeswehr. Ich dachte oft an meinen Opa, doch ich war auch indoktriniert mit der Tatsache, dass »mein Feind« im Osten zu Hause wäre und ich »mein Vaterland« zu verteidigen hätte. Wobei der Herr Bundeskanzler noch etwas früher sagte, dass »kein deutscher Junge wieder ein Gewehr in die Hand nehmen sollte!«  Aber: »Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?«

    Mein Großvater hätte das bestimmt nicht gut befunden, und wenn er die Soldatinnen heute gesehen hätte, wären ihm sämtliche Gesichtszüge entgleist. Er hätte sie gefragt, wie sie so etwas ihren Kindern erklären können!

    Aber ich will darüber nicht rechten! Ich möchte nur sagen, dass entgegen aller historischen Aussagen Krieg kein Spiel ist! Die Munition in der Ukraine sind keine Zündplättchen aus den damaligen Spielzeugpistolen. Schon jetzt sind ganze Landstriche überall auf der Welt mit Kampfmitteln verseucht. Überall wo große Objekte neu gebaut werden, muss vorher ausführlich nach Munitionsresten aus dem krieg gesucht werden. Und sie wird gefunden oft massenhaft! Bei uns in Ostfriesland sucht man immer noch nach Sprengkörpern in den Flüssen.

       Evakuierungen wegen Kriegsbombenentschärfungen gehören 79 Jahre nach dem Krieg immer noch zu unserem Alltag. Wir vergessen es sehr leicht: Krieg hinterlässt Gefahr, Krieg ist kein Spiel, die Einsatzkräfte in den Kasernen der Bundeswehr wissen, wozu sie da sind.

Das Schlimme aber daran: Niemand - auf der ganzen unfriedlichen Welt, verdient am Krieg so viel am Krieg, wie die Waffen-Industrie!

5.3.24

Ich bin

 




















John Clare, (1793-1864)

Es ist ein grauer Tag im März, feiner Nebel erfüllt die Luft mit einem nasskalten Anklang. Während ich mir John Clares Gedichte zu Gemüte führe, sehne ich mich nach jener Zeit (1793-1864), in der sie entstanden sind, zurück. Wirklich? Ist es so erstrebenswert, diese enormen Klassenunterschiede des damaligen französischen Königreiches herbeizuwünschen? Sicher nicht, solche Wünsche sind unmögliches Denken..

In dieser Übergangszeit zwischen den Welten, als in Frankreich die große, zum Teil auch erschreckende Revolution ihren Anfang nahm, als Louis XVI. und Marie Antoinette versuchten, das Leben der Menschen noch stärker zu beeinflussen, begann auch die romantische Bewegung in Europa.

 »Ich bin! Doch was ich bin -
mag's keiner wissen?
Im Stich gelassen und
gefallen aus der Zeit.«

John Clare hat hier mit seinen nostalgischen Anwandlungen mitten in ein Wespennest gestochen. Welche Zeitläufte der Dichter damit meint, tut er uns nicht kund.
Es scheint dabei, dass jenes eigene Dasein, dessen er sich rückblickend erinnert, doch Zweifel aufkommen lässt, lebenswert gewesen sei. Später fragt er weiter, und mit diesem Fragen erschließt sich ein weiteres Feld der Fragen nach dem Sein.

»Und was ist Leben? 
Eine Sanduhr auf der Flucht,
ein Nebel, der sich löst
in Sonn' und Wind,
ein
immer wiederkehrender Traum,
der stets geträumt sein muss.
Und Glück? 
Eine Blase im Strom,
die beim Ergreifen in ein
Nichts zusammenschrumpft«

Wir alle leiden doch an Nostalgie, mehr oder weniger ist jeder Mensch dazu verurteilt, sich zu erinnern oder auch manches zu bereuen, doch wir bleiben immer darin verstrickt, im Sinne des natürlichen Ablaufs unseres Lebens.

Falsch oder nicht, wir haben zu allen Zeiten Träume gewebt, haben Gespinsten nachgetrauert, von denen alle wussten, dass sie nie in Erfüllung gehen könnten! Wir ersehnten immer eine wirkliche Zukunft - eine Brücke zwischen heute und morgen, ohne Abkürzung, ein Weg, auf dem wir sicher entlangwandern könnten. Dieser Weg sollte ohne Bangen sein, ohne Angst vor zukünftigen Taten, ohne das widerspenstige Schwert einer unsicheren Welt. Und dann? Wie drückte John Clare es aus: »Eine Blase Luft in einem Strom!«

4.3.24

»Kultursteuer?«

 



 












Und wieder einmal geht es um Zahlungen, die jeder Haushalt zu leisten verpflichtet ist: die Rundfunkgebühren. Ein seit Äonen von Jahren gut eingeführter Beitrag, undurchsichtig und oft auch unverständlich. Regelmäßig steht er zur Erhöhung an, mit viel »Papperlapapp« bedacht und letztendlich immer problemlos von unseren Gesetzgebern durchgewunken.

       Die deutschen Bundesländer sind für die Höhe der Rundfunkgebühren zuständig. Damit sind sie zu Helden des »öffentlich-rechtlichen Medienhaushalts« avanciert.

       In schöner Regelmäßigkeit prangern sie überzogene Pensionen und Intendantengehälter bei ARD und ZDF an, sie berichten über Fälle von Vetternwirtschaft und fordern berechtigt eine stärkere programmliche Konzentration auf Information! Leider aber bleiben diese verbalen Proteste sinn- und folgenlos.

    Mit dieser Schaffung des Rundfunkbeitrags, der wirklich eine Kultursteuer mit Zahlungsverpflichtung ist, haben sich die Länder seinerzeit selbst kastriert.    Zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF), die sich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit den Forderungen der Rundfunkanstalten auseinandersetzt und eine Empfehlung abgibt, gibt es an entscheidender Stelle die entsprechende Kommission. Ob nun wirklich eine Erhöhung angesichts stark rückläufiger Attraktivität beim Publikum, dazu der ständigen Skandale und Affären noch überhaupt vermittelbar ist, darauf gibt es in dem Verfahren überhaupt keine Antwort. Das hat halt niemand zu interessieren.

       Würden die Länder eine Steigerung der Finanzen verweigern, können die Sender das Bundesverfassungsgericht anrufen und sich dort die Zustimmung holen. Ein tolles - demokratisches(?) - Vorgehen!

       Die KEF hat jetzt ihre Empfehlung abgegeben: Vom 1. Januar 2025 an soll die Gebühr – Entschuldigung - »der Beitrag« – um 58 Cent auf 18.94 Euro steigen.Den Sendern bringt das eine jährliche Beitragseinnahme von mehr als zehn Milliarden Euro ein! Hinzu kommen noch Millionen-Einnahmen aus der Werbung und sonstigen Quellen!

       Es ist auf Dauer unmöglich, diesen Dinosaurier mit seinen 22 Fernsehangeboten, 67 Radiosendern und zahlreichen Online-Plattformen in dieser Form aufrechtzuerhalten. Das aber kann nur mit einer klaren Nulllösung beim Rundfunkbeitrag verhindert werden!

   Parallel sollte mit einem neuen Staatsvertrag eine umfassende Reform mit einer Beschränktheit der Kanäle und einem neuen Blick für den eigentlichen Auftrag eingeleitet werden. Dieser kleingeistige Mini-Föderalismus in der Medienpolitik muss endgültig überwunden werden. Die jüngsten Empfehlungen des Zukunftsrates könnten dabei umgesetzt werden, die u. a. eine weitere Zusammenlegung von Rundfunkanstalten vorsieht!

    Sparen in diesem Metier hat auch mit den unnötigen Ausgaben zu tun, die sich mit den Verträgen inclusiver »sogenannter Fachleute« befasst. Da werden oft mehrere »Spezialisten« zu einem Thema eingeladen, die alle dasselbe aussagen, nur mit Worten, die völlig konform mit dem vorher Gesagten gehen! Geld ist ja anscheinend vorhanden - und wenn nicht, dann siehe: >>> Gebührenerhöhung

 

2.3.24

Unwahrscheinlichkeiten

 

 KI - die neue Religion?















Die Köpfe, die Hirne, die Geister, die unsere Zukunft bestimmen, sind sehr besorgt über die Fähigkeiten unserer jungen Generation in Bezug auf mathematische Kenntnisse. Sie sind der Meinung, dass unsere Kinder zu schwach sind, wenn es darum geht, die Geheimnisse der Zahlensprache zu enthüllen! So etwas hatte es doch in früheren Zeiten nicht gegeben! Mehr Unterrichtsstunden würden gebraucht, mehr Zeit für diese Arbeit in diesen gewaltigen Höhlen der Zahlen. Es werden diejenigen Kräfte benötigt, die unseren Nachwuchs bei den komplexen Operationen unserer IT-Welt nicht im Stich lassen.

       Der Rest des schulischen Wissens wäre es nicht wert, dass sie sich ihren Kopf zerbrechen, weil der keine große Rolle spielen kann, denn alles andere Wissen, dass gefragt werden könnte, kann über Künstliche Intelligenz nachgefragt werden. Literatur, Kunst, Geschichte, Sprachen, alles kleinere Dinge, entbehrliche Universen, die das Hirn nur belasten und von einer wichtigeren Tätigkeit ablenken!

       Wozu Bilder malen, fantasievoll mit den Farben spielen und das innere Sein des eigenen Wesens auf eine Art darstellen, die den Ursprung im Werden und Vollenden des Seins als Ziel hat? K.I. macht das alles fehlerfrei und einfacher, weil Fiktion und Irrealität nicht beachtet werden muss.

       Wozu sich den Kopf dabei zerbrechen, den Ablauf eines Geschehnisses so darzustellen, dass eine Spannung in einem Roman aufgebaut wird, die erst mit der Beendigung bzw. mit dem Schlusssatz dem Leser ihren Höhepunkt darbietet? Dem K.I. gelingt das alles unproblematischer, weil einfacher und pragmatischer, dazu bequem benutzbar.

       Junge Generationen werden immer weniger zu jungen MenschenIch befürchte, dass wir das Zombieverhalten von Kindern fördern. Versunken in ihre technischen Spielereien, eingetaucht in ausschließlich elektronische und virtuelle Welten, mit dem Kopf voller Zahlen: Null eins, eins eins, null null, eins null. Die so beschriebene Welt verliert ihre tatsächliche Dimension und verwirrt Empfindungen und Gefühle.
George Orwell winkt in der Ferne! 

        Die jungen Leute bleiben arm. Arme kleine Leute, die nicht einmal danach fragen, weil sie es ja wissen! Sie sitzen auf den Schwellen ihrer technischen Kathedralen. Und es sind diese armen Menschen, die die Algorithmen schreiben, die später autonom werden und zu absoluten Gottheiten heranwachsen, die über unser tägliches Leben wachen, die Algorithmen, die uns mit jedem Tag ein bisschen mehr Angst machen sollten! Wir fürchten die Autonomie von Maschinen und die Schwierigkeit, ihnen beizubringen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Wir haben Angst vor Ersatzfunktionen, wir haben Angst davor, entbehrlich und wegwerfbar zu sein, wir haben Angst davor, völlig nutzlos zu werden. Ich denke, in Wahrheit sollten wir uns nicht vor Algorithmen fürchten, sondern vor denen, die sie erstellen. 

    Ich denke, dass wir diejenigen sind, die den Menschen nicht verstehen. Maschinen spiegeln das wider, was wir sind, sie werden zu monströsen Dingen, die irgendwann nicht mehr beherrschbar sein werden.  Wir wissen dies; jedoch wir freuen uns über jeden neuen »Success point«, der in immer rasanterem Tempo die Menschheit zu Androiden erzieht …

1.3.24

Was ist Heimat?

 



 









Es ist ganz schwer, darauf zu antworten. Ist Heimat dort, wo ich geboren wurde oder da wo ich lebe, wo es mir gut geht? Ist Heimat ein Ort, ein Land, eine bestimmte Landschaft? Ist meine Heimat da, wo ich mir etwas geschaffen habe, vielleicht ein Haus gebaut, eine Familie gegründet?

Was ist Heimat, wo ist meine Heimat? Viele Fragezeichen, viele Fragen überhaupt. Ich kenne das Heimweh nur zur Genüge, oft hatte ich in meinem Leben damit zu tun. Aber wonach hatte ich Heimweh, was war es, das mir dann oft das Herz schwer machte? Wie zum Beispiel kann ich Heimweh haben nach einem bestimmten Ort oder Haus, wenn dort überhaupt niemand mehr lebt, den ich kenne?
Manchmal kommen in stillen Stunden Gedanken hergeflogen, einfach so durch den blauen Nebel der Vergangenheit in die Jetztzeit hinein. Sie erzählen von Zeiten und Menschen, von Stätten und Ereignissen und ich träume in diesen Augenblicken von einer Heimat, die ich immer suchte und doch niemals fand.

Ich definiere für mich selbst die Heimat als die Zeit und die Orte meiner Kindheit. Ich benenne es dann immer mit dem Wort »Kinderheimat«! Ja, ich weiß, es klingt auch ein wenig kindhaft, aber ich meine es wirklich so! Das kommt sicher daher, dass ich in meinem Leben niemals so richtig bodenständig war! Früh herausgerissen aus einer Kinderzeit mitten in den Wirren und Grausamkeiten des Krieges, plötzlich hineingestellt in den Kampf ums Überleben der Nachkriegszeit. 

Wurzellos, bodenlos, heimatlos? Ein Freund aus dem Internet fragte mich, warum ich mich im Web Wildgooseman nenne! (die männliche Wildgans) Ich denke, es kommt daher, dass ich ebenso wie die Wildgänse ständig den Drang verspüre, fortzuziehen. Genau so gern jedoch komme ich wieder nach Hause! Ich möchte unterwegs sein und dennoch einen Fixpunkt haben, an dem ich landen kann. Ist das ein Heimatgefühl? Sicher ist es das nicht. Auch meine Familie ist nicht meine Heimat, sie ist ein Teil von mir und meiner Persönlichkeit, aber mit Heimat hat das nichts zu tun.

Man sagt immer: »Einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr!« Ich glaube nicht an solche Aussprüche. Auch im Alter habe ich das Umpflanzen immer gut überstanden, sofern nur der Boden gut vorbereitet war. Jeder Gärtner kennt diesen wichtigen Grundsatz!
Heimat aber wird nicht daraus, ich bin der Meinung, Heimat hat man im Herzen, in der Seele. Heimat ist tief in mir. Aber trotzdem kann und darf immer ein Gefühl von Sehnsucht bleiben, Sehnsucht nach der weiten Ferne. 
Heimweh und Fernweh sind Geschwister, waren es schon immer, solange es die Menschheit gibt. Wer könnte mir das Gegenteil beweisen?

28.2.24

Frühlingsversprechen!

 










An einem kalten Wintertag
fand ich im stillen Tannenwald 
mich wieder. Auf den Wegen lag
noch tiefer Schnee, und bald
sah hinter mir ich nur
meine eigne Spur.

An einer Wegegablung dann,
vortrefflich gut versteckt,
in einem dunkelgrünen Tann
hab ich ihn dann entdeckt:
Bass erstaunt sah ich ihn an -
Es war ein junger Mann.

Frisch und munter anzuschauen
mit blanken Augen, hellem Haar,
kaum konnte ich den Augen trauen,
dass solch ein Typ im Tannwald war.
Ich redete verdutzt ihn an,
da sprach empört der Mann:

»Was stört Ihr meine Ruhe hier,
ich frage Euch: Warum so eilig?
Noch wohnt Herr Winter im Revier -
und meinem Vetter ist die Ruhe heilig.
Geduldet Euch noch ein paar Wochen,
dann komme ich, versprochen!«

© 2020 by HC.G.Lux

27.2.24

Wer noch träumen kann ...

 












Können Regentropfen reden, während sie zur Erde fallen? Kann es sein, dass sie es nur eilig haben hinunterzukommen? Hätte vielleicht jeder seine eigene Sprache um die Geschichte seines Bruders zu empfinden und zu hören? Oder ist es so, dass alle gleich sind ohne Sinn und eigene Bedeutung und sie hätten sich nichts zu sagen?

Kommt, Freunde, lasst uns doch die Welt einfach mit Märchenaugen sehen, lasst die Hoffnung den Schmerz ausser Kraft setzen und Freude die Oberhand gewinnen. Seht doch, wie viel Licht hinter dem Schatten ist! Und bitte sprecht leiser, damit die Träume sich nicht fürchten, sie sind doch sehr schreckhaft.

Das Negativum in der Welt versucht immer wieder, lauter zu reden oder sogar zu schreien, damit es sich hinter dem Schleier des »Nicht-verstanden-werden« verstecken kann. Lassen wir es nicht zum Führer durch unser Leben werden und unsere Sinne gefangen nehmen.

Hört ihr den Wind stöhnen und voller Wehmut dahinziehen? Er weht bis zum Gespinst unserer Traumbilder, gleitet weiter in die Unendlichkeit und lässt uns zurück, wenn wir nicht darauf achten. Dann aber ist es zu spät, denn wer nur noch Rückschau hält, verliert den Kontakt zur Gegenwart. Die dann davon hervorgerufene Wirklichkeitsebene wird von unseren Traumschleiern verdeckt, öffnet eine Tür ins Unendliche mit einem Blick auf das Nichts! Wer will das?

 Franz Kafka sagt: „Das Glück begreifen, dass der Boden, auf dem Du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße die ihn bedecken.“

Dieses Glück zu haben, zu vervollkommnen, ist eigentlich das Glück überhaupt. Was wissen wir, was erinnern wir noch von dem, das für uns einst selbstverständlich war? Wir wussten doch schon als Kinder, dass Schneeflocken, diese einzigartigen unverwechselbaren Gebilde, weinen können! Wir vergaßen es. Natürlich, die Realität des täglichen Lebens macht es keinem Menschen leicht, in den lichten Höhen der Märchen zu leben.

Aber gerade dieses Nichtwissen und dennoch erinnern macht uns zu einzigartigen Geschöpfen. Wir dürfen das Wunderbare des Lebens erkennen, wenn wir es nur zulassen. Wir schauen bis zum Horizont, der so fern scheint, doch ein kleiner Schritt reicht, dass er uns gehört.

Das geht nicht? Hast du es mal versucht? Als Kind konntest du es, dir gehörte die ganze Welt. Dann holte die Realität dich ein, von diesem Moment an sprachen die Regentropfen kein Wort mehr, die Schneeflocken weinten nie wieder.

Still! Hörst du sie wieder? Wenn sie schweigen, bist du noch nicht wieder im Märchenland angekommen. Aber du bist auf dem richtigen Weg. Ganz gewiss, denn du träumst wieder.

Ende und Anfang

 




Warum habe ich oft das Gefühl, die Zukunft hätte sich schon längst bei uns breit gemacht? Kann ja sein, dass die allgemeine Weltlage alles in solchen schwarz-grauen Farbtönen erscheinen lässt. Das Märchen vom »Amerikanischen Traum« hat sich als »FakeNews« herausgestellt. Der »Chinesische Albtraum« dagegen hat schon längst begonnen und breitet sich auf dem Globus in nicht geahntem Umfang aus.

Ich frage mich, welchen Platz hat eigentlich noch die Europäische Union in der sich neu gestaltenden Weltordnung? Wer sich das alles einmal so schön vorgestellt hat, wie auch immer das erwartete träumerische Weltmodell aussehen sollte - Geld wird jedenfalls ohne Ausnahme die festgelegten Konturen sozialer Angelegenheiten bestimmen.

Neu ist, dass plötzlich auch der Herrgott als unwiderstehliche Kraft wieder auf der politischen Ebene der Welt erscheint. (War er nicht schon immer da? Nun holt man ihn wieder aus der Ecke, in der so schön ruhen sollte, wieder hervor)
Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass die Amerikaner ihm immer vertrauen, das steht so auf ihren Dollarnoten (in God we trust). Wir glauben z.B. dass die Iraner immer Allahs Gesetz gehorchen, dass die Türken ein überaus gläubiges Volk sind. Und die Brasilianer glauben, dass Gott vom Montanha do Corcovado aus Rio de Janeiro stammt.  
Ist denn auch schon bekannt, dass 
Giorgia Meloni in Italien eine »Vertraute der Jungfrau Maria« ist? Na gut, jeder im Westen weiss jedenfalls, dass Mr.Putin längst eine russische Ikone mit Goldrand ist!

Welche Vorzüge der Nahe Osten mit seinen diversen Religionen bietet, sehen wir alle zur Genüge in den jetzigen umenschlichen Kriegszuständen, unter denen Millionen Menschen zu leiden haben. Diese erstaunliche Anhäufung von moralinsaurer Aggressivität hat einen überaus großen Einfluss auf das Denken der Bevölkerung vieler Staaten. Die »Lenker«, die unsere Zukunft bestimmen sollen, haben alles in ihrer Hand - nur nicht die Zukunft, die ist ihnen schon längst entglitten! Sie reagieren nur noch, statt zu regieren und zu agieren!

Dinge geschehen in einem bestimmten Moment der geschichtlichen Zeit, etwas zerbricht und verwandelt sich in etwas neues.. Es kann morgen sein, in zehn Jahren, es kann jetzt oder sogar irgendwo in der Vergangenheit gewesen sein, ohne dass wir uns der radikalen Bedeutung eines Ereignisses bewusst waren! Niemand jedenfalls ahnt oder weiß, ob es zum Guten oder zu divergierenden Ansichten kommen wird.

Die Zukunft lenkt einfach immer von dem ab, das wir uns eigentlich darunter vorgestellt hatten. Dabei ist es eigentlich ganz simpel: Wir haben lediglich vergessen, das die Zeit der Dampfeisenbahn längst vorbei ist. Wir fahren heute an Bord eines rasenden Hochgeschwindigkeitszuges unserem Ziel entgegen, von dem wir gar nicht wissen, ob es dieses überhaupt gibt.

Die Ankunft am Bahnhof sieht daher niemals vielversprechend aus, weil wir diesen Bahnhof zubereiten müssen! Dieser Zukunftsbahnhof ist völlig leer und ohne jedes technische Zubehör, das notwendig ist, damit etwas ohne Störung funktioniert. Das aber scheint keiner der Weltherrscher einzusehen. Wer klärt sie nun auf, diese Besserwisser und Alleskönner? Wer darf denn das? Und weil es nun so ist, erscheinen Lösungen dieser Probleme in grauen Fernen zu liegen!

Während ich diese Worte schreibe, formiert sich in meinem unruhigen Geist eine Frage: Was wäre, wenn die Zukunft bereits geschehen ist und wir mitten im Trümmerfeld der Geschichte leben - und merken es nur nicht?

 

Krieg ist kein Spiel

    Ich bin eigentlich in einer Familie groß geworden, die den Krieg gehasst hat. Dazu haben die Jahre 1914-18 und 1939-45 zu viele Opfer ...