Eine Doktorarbeit, meine ich. Über Nachrichten am Autoreifen, aus himmlischer Sicht!
Aha, Schwester Anne, das ist okay, sie darf ihm immer etwas bringen, sogar diese gelben und rosa Pillen. Wenn sie ihm dann dazu das Wasserglas reicht, ist er von ihren Augen entzückt. Sie strahlen in einem wunderschönen Veilchenblau, es wäre wahrscheinlich eine Sünde, davon nicht hochgestimmt zu sein.
Diese feste Regel, dass Schwester Anne den Kaffee zu den Bewohnern in die Zimmer bringt, hat sich fest in den Tagesablauf eingegliedert. Dietmar wartet meist den ganzen Nachmittag auf diese drei Minuten, wenn Schwester Anne den Kaffee bringt. Diese Zeit um Fünfzehnuhrdreissig scheint wie ein fester Block in seinen Gedanken zu liegen.
Schwester Anne reicht ihm seinen Kaffee. »Muss eine wunderschöne Reise gewesen sein«, sagt Anne. »Sie waren damals wohl auf Hochzeitsreise? Ihre Frau sieht auf dem Foto aus wie eine Schauspielerin! Das war sicher in Venedig, nicht wahr? Übrigens, sie möchte sie gern heute besuchen!«
Dietmar sieht sie verstört an. Dann schüttelt er mit Vehemenz den Kopf. »Unmöglich. Ich war nie in Venedig. Und das ist auch nicht meine Frau. Wer soll das sein? Ich habe keine Frau! Und die da soll bleiben, wo sie ist, ich - will - sie - nicht - sehen!«
Er nimmt das Foto noch einmal in die Hände, führt es ganz dicht vor seine Augen. Dann wirft er es zornig auf den Boden und stampft mit einem Fuß darauf herum. »Ich bin es leid, dass ihr mich immer mit fremden Frauen verkuppeln wollt. Ich brauche keine Frau. Ich kenne die überhaupt nicht und den Kerl daneben schon gar nicht«.
»Aber nicht doch, lieber Herr Michels, das sind doch sie selbst!« Schwester Anne bleibt die Ruhe selbst, auch als Dietmars Ton harscher wird. Sie ist so etwas gewohnt. Da hilft nur stoische Ruhe. Dietmar steht nun vor ihr, wutentbrannt, zeigt dann mit der Hand auf den Flur: »Verlassen Sie mein Haus! Sofort!« Schwester Anne geht zur Tür, dann sagt sie ganz freundlich, indem sie die Tür schließt: »Ich wünsche Ihnen noch einen guten Abend, Herr Michels.«
Auf dem Flur steht Marlene Michels an einem Fenster und schaut gedankenverloren hinab in den Hof. Die heftigen Worte im Zimmer bei der halb geöffneten Tür hat sie mitgehört, mit verweinten Augen sieht sie die Schwester an. Anne legt ihr die Hand auf die Schulter, schüttelt dann traurig ihren Kopf. »Es hat keinen Sinn«, sagt sie dann, »Ihr Mann ist weit weg, ganz weit. Er erkennt sich selbst nicht, lebt in seiner Welt, die es so gar nicht gibt. Sie müssen lernen, es zu akzeptieren. Unbedingt! Sonst zerstören Sie ihr eigenes Leben. Und das wollte ihr Mann ganz bestimmt nicht!«
Marlene schaut die Schwester an, nickt lethargisch. Ihre Schritte werden sodann unsäglich schwer, als sie zum Ausgang geht. Aber sie weiß, sie wird wiederkommen, immer und immer wieder ...
Wer möchte bezweifeln, dass wir in einer Zeit des geistigen Umbruchs leben? Dazu kommt noch, dass dieser Wandel sich nicht nur auf einen begrenzten Bereich erstreckt, sondern eine globale Frage ist. Die christlich geprägte Welt unserer Hemisphäre macht gerade eine zweite Phase der Aufklärung durch, in der Normen und Verhaltensweisen ständig aufs Neue infrage gestellt werden und jederzeit täglich neu diskutiert werden.
Die islamische Welt dagegen hat im Grunde genommen noch nicht einmal mit der ersten Entwicklungsperiode richtig begonnen! Hier gilt immer noch mit dogmatischen Verhärtung eine überlieferte Tradition, die keinerlei Widerspruch duldet. Wenn die Sharia als politisches Instrument der Herrschaft gilt, wird die Menschlichkeit auf der Strecke bleiben.
Für diese Entwicklung sind mehrere Gründe verantwortlich. Der Hauptgrund aber dürfte sein, dass auf Grund der Globalisierung weltweit und der Vernetzung durch Medien aller Art alles Geschehen überall in Sekundenschnelle bekannt wird.
Dies gilt für kriegerische Vorgänge jeder Art, ebenso für Hungersnöte in vielen Ländern der Erde. Bangladesh, Palästina, Syrien, Somalia und der Sudan z.B. sind nicht so weit entfernt, wie sie noch vor hundert Jahren schienen. Durch unsere erhöhte Beschleunigung der Verkehrswege rücken die Völker optisch und auch real immer näher zusammen.
Die Menschheit lebt weder ethnisch noch politisch oder religiös in abgeschotteten Grenzen. Außerdem ist die Zeit, in der jedes Land ökologisch oder ökonomisch autark leben konnte, lange vorbei. Die sogenannten »Inseln der Glückseligen«, auf der jeder nach seiner Art leben und wirken konnte, gibt es einfach nicht mehr. Die Bedrohungen durch die Urgewalten der Natur oder auch der staatlichen Mächte, die ihre Einflusssphäre ständig ausdehnen wollen, hat allem ein Ende bereitet.
Lange Zeit gingen die hegemonialen Ansprüche nur von Russland und den USA aus. Im Laufe der Zeit sind es nun Indien, China und die arabischen Länder, auch der Iran, die ihre weltweiten Ansprüche anmelden.
Für die Staatsmänner der Welt ist es vielleicht noch möglich, die Unterschiede zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Armut, zu analysieren. Hier jedoch Lösungen zu finden oder auch nur die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Interessen auszugleichen, das scheint unmöglich zu sein. Dort, wo klare Entscheidungen getroffen werden müssten, treten Kompromisse an deren Stelle, die nicht weiter nach vorn führen, sondern immer nur im Kreis laufen und niemand weiter bringen.
Alles Handeln jedoch hat die Maxime, die Freiheit heißt! Als Freiheit der einzelnen Person war sie eine Errungenschaft des Christentums. Sie räumte jedem Menschen, gleich welcher Rasse und welchem Geschlecht eine unmittelbare Beziehung zu Gott ein. Diese Freiheit ist nun allerdings keine allgemein bindende Richtschnur mehr, jeder versteht unter »Freiheit« etwas anderes!
Freiheit ist ein Gut, das man nicht für sich allein haben kann, es ist ein Universalrecht, das für alle Menschen auf dieser Erde gilt! Als Prämisse aber gilt dabei: Freiheit ist ohne Toleranz nicht möglich, weil die Achtung der Freiheit jedes Einzelnen erst das Zusammenleben möglich macht! Sie schließt dabei aus, dass religiöse Überzeugungen durch Hetze und Drohungen geltend gemacht werden. Das gilt für den einzelnen Menschen und es gilt demgemäß für Völker.
Hier genau liegt die Schwierigkeit des Verständnisses zwischen dem politisch motivierten Islam und dem Christentum, das für uns die Grundlage des europäischen Wertesystems ist. Es ist dabei eine Illusion, dass man davon ausgehen kann, dass eine ideologische Koexistenz beide unterschiedliche Systeme auf Dauer im Gleichgewicht halten kann. Auch ein militärisches Patt wird dies nicht schaffen.
Martin Luther sprach von der »Freiheit des Christenmenschen«. An dieser Auffassung scheiden sich die Geister; an ihr kommt niemand vorbei, auch der Islam nicht!
Hannah Arendt, die politische Philosophin sagte einst: »der Grund aller Politik ist Freiheit«. Er macht erst das Leben lebenswert - und das gilt auch für den Islam!
Amen
In der Steinzeit starben die Menschen im Vergleich zu heute sehr früh. Fehlende Hygiene, schlechte Ernährung, Krankheiten und Arbeitsbelastung führten zu einer Lebenserwartung von nur etwa 20–25 Jahren. Schon während der ersten vier Lebensjahre erlebten viele Kinder ihr viertes Jahr nicht mehr. In der Bronze- und Eisenzeit wurden die Erwachsenen mit 30–45 Jahren etwas älter. Doch auch hier starben etwa 25% aller neugeborenen Kinder; und ungefähr die Hälfte aller Neugeborenen erlebten das Erwachsensein nicht. Auf Grund von Komplikationen bei der Geburt hauchten dazu noch viele junge Frauen schon unter 20 Jahren ihr Leben aus. Menschen, die 50 Jahre und älter wurden, gab es aber durchaus. Und aus römischer Zeit sind Menschen bekannt, die mehr als 70 oder sogar 80 Jahre alt wurden!
Die Erhaltung des menschlichen Lebens schreitet immer weiter voran, die Anzahl der »Hundertjährigen« betrug im Jahre 2021 bei uns rund 23.500! Je mehr wir nun jedoch unsere Zeit als Bewohner des Planeten Erde weiter verlängern, desto mehr öffnen wir auch die Türen für Krankheit und Armut. Die Alterung der Bevölkerung erhöht die Zahl der Erkrankungen, die mit der Abnutzung der Teile unseres Körpers zusammenhängen. Die Alzheimer-Krankheit z.B. ist ein paradigmatisches Beispiel.
Aber auch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme im Zusammenhang mit den wachsenden Schwierigkeiten, allen Senioren der Bevölkerung ein würdevolles Alter zu gewährleisten, sind höchst besorgniserregend und scheinen nicht zufrieden stellend lösbar zu sein, insbesondere in einer Welt, in der die Wirtschaft alles dominiert.
Indem wir das menschliche Leben verlängern, säen wir zwangsläufig Nahrung für diese (fast) Zwillingsschwestern; Krankheit und Armut. Ist das nun der Preis für den Versuch, gegen die natürliche Ordnung der Dinge zu verstoßen?
Ist Gott nun verärgert über uns, weil wir so tun, als wären wir Er?
Viren, die auf Lebewesen losgelassen werden, um Schaden anzurichten, können Leben auslöschen. Zumindest bringen sie so viel Unordnung in die Welt, dass alles, was vorher gut war, über Nacht in einen katastrophalen Zustand gerät. Wir haben das mit den Pandemien auf der Basis von Corona erlebt.
Die berühmt-berüchtigten Fake News sind ebenso verhängnisvoll, sie sind wie Viren, die die Menschen infizieren und in der Folge die sozialen Beziehungen beeinträchtigen und die öffentlichen Angelegenheiten völlig zum Erliegen bringen. Diese »Krankheit« ist erstaunlich leicht übertragbar. Alles, was es dazu braucht: Etwas taucht »zufällig« in einem sozialen Netzwerk auf - und schon breitet es sich aus wie ein Waldbrand in einem trockenen Sommer.
In den meisten Situationen sind Fake News leicht zu entlarven. Man müsste nur ein bisschen quer oder tiefer recherchieren und die Wahrheit käme ans Licht. Aber natürlich ist das mit Arbeit verbunden, die Wahrheit gibt es nicht umsonst. Und es ist auch viel einfacher, dumm zu sein. Außerdem ist es in Mode, einfach zuzustimmen und die Nachricht ungeprüft weiterzugeben. Aber damit beteiligen wir uns mit einer Mischung aus Freude und Empörung an der Korruption des sozialen Körpers, dem auch wir angehören! Wir lassen uns von der Dummheit anstecken, und wenn wir dumm werden, werden wir aggressiv. Das geht oft so weit, dass es zu Verleumdungen kommt, zu Ausbrüchen von Empörung, die oft völlig ungerechtfertigt sind.
Wir sind dann die Infektionserreger, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Unsere sogenannten »sozialen Netzwerke« tragen wesentlich zu dieser peinlichen Desorganisation des menschlichen Denkens bei. Computer allein machen uns nicht zu intelligenteren Wesen! Da ist erheblich mehr beteiligt!
Ist das unsere schöne neue Welt? Eine Welt, in der Maschinen uns helfen, noch viel dümmer zu sein, als wir es ohne ihre Hilfe wären?
Wir wissen, dass die Soldaten da sind, denken wir vielleicht, dass sie sich wie Gentlemen benehmen können? Es ist doch absurd, anzunehmen, dass ein Mann aus der Steppe von Jakutsk, voller Angst in einem verlorenen Dorf auf ukrainischem Territorium, mit einem Maschinengewehr in der Hand, in der Lage ist, gemäß dem Verhaltensstandard zu handeln, den wir als zivilisiert halten!
Krieg kann nur grausam und gewalttätig sein. Es gibt keine andere Möglichkeit. Krieg ist auch nicht die Ursache, er ist die verzweifelte Abfolge einer Lösung eines Konflikts, dessen Ursache oft nicht einmal mehr genau zu eruieren ist!
Wir - wir? - müssen alles dafür tun, um die Auswirkungen zu stoppen. Wir sollten alles tun, um einen Weg zu finden,
dem Ganzen ein Ende zu setzen. Wer hier den Stein der Weisen findet, kann Retter der Welt werden. Eine Mrd.Dollar als Preis! Na los, dieser Preis ist heiss!
Es tut mir sehr leid, es tut mir wirklich leid. Es ist so einfach, dass ich mitleiden kann! Leide ich aber wirklich? Mache ich mir da nichts vor?
Aber - und dafür schäme ich mich, ich werde ja durch die Distanz zum Ereignis geschützt. Und durch die Tatsache, dass ich längst nicht alles erfahre, was da alles geschieht. Ich denke, ich würde da wohl implodieren!
Wer aber weiß, wie lange ich das alles noch im gemütlichen Sessel erfahre? Wie lange noch? Vor achtzig Jahren habe ich ähnliches erlebt - ich will's nicht wiederholen ...
Ich habe das deutliche Gefühl, dass Gott doch nicht gestorben ist! (Schande komme über dich, Friedrich Nietzsche ). Ich glaube wirklich, er lebt und es geht ihm immer noch gut. Ich weiß nur nicht, wohin er wirklich verschwunden ist, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde? Vielleicht hat er die Papiere für seinen Ruhestand eingereicht? Es war doch sein Leben, und es war ein gutes Leben, nicht wahr?
Er hat alles sehr gut gemacht. Er, der Allwissende, weiß besser als jeder andere, dass Leben (oder anders gesagt, die Existenz) viel mehr ist als das, was wir durch unsere Sinne erfahren, obwohl er uns sicher nicht allumfassend erklärt hat, woraus es besteht. Ich spreche vom Leben, unserer Existenz.
Mensch zu sein ist kompliziert, das ist doch eine Binsenweisheit! Es kann traurig sein. Man hat dann dieses Gefühl, man wäre ein Waisenkind, eine Spur des Verlassenwerdens ist oft da. Ob sich das wieder gibt? Ich würde mich auf diesen Moment freuen, weil ich dann beruhigt sein dürfte!
Wie dem auch sei, ich werde jetzt ´n Koppje Tee trinken und etwas Aufmunterndes lesen. Und schreiben. Warum? Irgendwas zwingt mich einfach dazu. Die Gedanken fliegen durch den Raum, heften sich aus den Wolken an die Nacht und fallen dann achtlos zu Boden.
Nord-Korea, Saudi-Arabien, Katar, Ägypten, Venezuela, Irak, Jemen, Russland, Palestina, Ukraine, Afghanistan, Sudan, Libyen, Iran, Pakistan, Taiwan, Israel, die Liste der Problemstaaten unserer Erde ist nicht kurz. Meine Erinnerung ist längst nicht so ausgeweitet, dass ich alles aufzählen könnte. Es ist halt nur eine grobe Skizze der Weltkarte, auf der alle fragilen Länder mit roter Farbe eingezeichnet sind.
Die Welt kocht noch auf Sparflamme. Und die Köche, die ihr Süppchen vorbereiten, suchen sorgsam die Zutaten zusammen, mit denen sie die Geschmäcker ihrer Zwangsgäste verwöhnen können. Ich lese Zeitung und habe das Gefühl, dass der Globus in einem Schnellkochtopf auf dem Herd steht. Irgendjemand hat die Temperatur so eingestellt, dass die Temperatur kontinuierlich steigt. Ich lese, dass von 195 Staaten dieser erde nur 66 Demokraitien sind! Es ist kaum glaubhaft, und dennoch muss ich es tatsächlich annehmen.
Hier bei uns läuft es ziemlich geradeaus! Die Leipziger Buchmesse öffnet die Pforten, Bayern verbietet »Gendersprache«, die Geburtenrate auf niedrigstem Niveau in Deutschland. Das sind im Moment die Schlagzeilen unserer Presse. Unabhängig davon die täglichen Greuelmeldungen aus den Kriegsgebieten. Dann das übliche Politik-Gerangel, Wochen-Allerlei eben. Oder doch nicht?
Manchmal erinnere ich mich vage an die 80er Jahre, an den Kalten Krieg, ist das nun die Zukunft , ich habe nicht einmal Lust zu lächeln. Die menschliche Spezies ist eine ständige Bedrohung für sich selbst und doch auch ihre einzige Hoffnung. Gott wird hier nicht genannt, obwohl er aus einer bestimmten Perspektive sehr vermisst wird.
Heinrich Heine schrieb dies 1846 in seinem Gedicht »Nachtgedanken«. Für mich selbst ist Heine der Dichter, der meinem Herzen von allen Poeten des 19.Jahrhunderts am Nächsten steht. Ich kann mit ihm fühlen, erleben und alles erdulden, was auch ihn umtrieb. Sein ganzes Wirken hat mich seit meiner Schulzeit begleitet!
Darüber will ich jedoch erst in den folgenden Tagen etwas schreiben - heute jedoch ist es ein Text aus dem 17.Jahrhundert, der mich irgendwie beeindruckt hat. Es war ein relativ wenig bekannter Dichter, der diese nachstehenden Verse damals zu Papier brachte, sein Name ist
Hans Assmann von Abschatz,
(er lebte 1646-1699 in Schlesien)
Hier dieser Text, der mich bewegte:
Wie ist die deutsche Welt in Neuigkeit ersoffen!
Man deckt und kleidet sich,
man schreibet, singt und spricht,
man reiset, schläft und ißt, man reitet,
tanzt und ficht’ nach neu erwählter Art.
Wer Glück und Gunst will hoffen,
Muss sich in allem Tun der Neuigkeit bequemen,
Sonst wird ihn Überwitz mit Hohn und Spott beschämen.
Das Alter wird veracht, das doch so viel’ begehren;
Doch will ich lieber alt- als jungeboren sein.
Mit Aufgeld tauschet man die
alten Münzen ein;
Der Firnewein *) gilt mehr, als der noch soll verjähren.
Man sieht die Aloe nach hundert Jahren blühen,
Der jungen Tulpe Pracht
in kurzer Zeit entfliehen!
*) im strengen Sinne als fehlerhafter Wein
durch Überlagerung oder auch falsche Lagerung
Ja, man sieht die Probleme der heutigen Welt nach dem Lesen dieses Textes wahrscheinlich mit den gleichen Augen, wie der Dichter vor 300 Jahren. Was hilft es? Es hat überhaupt keinen Zweck, darüber zu lamentieren - man hat es auch in fünfzehn Generationen nicht geschafft, das Rätsel des Lebens aufzulösen ...
Ich bin eigentlich in einer Familie groß geworden, die den Krieg gehasst hat. Dazu haben die Jahre 1914-18 und 1939-45 zu viele Opfer ...