1.7.24

Mauern

 


Ich rede nicht gern über Mauern. Sie trennen Menschen, sie trennen Situationen, sie trennen all jenes, das eigentlich eine Gemeinsamkeit sein müsste. Ich wüsste nur gern den Grund für diese ewigen Teilungen!

      Wer oder was bringt uns in die Lage, Mauern zu errichten? Was treibt uns dazu an? Eine Mauer deutet unsere Position in dieser Welt an. Existierend befinden wir uns auf der einen oder anderen Seite. Wenn es eine Mauer gibt, steht uns nicht mehr der gesamte Raum zur Verfügung, um uns frei bewegen zu können. Sie schränkt uns ein. Wir können ihr ausweichen, wir können sie ignorieren, nicht anschauen, so tun, als gäbe es so ein Ungetüm gar nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie verschwindet. Die Mauer ist da, trotz allem Herumreden.

     Es gibt Millionen von Mauern auf dieser Welt, das ist uns bekannt.. Kleine Mauern, grosse Mauern, kurze Mauern, einfache Holzzäune, Barrieren mit Stacheldraht, hohe Mauern, niedrige Mauern, die Vielfalt ist immens. Die Gebiete, in denen wir leben, sind komplett zerschnitten, Routen führen um Mauern herum oder durch diese hindurch, streng markiert. Alle Mauern haben Türen, Tore oder blosse Durchgänge, die bewacht werden können oder nicht. Zusätzlich zu den physischen Mauern, wie zum Beispiel die, die Berlin teilte, gibt es psychologische Mauern, kulturelle Mauern, religiöse Mauern, es gibt Mauern von alle Formen und Konsistenzen, die wir nach unserem Willen oder unserer Fähigkeit überwinden.

       Wir können eine Mauer verachten, indem wir ihr nicht die geringste Bedeutung beimessen; dies geschieht, wenn die Existenz der Barriere überhaupt nicht direkt in unser Leben eingreift, oder unsere Überzeugungen sehr verletzt. Es ist ganz leicht, eine Mauer völlig zu ignorieren, wenn sie nur den Nachbarn stört, mich aber völlig kalt lässt, nicht wahr?

       Die Existenz von Mauern kann durchaus gerechtfertigt sein - oder nicht: Doch jede Mauer, ob real oder psychologisch, steht nun mal konkret mitten in unserer Welt - und Zeit! Mauern trennen, ob man es will oder nicht. Die Trennung betrifft Länder, Menschen, Gedanken, Anschauungen. Eines ist dabei völlig klar - Frieden auf dem Erdball kann es nur geben, wenn alle diese unsäglichen Bauwerke abgeschafft würden. Da dies jedoch niemals geschehen wird, ist auch ein Friede auf Erden völlig illusorisch ...

 


30.6.24

Mein Freund Milan

 


 









Eigentlich hieß er ja Grzk. Milan Grzk, um genau zu sein. Aber jeder im Betrieb nannte ihn nur Milan. Als er in den sechziger Jahren als "Gastarbeiter" nach Deutschland kam, hatte er die Hoffnung, einen Zipfel des Glücks zu erhaschen, von dem die Leute in dem kleinen Dorf Dubrovčak an der Sava erzählten, wenn sie mit erwartungsvollen Augen von Njemačka sprachen. Deutschland schien für Milan und seine Freunde das Paradies zu sein. Viele ließen sich damals anwerben, um in der Ferne zu arbeiten, damit sie ihre Familien besser versorgen können. 

    Milan hatte sehr großes Glück, er fand einen Arbeitsplatz in einer westfälischen Textilfabrik, in der auch ich in leitender Stellung tätig war. Da er schnell eine Werkswohnung bekam, war es kurzfristig möglich, Frau und Töchterchen nachzuholen. Alles in allem - es ging ihm gut, die Zufriedenheit leuchtete richtig aus seinen Augen. Das Lächeln, mit dem er mich an jedem Morgen begrüßte, war so herzerfrischend, dass ich mich jeden Morgen freute, ihn zu sehen.

      An einem herrlichen Oktobertag hatte Milan mich zu sich nach Hause eingeladen, er wollte mir seine Familie vorstellen. Gern hatte ich diese Einladung angenommen, gleichzeitig aber auch erwähnt, dass sie ja keine grossen Umstände machen sollten. Mit einem kleinen Gastgeschenk machte ich mich dann auf den Weg. Freudestrahlend öffnete Frau Grzk mir die Tür, empfing mich mit einer Herzlichkeit, die ich so in dieser Form selten erlebt hatte. Mattea war eine wunderschöne Frau, so eine richtige dalmatinische Schönheit. Ihre dreijährigen Zwillinge, niedlich und wohlerzogen, fassten auch gleich Vertrauen zu mir und so ließ sich der Nachmittag gut an. 

       Milan erzählte aus seiner Heimat, erwähnte dann dabei, dass Mattea den besten Kaffee nach einer alten kroatischen Weise kochte! Das wollte ich mir dann aber auch nicht entgehen lassen. Dieser Kaffee wird in einem Kupferkessel vorbereitet. Der gemahlene Kaffee - pro Tasse zwei Teelöffel - wird mit der entsprechenden Menge von kaltem Wasser angesetzt. Dann wird das Wasser mit dem Kaffee zum Kochen gebracht, gleichzeitig noch eine ziemliche Portion Zucker zugefügt. Da dieser Kaffee im Endeffekt sehr stark ist, gehört eben auch viel Zucker hinein. Heiß wie die Liebe, süß wie ein Kuss und schwarz wie die Nacht, heißt es nicht so?

     Nach einer Weile wurde uns dann von Mattea dieser Kaffee kredenzt. Es war eine Zeremonie, die dort ablief. Irgendwie kam ich mir vor wie bei einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Die Teppiche auf dem Boden und an den Wänden sowie unzählige Kissen taten ein Übriges, um diesen Anschein zu stärken. Dann kam der große Augenblick, da ich den Kaffee genießen sollte. Erwartungsvoll sahen mich vier Augen an, ich spürte richtig den Stolz Milans auf seine Frau Mattea. Ich nahm meine Tasse, führte sie zum Munde, der Kaffee war siedend heiß, dann der erste Schluck - es war wirklich ein einzigartiger Kaffee, so etwas hatte ich wirklich noch nie getrunken. 

      Milan fragte andachtsvoll: »Na, iis das guttt?« Ich hatte den ersten Schluck überwunden, nickte mehrmals heftig zustimmend, bekam dann jedoch einen leichten Hustenanfall. »Ja«, krächzte ich danach, »sehr gut!« Danach trank auch Milan seinen Kaffee. Das heißt, er wollte ihn trinken! Nach dem ersten Schluck sprang er auf, prustete laut in ein Taschentuch und gab dann einige unverständliche Worte von sich. Mattea, die aus der Küche herbeigeeilt war, brach in Tränen aus und lief weinend wieder hinaus. Des Rätsels Lösung? Die gute Mattea hatte in der Aufregung aufgrund dieses deutschen Besuches statt des Zuckertopfes den Topf mit dem Salz erwischt! Die Menge hätte gereicht, um eine Gulaschkanone voller Suppe zu salzen! Es wurde trotz dieses Vorfalls noch ein schöner Abend! Bei einer Flasche rotem Plavic ließ es sich auch gut erzählen.

     Als ich mich später von meinen Gastgebern verabschiedete, drückte mir Mattea ein Küsschen auf die Wange und bat noch einmal für diesen Unfall um Verzeihung. Wenn Milan und ich in späterer Zeit in der Kantine einen Zuckerstreuer sahen, brachen wir stets in lautes Gelächter aus. Im ganzen Raum konnte sich niemand erklären, warum wir immer so lauthals lachten!

 

27.6.24

Direkte Worte

 



 









Ist es Dir, lieber Leser, schon einmal passiert, dass Du das Gefühl hattest, dass das, was Du sagen wolltest, dringend und sicherlich wirklich richtig war, dass es aber nicht jedem, der Deine Worte hört, gefallen wird, wenn Du es sagst? Natürlich, ist Dir das schon passiert, es ist Teil unser aller Leben. Es geht hier um die Wahl zwischen Sprechen oder Schweigen.

       Stell Dir nun eine zusätzliche Information vor: Diejenigen, die dir mit gesenkter Nase zuhören, hätten volle Macht über dich. (Sag bitte nicht, so etwas wäre Unsinn!) Diejenigen Menschen, die Deine Worte wie Stecknadeln unter ihren Fingernägeln spüren, könnten dabei über Dinge entscheiden, die Deine Aufmerksamkeit voll brauchen, Deine ganze Kraft und Energie, und auch Deinen Lebensmut!

        Sie könnten Dich damit davon abhalten, ein wenig glücklicher zu sein (oder weniger unglücklich, es ist wie in dieser Szene, in der das Glas halb voll oder halb leer ist). Ist solch eine Situation nicht vorstellbar? Geschieht solches nicht täglich im Parteienhader? Nimm doch einmal folgende Interpretation:

Die Partei, der Du angehörst, hat plötzlich völlig andere Ziele im Programm, als bisher überhaupt möglich schienen. Du jedoch bist damit nicht einverstanden und stehst nun vor der Entscheidung Deines Leben. Was nun tun? Trotzdem weiter zu den (veränderten) Zielen stehen - oder eine Wende vollführen?

       Vor diesen Bedingungen stehen nun viele Mitglieder der AfD. Darf man sie verurteilen, weil sie den Kurs »ihrer vorherigen Partei« nicht mehr akzeptieren wollten? Ich denke nicht! Jedem, dem einmal an einer Kreuzung ein falscher »Abbieger« unterlaufen ist, steht doch das Recht einer Berichtigung zu! Dass sich danach viele Mitläufer ohne besondere Einstellung einfinden, ist völlig normal und war schon zu allen Zeiten so. Auch im sogenannten »1000jährigen Reich«!

       Es ist einfach, jemand für seine Einstellung zu »brandmarken«. Warum nicht auch einmal nach den inneren Gründen fragen. In wie vielen Sparten unseres Lebens finden täglich »Vorverurteilungen« statt, deren Ziel nichts anderes ist, als den Menschen in eine Abseitsstellung zu bringen. Hüten wir uns davor, da mitzumachen! Im »Vaterunser« der christlichen Kirchen heisst ein Gebetsteil:

         … und vergib uns unsre Schuld - wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!

Dieser zweite Halbsatz aber gerät meist in Vergessenheit!

26.6.24

Was ist Wahrheit?

 













Drei Wege gibt es in der Philosophie, für die Definition des Begriffs Wahrheit:
a) Wahrheit = Zu sagen, wie es wirklich ist!
b) Wahrheit = Was mit der Realität übereinstimmt!
c) Wahrheit = Was zu ihrem Sinn passt!

In den ersten Jahrhunderten war es für die Kirche angenehm zu glauben, dass Pilatus den Galiläer Jesus nicht hätte verurteilen dürfen und dass er das auch selbst erkannt hatte. Die Geschichte wurde wieder einmal verletzt, wie schon vorher so oft. Wer eigentlich glaubt daran, dass es Wahrheit in der Weltgeschichte gäbe, wenn die Ereignisse jeweils ein Jahrhundert danach aufgezeichnet würden?

Was also ist Wahrheit? Was ist Lüge? Pilatus hat Jesus verurteilt. Das Zitat zu diesem Fakt stammt von einem antiken Geschichtsschreiber, in dem sowohl Richter als auch Verurteilter zu finden sind, es stammt von Tacitus. Er schreibt etwa 70 Jahre später über die Christen, denen Kaiser Nero angeblich den Brand Roms in die Schuhe geschoben hatte:
»Der, von dem dieser Name ausgegangen, Christus, war unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden …«
So kehren sich die Verhältnisse im historischen Gedächtnis um. Denn während die Anhänger Christi das römische Weltreich – und später die halbe Welt – erobern, bleibt für den Statthalter kaum mehr als die Rolle einer Fußnote, die diese Lebenszeit eines Religionsstifters enthält.

 Nichts bleibt von ihm übrig, er wird 37 n.Ch. nach Gallien versetzt und stirbt dort als Randfigur der Geschichte. Wir sollten daher nicht fragen, ob die Wahrheit bereits von dem Mann infrage gestellt wird, der diese bedeutungslose Frage gestellt hat: 
»Quid est veritas?«

 Es geht doch weiter und weiter mit Wahrheit oder Nichtwahrheit. Zu lügen oder nicht die Wahrheit zu sagen, um jemanden nicht zu verletzen, oder eine Realität zu verstecken, ist etwas, was wir alle schon einmal in unserem Leben getan haben.
Wir wollen uns da doch nichts vormachen. Wir fürchten uns davor, anderen wehzutun. Wir schämen uns vielleicht davor, was andere von uns denken könnten und wir weigern uns, unsere Gefühle zu zeigen.
Aber wenn wir nicht die Wahrheit sagen oder auch nur die Hälfte versteckt halten, dann bewirkt das doch etwas in uns. Es erinnert uns daran, dass wir nicht ehrlich mit uns selbst sind! Wir spüren genau, dass dies falsch ist.

Vielleicht ist es genauso verwerflich, zu lügen, wie nur die halbe Wahrheit zu sagen? Manchmal verbergen wir unsere Altersangabe, warum eigentlich? Wir verstecken unsere Gefühle, verbergen wichtige Dinge, von denen wir glauben, dass sie nur uns etwas angingen. Dieser Beweggrund kann uns jedoch schnell in eine fremde Realität versetzen. Er kann uns zu jemand anderem werden lassen, als der oder die wir wirklich sind! Ehrlichkeit ist eine der fundamentalsten Eigenschaften, die nötig sind, um mit anderen Menschen positiv zu interagieren. Es ist unabdingbar für uns, darauf zu achten und sie zu respektieren, damit sie uns in all unseren Taten und Worten begleitet.

Bitte, nicht vergessen: Unwahrheit entsteht meist durch Angst, es ist eine Emotion, die uns vor vermeintlicher Gefahr beschützen kann. Aber so wie jede andere Emotion können wir sie auch kontrollieren! Neurowissenschaftler haben sich die Frage gestellt, ob Angst ein einfacher Verteidigungsmechanismus gegen psychosoziale Gefahren ist, der uns dazu bringt, die Tatsachen mit Gewalt zu vergessen oder zu verstecken, von denen wir aber wissen, dass sie wahr sind.

Die Wahrheit zu sagen ist tatsächlich manchmal eine Tat, die großen Mut erfordert. Es heißt, direkt aus dem Herzen heraus sprechen und das zu sagen, was wir wirklich denken. Wir verstecken uns dabei nicht hinter einem falschen Schein. Mutig zu sein heißt, in jemand anderes Augen zu schauen und ihm zu sagen, dass wir ihn lieben, oder dass wir ihn nicht mehr lieben. Es heißt dafür zu sorgen, dass unsere Seele und unser Herz durch Worte, die aus unserem tiefsten Inneren kommen, im Einklang sind.

›Die Wahrheit wird sowohl von Lügen
als auch von Stille gestört, sagt der alte Cicero
 Wenn wir die Wahrheit sagen, dann stehen wir irgendwie nackt vor anderen da. Wir zeigen uns so, wie wir wirklich sind. Das aber kann uns Angst machen. Und deshalb kommt dann die Lüge ins Spiel.

Warum bitten wir nicht um Verzeihung, wenn wir etwas falsch gemacht haben? Was hindert uns daran, dann die Wahrheit zu sagen? Ist es die Selbstdarstellung, die wir von uns machten, und die nun nicht zerstört werden soll? Fällt uns dann ein Zacken aus der Krone, die wir uns selbst aufsetzten? Wir alle machen doch Fehler in unseren Leben, täglich. Wenn wir zum Beispiel versuchen, einen anderen Menschen in Schutz zu nehmen, verstecken wir auch schon die Wahrheit. Aber sie kommt immer ans Licht und der Fehler wird bekannt werden, so oder so.  Um Entschuldigung bitten ist immer hilfreich, ehrlich sein und sich hinterher besser fühlen ohne diesen Druck auf dem Herzen! Fehler zu begehen ist menschlich.

Wir tun es unbewusst und das Einzige, was wir versuchen sollten zu tun, ist, eine Lektion daraus zu ziehen. Wir sollten dann dafür sorgen, dass dieser Fehler nicht noch mal passiert. Es geht doch darum, über das nachzudenken, was geschehen ist und ehrlich mit uns selbst und allen anderen zu sein.

Warum lügen die Menschen in ihrem Leben? Generell aus drei verschiedenen Gründen: Um sich an feindliche Umgebungen anzupassen, um Strafen zu vermeiden oder um Belohnungen oder Gewinne zu erhalten. Manchmal lügen Menschen auch, wenn sie sich angegriffen fühlen, um akzeptiert zu werden.

Und manchmal, um der Verantwortung für irgend eine Tat zu entgehen, oder sie lügen über bestimmte Fähigkeiten, um an einen Job zu kommen. Menschen sagen also die Unwahrheit, um belohnt zu werden! Wir lügen, wenn sich unser Ego bedroht fühlt oder wenn wir einen Vorteil aus der Situation ziehen wollen. Die Lüge ist quasi ein Verteidigungsmechanismus, eine Waffe, um überleben zu können. Wichtig aber ist, dass wir zwischen den Menschen unterscheiden, die sich schuldig fühlen und Reue zeigen, und jenen, die überhaupt nichts fühlen und am Ende wirklich noch ihre eigenen Lügen glauben.

Wir sollten nie vergessen, dass die Dinge, die wir verstecken und dass das, was wir nicht sagen, früh oder spät immer ans Licht kommt. Die Wahrheit findet immer einen Weg, sich selbst zu zeigen, denn die Wahrheit befriedigt unsere Seele und macht sie frei. Die Frage »Quid est veritas«, die damals gestellt wurde, müsste umformuliert werden, damit sie korrekt ist. Denn dieses »Was ist Wahrheit?« übersieht die Tatsache, dass Vieles eine Wahrheit haben kann, aber nur Eines die Wahrheit sein kann.

Die Realität ist, dass Pilatus vor über 2000 Jahren direkt vor der ursprünglichen Wahrheit stand. Denn bevor Jesus festgenommen wurde und zu ihm gebracht wurde, machte der schon eine einfache Aussage: »Ich bin die Wahrheit«. Das war schon bemerkenswert. Wie kann ein einfacher Mensch die Wahrheit sein? Das ist unmöglich, ausser er ist mehr als ein einfacher Mensch. Jesus Behauptung wurde in dem Moment validiert, als er von den Toten auferstand! Pilatus erkannte wahrscheinlich nie die Wahrheit. Eusebius, der Historiker und Bischof von Cäsarea, hält fest, dass Pilatus letztendlich - während der Herrschaft des Kaisers Caligula - Selbstmord beging, ein wahrhaft trauriges Ende.-

Was also ist Wahrheit? Ein Wort von Søren Kierkegaard zum Schluss: Je mehr Leute es sind, die eine Sache glauben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansicht falsch ist! Menschen, die recht haben, stehen meistens allein.

25.6.24

Glanz in den Augen

 




Meine Erinnerung ist oft wie ein Himmel voller Wolken, nachdem ein Sturm ihn leergefegt hat. Manchmal versuche ich angestrengt, mich an etwas zu erinnern, ich spüre, wie es genau dort erscheint, ein wenig erscheint, fast Gestalt annimmt, aber ... verdammt, da geht es wieder den Bach runter, versteckt sich in einem dieser grauen Wölkchen, es ist dann nicht mehr möglich.

       Irgendwann jedoch erscheint so etwas wie ein Leuchten in den Augen, das ich selbst nicht verstehe. Dann überlege ich, was das wohl sein könnte. Dabei ist die ständige Suche nach dem Grund eines Geschehnisses mir gar nicht bewusst.

       Ich muss einfach Geduld mit mir selbst haben.
Wie viele Bücher habe ich gelesen, wie viele Informationen hat mein Gehirn im Laufe seines Bestehens aufgenommen? Wie viele Filme, Lieder, Gemälde, Kunstwerke, Landschaften, Gesichter, gefühlte Empfindungen noch dazu? Wie oft habe ich meine, von Hör-Defiziten geplagten Ohren angestrengt, um etwa eine Melodie, ein Geräusch, ein Lachen besser zu verstehen?

       Meine Welt hat, vielleicht, kein Ende. Dabei ist mir doch klar, dass ich viele Dinge weiß, an die ich mich aber in manchen Augenblicken praktisch nicht mehr erinnern kann. Kurze Zeit später fallen mir diese Antworten unaufgefordert und auch unpassend wieder ein. Kennst Du das vielleicht auch?

       Manchmal erreichen mich unerwartete Informationen und Erinnerungen aus irgendeinem unscheinbaren Winkel meines Gehirns. Ich stelle mir dann vor, dass diese unerwarteten Begegnungen kleine neuronale Unfälle sind, ein Blitz oder etwas anderes, das für eine Nanosekunde meine Schädelhöhle erleuchtet.
Ist es das vielleicht, dass minutenlang den Augen eine Erleuchtung bringt? Wäre doch möglich ...

 

22.6.24

Krieg und Frieden











 

Wir hatten in Deutschland fast 8 Jahrzehnte keinen Krieg mehr. Damit gehörten wir eigentlich zu den Ländern mit den glücklichsten Lebensumständen. Aber war deshalb Frieden? In der Welt auf keinen Fall, oder doch - nach aussen hin schon. Aber was ist denn Frieden wirklich? Nur die Abwesenheit von Krieg? Es gab nie, wirklich niemals wirklich Frieden auf dieser Erde. Irgendwo herrschte immer Unfrieden.

        Vor allem im Vorderen und Mittleren Osten und auf dem Balkan reihte sich doch Krise an Krise. Aber auch viele Länder Ostasiens und Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas gehören zu den Unruheherden. Die Politikwissenschaftler zählten seit 1945 (bis 2023) über 400 hochgewaltsame Konflikte, also Auseinandersetzungen, die sich durch massiven Einsatz organisierter Gewalt auszeichnen und gravierende Folgen nach sich ziehen.

         Fünfundzwanzig dieser Konflikte erreichten die höchste Intensitätsstufe und lassen sich somit als Kriege bezeichnen. Damit zählen die Konfliktforscher die weltweit höchste Anzahl von Kriegen seit 1945. Frieden? Was ist denn Frieden wirklich? Ist die Abwesenheit von Krieg denn Frieden? Schön wäre es. Frieden wäre nur, wenn es keine Menschen gäbe! Und selbst wenn es keine grossen Kriege gibt, dann ergreifen innerstaatlichen Konflikte durch Machtgier und Diktatur die Oberhand. Entgegen allen Beteuerungen wage ich zu behupten, dass es niemals auf dieser Erde Frieden geben kann!
Ich denke: dann müsste die Bevölkerungszahl auf dem Stand von Anno1500 sinken. Und selbst dann - siehe der 30jährige Krieg!

        Frieden ist der Wunschtraum aller Menschen seit Beginn des Menschseins, aber gleichzeitig wird der Wille, das andere Volk zu beherrschen - übermächtig. Wie also soll ein ständiger Frieden zustande kommen? Es ist genau so unmöglich, wie die Quadratur des Kreises.

    Wir alle wollen Frieden. Mit dem Menschen in Nicaragua und Somalia, mit allen Leuten in Israel und Palästina, den Diktaturen in Asien und Afrika, mit den Mitgliedern der anderen Partei und den Fans des gegnerischen Fussballvereins, und auch mit dem Nachbarn im Nebenzimmer(!) 

Wer zeigt uns den Weg zum endlichen Frieden auf dieser Welt? Das Dilemma dabei, "Zeigen" allein bringt nie einen Erfolg, das haben wir und auch unsere Vorfahren schon vielfach erlebt. 

Das Leben vieler Menschen ist heutzutage nicht mehr, gut zu sein – sondern es gut zu haben. © Ernst Ferstl (*1955)

18.6.24

Lesen ist unverzichtbar!


 






















Lesen ist gut für uns, das beweisen viele Studien. Und junge Menschen lesen auch gern, wenn auch in der Regel auf andere Weise als ältere Menschen. Eine bemerkenswerte US-amerikanische Studie kam zu dem Schluss, dass Menschen, die täglich mindestens 15 Minuten lesen, ein um 36 % geringeres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Dies ist vor allem für aktive Senioren von Bedeutung, denn Lesen hilft nicht nur, die kognitiven Funktionen scharf zu halten, sondern bietet auch eine Reihe anderer geistiger Vorteile, die die Lebensqualität insgesamt verbessern können.

       So wie körperliche Bewegung die Muskeln stärkt, bietet die geistige Stimulation durch Lesen ähnliche Vorteile für das Gehirn. Regelmässiges Lesen trägt dazu bei, das Gehirn aktiv und engagiert zu halten, was im Kampf gegen kognitiven Verfall, wie Alzheimer und Demenz, von entscheidender Bedeutung ist. Puzzeln und strategische Spiele wie Schach oder ähnliches können ebenfalls dazu beitragen. Insbesondere das Lesen stimuliert verschiedene Funktionen wie Gedächtnis, Konzentration und kritisches Denken auf einzigartige Weise.

       In einer Welt voller Stressfaktoren bietet das Lesen eine willkommene Abwechslung. Für Senioren kann das Abtauchen in eine andere Welt durch ein gutes Buch ein effektiver Weg sein, die täglichen Sorgen für eine Weile zu vergessen. Dies trägt dann zu einer erheblichen Stressreduzierung bei und zu einer besseren emotionalen und körperlichen Gesundheit. Die Lektüre eines bewegenden Romans oder einer inspirierenden Geschichte kann das Wohlbefinden steigern und eine tiefe persönliche Befriedigung vermitteln.

       Lesen bereichert den Geist mit neuem Wissen und kann im täglichen Leben ungeahnte Vorteile bringen. Es ist ein leistungsfähiges Instrument für lebenslanges Lernen, das besonders für Senioren wertvoll ist, die sich weiterhin aktiv an gesellschaftlichen Aktivitäten beteiligen, mit jüngeren Generationen ins Gespräch kommen oder einfach neue Fähigkeiten und Hobbys entdecken wollen. Außerdem ist Wissen etwas, das nicht verloren geht, selbst wenn andere Vermögenswerte oder Fähigkeiten nachlassen. Je mehr ein Mensch liest, desto reicher und ausdrucksfähiger wird seine Sprache. Das ist nicht nur in sozialen Situationen angenehm, sondern kann auch das eigene Selbstvertrauen stärken.

       Die Fähigkeit, sich gut zu verständigen, ist im Alter oft von entscheidender Bedeutung, vor allem wenn es darum geht, Beziehungen zu Freunden und Familie zu pflegen, sei es persönlich oder digital. Beim Lesen muss man sich eine Vielzahl von Informationen einprägen, von Handlungssträngen und Figuren bis hin zu Themen und Dialogen. Diese Tätigkeit stimuliert das Gehirn und verbessert das Kurzzeitgedächtnis, was für Senioren, die ihr Gedächtnis auf Trab halten wollen, von unschätzbarem Wert ist.

       Die Fähigkeit, Informationen zu analysieren und kritisch zu bewerten, wird durch das Lesen in hohem Maße trainiert. Dies kann nicht nur nützlich sein, wenn es darum geht, komplexe Zusammenhänge zu entschlüsseln, auch im täglichen Leben, wo kritisches Denken erforderlich ist, um Entscheidungen zu treffen oder Nachrichten zu bewerten ist es von unschätzbarem Wert.

       In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeit ständig zwischen mehreren digitalen Geräten aufgeteilt ist, bietet das Lesen eine seltene Gelegenheit, sich ganz auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Dies kann dazu beitragen, die geistige Klarheit zu verbessern und die Konzentration zu steigern, was für die Aufrechterhaltung eines aktiven und engagierten Geistes unerlässlich ist. Der Kontakt mit verschiedenen Schreibstilen und literarischen Techniken regt die eigene Kreativität an, sei es beim Schreiben von Briefen, beim Führen eines Tagebuchs oder sogar beim Verfassen eines eigenen Buchs.    Mit einem breiten Spektrum an Themen gibt es immer ein Buch, das den persönlichen Interessen und Bedürfnissen entspricht. So bleiben Neugier und Engagement erhalten, die für ein gesundes Geistesleben unerlässlich sind.

       Diese Vorteile des Lesens machen deutlich, wie wertvoll diese Tätigkeit für Senioren sein kann. Es ist jedoch interessant festzustellen, dass trotz des Rückgangs des traditionellen Lesens unter jungen Menschen, diese sich immer noch voll und ganz mit Textinhalten im Internet beschäftigen. Dies zeigt, dass der grundlegende Wert des Lesens - die Beschaffung und Verarbeitung von Informationen - sich über die Generationen hinweg entwickelt, aber gleich bleibt. So bildet das Lesen eine Brücke zwischen den Generationen, bei der Jung und Alt die Macht der Worte und des Wissens zu schätzen wissen.

       Obwohl sich die Art und Weise, wie junge Menschen heute lesen, von der älterer Generationen unterscheidet, ist ihre Beschäftigung mit Textinhalten die gleiche geblieben! Soziale Medien, Blogs, E-Books und sogar interaktive Plattformen wie Foren und Wikis sind allesamt moderne Mittel, mit denen junge Menschen Texte konsumieren und produzieren. Diese Plattformen fördern nicht nur das Lesen an sich, sondern auch das kritische Denken und fordern zur Interaktion auf, z. B. durch das Kommentieren oder Bewerten von Inhalten.

       Die digitalen Inhalte, die junge Menschen konsumieren, sind oft dynamisch. Sie enthalten Hyperlinks, die eine weitere Erkundung von Themen ermöglichen, multimediale Elemente, die den Text unterstützen, und interaktive Funktionen, die eine direkte Reaktion des Lesers hervorrufen. Diese Art des Lesens kann als eine Erweiterung der traditionellen Lesefähigkeiten angesehen werden, wobei die junge Generation lernt, sich in einer viel komplexeren Informationslandschaft zurechtzufinden als in den linearen Texten früherer Generationen.

       Darüber hinaus vermittelt die Art und Weise, wie junge Menschen Informationen online verarbeiten - oft kritisch und vergleichend - ihnen Fähigkeiten, die in der heutigen Informationswirtschaft unerlässlich sind. Junge Menschen lernen, Informationen auf ihre Zuverlässigkeit und Relevanz zu prüfen und entwickeln die Fähigkeit, große Datenmengen schnell zu verarbeiten. Dies sind Kompetenzen, die in vielen modernen Berufen von unschätzbarem Wert sind.

        Trotz dieser Unterschiede in Medium und Stil gibt es eine gemeinsame Basis, auf die sich Jung und Alt beziehen können. Der tiefe Wert des Lesens als Mittel zum Wissenserwerb und zur Persönlichkeitsentwicklung bleibt bestehen, unabhängig von der Form, in der der Text präsentiert wird. Dies bietet eine einzigartige Gelegenheit für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen. Ältere Generationen können von den digitalen Fähigkeiten junger Menschen lernen, während junge Menschen von der tiefen Leseerfahrung und der kritischen Analyse profitieren können, die traditionelle Leser besitzen.

 

12.6.24

Immer nur »Bad News«?

 













Ivan Shishkin, Im Birkenwald

 

Täglich lesen oder sehen wir die neuesten Nachrichten, aus Stadt und Land, von fern und nah. Meist sind es schlechte Fakten, die uns da zugeführt werden, teilweise auch bewusste Fälschungen, die wir uns ansehen, ob wir es wollen oder nicht. Meist sind es schlechte Nachrichten: Kriege, Vertreibung, Mord und Totschlag, blutige Neuigkeiten eben die das Herz des Lesers oder Zuschauers unruhig werden lassen. Es sind immer »bad news«, die uns zuerst über die Medien erreichen.

       Sollte es einmal anders sein, dann ist es Klatsch und Tratsch über die sogenannten V.I.P.s, die glauben, die Welt und was dazugehört, wäre nur für sie geschaffen. Sie werfen dann ihr eisgefrorenes Lächeln in die Kamera zusammen mit einer Reihe von einstudierten Gesten, freuen sich am nächsten Tag über die Einschaltquoten, die irgendwo veröffentlicht werden. Kann aber auch sein, das sie verzweifelt sind, weil ihre Quote mal nicht die des nächsten Konkurrenten erreicht!

       Es ist immer eine schreckliche Realität, die sich da breitmacht. Wenn wir uns nun von so vielen negativen und elenden Dingen beeinflussen lassen, dann bleibt kein Platz mehr für Freude, Zufriedenheit und Hoffnung. Wir wissen alle, dass diese Nachrichten existieren, dass sie real in unserer Welt herrschen und auch zum Teil frei erfunden werden.

       Warum hängen wir so an diesen Neuigkeiten? Ist es reine Neugier? Die beste Neuigkeit, die wir schon früh am Morgen erfahren können, ist, dass die Sonne für uns wieder aufgegangen ist! Ist uns das wirklich so egal? Oder macht es keinen Unterschied, weil es wieder ein Tag mit neuen Problemen sein wird? Ist es vielleicht ein Tag, an dem wir etwas gewinnen können, an Zuversicht und Hoffnung und Liebe?

       Vielleicht hilft da ja ein kleines Gebet. Um Kraft bitten, um die Stärke, die wir brauchen, um das, was da auf uns zukommt, bewältigen zu können. Wir haben doch die Möglichkeit, um zu prüfen, ob wir genug Festigkeit haben, um Probleme anfassen zu können. Warum es nicht versuchen? Wir können natürlich scheitern. Klar. Aber wenn wir keinen Versuch unternehmen, haben wir doch schon verloren!

       Kämpfen! Immer wieder und wieder versuchen. Dabei werden die Füße schmerzen, die Hände verkrampfen sich immer und immer wieder! Der Kopf scheint nicht mehr zu wissen, wo oben und unten ist! Das aber ist dann der Moment, wo man anfängt zu siegen, wo der Traum wahr werden kann! Es gibt einen Satz, der ist so dumm wie einfach: 


Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum! 

       Aber: Wer seinen Traum leben will, muss aufhören, real zu denken. Doch wer im Leben bestehen will, darf nicht wirklichkeitsfremd sein und utopische Einfälle haben, die illusionär sind. Und dennoch sind es auch die traumhaften Dinge, die uns immer in ihren Bann ziehen. 

       Für viele Menschen auf der Erde ist fast üblich, beispielsweise den Regen als Problem zu betrachten. Das ist dann verständlich, wenn man die Umstände kennt, in dem diese Menschen dort leben. Sie träumen vielleicht davon, in einer warmen und trockeneren Region leben zu dürfen.

       Aber es ist doch nicht alles Sturmflut und Überschwemmung und vernichtende Katastrophe. Wenn wir genau hinsehen: Wie wunderschön ist doch ein einzelner Wassertropfen, wie schön ein Fluss, der durch die Auen dahingleitet. Wir brauchen das alles, den Regen, die Kälte, die Hitze, und all die anderen Dinge auch.

       Es wäre gut, wenn wir unsere Erwartung, unseren Glauben, unsere Hoffnung auf den setzen, der alles gemacht hat, der alles weiss und alles kann, der uns mit einer Liebe liebt, die wir nie werden erklären können, weil unsere gedankliche Beschränkung es nicht erlaubt. Denken wir doch immer an die Schönheit der Schöpfung, es ist keine Welt, die für Trauer und Verzweiflung geschaffen wurde. Wir wollen Hoffnung, Vertrauen und Liebe bewahren, auch in unseren Tagen, weil sie uns gegeben sind. Unsere Welt ist keine Welt, die für unsere Verzweiflung gemacht wurde!

       Vielleicht habe ich damit zu viel gesagt, mag sein, ich weiss aber, dass es ein Grund ist zu wissen, dass Gott existiert und uns allen die Kraft gab zum Leben! Können wir es, allen News und Schreckensmeldungen zum Trotz, nicht versuchen?

***

6.6.24

Wahltag


Der Sonntag, an dem bei uns Wahlen stattfinden, ist immer ein besonderer Abschnitt im Zeitgefüge eines demokratisch denkenden Menschen. Man hat seine Bürgerpflicht erfüllt, die Kreuze dort gesetzt, wo sie geplant waren, und wartet nun auf das abendliche Ergebnis der Abstimmung. Mehr oder weniger gespannt wird nun das Resultat eingehend angeschaut, nicht immer fällt es für den Betrachter so aus, wie er oder sie es sich gewünscht haben! Das aber liegt nun mal in der Natur der Dinge.


   Jene Zeiten, da ein Wahlresultat mit 98,5% für eine einzige Wahlmöglichkeit endete, gehören wohl endgültig der unseligen Vergangenheit an. Es sei denn, eine Mehrheit von eben diesen 98.5% entscheidet sich wiederum für den Einheitsbrei einer Partei, die sich völlig einer hirnlosen Führung unterordnet!

     Es ist schon seltsam, in einem Staat, der von Wahlen nicht unbedingt verwöhnt wird, stehen die Menschen in langen Schlangen oft stundenlang an, um ihre Rechte nutzen zu können. In anderen Staaten, die sich auch demokratisch bezeichnen, wird dieses Recht sehr lasch wahrgenommen. Je mehr Wahlen in einem Jahr abgehalten werden, desto magerer wird die Beteiligung daran. Die Wähler scheinen sich zunehmend von den Wahlurnen und den Kreuzen auf dem Stimmzettel zu entfernen.

     Man ist versucht, dies auf unterschiedliche Weise zu erklären. Die Leute bleiben weg, weil es geregnet hat. Oder weil es heiß war, und sind darum lieber ins Grüne gefahren. Weil ein langes Wochenende war, weil ein Verwandtenbesuch angesagt war oder aus diesen und jenen Gründen. Kurz gesagt: Alle Gründe, nicht wählen zu gehen, scheinen gut ihre Berechtigung zu haben. Es ist ja nicht so, dass die Menschen ihre Bürgerpflicht vernachlässigen, nein! Die Menschen wollten sogar das demokratische Ritual erfüllen, aber es gibt leider immer etwas, das sie ablenkt. Das Problem liegt meiner Meinung nach beim Wähler und nicht bei den entsprechenden Gründen. Ebenso wenig scheint es richtig, Regen oder Sonnenschein für den Mangel an demokratischer Kultur verantwortlich zu machen.

     Ich persönlich hätte da einen phänomenalen Ausdruck des demokratischem Bewusstseins anzumelden! Er würde sofort auf einen Schlag alle Probleme auflösen:

    Es wird ein Internationaler Tag der Wahl eingeführt. Und zwar global alle vier Jahre - am 29.Februar in jedem Schaltjahr! Dieser Tag ist dann von jeglichen Veranstaltungen freizuhalten.

Keine gute Idee? Ok, Ok, ich meinte ja nur, wenn Ihr denn nicht wollt, dann eben nicht …

3.6.24

Thoughts of an old man

 

 



 




Vor einigen Jahren, mir ist der Zeitpunkt entfallen, wann dies war, habe ich aufgehört, jung zu sein! Das ist solch eine Erkenntnis, dass ich höchstpersönlich darüber erstaunt bin. Wie kam ich nur auf diese absurde Idee? Bis zu diesem Zeitpunkt gab ich nämlich stets den gleichen Unsinn von mir, den ich immer wieder und überall las! Was gab es denn schon so Wichtiges, das nicht schon X-mal durchgekaut wurde, im  X und Facebook und sonst irgendwo.

Ich stellte jedenfalls fest, dass es nichts Weltbewegendes gab, das nicht in unzähligen Gazetten wieder und wieder an die Leserschaft kolportiert wurde. Schließlich ist eine Zeitung wohl dafür da, nicht wahr? Wenn danach die diversen Kommentare zu den Artikeln erschienen, durfte man auf eine eigene Meinung verzichten - man musste sich nur für den jeweiligen Kommentar entscheiden, der einem am gelungensten erschien.

Dann jedoch hatte ich diese einmalige blendende Idee! Ich- konnte- auch- selbstständig-  denken! Warum war ich darauf nicht früher gekommen? War ich schon so abhängig von Google & Co. geworden? Sind diese »sozialen Netzwerke« so allumfassend, dass man nur noch mit einem Finger suchen muss? Gewiss - früher stand das 24-bändige Pracht-Lexikon im Bücherschrank; aber bitte, ganz ehrlich: Hat da jemand wirklich einmal - nach dem Erwerb - hineingeschaut?

Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, mit eigenem Hirn zu werken! Meine Gedanken, ob sie nun richtig oder falsch, sind meine Gedanken. Sollten sie völlig danebenliegen - auch gut. (Auch Albert Einstein hatte seine schlechten Tage!)

Wobei - mit dieser Relativitätstheorie bin ich ja gar nicht so weit weg von der Realität, denn alles auf der Welt ist relativ zu der Aussage, die man mir vorsetzt! Wobei ich da wieder beim Anfang angelangt bin: Ich habe aufgehört, jung zu sein! Wobei der Ausdruck »Jung« doch auch relativ ist! 
Gemessen am Alter der prä-historischen Knochenfunde…

 

 

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